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gehabt Euch wol und versucht mit stärkeren Gründen die Leute an Euch zu locken. Gegeben am 4. Jänner 1784. Der in der That und Wahrheit dem Glauben der alten böhmischen Brüder nachfolgende Stephan Breznay.“ Ungewöhnlich rasch, schon zwei Tage darauf, am 6. Jänner, antwortet Hrdlicska, also wohl, wenn wir die Dauer des Botenganges von Jawornik nach Wsetin in Anschlag bringen, unmittelbar nach Empfang jenes Briefes, woraus sich mancher kaum genug abgewogene Ausdruck seiner Erwiderung erklärt. Er habe bei seiner Klage über die Zerklüftung der Nachkommen der böhmischen Brüder nicht blos an die Lipthaler gedacht, sondern sein Schreiben an Alle gerichtet; Breznay habe daher auf etwas geantwortet, was ihm nicht galt. Nun aber sei es Pflicht, im Geiste , eines besseren Christenthums“ zu antworten. Die entstandenen Zwistigkeiten müssen jedem christlichen Herzen wehthun. „Selbst dem allergnädigsten kais. kön. Herzen bereitete es gewiss Schmerz, als unter ihnen bald Adamiten, bald Israeliten, bald Saducäer zu entstehen begannen.“ » Dass Eure Lipthaler, wie Ihr Euch rühmt, durch Euch als ein vor allen Zeiten (pfed wéky) dazu auserwähltes Werkzeug zu besserer Erkenntniss gekommen sind, darum beneide ich Euch ganz und gar nicht, gönne es Euch vielmehr von ganzem Herzen; ja, ich wünsche, dass auf die überaus grosse Freude (radost) keine ebenso grosse Trauer (Zalost) ihres Neuglaubens wegen folge.“ Die Art, wie Breznay die heil. Schrift citire, zeugt entweder von Simplicität (sprostnost) oder von Bosheit (zlost). Es müsse wohl Bosheit sein, da Breznay die Schrift falsch citire. . . . „Ich sehe, dass Ihr kein großartiger Biblicist seid, da Ihr gegen das Verbot unseres gemeinsamen Meisters Luc. 6, 37 und seines Apostels I. Kor. 4, 5 das Feuer der Verdammnis auf das Haupt Eurer Brüder sammelt und in dieser Sache dem von Gott verordneten Richter über Lebendige und Todte in schändlicher Weise vorgreift.“ Zur Unterscheidung der alten böhmischen Brüder von den neuen sei Schreiber als Kenner ihrer Schriften vollberechtigt. „Ich meine, dass ich mehr Schriften der Brüder gelesen habe, als Ihr von ihnen gesehen oder gehört habt.“ Er werfe die alten Brüder nicht mit den Lutheranern zusammen, aber - wenn Ihr wollt, werde ich nicht nur Euch, sondern der ganzen Welt Stellen aus den eigentlichen Brüderschriften anführen, welche von der Lehre der Reformirten so weit entfernt sind, wie der Himmel von der Erde.“ Schreiber habe das Gebot Joh. 13, 34 besser gehalten, als Breznay. „Das Wort Betrug, welches mit Bezug auf Euch hinreichend gerechtfertigt ist, ist keine solche Beleidigung, wie die, welche Ihr Euch gegen das Gebot der Christenliebe habet zu Schulden kommen lassen. Ich stehe für Alles ein, was ich geschrieben habe: stehet auch Ihr ein für alle Eure eines Predigers unwürdige, unchristliche Unsittlichkeiten“ (za wässe nekazatelské ba nekréstianské nemrawnosti) . . . , Wer wird es mir beweisen, dass ich die Lipthaler verführen wollte? Wenn sie sich nicht selbst vor löbl. Commissionen zur evang. Lehre bekannt hätten, hatte ich auf sie kein Recht und zu ihnen keinen Zutritt gehabt; ich hätte ihn auch nicht gesucht, während Ihr Euch oft dieses Recht und diesen Zutritt sowohl zu ihnen, als auch zu anderen fremden Schafen angeeignet habt, ohne dass Ihr dazu weder eine innere, noch eine äussere Berufung gehabt hättet. Aber, da sie mit mir eines Glaubens waren, hielt ich es für meine Pflicht, sie, noch dazu in Abwesenheit ihres eigenen Seelenhirten, bei ihren Streitigkeiten zu ermahnen. Das that ich, überließ aber alles ihrem eigenen Willen und Gewissen. So muss ich denn fürchten, dass Ihr ein größerer Verführer der Lipthaler seid, als ich. . .“ „Den Unterschied zwischen der inneren und äusseren Berufung Gottes, für welchen sich schon selbst verständige Reformirte schämen, lasse ich Euch zu Eurem Troste im Leben und im Tode. Da ich dessen gewiss bin, dass Gott kein Heuchler (pokrytec) ist, so erkläre ich diese Unterscheidung einfach als Gotteslästerung. Auch wir Evangelischen wissen ganz gut, dass nicht die ganze Welt selig wird, aber deshalb thun wir doch Gott kein Unrecht. Die Gnade Gottes und das Verdienst Christi können allgemein sein, obgleich nicht Alle derselben theilhaftig werden. Christus ist das Licht der Welt, aber die Menschen lieben die Finsterniss mehr als das Licht. Nach alledem: wer hat Euch gelehrt, so zu schwätzen (tlächati), wie Ihr es thut? Ich erkenne aus Eurem Schreiben, dass Ihr eigentlich Eure reformirte Lehre nicht versteht. Und dennoch wagt Ihr es, unsere ev. Lehre (vom h. Abendmal) zu verunglimpfen, als ob wir den allerheiligsten Leib Christi mit den Zähnen nagen und mit dem Magen verdauen wollten. Pfui! Dass Ihr das gemeine Volk so täuschen könnt!! Ich möchte Euch mehr sagen und würde Euch unsere Lehre in diesem Punkte auslegen, aber Ihr seid dazu nicht würdig (nedorostl)

und habt selbst eine Kapernaitische Gesinnung. Die behaltet nur für Euch und schiebt sie nicht Anderen gottloser Weise unter. . . .“ „Wisset nochmals, dass ich all meine Ehre und allen meinen Glauben, ja mein Heil dafür einlege, dass die alten böhm. Brüder eigentlich niemals reformirte Lehre hatten.“ „Ich fluche Euch nicht, eingedenk des Gebotes des Herrn Jesu, aber ich bezeuge, dass ich gegen Euch als einen schändlichen Uebertreter des Gesetzes Gottes und des Kaisers sehr leicht einen Process anhängig machen kann.“ Das in Brünn erschienene Büchlein (stytulem Reformjrtského smyslu Bratij éestj) sei leicht zu widerlegen, , aber die Zeit dazu sei noch nicht gekommen“. „Euer Urtheil über Lasitius sieht Euch ganz ähnlich. Ich erkenne aus demselben, dass Ihr Eure eigene Religion nicht verstehet und die Euch nötige Geschichte nicht kennet. Woher wisset Ihr, dass Lasitius ein Lutheraner war? Aus seinem eigenen Büchlein werde ich Euch überzeugen, dass er reformirt war. Dass er trotzdem die böhmischen Brüder treu schildert und aus ihnen keine Reformirten gemacht hat, das ist ein Zeugniss, dass er ein aufrichtigeres Herz und einen besseren Kopf trug, als Ihr. In dieser Hinsicht wollte ich Euch corrigiren, um zu zeigen, was für ein schwacher Historiker Ihr seid. Das schon ist eine grosse Schande für Euch; aber eine noch größere ist's, dass Ihr Anderen die Geschichte der böhm. Brüder lehren wollt. Wenn aber ein Blinder einen Blinden nicht führen kann: wie wird er einen Sehenden führen können !? Aber es sei genug auf Euer lästerndes und grösstentheils gottloses Schreiben. Ich rathe Euch, eine solche Dreistigkeit einstweilen zu bezähmen und lieber beten, als fluchen zu lernen. Fluchen kann jeder Narr, aber beten ist die Kunst des Christen. Joh. Hrdlicska, sowol der Abstammung als der Lehre nach ein wirklicher Nachkomme der böhm. u. mähr. Brüder.“ Die Inhaltsangabe dieser „böhmischen“ Briefe genüge zur Kennzeichnung des Tones, der in der entbrannten Polemik herrschte. Die darnach folgenden , lateinischen“ Briefe führen diesen Ton nur noch gereizter im bekannten Ungarlatein weiter. Da sie eigentlich Neues nichts bieten, so begnügen wir uns mit dem Hinweis darauf, dass diese zwei lateinischen Briefe französische Adressen tragen, wie dies damals weitverbreitete Unsitte war: 1. Monsieur Monsieur Jean Hrdlicska, Ministre de la Parole de DIEU, present. à Wsetin Javornik 7. Febr. 1784. Anrede: Vir clarissime, Domine Reverende!). 2. Monsieur Monsieur Ettiene Breznay, Ministre de la Parole de DIEU, present. à Javornik (Wsetin 12. Febr. 1784. Anrede: Vir clarissime ac Reverende Domine!)).

1) Damals hatte Riecke bereits (im Vorberichte zu seinen „Zwo Predigten“, LXXXV) die von ihm in Brünn eingeführten einfacheren Formen öffentlich begründet. So sagte er z. B. über die Unterlassung des Kreuzsegnens, „dass meine Unterlassung auch der Denkart der Landeseingebornen, der Mährischen Brüder, gemäss ist. Sie fliehen das Zeichen des Kreuzes cane pejus et angue. Ueberhaupt kommen meine Ritualien mit ihren Traditionen und Gesinnungen viel mehr überein, als die Ungarischen und Sächsischen, würden auch nie die gegenwärtigen Verwirrungen und Unruhen, so letztere zum Theil unter ihnen verursacht haben, veranlasst, vielmehr diese neue Gemeinden bei ihrem Hang zu einem simpeleren Gottesdienst der Evangelischen Kirche erhalten und vielleicht selbst von dem einschleichenden Arianism und Fanatism

verwahrt haben.“

V.
Miscellen.

.(Verbrennung eines Lutheraners in Wien. >

Von Universitätsprofessor Dr. WALTER FRIEDENsBURG, I. Secretär des königl. preuss. histor. Institutes in Rom.

1524 Sept. 24. Amico Taegio au Jo. Pe. Trentino da Campegio exscalcho del card. Campegio zu Mantua in der Kanzlei des Marchese in mano di Franc. Golo. Qua non attendesi ad altro che ad castigaret incarcerar Lutherani et doppo chel sero Infante ne ha fatto brusar uno assai notabilmente ricco, quale obstinato in sua heresia. Si volse prima amazar se stesso in carcere che rovocarse da suoi errori; ma dio volse, che in tre ferite si dede con uno coltello nulla fu mortale et cosi è stato iusticiato sempre sin al' ultimo senza confessione et communione pertinace et ha fatto palese al vulgo. Die übrigen Gefangenen aber widerrufen und thun Poenitenz maxime alchuni preti. Aus dem Speirer Tag wird nichts; Kaiser schreibt, er wolle selbst kommen und proveder a le cose contra Lutherani. Dat. ex Vienna Austriae. 24 sept. 1524. Archiv Gonzaga zu Mantua: E II nr. 3. Orig.

Nach schrift der Redaction.

Der in der vorstehenden Nachricht nicht genannte Lutheraner ist offenbar Caspar Tauber; vgl. über ihn dieses Jahrbuch 4, 1–19; 7, 78–81; 15, 152 f. Allgemeine deutsche Biographie 37, 423–429. Ueber die Selbstmordslüge vgl. Raupach, Erläutertes Evangelisches Oesterreich (I. Fortsetzung), S. 32. Wiedemann, Geschichte der Reformation und Gegenreformation im Lande u. d. E., 1, 39. Die Namen der zurückgefallenen Priester bei Raupach a. a. O.

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