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und allgemeine Lautstand wieder ein. Später wiederholt sich dieselbe Erscheinung von Vers 6481 bis erweislich 6516 (M S. 42, Sp. 3 unten bis S. 43, Sp. 1 Mitte), aber auch hier einzelne Inconsequenzen. Sollte dagegen, was ja nur die Hs. selbst lehren kann, derselbe Schreiber bei der Arbeit geblieben sein, so würden wir die Abweichung von der sonst geübten Sprache als einen Versuch zu betrachten haben, auch ein- oder einigemal eine andere angelernte Mundart zu verwerthen. Zu einer solchen Annahme würde jene Inconsequenz führen, dann aber auch die Wahrnehmung, daß auch sonst ganz vereinzelt österreichische Elemente eingemischt sind. So z. B. findet sich leichte 3469*). sei ... geschreit 3480. mein: gesein 3485 fg. neuwes 3458. Alle diese Stellen in der Nähe beisammen. Aber auch sonst findet sich z. B. euch statt uch 288. taugen (: ougen) 309. saite == seite, sagete (: leite) 672. saite auch im innern Vers 3600.

Sonst aber stellt sich die Sprache als vorwiegend mitteldeutsch dar. Neben ie erscheint i (i) [das lange i ist auch bisweilen mit ie bezeichnet]; für iu in der Regel u (ú), aber daneben auch vereinzelt iu, iw. Mitteldeutsch ist ferner vor für ver, zu für ze, zur für zer (unzurgenclich 6859), er für her (herre). In Verbindung mit diesen Erscheinungen wird nun auch e (ê) für æ als ein mitteldeutsches Charakteristicum zu gelten haben. Die Anwendung von ch in der Verbindung cht für mhd. ht wird zunächst der jüngeren Zeit zufallen, dagegen ist der Abfall des t in der 3. Person des Praesens nicht bloß modern, sondern auch eine Eigenthümlichkeit des Mitteldeutschen, die schon im 13. Jahrhundert in der Dichtung für den Reim verwerthet wird. Der Schreiber hat aber daneben noch einzelne t aufzuweisen. Die Apokope des e, die recht häufig vorkommt, deutet wieder auf den Süden. Dieser nicht ganz einheitliche Charakter der Sprache des Schreibers, welche der Sprache des Dichters parallel läuft, in Verbindung mit den vereinzelt auftretenden österreichischen Elementen legt die Annahme nahe, daß der Schreiber des Gedichtes wohl auch im böhmischen Lande gesucht werden darf, wo der Dichter zu Hause war und für seinen Gönner wirkte.

Auf Grund seiner Collation unternahm nun v. d. Hagen seine neue Ausgabe (vom Jahre 1823). Wie ich schon in meiner Ausgabe (Einleitung S. XXIX) bemerkte, hat v. d. Hagen die jüngere Hand

*) Daß leichte nicht etwa ein übersehener Druckfehler ist, sondern daß es in der Hs. wirklich so steht, deutet v. d. H. an, indem er das Wort unterstreicht, wie er überhaupt die interessanten Dinge so bezeichnet.

schrift O wahrscheinlich nicht benutzt, sonst hätte er die Lücken der

Hs. F ergänzt".

Ich begreife darum nicht, wie Ernst Kraus in seinem sonst so werthvollen Aufsatze „Über Heinrich von Freiberg" (Germ. 18 [30], 1 ff.) sagen konnte (gleich zu Anfang), daß in v. d. Hagens Gottfriedausgabe II. Band die Tristanfortsetzung Heinrichs nach der Hs. F gedruckt sei „mit Ergänzung der Lücken aus O". Die Lücken sind in v. d. Hagens Ausgabe ja deutlich genug bezeichnet. Eher könnten einzelne Verbesserungen v. d. Hagens, die mit O stimmen, eine Benutzung vermuthen lassen. Es ist möglich, daß sich v. d. Hagen von E. v. Groote für einzelne schwierige Stellen die Lesarten von O erbat und solche Mittheilungen noch bei der Correctur eintrug.

In der sprachlichen Behandlung des Textes verfuhr v. d. Hagen wie vorher in der Gottfriedausgabe. Er schreibt das jüngere und mundartlich gefärbte Gedicht in das ältere correcte Mittelhochdeutsch um, sowie dies damals, vor dem Jahre 1823, geschehen konnte. Da v. d. H. zudem den Dichter damals in Schwaben suchte, so war für ihn kein Grund vorhanden, die Sprache anders zu gestalten. Vom Mitteldeutschen wußte man vollends noch gar nichts. Die Normalisirung weicht vielfach von der später eingeführten ab, stimmt aber auch mit ihr zusammen. Bedenkt man, daß der Arbeit v. d. Hagens nur wenige Muster, wie Köpkes Barlaam (1818), Beneckes Wigalois (1819), Lachmanns Auswahl (1820) vorausgingen, so müssen wir seine Leistung, wenn wir auch im Einzelnen an unnöthigen und unrichtigen Änderungen oder an unterlassenen Besserungen Anstoß nehmen, als eine sehr tüchtige anerkennen, und dies um so mehr, als neben der correcten materiellen Textherstellung auch im Vergleich zu dem unvollkommenen ersten Abdruck und zugleich zur vielfach fehlerhaften Überlieferung auch wirkliche Textverbesserungen dargeboten werden.

In der folgenden Lesartensammlung war auf v. d. Hagens Ausgabe (II) gebührend Rücksicht zu nehmen. Sowohl seine Zusammenstimmungen mit F wie seine Abweichungen mußten potirt werden. Da ich zumeist F folge, so zeigen sofort die beiden Buchstaben F(H), die mehr ins Auge fallen als ein einzelner, die Fälle an, wo ich von F abweiche und mit O gehe oder eine selbständige Änderung vornehme. Die Verbesserungen, die von v. d. H. herrühren, verdienten auch aufgenommen zu werden. Wenn ich auch sehr oft ohne H selbständig zur gleichen Änderung von F gelangt wäre, so ist er mir doch vorausgegangen, und darum durfte ich seinen Text nicht bei Seite lassen. Manchmal verzeichnete ich auch von ihm vorgenommene Änderungen,

wo ich mich der Hs. anschließen konnte oder mußte. Besonderes Gewicht lege ich aber auf die Verbesserungen in v. d. Hagens Text, die über das materiell Sprachliche hinausgehen und meist durch Hs. O bestätigt werden. Man ist wirklich manchmal versucht anzunehmen, daß v. d. H. nur mit Beihilfe dieser zweiten Quelle zu so ansprechender Textherstellung gelangen konnte. Einige wenige Beispiele dieser höhern Art mögen hier folgen.

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O: gramertzi gentil fier (wohl verlesen für sier). 1622 M: manliches herren (h'rē F) was ein man.

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6644 M: und im daz homel vur zuge (H am Rande zu o in homel:

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Einmal stimmt H mit O nicht mit Recht zusammen. Er corrigirt die treffliche Lesart von F in V. 787 recht als ein brehend' sunnenschin ganz in der Weise eines mittelalterlichen glossirenden Schreibers in brennender 8. Hs. O hat wirklich auch byrneder.

Hinsichtlich der Hs. O verweise ich zunächst auf Minnes. 4, 611 und auf die Einleitung zu meiner Ausgabe S. XXIX fg. und füge dem noch Einiges hinzu. Die aus v. d. Hagens Nachlasse stammende treffliche Abschrift der Hs. O ist sicher von der Hand Wilhelm Wackernagels. Am Ende findet sich eine Notiz v. d. Hagens, datirt Berlin 10. Dec. 1824: Hiemit bricht die alte Abschrift ab, vermuthlich weil die Urschrift mangelhaft war und etwa das letzte Blatt fehlte. Ich habe vorstehende Abschrift aus Oberlins (jetzo Dr. Groote's) Papierhandschrift mit dieser genau verglichen." In der That finden sich

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manche Bemerkungen von v. d. Hagens Hand am Rande, auch im Texte einzelne Correcturen. Den zahlreichen o über u ist, da sie mit blasser Tinte geschrieben, daher etwas undeutlich erscheinen mochten, mit der Feder nachgeholfen. Diese Zeichen sind nicht immer ein rundes o, sondern erscheinen auch wie zwei Punkte oder wie ein unvollkommenes e: eben ganz so, wie wir es in den Hss. des 15. Jahrhunderts zu finden gewohnt sind. An einer Stelle hat auch v. d. H. einen ausgelassenen Vers nachgetragen. Die Abschrift sammt der Collation ist so vorzüglich, daß ich mich ganz auf sie verlassen konnte. Ich habe in Köln die Hs. O in Augenschein genommen. Sie ist äußerlich nicht weiter von Bedeutung. Die Hs., Papier, Folio, zweispaltig geschrieben (meist 42 Zeilen auf der Spalte), ist nicht vollständig. Sie beginnt mit der Rückseite des ersten Blattes (Bl. 114 der ganzen Hs.) in der Mitte der zweiten Spalte mit V. 85 und endet mit Zeile 9 der ersten Spalte von Bl. 38 (151). Die ersten Zeilen jeder Spalte sind eingerückt und roth ausgezeichnet. Öfter stehen zwei Verse in einer Zeile.

Die Sprache ist die niederrheinische des 15. Jahrhs. Es scheint nicht nöthig deren Lautstand darzulegen. Aus den Lesarten ist Sprache und Schreibart hinlänglich zu erkennen. Ihr Werth für die Textherstellung ist hoch zu schätzen, wenn sie natürlich auch viele Modernisirungen aufweist. An vielen Stellen hat sie auch das Wort des Dichters bewahrt. An Flüchtigkeiten fehlt es freilich nicht, namentlich finden sich ungemein viele Auslassungen; auch ihr fehlen einzelne Verse: 1018. 1636. 2378-81. 5750. Trotz ihrer mannigfachen, nicht wegzuleugnenden Vorzüge tritt sie aber doch weit hinter F zurück. Darum ging es nicht anders: ich mußte doch den alten bekannten Text zur Richtschnur wählen. Hs. O ist von der Zeit des Dichters doch so weit entfernt, daß er mit der älteren nnd auch sprachlich dem Dichter näherstehenden Überlieferung nicht concurriren kann. Dieses Verhältniß habe ich erst bei näherer Prüfung erkannt; im Anfang war ich geneigt, Hs. O zu überschätzen. Wenn ich in meiner Ausgabe das Bekenntniß ablegte, daß ich wegen Unzulänglichkeit des Materials auf eine in strengem Sinne" kritische Ausgabe verzichten müsste, so habe ich doch damit nicht gesagt, daß ich meine Ausgabe überhaupt nicht für eine kritische halte und angesehen wissen will. Kinzel scheint der Unterschied zwischen einer streng kritischen und einer schlechthin kritischen Ausgabe nicht klar gewesen zu sein, sonst hätte er in seiner Anzeige (Z. f. d. Ph. IX, 240) nicht sagen können, indem er das nicht prägnant gemeinte, sondern nur von mir

für „Veröffentlichung" gebrauchte Wort „Abdruck" dahin mißversteht oder absichtlich (böswillig?) verdreht, daß meine Ausgabe nur „den dritten Abdruck von Heinrichs Tristan" biete. Er hätte ja nur einen Blick in Müllers Abdruck zu thun brauchen, um zu sehen, welche Bewandtniß es mit meinem „Abdruck" habe.

Bei dem Übergewicht von F über O mußte auch in kleinen Dingen die alte Lesart bewahrt werden. Das Verfahren, O zur Verbesserung des Textes heranzuziehen, konnte nur ein eklektisches sein, denn ein bestimmtes Abhängigkeits- oder Verwandtschaftsverhältniß ist nicht zu constatiren, trotzdem sich auch gemeinsame Fehler zeigen, wie in falschen Absätzen. Wo mir die Benutzung nicht nothwendig schien, habe ich sie unterlassen, selbst auf die Gefahr hin, die echte Lesart verschmäht zu haben. Ich habe daher bei der Sammlung der Lesarten öfter Gelegenheit genommen, auf die Möglichkeit, daß wir in O das Ursprüngliche besitzen, aufmerksam zu machen. Daß mir auch für die Versgestalt die Lesarten der Hs. O willkommen waren, brauche ich nur anzudeuten. Daß ich mit der vorsichtigen Aufnahme der Lesarten von O nicht immer das Richtige getroffen habe, daß ich vielmehr auch in solchen Fällen bei F hätte beharren sollen, will ich gerne zugeben.

Materiell sprachliche Abweichungen der Hs. O von F waren natürlich nicht zu verzeichnen. Sobald aber diese äußerlichen Formen zugleich für die Metrik in Betracht gezogen werden können, mußten sie berücksichtigt werden. Die junge niederrheinische Hs. weicht öfter consequent alten Wörtern aus (z. B. dem Worte knappe = knabe, für welches sie jüngeling setzt). Da war nur im Anfang die Lesart zu geben. Die Partikel ôt verschmäht sie durchaus und läßt sie in der Regel ganz hinweg, aber doch ersetzt sie sie manchmal durch andere Wendungen. Deshalb mußte das Fehlen doch immer verzeichnet werden.

Auf eine Alterthümlichkeit in O mag noch besonders hingewiesen sein. Das ist die Negation en- vor dem Verbum, die in F schon dem modernen Sprachgeiste fast immer zum Opfer gefallen ist. Daß dieses en-, durch welches sich meist zu Anfang des Verses doppelter Auftact nöthig macht, wirklich vom Dichter herrührt, zeigt seine vereinzelte Bewahrung in F. In V. 5998 z. B. findet sich in F die Negation: ich enkan sin nicht, wo seltsamerweise O nur das einfache Verbum kan bietet. Ebenso V. 4132: so enhât si dar an zwivel nicht F. so hat O. Auf einzelne Sprachformen, die als Lesarten in Betracht kommen, aber nicht Aufnahme finden können, muß noch ein für allemal hingewiesen werden.

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