صور الصفحة
PDF
النشر الإلكتروني

Bürgerschaft ausgedehnt werde, mit anderen Worten, dass man sie nicht überschreite. Das war alles! Der Wiener Landhausgottesdienst wurde nun ruhig weiterbetrieben. Auch als im Sommer 1577 der Kaiser persönlich nach Wien kam, um die Erbhuldigung entgegenzunehmen, geschah noch nichts. Er beschränkte sich darauf, den Ständen vorher anzudeuten, es sei die Concession in manchem Punkte überschritten worden, es wäre deshalb gut, hier reinen Tisch zu machen und ein , vertrauliches“ Colloquium abzuhalten. Erst nach dem folgenden Landtage von 1578 geschah das grosse Ereigniss: einem Ausschusse der Adelsstände wurde der Entschluss mitgetheilt, fortan einen evangelischen Gottesdienst in der Stadt Wien überhaupt nicht mehr, also auch nicht für die Stände, zu dulden. Rudolf konnte diesen Schritt wagen. Erstens hielt er sich dazu für berechtigt; denn in der Concession, mit der man sich jetzt eingehend beschäftigte, war von dem Landhausgottesdienste nichts enthalten. Zweitens sah er sich dazu mehr oder weniger moralisch verpflichtet; denn Herzog Albrecht hatte ihn auf das Eindringlichste an seine Pflichten als katholischer Landesfürst gemahnt und ihm zu verstehen gegeben: er müsse, wenn man schon vorderhand an keine Restauration denken könne, doch jede Ueberschreitung der Concession energisch zurückweisen, sonst sei Alles verloren. Er stellte ihm überdies für den Ernstfall seine Hilfe in Aussicht. Rudolf dachte übrigens gar nicht, auf einen ernsthaften Widerstand zu stossen, da er sich doch ganz auf dem Boden der Concession bewegte. Es kam aber doch anders. Die Stände schlugen gewaltig Lärm und verwahrten sich sehr entschieden gegen diesen Eingriff in ihre Freiheit; denn Maximilian habe ihnen zuerst das Haus des Landmarschalls und dann den Landhaussaal zugestanden. Rudolf verlangte Beweise: die konnten sie nicht beibringen; denn die Bewilligung war insgeheim, auf kurzem Wege, erfolgt. Aber aus den sich nun entspinnenden Verhandlungen ging doch Eines hervor: dass ihnen das Landmarschall'sche Haus zum gemeinsamen Gottesdienste eingeräumt worden war. Das bewog auch den Hof, ihnen entgegenzukommen: man war geneigt, ihnen dazu das frühere Schulhaus einzuräumen; nur sollte der Zulauf von Seiten des Stadtvolkes möglichst beschränkt werden – also dasselbe, was auch Maximilian forderte. Die Stände wollten aber auch da vollkommen frei sein, und so zerschlugen sich die Verhandlungen.

Ganz unerwartet, am Morgen des 21. Juni 1578, verfügte Rudolf, offenbar erbost über den beharrlichen Widerstand der Stände, die ihn nun schon drei Monate lang hinzogen und trotz seines Entgegenkommens in keinem wesentlichen Punkte nachgeben wollten, die Aufhebung des evangelischen Cultuswesens und die Ausweisung ihrer Functionäre. Es kam zu keinen ernsten Unruhen. Aber für den nächsten Landtag hegte man die schwersten Besorgnisse. Der emsige Depeschenwechsel zwischen Wien und Prag vor Beginn desselben zeigt uns, was man hier und dort am meisten befürchtete: den Anschluss des vierten Standes an die Herren und Ritter. Als sich dieser auf dem Märzlandtage 1579 thatsächlich vollzog, war die Stimmung des Erzherzogs eine recht gedrückte. Wir erkennen das aus den vertraulichen Berichten, die er unmittelbar nach der Sturmpetition der Wiener Bürgerschaft um die Freigabe des Evangeliums, Ende Juli, dem Kaiser zusandte. Sie beweisen uns aber auch, wie klar und scharf er die Situation erfasste. Zunächst weist er auf die Unzulänglichkeit seiner Machtmittel hin: nicht einmal gegen einen einzigen Prädicanten könne er einschreiten. Decrete allein wirkten nicht; wenn aber diese schon solche Wirkungen hätten, was werde dann erst geschehen, wenn man sie, nöthigenfalls mit Gewalt, durchführen wollte. Daran sei übrigens jetzt gar nicht zu denken; denn wie schimpflich wäre es, wenn man dann am Ende zurückweichen müsste. Der , wenigste“ Theil im Lande, meint er, sei katholisch und gerade diejenigen, auf die er sich im Ernstfalle zu verlassen hätte. Die Stände würden an denen der übrigen Erblande eine Stütze finden, dagegen sei eine ausgiebige Hilfe des spanischen Königs, des Papstes und des Baiernherzogs sehr fraglich: an Rath werde es allerdings nicht fehlen. Zwar räume der Augsburger Religionsfriede dem Landesfürsten das Recht ein, seinen Unterthan der Religion wegen auszuschaffen; davon habe man aber sehr wenig: denn da würde der geringere Theil im Lande bleiben, und einige ausschaffen, andere aber nicht, das gehe auch nicht an. Vielmehr bedürfe das Land des Erbfeinds wegen „vieler vermöglicher Leut und einer guten Mannschaft«. Schliesslich schlägt Ernst vor: man möge den Adeligen unter der Bedingung, dass sie sich von dem vierten Stande trennten, ein Zugeständniss machen. Habe man nur jene einmal befriedigt, so brauche man sich um diesen nicht mehr viel zu sorgen. Wenn man auch den Städten nichts ausdrücklich bewilligen könnte, so solle man doch auch ihnen etwas durch die Finger sehen, bis man auch diesen Uebelstand durch moralische Mittel, d. h. durch , gute Versehung der Kanzeln“, beseitigt habe. Sehen wir uns nun die in diesen Berichten geäusserten Grundsätze im Zusammenhang mit dem Reformationsedict an, das er ein Jahr früher erlassen haben soll. Der Erzherzog, der im Jahre 1579 sagt: wenn man einen Befehl gibt, so soll man ihn auch ausführen können, sonst mache man sich nur lächerlich; wenn man alle Andersgläubigen ausschaffen möchte, werde der kleinere Theil dableiben, das dürfe man aber nicht wegen der Steuerkraft; man solle ihnen gegenüber ein klein wenig das Auge zudrücken, bis man durch geistige Mittel, Lehre und Predigt, so weit sei, auch da Wandel zu schaffen: dieser Erzherzog soll ein Jahr vorher befohlen haben, die Bürgerschaft habe zum alten Glauben zurückzukehren oder innerhalb einer kurzen Frist das Land zu räumen, jeder Bewerber um das Bürgerrecht habe sich der Obrigkeit vorzustellen, damit sich diese von seiner Rechtgläubigkeit überzeuge? Dass der Erzherzog nicht etwa anfänglich so aus Unkenntniss der Verhältnisse gehandelt hat und erst später vorsichtig wurde, beweist seine Haltung dem Kaiser gegenüber, als er gegen Anfang März 1577 einen ganz unscheinbaren Befehl für Wien allein kundmachen sollte. (Vgl. S. 10.) Wir sehen den Hof die ganze Zeit her ängstlich bemüht, den Anschluss des vierten Standes an die zwei Adelsstände zu verhindern: ein derartiger Befehl hätte ihn nun unfehlbar in ihre Arme getrieben und damals ohne Zweifel die bedenklichsten Folgen gehabt. Alle bisherigen Verfügungen sind von der einen Idee geleitet: man muss an der Concession festhalten und nur die Ueberschreitungen nach Thunlichkeit abstellen, vor allem das Grundübel, die Prädicanten, unschädlich machen und da mit Wien anfangen. Mehr als dieses Festhalten an der Concession verlangte nicht einmal der resolute Herzog Albrecht, der selbst erklärte, an eine Restauration der katholischen Kirche sei vorderhand nicht zu denken. Und der kaiserliche Hof, über den er sich gelegentlich lustig machte, weil er mehr Rath suche, als ausführe, soll noch weit mehr gethan und entgegen den Mahnungen des bairischen und anderer benachbarter Höfe eine Richtung eingeschlagen haben, die nach aller menschlicher Voraussicht zur Revolution geführt hätte? Konnte er da auch noch auf ihre Unterstützung rechnen? Es gab ja zu allen Zeiten Staatsmänner, die nicht auf der Höhe der Situation standen: aber zu dem Reformationsedict hätte damals Niemand von den massgebenden Räthen, wie wir sie kennen, gerathen. Der einzige, der es gethan haben könnte, war Professor Eder; aber gerade dieser Rath war als anerkannter Heisssporn kaltgestellt. Das Wort , Religionsreformation“, das in diesem Edict enthalten ist, kommt damals noch gar nicht vor, sondern erst nach 1585; überhaupt vermied man es die erste Zeit ängstlich, jemand der Religion wegen zu strafen. Man kehrte immer die politische Seite des Ungehorsams heraus. Die kaiserlichen Beamten, die sich der protestantischen Bewegung des vierten Standes angeschlossen hatten, werden Ende 1579 ihres Ungehorsams wegen gestraft, weil sie gegen das kaiserliche Verbot in Religionssachen verhandelt hätten, nicht weil sie Protestanten waren. Ebenso wenig begegnen wir vor Ende 1585 dem Schlagworte , Zustiftung“, und auch diese sollte erst dann geschehen, wenn gütliche Ermahnung, dann beim zweiten Male vierzehntägiger Arrest erfolglos geblieben wäre.

Nein, immer nur ist es das Verbot des evangelischen Gottesdienstes oder, wie man sagte, jeder , Neuerung“, das die in diesem Zeitraum ergangenen Befehle aussprechen. Von dem Verbot der Cultusfreiheit bis zum Glaubens- und Gewissenszwang ist noch ein weiter Weg. Auch der wurde gemacht; langsam, aber sicher, nach dem erprobten bairischen Recepte und dem darnach Ende 1577 fabricirten Regierungsprogramm: Bestellung einer tüchtigen Seelsorgeschaft, Vertreibung der Prädicanten, allmälige Katholisirung der Stadtämter. Erst dann, wenn die Spitzen der Bürgerschaft gewonnen waren, konnte man an die Rückkatholisirung denken: vorher war jede Massregel im besten Falle ein Schlag ins Wasser. Kaiser Ferdinand I. hatte der Regierung eine nicht unbedeutende Einflussnahme auf die Bürgermeister-, Richter- und Rathswahlen verschafft; davon machte sie jetzt eifrig Gebrauch, besonders als es ihr im Landtag 1580 gelang, die gefährliche Verbindung der drei weltlichen Stände zu sprengen. An dem Passauischen Official Melchior Klesl hatte man zur selben Zeit einen unermüdlichen Reformator des Clerus und einen unerschrockenen Streiter für die alte Kirche gewonnen. Mit bewunderungswürdigem Geschick und grossem Raffinement gewann er schon nach kurzer Zeit auf eigene Faust einige Pfarren, wie Krems und Stein, zurück. Er lässt dem Erzherzog keine Ruhe, er ist die Secle aller folgenden Massnahmen. Bereits Ende 1585 konnte man das schon erwähnte Mandat an sämmtliche Städte und Märkte ergehen lassen, wonach jeder, der fremden Gottesdienst besuche, zuerst verwarnt, dann mit Arrest von 14 Tagen und endlich mit Zustiftung und Landesverweisung innerhalb sechs Wochen bestraft, und nur der zum Bürger aufgenommen werden sollte, der sich verpflichtete, der Obrigkeit in Allem zu gehorchen. Damit in engem Zusammenhang findet sich allerdings auch die ganz allgemein gehaltene Mahnung und Aufforderung, sich bei der „ordentlichen“ Pfarrkirche finden zu lassen, die Sacramente zu empfangen und am Frohnleichnamsfeste theilzunehmen ).

Man darf aber nicht vergessen, dass alle die bisher angezogenen Befehle an den Bürgermeister, Richter und Rath gerichtet waren, welche man als Vertreter des Landesfürsten, als behördliche Organe, betrachtete; von ihnen als „Vorgeher“ verlangte man also, dass sie dem gemeinen Mann“ kein ärgerliches Beispiel geben sollten. Damit war eben durchaus nicht gemeint, ihr Gewissen zu beengen und sie zum Abschwören ihres Glaubens zu nöthigen: nein, man fasste es als eine äussere Repräsentationspflicht auf. So meinten die kaiserlichen Commissäre (Jänner 1585) den Rathsherren der Stadt Bruck a. d. Leitha gegenüber: Wenn Klesl zu lutherischer Predigt gehe und evangelische Reichsfürsten, wie der Kurfürst von Sachsen, auf dem Reichstag den Kaiser zur Kirche begleiten, so könnten auch sie ohne besondere Gewissensscrupel am katholischen Gottesdienst theilnehmen *). Die Bürgerschaft dagegen wird durch diese Anordnungen nur indirect berührt: der Magistrat, heisst es, habe dafür zu sorgen, dass sie die Seelsorge bei keinem Prädicanten vor oder in der Stadt, sondern bei ihrer ordentlichen Pfarre suchte. Noch im Anfange des Jahres 1585 wird dem Magistrat der Stadt Bruck a. d. Leitha die Wahl der Mittel freigestellt; es heisst nur, er möge durch , ernstliche“ Mittel, nöthigenfalls durch Bestrafung, die Befolgung des Auftrages erwirken, und dabei war es der Regierung

*) Auch Kaiser Max II. erliess 1571 (30. Mai) an die Stadt Wien, die Regierung und die Universität die Verordnung, die Frohnleichnamsprocession in der herkömmlichen Weise zu feiern; Hopfen, Kaiser Max II. und der Compromiss-Katholicismus, S. 323.

*) Pröll, Die Gegenreformation in der landesf. Stadt Bruck a. d. L., S. 25fg.

« السابقةمتابعة »