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in Aussicht stellt 31). Daß ich selbst bisher mit solchen Berichtigungen noch wenig Dank geerntet habe, ficht mich wenig an, denn ich bin anmaßend genug, der Sache und nicht der Person dienen zu wollen. Ein Verfahren wie das Kochendörffers, nämlich ein größeres und mühsames Werk bei Gelegenheit einiger unbedeutender Nachträge ganz obenhin, sogar mit der ausdrücklichen Bemerkung, auf die Hauptsache an sich gar nicht eingehen zu wollen, mit höhnischem und geringschätzendem Tadel anzustoßen, kann sicher keines Vorurtheilslosen Billigung erhalten. Ich freue mich nur, daß es keine andere als die Zeitschrift für deutsches Alterthum ist, die wieder einmal diese Nörgeleien bringt.

FRIDRICH PFAFF.

ANKLÄNGE AN DAS DEUTSCHE VOLKSEPOS IN ORTSNAMEN.

Besonders in jüngster Zeit hat man sich eingehender mit dem Studium der Ortsnamen beschäftigt, seitdem Arnold (Deutsche Urzeit S. 81 ff.) an der Hand derselben den Lauf des alten Pfahlgrabens festgestellt, ferner aus ihnen die Entwicklung der deutschen Landwirthschaft von den ältesten Zeiten bis zum 13. Jahrhundert nachgewiesen hat (ibid. 210 ff.). Aber nicht nur für den Historiker sind sie von Interesse und Bedeutung, noch wichtiger sind sie für den Germanisten, und da ist es denn wirklich merkwürdig, daß seit Förstemann kaum irgend etwas auf dem Gebiete der deutschen Ortsnamen geschehen ist, während über die Personennamen eine ganze Fluth Bücher und Programme im Laufe der Zeit ans Tageslicht getreten. Die Ortsnamen haben nun in noch viel höherem Grade, als jene, mannigfache Wandlungen durchgemacht, und bei einer großen Anzahl ist kaum ihre Wurzel noch zu erkennen. Würde es sich da nicht der Mühe lohnen, alle jetzt bestehenden Ortsnamen auf ihre älteste Form zurückzuführen, um uns die Wandlungen der Sprache zu zeigen, also den umgekehrten Weg wie Förstemann zu nehmen? Ebenso interessant würde es sein, besonders für den Culturhistoriker, ein Verzeichniß aller untergegangenen Orte zu geben, auf daß wir uns ein klares. Bild des früheren blühenden Zustandes von Deutschland machen

3) Wie ich. Vgl. Reinolt S. 584, 585. GERMANIA. Neue Reihe XX. (XXXII.) Jahrg.

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könnten, ferner so viel wie möglich festzustellen, in welcher Zeit die einst bestandenen Ortschaften zerstört oder verlassen sind.

Ich möchte nun an dieser Stelle die Aufmerksamkeit auf einen Punkt richten, der im Allgemeinen noch übersehen ist. Die Ortsnamen bieten uns nämlich den größten Theil der berühmteren Namen aus dem deutschen Volksepos dar, und es könnte wohl der Mühe werth sein, sie hier im Zusammenhange vorzuführen.

Die Ortsnamen im Deutschen sind mit nur sehr geringen Ausnahmen sämmtlich zusammengesetzt; bei letzteren stellt nun Arnold (a. a. O. S. 212-13) drei Classen auf, die sich streng nach dem Alter scheiden. Die erste Classe, welche die Namen der Urzeit bis zum 5. Jahrhundert umfasst, bietet uns Zusammensetzungen mit -affa -lar -loh mar -tar. Sie liefern für unseren Gegenstand noch gar keine Ausbeute, da sie nur auf örtliche Lage, Bodenbeschaffenheit, Pflanzen, Bäume und Thiere zurückführen. Sollte man hieraus vielleicht schließen dürfen, daß zur Zeit der Gründung dieser Orte das deutsche Volksepos noch in der Entstehung begriffen, noch nicht allgemein bekannt war? Haben wir doch aus dieser Zeit auch nur ganz geringe allgemeine Andeutungen über deutsche Heldenlieder bei römischen Schriftstellern. Anders jedoch verhält es sich mit der zweiten Classe der Ortsdie sich bis auf die Merovingische Zeit 5.-8. Jahrh. namen, zurückführen lassen. Hier treten uns die Namen des Volksepos in großer Fülle entgegen, und zwar in so bedeutender Anzahl, daß die Namen der dritten Classe (9.-13. Jahrh.) uns nur noch eine Nachlese übrig lassen. Die Namen der zweiten Periode sind die am weitesten verbreiteten, und noch jetzt bilden die Zusammensetzungen mit -au -bach -berg -born -feld statt -dorf -heim -hausen -weiler wig etc. den bedeutendsten Bestand aller unserer Ortsnamen, während die Namen der dritten Abtheilung, die auf -hagen -rode -burg -fels -stein -kirchen -münster -leben -zell etc. entweder gar nicht in so großer Anzahl sich finden, oder zum Theil wenigstens mehr auf einzelne Gegenden beschränkt sind.

Kann man nun auch nicht ohne Weiteres annehmen, daß alle Ortsnamen, in denen sich Anklänge an die Namen des Volksepos finden, planmäßig nach den Helden dieses benannt seien, ist es vielmehr wahrscheinlich, daß die meisten der Ortsnamen uns den Namen des Gründers oder Besitzers anzeigen (bei Wielantesheim und Frutenheim werden ausdrücklich die Besitzer Wielant und Frûto erwähnt), so ist es doch interessant genug, zu sehen, daß in den Zeiten der ündung und Anbauung so vieler Orte die alten deutschen Helden

namen nicht nur schon der Sage angehörten, sondern noch lebendig im Volke waren. Ich gehe auch wohl nicht fehl, wenn ich behaupte, daß gerade durch Fixirung dieser Namen im Epos dieselben auch in späterer Zeit nicht ausstarben, und daß sich eine so große Anzahl derselben noch lange erhalten hat. Wären diese alten klangvollen Namen dem Volke im Epos nicht stets wieder zu Ohren gekommen, sie hätten wohl kaum den mit der katholischen Kirche herübergedrungenen griechisch-lateinischen Namen Stand halten können, besonders in einer Zeit, in welcher ein Jeder einen Heiligen als Namenspatron verehrte, und Heilige mit deutschen Namen noch zu den Seltenheiten gehörten. Die Helden seiner Sagen jedoch waren mit dem Volke verwachsen, und wie es trotz mehrfacher Verbote seitens der Kirche an seinen heidnischen Sagen festhielt, so suchte es auch die alten heidnischen sinnlichen Namen zu erhalten.

Man kann sagen, sämmtliche Namen des Volksepos begegnen uns noch im 11. und 12. Jahrhundert als Vornamen, in einer Zeit, in der die Christianisirung Deutschlands schon seit Jahrhunderten beendigt war. Nur einige will ich aus der großen Anzahl herausgreifen. So finden wir den Namen Luidiger noch im Jahre 1121, Ortuwîn 1186, Suanahilt 1000, Gernod 1216, Gelfrad 1157, Giselher 1196, Hildebrand 1221, Iring 1141, Ortlieb 1162, Rothger 1197, Volkwin 1154 (sämmtlich bei Schultes, directorium diplomaticum), ferner Irenfried 1217, Herwig 1114, Fasolt 1396, Volkerus 1240, Hadbrant 1356, Bitterolf 1322, Werbelin 1314 (Urkundenbuch der freien Reichstadt Mühlhausen), Ortnit nach 1100, Azzilo 1028, Rumolt 1080, Hetilo 1037 (Förstemann, Personennamen) etc. etc.

Noch einen Punkt darf ich hier nicht übergehen, der interessant genug ist, um ihn zu erwähnen. Es wird ja allgemein angenommen, daß die Heldensagen, besonders die Lieder über Siegfried am Rhein entstanden seien und sich zuerst im Süden Deutschlands ausgebreitet hätten; dann seien sie dem Laufe der Donau gefolgt, bis sie endlich in Österreich die Gestalt empfangen, in der wir sie jetzt noch besitzen. Auch für diese Annahme bieten die Ortsnamen einen schlagenden Beweis, und an ihrer Hand können auch wir ein stetiges Wandern des Epos vom Rhein nach Osten und Norden feststellen. Wenn wir wenige Zusammensetzungen mit dem Namen Hilde ausnehmen (der jedoch der Gudrun angehört und hier weniger in Betracht kommt), findet sich bis zur Mitte des 9. Jahrhunderts kein Ort mit Namen des Heldenepos nördlich des 50. Breitegrades in Deutschland, desgleichen auch nicht in Österreich. Vielmehr vertheilen sich die 33 Namen von

Orten, deren Lage bekannt ist (bei 8 anderen hat sie noch nicht festgestellt werden können), auf Deutschland südlich des Main; besonders die Gegenden um den Oberrhein, Schwaben und Baiern weisen die meisten dieser Namen auf. Erst nach dem Jahre 850 begegnen uns auch in Österreich und Mitteldeutschland, besonders Thüringen, Ortsnamen mit Anklängen an das Epos. Hieraus glaube ich nun mit Recht schließen zu dürfen, daß die Namen des Heldenepos, und somit das Epos selbst, vor der Mitte des 9. Jahrhs. erst um den Oberrhein und in Baiern allgemein bekannt waren (ist ja auch das erste uns erhaltene Bruchstück der Heldensage, das Hildebrandslied, in der Nähe des Main aufgeschrieben), und daß erst später mit der Sage auch die Namen derselben sich weiter nach Norden und Osten ausgebreitet.

Nach diesen Ausführungen erübrigt es noch, eine Zusammenstellung aller Orte zu geben, in denen sich Namen des Epos finden; ich werde sie nach den einzelnen großen Sagenkreisen aufzählen und zugleich das Jahr angeben, in dem sie mir zuerst begegnet. Es sind nun folgende:

I. Nibelungen.

1. Alberich: Alprihchescella 10. Jh., Alberzell bei Aichach nö. von Augsburg. Alberichesdal a. 1000, a) in der Gegend von Ansbach; b) wahrscheinlich in der Gegend von Zürich (Förstemann, Ortsnamen 49). Albrichinchofa a. 879, vielleicht Alnkofen bei Rogging, unweit Regensburg (F. 50).

2. Brunhilde: Brunhildisdorf a. 1033, vielleicht Hiddestorf s. von Hannover? (F. 304).

3. Dankwart: Thancguarderoth 11. Jh., die Burg von Braunschweig (F. 1369).

4. Etzel: Ezzilenbuohhun a. 779, in der Gegend von Würzburg. Azalunphurt 11. Jh., im sw. Baiern (F. 150). Azalunheim 8. Jh., Asselheim sw. von Worms. Ecelishusan a. 1090, wo? Ezelinchircha a. 800, Etzelskirchen bei Höchstadt, sw. von Bamberg. Ezzelendorf a. 1003, Gr. V, 225. Ezzeliwangen 11. Jh., Ezelwang, nw. von Amberg. Eziliwilare a. 874, Ezweil, nö. von Laufenburg im südl. Baden (F. 157). Etzelberg a. 1125, Etzelbach im Eichsfeld (Schultes, dir. dipl. I, 279). Azelenrode a. 1212, bei Beberstedt im Eichsfeld (ib. II, 472). Hecilescella a. 1083, wo? (F. 359).

5. Gernot: Gernoteshagen a. 1249 (Hennebergisches Ukdb. I, 23). 6. Giselher: Kisalheringon a. 820, Geiselhöring sw. von Strau(F. 582).

7. Gunther: Guntheringun a. 831, Guntalingen bei Stammheim, sö. von Schaffhausen. Guntherowa, Gr. I, 504. Guntirsheim 8. Jh., Gundersheim, nw. von Worms (F. 617). Gunthereshusum a. 814, a) vielleicht Gundelshausen bei Mainburg sö. von Ingolstadt; b) Guntershausen, w. von St. Goar; c) wahrscheinlich Gündersen bei Göttingen; d) Guntershausen a. d. Fulda. Gunterespumere a. 807. Guntherisdorp, a. 898, a) Junkersdorf bei Köln; b) wahrscheinlich Gundersdorf nw. von Freising (F. 618). Guntherodt a. 1162, Günterode bei Heiligenstadt im Eichsfeld (SchultesII, 162). Gundirsleibin a. 1196 (Schultes II, 376).

8. Hagen: Haginingan 770, wo? Hagenesberc 11. Jh., wo? Hagininbrunnin 1083, nw. von Wien. Hagenenmunster 966, infra urbem Magoncie (F. 631). Hagenanrothe 993, Hagenrode bei Nienburg (Schult. I, 120).

9. Helche: Helchenpach 11. Jh., Helchenbach im Landgericht Abensberg, sw. von Regensburg (F. 720). Elcheleybin 1323, in Thüringen? (Henneb. Urkdb. V, 51).

10. Hunold: Hunoldeshusen 969, Hundshausen, nw. von Treisa. Hunoltesvillare 835, in Süddeutschland (F. 802). Hunuldestorpe 1158, Honsdorf im Fürstenthum Köthen? (Schult. II, 138).

11. Iring: Iringisperg 11. Jh. Wüstung in Österreich, unbekannt. Iringisheim, Dr. tr. c. 4. 52. Iringeshusun 1043, bei Kassel. Irincheshusa 812, Irgenhausen bei Pfäffikon, ö. von Zürich (F. 851). 12. Kriemhilde: Grimhiltaperg 10. Jh., Grimelberg im Landgericht Trosberg am Chiemsee. Criemhilterot 890, Krimderode bei Nordhausen (F. 601).

13. Liudger: Liudgereshem 10. Jh., wo? Lutegeringa 886, Liggeringen, nw. von Konstanz (F. 937).

14. Ortwin: Ortwinestorf (Albert von) 1219 (Schult. II, 539). 15. Rüdiger: Ruotgeresberg 980, der Rükkersberg, nw. von Fulda. Rodigeresrod 944, Ritterode bei Mansfeld. Ruotkerisdorf 1083, Rührsdorf in Niederösterreich. Ruotgeriswilre 1016, jetzt Heiligenzell bei Friesenheim in Baden (F. 779). Rüdigershagen, ein Ort auf dem Eichsfelde, den ich jedoch aus älterer Zeit nicht nachweisen kann.

16. Rumolt: Rumoltesdorf 11. Jh., Rümbelsdorf, sö. von München (F. 788). Rymoldes 1427 (Henneb. Ukdb. VI, 192).

17. Siegfried: Sifrithusun 995, die Wüstung Siegfriedshausen bei Halberstadt. Sigefridismor 8. Jh., ein Moor in der Nähe der Oste (F. 1261). Sigefridesrode 1057, wo? (F. 1262). Sigefrides 1057, Wüstung Seifers im Amte Wasungen (Schult. I, 171).

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