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Die Durchführung dieser Beschlüsse unterblieb; die Veranstaltung der Berathung war die letzte bedeutendere, kirchliche Handlung des Erzbischofs.

Schon seit längerer Zeit hatten seine Geisteskräfte nachgelassen*), in der Charwoche 1540 wurde er ernstlich krank und am Osterdienstag, 30. März, schloss M. Lang die Augen nach einem Leben voll Thätigkeit und Bemühungen, aber auch voll von Erfolgen und äusseren Ehren.

Was nun hat M. Lang durch sein Auftreten gegen das Lutherthum erreicht? Während seine Stimme auf den Reichstagen stets schwer ins Gewicht fiel und sein Einfluss auf die Vorgänge seiner Zeit als höchst bedeutend angesehen werden muss, während er als mächtiger Förderer der von den bairischen Fürsten angeregten süddeutschen Kirchenreform erscheint und ein gewaltiges Stück beigetragen hat zur Aufrichtung jener katholischen Vorburg im deutschen Süden, waren seine Erfolge in der Salzburger Erzdiöcese verhaltnissmässig gering. „Zwar loderte mancher Scheiterhaufen empor und manches Bluturtheil wurde gefällt, aber der Bauer hielt mit der Zähigkeit des Gebirglers an der ihm liebgewordenen Bibel und verachtete die Geistlichkeit, die auf seine Kosten im Geiste der damaligen Zeit offen ihrem wenig heiligen Lebenswandel fröhnte.“ Die strengen Massregeln des Erzbischofs hatten zwar verhindert, dass das ganze Erzstift den neuen Ideen verfiel, sie hatten Schrecken verbreitet und offenen Ungehorsam, offenen Widerstand niedergehalten, aber das Feuer glomm unter der Asche fort. Wenn auch äusserlich jede Spur des Lutherthums verschwand, so blieb doch die Neigung zur neuen Lehre bestehen, und im Geheimen wucherte der Lutheranismus in der Erzdiöcese fort. Daran tragen die Schuld die Zeitverhältnisse, die socialen Missstände und die oft beklagte Lässigkeit der Vollzugsorgane, aber auch die Unzulänglichkeit der

*) In einer Erklärung des Salzburger Domcapitels (20. September 1539) betreffs der Coadjutorie heisst es, dass der Cardinai täglich schwächer werde und „vielzeit kindisch“ sei. (Cfr. Haslberger, Hist. eccl. Salisb. Cod. lat. Mon. 27077, III, S. 105.) – Ueber die Krankheit Lang's berichtete der Nuntius Morone am 17. November 1539 an den Cardinal Farnese von Wien aus: „Il Rmo. Cardinale Saltzburgense è fatto inhabile ad ogni negotio per l'indisposition del corpo tutto tremolo et per la perdita della memoria, di modo che vivendo è quasi morto, benchèli soilo enghino secreto et non cerchino altro che di mantenerlo vivo.“ Vgl. Dittrich, Nuntiaturberichte Giovanni Morones vom deutschen Königshofe, 1539, 1540, S. 51.

Jahrbuch des Protestantismus 1901, H. III u. IV. 10

gebrauchten Mittel. Die katholischerseits beliebte Art von Reform war doch nichts Anderes als ein Versuch, , die Schäden des morschen Gebäudes zu verputzen“; sie war nicht kräftig genug, ein gänzliches Verschwinden des Lutherthums herbeizuführen. Wie anderwärts, so stand auch im Salzburgischen die Reform lediglich auf dem Papier. Auch unserem M. Lang gelang es nicht, durch seine Reform einen Aufschwung kirchlichen Lebens herbeizuführen. „Es gab eben eine grosse Masse von Geistlichen, die träge und zäh in den hergebrachten Zuständen fortzuleben wünschten, und dem Versuche, höhere Bildung und religiöse Wirksamkeit ihnen auf zuerlegen, hartnäckigen, passiven Widerstand leisteten.“ Und seitens der weltlichen Fürsten fand die geistliche Gewalt nicht die nöthige Unterstützung. An Ernst und Entschiedenheit hat es der Erzbischof, der freilieh selbst von dem Geiste der Reform innerlich wenig berührt war und bei dem der „politische Calcül“ das religiöse Empfinden weit überragte, keineswegs fehlen lassen. War auch seine Haltung anfangs eine unbestimmte und unentschiedene, und zögerte er auch vor 1521, Schritte zu thun, so trat er um so energischer auf, als Kaiser und Reich, als seine Nachbarn sich für die alte Kirche entschieden hatten und in letzteren ihm Bundesgenossen im Kampfe gegen den neuen Glauben erstanden waren. Mit den mittelalterlichen Gewaltsmitteln, mit Feuer und Schwert, suchte er, nachdem gelindere Mittel als unzureichend sich erwiesen hatten, der Bewegung Herr zu werden. Ging er dabei rücksichtsvoll und vorsichtig zu Werke, so war dies eine durch die Verhältnisse auferlegte Mässigung, die nicht etwa im Charakter des Erzbischofs lag. War doch M. Lang ein viel zu kluger und erfahrener Mann, als dass er in den plumpen Fehler verfallen wäre, die allgemeine Stimmung, die Gährung im Volke ganz unberücksichtigt zu lassen! Wenn der fein humanistisch gebildete und freier denkende Erzbischof in seinem officiellen Verhalten ganz und gar auf dem Boden des mittelalterlichen Glaubenszwanges und der Inquisition steht, so dürfen wir in ihm nicht einen geistesarmen Fanatiker – Lang war seinem Charakter nach von Fanatismus wie von religiöser Begeisterung gleich weit entfernt – oder einen grausamen Tyrannen erblicken, sondern müssen ihn aus dem Geiste seiner Zeit heraus beurtheilen, die in dem Gedanken, die Gewissen durch Gewalt zu zwingen, nichts Anstössiges fand. Nicht die Person des Erzbischofs, der doch auch ein Kind seiner Zeit war, ist anzuklagen und zu verurtheilen, sondern das System. Wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass das Lutherthum sich thatsächlich, wenigstens im geistlichen Staate, als Feind der bestehenden Ordnung gezeigt hatte und dass anders als auf dem Wege der Gewalt die alte Kirche nicht mehr zu retten war, wenn sie überhaupt gerettet werden sollte. Wohl mag es dem stolzen Prälaten unangenehm gewesen sein, dass die Reform von unten ausging, dass ein geringer Mönch sich anmasste, reformatorisch aufzutreten; sicher wollte dem an Glanz und Pracht gewöhnten Cardinal, der sich so gerne in seiner einst mit ,aller Glut des Willens“ erstrebten hohen Stellung zeigte, der von Luther verlangte Verzicht der Bischöfe auf die weltliche Hoheit ganz und gar nicht in den Sinn, aber seine Massregeln gegen das Lutherthum, jene geschilderten Acte gewaltsamen Vorgehens gegen die Bekenner der neuen Lehre, entsprangen nicht sowohl aus »tyrannischer Gefühlshärte oder aufbrausender Leidenschaft“, als vielmehr aus der Erkenntniss der Gefahren, die nach seiner Meinung das TLutherthum mit sich brachte, und aus dem Bewusstsein seiner Pflicht als Regent eines geistlichen Staates und Würdenträger der Kirche, sie waren eine auf innere Ueberzeugung gegründete Abwehr gefährlicher Bestrebungen nach Massgabe des damaligen Rechtes, um die Glaubenseinheit zu retten und Frieden und Ordnung aufrechtzuhalten.

VIII.

Kirchliche Stimmungen in Böhmen um die Mitte des XVI. Jahrhunderts.

Auf Grund zweier Actenstücke in der Zeitzer Stiftsbibliothek.
Von Dr. HERMANN BARGE in Leipzig.

Ueber endgiltige Aenderungen kirchlicher Institutionen, sofern mit ihnen eine Verschiebung rechtlicher Competenzen verbunden ist, pflegen die sie betreffenden Acten genaueste Auskunft, oft in einem Uebermasse von Redseligkeit, zu geben. Dagegen werden insgemein die latenten, geheim wirkenden geistigen Energien, die die Fundamente der alten Mächte allmälig ins Wanken bringen, nur unvollkommen gebucht. Und doch vermögen sie eine weit unmittelbarere Anschauung von dem inneren Wesen der Wandlungen zu geben, als die peinlichste Registrirung ihres juristischen Niederschlages. So sind auch kurze, fragmentarische Berichte, die einen Einblick in das allmälige Erstarken der neuen Ueberzeugungen gestatten, nicht ohne Werth, und der Abdruck der beiden folgenden Actenstücke wird gerechtfertigt erscheinen. Sie befinden sich unter den Handschriftenschätzen der Stiftsbibliothek zu Zeitz (Manuscr. Nr. 151, Katalog S. 70, 7), in den beiden Bänden der an Bischof Julius Pflug gerichteten Briefe (der Bericht des Propstes im 1., die Antwort von Julius Pflug im 2. Bande). Der ungenannte Propst eines Prager Klosters sandte Ende des Jahres 1553 oder Anfang des Jahres 1554 einen Boten an den bekannten Naumburger Bischof Julius Pflug nach Zeitz ). Rathlos, an der Zukunft des Katholicismus verzweifelnd steht er der kirchlichen Entwicklung Böhmens gegenüber. Ueberall sind ketzerische Regungen ) Alle näheren Bestimmungen erhellen aus dem Schreiben des Bischofs Pflug. Vom Prager Propst habe ich nur die sachliche Zusammenstellung der kirchlichen Zustände Böhmens finden können. Vielleicht hatte er seinem Boten auch ein verlorenes

Begleitschreiben mitgegeben, vielleicht auch ist unsere Zusammenstellung nur ein im Auftrage Pflug's angelegtes Excerpt aus einem längeren Gutachten des Propstes.

wahrnehmbar. Theils Lutheraner, theils Utraquisten schleichen sich in die katholischen Kirchen ein. Und auch die „Pikarden“, die eine Zeit lang unterdrückt waren, erheben ihr Haupt und beginnen hier und dort in Conventikeln wieder zusammenzukommen. Die katholische Kirche aber besitzt nicht mehr die Kraft, dem Umsichgreifen der Haretiker zu steuern. Es fehlt an Priestern, und wenn man die Collatoren auf die ketzerischen Gesinnungen der dem Lutherthum zuneigenden amtirenden Geistlichen hinweist, sagen sie: Gebt uns andere Priester ! Bei diesem Mangel drohen auch gute Katholiken, die rechtgläubige Priester der Kirche wünschten, wenn sie ihren Wunsch nicht erfüllt sehen, sie würden solche herbeirufen, die das Abendmahl unter beiderlei Gestalt reichen. „Und so geschieht es, dass nicht wenige von uns abfallen und dass einige Herren, wie berichtet wird, selbst ihre Familie und ihr Gesinde unterweisen, indem sie das Evangelium erklären“. Vor allem aber haben die Ketzer zahlreichere und besser versorgte Schulen, weshalb aus ihnen auch mehr Priester hervorgehen. „Wir Katholiken in Böhmen haben wenig Schulen, und diese sind vernachlässigt. Die Schulmeister haben nicht ausreichende Besoldung, sie können sich nicht erhalten, und nothgedrungen muss man Lutheraner zu Rectoren katholischer Schulen machen.“ Hiezu kommt, dass die Bischöfe – vor allem der Olmützer Bischof – aus der Ordination der Priester ein Geschäft machen: viele lassen sich daher aus Armuth von der Ordination abhalten. Der Propst sieht zunächst kein anderes Mittel, als diese Missstände dem König Ferdinand mitzutheilen und ihn vor Allem zu veranlassen, das katholische Schulwesen zu fördern, theils durch Errichtung neuer Schulen, theils durch Verleihung von Stipendien an studirende Jünglinge. Längere Zeit nach Empfang dieses Berichtes antwortet Bischof Julius Pflug dem Prager Propst von Zeitz aus in einem für seine vermittelnden Anschauungen ausserordentlich bezeichnenden Briefe vom 9. April 1554. Die Hoffnung, dass die lutherisch Gesinnten schliesslich doch in den Schooss der katholischen Kirche zurückkehren werden, gibt er auch nach den entmuthigenden Beobachtungen des Propstes nicht auf. Es gilt, sie diplomatisch zu behandeln und die Gegensätze zu verschärfen, die zwischen ihnen und den übrigen böhmischen Secten vorhanden sind. „Wenn auch, wie ich aus Deinem Briefe ersehen habe, die schismatischen Priester von einer katholischen

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