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Fast mit denselben Worten, aber noch dunkler ist diese Sage von Muhamed in den Koran (Sure 27 v. 44) aufgenommen worden. Dort lautet sie wie folgt: „Darauf wurde zu ihr gesagt: Gehe hinein in diesen Palast. Als sie diesen sah, glaubte sie, es sei ein großes Waßer und entblößte daher ihre Beine. Salomon sagte aber zu ihr: Es ist ein Palast mit Glas belegt."

Ausführlicher wird die hier nur angedeutete Ursache, warum Salomo sich in einen Glaspalast setzte, in der arabischen Sage bei Weil (Bibl. Legenden d. Muselmänner p. 267) erzählt. Dort heißt es: „Er (d. h. Salomon) wollte aber auch, ehe er einen näheren Umgang mit ihr pflegte, über ihren Körper im Reinen sein und sehen, ob sie wirklich Eselsfüße habe, wie ihn mehrere Satane glauben machen wollten"; und weiter: „er ließ sie daher durch einen Saal führen, dessen Boden von Krystall war, unter welchem Wasser floß mit allerlei Fischen. Balkis (so heißt die Königin von Saba in der arabischen Sage), welche nie einen krystallenen Boden gesehen, glaubte, sie müsse durch das Waßer waten und hob ihr Kleid bis zu den Knien auf, und Salomon erblickte zu seiner großen Freude einen regelmäßig gebildeten Frauenfuß." Hier haben wir schon den Übergang vom jüdischen zum deutschen durch arabische Vermittlung; denn hier fließt wirklich Waßer, sie hat Eselsfüße, und zum Schluß „ein schöner Frauenfuß". In einer der jüdischen näher stehenden Faßung, die überhaupt mehr nach dem Osten hinweist, wie wir bald sehen werden, ist die arabische Version bei Hammer: Rosenöl I, p. 162.

„Die Dschinnen hatten die schöne Königin bei Salomon verschwärzt, sie habe Haare auf den Füßen. Sich deß zu überzeugen, befahl Salomon den Dschinnen, sie sollten dem Thron einen künstlichen Schmelz unterlegen, der das Waßer täuschend nachahmte. Als Balkis hinzutrat, hob sie das Kleid auf, in der Meinung, sie habe durch Waßer zu waten. Salomon sah die schönste Wade und den glattesten Knöchel, geformt zum Entzücken, ohne ein Härchen daran." Damit stimmt die indische Form in dem Mahabharata bei Liebrecht zur Volkskunde S. 115 f. Hier ist ebenfalls ein krystallener, mit edelsteinernen Lotus bedeckter Fußboden, der vom einfältigen Durjôdhana für einen Wasserteich gehalten wird, und er zieht daher sein Kleid in die Höhe.

Der Übergang vom Orient zum Occident scheint durch die in Sicilien localisierte Sage vom Magus Heliodor vermittelt worden zu sein. In den „Acta Sanctor. Febr. IH de S. Leone taumaturgo" heißt es eben: „alias (mulieres) iter facientes, falsa fluminis specie objecta, indecore nudari compulit, et per siccum pulverem, quasi aquam inambulare" s. Comparetti: Virgilio nel evo medio Livorno 1872, II, p. 110, Nr. 3.

Bei Gelegenheit will ich hier noch zu den von Liebrecht a. a. 0. angeführten Parallelen, die sich auf den „Hahnenbalken" Grimm, К. M. Nr. 149 beziehen, einige in Rumänien mündlich gehörte Schwanke mittheilen.

„Ein Gaukler zeigte der versammelten Menge, daß er durch einen Balken kroch Inzwischen kömmt ein Töpfer mit einem Wagen voll Töpferwaare angefahren. Da er in der Mitte angekommen war, hatte der Zauber keine Wirkung über ihn, und er sah deutlich, wie der Gaukler nicht durch, sondern über den Balken kroch. Er hält auch mit seiner Entdeckung nicht zurück und ruft es laut der Menge zu. Da ruft ihm der Gaukler zu: sieh doch lieber deinen Wagen voll Schafe! Erstaunt dreht sich der Töpfer um und sieht wirklich Schafe, unter die er mit seiner Peitsche dreinhaut, und nicht eher aufhört, bis das letzte weg ist. Da öffnen sich ihm die Augen und er sieht, daß er all seine Waare zerschlagen hat."

Eine zweite Erzählung, die auch den von uns oben behandelten näher steht, lautet:

„Ein Zauberer schließt zuerst alle Ausgänge und füllt das Zimmer allmälig mit Waßer. Die entsetzte Gesellschaft sucht sich vor dem immer höher steigenden Waßer zu retten, und Einer darunter steigt auf den Ofen. Da aber das Waßer immer mehr steigt, denkt er, was soll er erst warten bis das Waßer ihn erreicht, lieber springt er gleich in die Fluthen und fiudet einen schnelleren Tod. Gedacht, gethan und unser Mann liegt langaus auf dem Boden."

In der jüdischen Sage verwandelt sich der Satan in einen mächtigen Strom und sucht dadurch Abraham von seinem Vorhaben, Isak zu opfern, abzubringen. Abraham aber, der sonst an dieser Stelle nie Waßer gesehen, vermuthet einen Streich des Satan und wendet sich zu Gott mit der Bitte um Abhilfe. Gott winkt, und Abraham und seine Begleiter finden sich auf dem Trocknen. (Sepher hajaschar. Midrasch Wajascha im Bet-hamidrasch ed. Jellinek I, p. 36.)

Um nun zu unserem Ausgangspunkte wiederzukehren, sei noch erwähnt, daß ebenso wie im deutschen Glauben auch im jüdischen der Hahnschrei die Geister vertreibt. Levitic. rab. sect. 5.

BRESLAU, 28. October 1879. Dr. M. GASTER,

KLEINE MITTHEILUNGEN.

I. Das Wassergrab. Daß Alarich im Bette des Busento begraben wurde, ist allbekannt. Diese Begräbnißweise findet sich aber auch noch sonst; so heißt es von Cordeila, der Tochter des britischen Königs Leirus (Shakespeare's Lear): „Cordeila vero regni gubernaculum adepta sepelivit patrem in quodam subterráneo, quod sub Sora fluvio intra Legecestriam fieri praeceperat." Galfredi Monom. Hist. Brit. 2,14. Nach einer ungarischen Sage soll Attila in der Theiß (San-Marte, Artursage S. 17 sagt „Etsch") begraben worden sein, und Gleiches wird auch von Nanek Sikh, dem Stifter der Religion der Sikhs berichtet, der im Jahre 1559 im Bette des Ravy begraben wurde. Nach Dapper wurden die Könige der Negervölker Bena [Benga?] und Susos [Susu, in Sierra Leona] oft im Bette von Flüssen begraben, um die ihnen mitgegebenen Schätze zu sichern, und auch von den Negern am Bonny, zwischen Neu- und AltCalabar in Ober-Guinea, wird berichtet: „Le corps des chefs est enterré avec des précautions extraordinaires pour dérober la connaissance du lieu de sépulture. Généralement il est caché au fond d'une rivière. On nous a affirmé que souvent on égorgeait les esclaves qui avaient été chargés de l'ensevelissement, ainsi que faisaient jadis les Gaulois et d'autres peuples de l'antiquité." L'Afrique Equatoriale etc. par le Marquis de Compiegne. Paris 1875 p. 78. Welche Angaben in Betreff der Gallier und anderer alten Völker hier gemeint werden, weiß ich leider nicht zu sagen; jedenfalls aber ersehen wir aus dem oben Mitgetheilten, wie weit verbreitet ehedem die in Rede stehende Sitte in allen Theilen der alten Welt gewesen ist.

II. Ein seltsames Schloß. In Kriechel's Reisen (1585-1589), S. 154 (86. Public, des Literar. Vereins zu Stuttg.) lesen wir, daß sich im Palast des Dogen zu Venedig neben dem großen Rathssaal zur linken Hand l'arsenale del duca befindet, bestehend aus fünf großen Zimmern hinter einander; in dem vorletzten befindet sich ein kleines verschloß enes Kästlein und darin „ist under anderm auch zu sehen ein geschrauft werckh von stahl oder eysenn gemacht, wölches mann einer s. v. vulva kan fürschraufen, do 'il marito' ein mißtrauen in 'sua donna' stöllt". — Dergleichen Schloß er werden auch sonst noch erwähnt: „On a infibulé les femmes de diverses manières ... voici celle qu'on pratique communément: on leur met une ceinture tressée de fils d'airain et cadenacée au dessus des hanches par le moyen d'une serrure composée de cercles mobiles où sont gravés un certain nombre de caracteres ou de chiffres. Parmi les chiffres, il n'y a qu'une seule combinaison possible pour comprimer le ressort du cadenas, et cette combinaison est le secret du mari. On accuse les Italiens modernes de faire usage de cet instrument." Démeunier, L'esprit des usages et des coutumes des différents peuples. A Londres et к Paris 1786. I, 124 f. Siehe auch: Plaidoyer de M. Freydier, avocat к Nismes, contre l'introduction des cadenats ou ceintures de chasteté. Montpellier 1750. Aber auch über Europa hinaus findet oder fand sich der Gebrauch dieser curiosen Schlösser; denn „l'usage de cadenas ou ceintures de chasteté en Europe, en Italie surtout (Rabelais les appelle 'bergamasques') n'est pas inconnu parmi les Malais; voir „Geographical and ethnological Elucidations to the discoveries of M. C. Vries in the East and North of Japan. Amsterdam 1859 p. 112."

III. Eine seltsame Lehnsleistung. „John de Cúrtese held thirty acres of land in Stow, in the county of Cambridge, by the serjeanty of carrying a truss of hay to the necessary-house of our lord the king, when the King passed through those parts, and it is rated at the exchequer at ten shillings a year (Johannes de Cúrtese tenuit XXX acras terrae in Stow, in com. Cantab, per serjantiam adducendi unam trussulam foeni ad cloacam domini Regis, cum ipse Rex transierit per partes illas; et arrentatur ad Scaccarium domini Regis ad X s. per ann. Placita Coronae apud Cantabrigiam, 21 Edw. I.) Blount's Tenures of Land etc. ed. Carew Hazlitt. Lond. 1874 p. 300. — Eine ganz gleiche Leistung fand sich auch in Frankreich. „Le seigneur de Chourée est obligé, lorsque la dame de Montreuil Bellay va la première fois к Montreuil Bellay, de la descendre de sa monture ou voiture, et de lui porter un plein sac de mousse ès lieux privés de sa chambre (Piganiol de la Force, Anjou XII). Michelet, Origines du Droit français, p. 258.

IV. Uber den Tisch springen. In der Germ. XIV, 394 und in der Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte, neue Folge 1872, S. 358 f. habe ich gezeigt, daß ehedem, wer bei Gastmählern aus irgend einem Grunde hinter dem Tisch hervorwollte, über denselben hinwegspringen mußte; dieß geschah, wie ich nachgewiesen, nicht nur in Deutschland und Dänemark, sondern auch in Frankreich und Italien, und wer weiß wo sonst noch; denn in Betreff Englands kann ich nun folgendes Zeugniß beibringen: „Scogin did marke the fashions of the court and among all other things hee did marke how men did leape over the table in the King's hall to sit downe at dinner and supper, which is not used now." The Jests of Scogin, in den Shakespeare Jest-Books ed. Carew Hazlitt. Lond. 1864 vol. II p. 105. Scogin soll um 1480 gelebt haben, die erste Ausgabe der Jests im J. 1565 erschienen sein; s. a. a. O. p. 38. 40. Zu Scogin's Zeit war also die Sache in England schon außer Gebrauch gekommen, während sie in Dänemark erst durch eine Verordnung Friedrichs II. vom 31. Mai 1586 untersagt wurde. Svend Grundtvig, Danmarks Garnie Folkeviser IV, 754 hat letztere im Original mitgetheilt.

V. Thaustreicherinnen. Von diesen Hexen spricht Grimm D. M. 2. A. 1026; Simrock 4. A. 472. In Frankreich sind es Männer, die diesen Zauber treiben: Les pratiques du caillebotier tendent à soustraire à son profit, ou au profit de celui qui les paie, tout le lait des vaches, tout l'embonpoint du bétail du premier venu. Pour cela, il met en oeuvre une foule de procédés dont voici les principaux. ... Le jour de la Saint-Jean, quelque temps avant le lever du soleil, il parcourt tous les prés, tous les pâtis de son voisinage, recueille dans chacun une certaine quantité de rosée, et, à son retour, en asperge les lieux ou paît d'habitude son bétail." Laisnel de la Salle, Croyances et Legendes du Centre de la France. Paris 1875. I, 238. Diese 'caillebotiers' nennt man anderwärts „ramaseu' de rosée." Illustration XXV, 109.

VI. Krankheit übertragen. S. Grimm a. a. O. 1122 f. Dazu gehört auch folgender peruanischer Aberglaube: „Wenn Jemand Fieber hatte, machte man einen kleinen Hund aus Mehlteig und setzte ihn auf einen Magueystrauch, in dem Glauben, daß der erste Vorübergehende das Übel mit sich nehme." Waitz, Anthropol. 4, 165 (1. Ausg.).

VII. Meister und Geselle (Lehrling). Uber die Sage, wonach ersterer den letzteren aus Neid und Eifersucht tödtet s. Kuhn, Westfäl. Sagen Nr. 169. 418. Hierher gehören auch folgende Sagen: „En 1439, maître Berneval ayant à dresser le plan de deux roses latérales de l'église [de l'abbaye de St. Ouen],

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