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In Niederösterreich, unter den Augen der Centralbehörden, hatte die Gegenreformation ihr Werk so gründlich verrichtet, dass der einheimischen Bevölkerung die Erinnerung an die Religion ihrer Väter gänzlich ausgelöscht war. Nur eine Gemeinde bildete sich das Jahr darauf (1783) aus gebürtigen Oesterreichern im Lande: zu Mitterbach; aber auch ihre Mitglieder (meist Holzarbeiter, ein paar Bauern und wenige Handwerker) waren grösstentheils aus Steiermark (Schladming) und Oberösterreich eingewandert.

Hier in Oberösterreich lagen die Verhältnisse für die evangelische Kirche weit günstiger. Die Beziehungen zur deutschen, obenan zur schwäbischen Kirche reichten hier bis ins XVI. Jahrhundert zurück und hatten nur kurze Unterbrechungen erfahren. So wirkten z. B. in Linz 1581 Thomas Spindler , aus dem Württembergischen“ als „vörderster“ Prediger am Landhaus (war früher Pfarrer in Stuttgart gewesen, starb schon 1583); um 1595 M. Johann Beyer, , ein Württemberger“ (später in Steyr) als Diaconus; in derselben Stellung bis 1598 M. Johann Bruder aus Bablingen (starb 1601 als Superintendent in Horn); 1598 und 1599 M. Jak. Heerbrand, , ein Württemberger“, als Prediger im Landhause (später in Nagold u. s. w.); gleichfalls 1598–1601 M. Mark. Löfler, bis dahin Pfarrer zu Warth und Eberstadt in seinem Vaterlande Württemberg; 1583 M. Johann Cae mentarius (-Maurer) aus Omden als Oberprediger im Landhause (später Superintendent in Blaubeuren, schliesslich in Regensburg); 1611–1624 M. Daniel Hitzler aus Heidenheim als Oberprediger (später Probst in Stuttgart); 1612

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M. Martin Cless, , ein Württemberger“, als Prediger in der Landhauskirche. Auch an andere Orte Oberösterreichs hatte Schwaben seine evangelischen Boten gesendet; so wirkte 1584 in Wels M. Val. Lebeysen aus Württemberg als erster und gleichzeitig M. Josef Kellin aus Flach in Württemberg als zweiter Prediger (später in Graz, schliesslich Superintendent in Wildbad). Schon 1525 und 1526 hatte Michael Stiefel aus Esslingen seines geistlichen Amtes in Tollet gewaltet, und um 1590 wirkte dort M. Samuel Agricola (-Beurlin) aus Göppingen. An einem unbekannten Orte Oberösterreichs predigt 1573 Moses Pflach er, , ein Schwabe“, als Pfarrer das Evangelium (später Pastor in Kempten, wo er 1589 stirbt). In Unterach wirkt 1589 M. Adam Kheim ,aus Württemberg“; in Efferding stehen drei Schwaben: 1583–1601 M. Nik. Haselmeyer aus Cannstadt (früher Pfarrer in Göppingen); 1591–1600 M. Martin Nellin aus Stuttgart; 1601–1615 M. Ehrenfr. Murschel, „ein Württemberger“, als Pastor. In Gallneukirch e n versorgt 1602 M. Joh. Geer, , ein Württemberger“, die Gläubigen mit Gottes Wort. Als die Verfolgung hereinbrach, wurden 1624 M. Marc. Kellen rieth er aus Ravensburg und dessen Sohn aus Oberösterreich vertrieben (sie erhielten zu Leutkirchen in Schwaben Anstellung; ersterer starb 1635, letzterer 1642)!). So spinnen sich die Fäden zwischen Oberösterreich und Schwaben fort auch noch ins XVIII. Jahrhundert hinein. Zwar, bei den ersten Pastorenberufungen der Toleranzzeit kommt die innige Beziehung beider Länder noch nicht genügend zum Ausdrucke, später aber hat sich dieselbe bewahrt, verstärkt und vertieft zum Segen des „Landls“ ob der Enns. Die vier oberösterreichischen Gemeinden, welche 1782 entstanden, holten ihre Prediger aus verschiedenen Gauen. Scharten berief den Schlesier Johann Christian Thielisch, der am 9. Juni 1782 die erste evangelische Predigt vor über 4000 Menschen in einer Scheune des Michael Meier zu Edt hielt *), sogleich gewählt, am

) Waldau, Geschichte der Protestanten in Oesterreich etc. (Ansbach 1784), . 495 ss.

*) Gedruckt in Wien bei den Eden von Schönfeld 1783 subtit.: „Der unschätzbare Wert und die Vortrefflichkeit des Wortes Gottes, über Psalm 19, 8. 9 bey der ersten den 9. Juni 1782 öffentlichen gottesdienstlichen Versammlung der evangelischen Christen in Oberösterreich vorgestellt.“

19. August vom Teschener Consistorium examinirt, nach Bestätigung durch die oberösterreichische Landesregierung in der Gnadenkirche zu Teschen am 6. October die Ordination empfing, sodann nach seinem neuen Bestimmungsorte übersiedelte und am 17. November 1782 die Antritts- und zugleich Einweihungspredigt des inzwischen fertiggestellten Bethauses zu Edt unweit der Scharten hielt ). Inzwischen hatten sich die entfernteren Glaubensgenossen von St. Marienkirchen, Krenglbach, Wallern und den umliegenden Orten, welche anfangs zu seinen Zuhörern zählten, entschlossen, gleichfalls eine Gemeinde, und zwar in Wallern, zu bilden. Am 2. September 1782 überreichten zwei Abgesandte dem Vicar Jakob Koch in Altdorf ein feierliches Berufungsschreiben als Pastor in Wallern, am 16. October erhielt er die staatliche Licenz, daselbst wirken zu dürfen, am 19. November kam er in Wallern an und hielt dort am 1. December 1782 (als am 1. Advent) den ersten Gottesdienst *). Goisern im Salzkammergut wählte zum ersten Pastor den im Markte Erlbach, unweit Neustadt a. d. Aich, 1755 geborenen Christ. Friedr. Salomon Kästner, der sein Amt am 9. Sonntag nach Trinitatis (28. Juli 1782) antrat und vom Staate die Besoldung erhielt, da seine Gemeindeglieder fast ausschliesslich im Dienste der kaiserlichen Salinen standen. Pilling (-Ruzenmoos, zwischen Gmunden und Vöcklabruck) kam auf Umwegen, durch hohe Verwendung, zu seinem Pastor Tritschler aus der Reichsstadt Esslingen. Dieser vertrat nämlich an der lutherischen Gemeinde zu Neuwied den dortigen Pfarrer Röntgens in dessen Abwesenheit. Durch Vermittlung des gräflichen Hofes wurde er dem kaiserlichen Gesandten am niederrheinischen Kreise, Herrn v. Metternich, bekannt, der ihn ausholen liess, ob er nicht geneigt wäre, sich zu irgend einer jungen österreichischen Gemeinde berufen zu lassen. Tritschler bejahte dies, Metternich schrieb darüber an den Fürsten Kaunitz, dieser sprach mit dem Kaiser, und da gerade die Gemeinde Pilling nach einem Pastor ausschaute, so schlug ihr Kaiser Josef selbst jenen Tritschler vor; doch müsse es der Gemeinde gänzlich überlassen bleiben, sich mit ihm in Briefwechsel zu setzen und über die Bedingungen solchen Rufes übereinzukommen. Die Gemeinde bot

!) Joh. Gottl. Trautenberger, Gedächtnisspredigt zum Andenken an Thielisch, mit dessen Lebensskizze. Linz 1829. ?) Koch, Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Wallern (1881), S. 33 ff.

ihm 300 f. als Gehalt, und am 13. November kam er mit seiner Frau in Pilling an. Mit Freudenthränen begrüssten ihn die Gemeindeglieder: „Ich musste sie sehr oft bitten, dass sie uns nicht unsere Kleidung küssen sollten, da sehr viele von ihnen sich auf das Tiefste bückten, um solches zu bewerkstelligen. Junge Leute und graue Häupter würden es noch thun, wenn ich es zuliesse.“ Nach einigen Tagen reiste Tritschler nach Linz, um sich bei der Landesregierung zu legitimiren und die Bestätigung zu erbitten, die ihm auch, nachdem er sich beim Landeshauptmanne und dem k. k. Kreisamte vorgestellt hatte, zugeschickt wurde, mit dem Bedeuten, dass ihn der Pfleger der Herrschaft Puchheim (in welcher Pilling lag) seiner Gemeinde vorstellen sollte ). Dies geschah noch vor Neujahr 1783 in der Scheune des Bauers Nömer, die so lange als Stätte der gemeinsamen Gottesverehrung diente, bis das rasch begonnene Bethaus im nahen Ruzenmoos fertiggebaut war. Tritschler hielt sich redlich an den Rath eines berühmten evangelischen Geistlichen Augsburgs, mit dem er auf seiner Durchreise daselbst in engere Berührung gekommen war und der ihm warm empfohlen hatte, bei der grossen Unwissenheit, in welcher sich der grössere Theil auch dieser Gemeinde befinde, „sich ja hiernach in seinen Vorträgen zu richten, und praktischen katechetischen Unterricht, sammt der biblischen Geschichte alten und neuen Bundes, aufs Herz angewendet, seine Hauptsache seyn zu lassen“. Auf diesem gesunden Wege drang er bald zum Gemüthe seiner Gemeinde vor und bezeugte: „Wegen ihrer Liebe, Zutrauen, guten Willen, Hunger und Durst nach Erkenntniss Jesu Christi, bin ich (trotz ihrer Armuth), gerne bei ihr. Bey manchem finde ich viele Kenntniss des Evangelii und herzliches Christenthum **). Auf diesem gesunden Wege überwand er auch bald die Dialectschwierigkeiten: ,Die oberösterreichische Sprache können wir von Tag zu Tag besser verstehen, und die Oesterreicher verstehen schon unsere Sprache ganz. Oft fragte ich bereits verschiedene Glieder meiner Gemeinde, ob sie meine Aussprache im Predigen u. s. w. verstehen? und vernahm von Allen, dass sie jedes Wort verstünden. Dieses versichern mich auch die Antworten der Kinder, die sie mir bei den Fragen im Religionsunterricht geben. Meinen ReligionsVortrag suche ich so fasslich und erbaulich, als nur immer möglich ist, einzurichten.“ Auf solche Anpassung an ihre Prediger waren nun einmal die jungen Gemeinden angewiesen: die tschechischen Gemeinden Böhmens und Mährens mussten sich in der slowakischen Mundart, jene der deutschen Alpenländer im Schwäbischen oder in anderen Dialecten zurechtfinden, welche die Geistlichen aus ihrer Heimat mitbrachten. Als durchgreifender Unterschied aber stellt sich heraus, dass in den Alpenländern rein und lauter die religiöse Frage als treibendes Element auftritt, während in den Sudetenländern eine derb realistische Beimengung der socialen Frage – nicht überall, aber nicht selten – mitwirkt. Die wenig ermunternde Entwicklung der Gemeinden in der mährischen Wallachei legt dafür Zeugniss ab. Die Gemeinde Pilling-Ruzenmoos nimmt nicht nur durch ihre hohe Verwendung, sondern auch dadurch eine originelle Stellung ein, dass sie einen Schulmeister besass, schon bevor sie einen Pastor hatte. Ein gewisser Stöltzel aus dem Württembergischen hatte sich ihr selbst zum Lehrer „ohnvermuthet“ angeboten und benützte eifrig seine Beziehungen zu seiner Heimat, um der schwer ringenden jungen Gemeinde Helfer zu erwecken. Als wirksamster Förderer und , Handlanger“ der Gemeinden bewährte sich der fromme Kaufmann Joh. Tobias Kiessling in Nürnberg *). Dabei soll unvergessen bleiben, dass Kiessling seine Berichte zunächst an , einige christliche Freunde“ in Frankfurt a. M. schrieb, an deren Spitze der dortige Prediger Andreas Samm stand. Dieser veranlasste im Juli 1782 , einige christliche Freunde“, auf Grund jener Berichte genauere Nachrichten über die österreichischen Gemeinden einzuziehen und die Unterstützung derselben mit Büchern und Geld zu betreiben. Am 25. November erliess Sam m zunächst einen warmen Aufruf

!) Sammlung einiger Nachrichten von österreichischen evangelischen Gemeinden, II. Abschnitt, B, 23 ff.

*) „Ich wohne (schreibt er) in einem Baurenhaus. Zwar haben wir nur eine kleine Stube und eine Kammer mit ganz kleinen Fenstern, Mangel einer Küche, – und eine Wand in der Wohnstube ist beständig feucht, vermutlich daher, weil der Boden der Wohnstube niedriger ist, als der Boden des Gartens, in dem das Haus gebauet ist.“

*) Sammlung einiger Nachrichten u. s. w., 1783, 4 ff. H. Schubert, Altes und Neues, II. Jahrbuch, VIII, 148. In der evangelischen Kirche zu Oberschützen (Ungarn) hängt heute noch eine Kanzeltafel mit der Aufschrift: „Der Ehre Gottes gewidmet und dem dankbaren Andenken des würdigen Wohlthäters Joh. Tobias Kiessling“. Den Kelch, aus welchem er auf seinen Reisen den geheimen Protestanten Oesterreichs das heilige Abendmahl spendete, besitzt heute die slavisch-reforminte Gemeinde Oels in Mähren.

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