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Es ist viel abgesprochen, aber wenig damit gesagt, wenn man behauptet, baß dieses Vorurtheil zu der Hefe gehöre, die aus dem zerrißenen Schlauch hinter dem lebendigen Geist her mit him'iberfloß. Es verdient nur desto größere Aufmerksamkeit. Seine Begründung gehört alsdann einer Panhie an, die besser, als wir, alle die Bedürfnisse und den Geist des Volks beobachtete und kannte, und seine Bekanntschaft mit ihm wohl zu manchen unedeln, aber auch zu würdigen und wohlthätigen Zwecken zu benutzen wußte, und von der wir noch lange lernen könnten, wenn wir nicht schon in allem glaubten voraus zu seyn.

Hingegen könnte man solchem Vorurtheil gerade zu das Wort der Verdammung sprechen, weil es die Mutter oder Tochter von andern, für die Moralität sehr nachtheiligen Jrrthümern ist. Denn so lange das Volk von dem Prediger verlangt, daß er sich der gesellschaftlichen Spiele und anderer Belustigungen entschlagen muß, und ein Aergerniß nimmt, wenn es nicht geschieht, muß es nothwendiger Weise glauben,

entweder, gesellschaftliche Spiele und andere Belustigungen seyen überall etwas unchristliches und Sünde, und es selber genießt sie doch, soll und dgrf ihrer nicht entbehren. Es wird sie also mit widersprechendem Gewissen, oder ohne Gewissen genießen. Der Aengstliche wird sich den von Gott erlaubten und gegönnten Genuß verkümmern, und der Leichtsinnige wird zwischen den erlaubten und wirklich sündhaften Belustigungen keinen Unterschieb erkennend, beide auf eine Rechnung nehmen.

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Oder man muß glauben, wenn solche Spiele und Belustigungen für jeden tugendhaften und religiösen Menschen als solchen zu lästig seyen, der Prediger sey und müsse seyn ein Heiliger höheren Ranges, dem man in seine Höhe nicht nachfolgen könne, noch nach» zustreben nöthig habe. Daran wird aber nicht jeder aufgeklärte und fromme Prediger einen Gefallen haben. Vielmehr wird er mit dem ' Apostel Paulus wünschen, daß „alle so seyn möchten, wie er," und wird den ersten Schritt zur Erreichung seines Wunsches thun, wenn er so lebt, daß die andern auch seyn können, wie er.

Weiter ließe sich sagen, der Schaden und das Aergerniß, wenn man ein solches Vorurtheil nicht achten wollte, sey zufallig, vorübergehend und klei» ner, als man sich vorstelle.

Schon mancher aufgeklarte und gebildete Laye würde den Prediger darum loben und lieben, wenn er sahe, daß derselbe seine unschuldigen Freuden nicht verdamme, sondern sie durch seine freund» schaftliche Theilnehmung noch vermehren wolle, und die andern würden sich bald daran gewöhnen, wie «n die gefärbten Kleider und an die runden Hüte, und schon an manches, und die Zerstörung des Vorurtheils würde viel mehr Gutes zur Folge haben, als die Erhaltung desselben Schlimmeres verhüten könnte. Denn

erstlich, der Prediger kann als Mitgenosse ge» sellschaftlicher Spiele und anderer Belustigungen in seinem weisen und besonnenen Benehmen dabei ein lehrreiches und wohlthätiges Beispiel geben, wie man sie mit gutem Gewissen und mit Ehre genießen könne, und es ist hier gar nicht die Bedenklichkeit zu berühren, ob er es auch immer thun werde. Denn wenn von dem Schlimmem die Rede seyn soll, das er thun kann, nicht von dem Guten, das er thun soll, so darf man allerdings den Prediger ohne Schaden seines Amtes auch nicht predigen oder heirathen lassen, weil er die Auferstehung, der Todten lauanen, und mit seinem Weibe in ärgerlichem Unsrieden leben kann.

Zweitens würde er in dem nämlichen Grad, wie er sich durch Lehre und Leben Achtung erworben hätte, bei gesellschaftlichen Spielen und Belustigungen durch die Scheue von seiner Gegenwart, und schon durch die Möglichkeit/ daß er komme, riele Ausweichungen über die Kränzen der Wohlanstänbigkeit verhindern können.

Drittens, er würbe hier, wo die Menschen am natürlichsten sich zeigen und die Gemüther am offensten sind, eine reiche Gelegenheit sin» den, sein erstes «nd nothwendigstes Bedürfniß, Menschenkenntniß überhaupt und Kennmiß sei» ner Leute zu sammeln, und die schon gesam» melte zu benutzen, und ein Wort zu seiner Zeit ist nicht selten so viel werth, als ein« ganze Predigt zu der ihrigen.

Viertens, mancher brave Prediger, dem es nicht gegeben ist, so ganz geistlich zu seyn, würde vor dem Kampf gegen die Versuchungen zum heimlichen Spielen und andern Dingen bewahrt bleiben, die dem Segen des Amtes' gefährlicher werden konnten, als gesellschaftliche Spiele und Belustigungen. Andere Nebenvor» theile nicht zu erwähnen.

Aber freilich steht dem Ausspruch des freudigen Resultats von dem allen noch ein's im Wege, was bisher unberührt geblieben ist, daß wir nicht bloß Prediger einer menschlichen Moral, sondern auch Organe einer für gottlich und positiv gehalte» nen Religionslehre seyn sollen.

Denn wenn es einmal mit der Reinigung der» selben ein Ende hat, wenn wir Lehrer einer rein vernünstigen, demonstrativen Religion geworden sind, wird eS freilich einerlei feyn, in welchem Rocke und mit welcherlei Knöpfen darauf der Pre» diger auf die Kanzel tritt, auch wie er den gestri» -gen Abend zugebracht hat. Die Wahrheit muß überzeugen, nicht des Pfarrherrn Rock und Tages» weise. Und wenn die Sakramente einmal blose Gebrauche ohne Kraft und Segen geworden sind, wird's wieder einerlei seyn, ob der Diener des Altars mit dem uneins größten Propheten fastet, oder mit dem größten, sey es auch unter Zöllnern und Sündern, ißt und trinkt. Ja sogar ein un» würdiges und zweimal hinkendes Simile, das einst in der Polemik bei einer ahnlichen Controvers an» gebracht wurde, daß doch auch ein Schuhmacher un» christlich leben und gleichwohl ein guter Schuhmacher seyn könne, wird alsdann wenigstens auf Einem Pein gerade stehn.

So lange aber noch die Menschheit einer Religion bedarf oder zu bedürfen glaubt, die als ge» offenbart und positiv auf die Gemüther wirkt, so lange die christliche, die wir lehren, als eine solche anerkannt wird, so lange ein großer Theil des Volks dem Prediger glauben muß, den es sieht, wenn es Gott glauben soll, den es nicht sieht, so lange scheint es nothwenoig, daß der Prediger, als das Organ der Religion, mit einer gewissen Autorität müsse sprechen und handeln können. Und d» er weder sich für einen göttlichen Gesandten ausgebe»

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