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Lob, Seite an Seite neben den Sprachstrebern als seinen Freunden" *); aber bei Garborg lauten die Worte bereits wieder härter (S. 86—94), und in der neuesten Zeit hat sich der Dichter selbst in einem Sendschreiben, welches er in „Oplands Avis" veröffentlichte**), sehr schneidig gegen das „norsk-norske" und für das „dansk-norske Maalstraev" erklärt. Harmonischer gestaltet sich dagegen wieder die Sprache bei Henrik Ibsen (geb. 1828), dem zweiten der beiden Koryphäen der neueren norwegischen Literatur. In seinen Schriften, in welchen nach Storm's Urtheil „die dänisch-norwegische Sprache zur Zeit ihre Classicität" erlangt hat, finden sich keinerlei anstößige Danismen, und nur sehr selten einzelne Suecismen oder abnorme Wörter, dagegen um so öfter körnige norwegische Ausdrücke, welche der Meister vortrefflich zu verwenden weiß, ohne jemals durch Vulgarismen den mindesten Anstoß zu geben; die kaum weniger geniale, aber zugleich ungleich kritischere Anlage dieses Dichters läßt ihn sprachliche Auswüchse und Unebenheiten mit sicherem Takte vermeiden, ohne daß doch dadurch die Kraft und nationale Färbung seiner Werke etwas einbüßte. Ein ähnliches Durchschlagen der norwegischen Nationalität bemerkt man auch bei den übrigen neueren Schriftstellern, wie denn z. B. Jonas Lie's (geb. 1833) in Kopenhagen erschienene Schriften mit fortlaufenden sprachlichen Erläuterungen versehen werden mußten, um sie dem dänischen Leser verständlich zu machen; ja sogar die am Meisten „dänischen" unter den norwegischen Verfaßern, wie z. B. der Dichter A. Munch (geb. 1811) können sich des gelegentlichen Gebrauches lediglich norwegischer Ausdrücke nicht enthalten, so daß sogar sie in Dänemark einen fremdartigen Eindruck machen. Storm erwähnt noch, daß norwegische Zeitungsartikel erst gründlich durchcorrigirt zu werden pflegen, ehe ein dänisches Blatt sie wiederzugeben wagt, und er läßt auch nicht unbeachtet, daß selbst dänische Schriftsteller, wie z. B. N. M. Petersen, die begonnene und immer weitergehende Abtrennung der norwegischen Schriftsprache von der dänischen unumwunden anerkennen; er führt endlich (S. 46) eine lange Reihe der gewöhnlichsten dänischen Wörter einerseits und norwegischen Wörter andererseits an, von welchen die ersteren in Norwegen und die letzteren in Dänemark schlechterdings nicht verstanden werden. Für mich wenigstens hat diese sprachgeschichtliche Auseinandersetzung um so mehr etwas sehr Uberzeugendes, als ich aus eigener Erfahrung weiß, wie wenig schwer es hält,

*) Hvad vi Maalstrsevere vil, S. 17.

**) Ich entnehme dasselbe „Dagbladet" Nr. 28 (Christiania, 3. Februar 1879). innerhalb der gegenwärtig lebenden Generation die norwegischen Schriftsteller von den dänischen zu unterscheiden. In der That kann auch dieser Umstand in keiner Weise auffallen, wenn man bedenkt, daß Norwegen nach seiner Trennung von Dänemark schrittweise sich davon entwöhnen muß, in Kopenhagen sein geistiges Centrum zu sehen; daß Norwegen und Dänemark an Bevölkerungszahl sich nahezu gleich stehen*), so daß auch in dieser Beziehung von einem Ubergewichte des letzteren Reiches über das erstere keine Bede sein kann; daß endlich die geographische sowohl als ethnographische Verschiedenheit beider Länder und Völker groß genug ist, um schon von sich aus ein Auseinandergehen der beiderseitigen Sprachen zu bedingen.

Aber wenn ich mit J. Storm übereinstimmend diese allmähliche Norwegisirung der Schriftsprache für unvermeidlich, und zugleich darum als unbedenklich ansehen muß, weil dieselbe keinen plötzlichen Sprung in der Entwicklung fordert, und somit auch die Gefahr einer völligen Entfremdung zwischen der dänischen und norwegischen Schriftsprache ausschließt, so muß ich mich demselben Verfaßer nicht minder auch insoweit anschließen, als er sich auch gegenüber dem „dansk-norske Maalstraev" mit aller Bestimmtheit gegen jedes gewaltthätige und überstürzende Verfahren erklärt, von welchem selbst der sonst so vielfach verdiente K. Knudsen sich keineswegs freigehalten hat. „Die Sprache erneuert sich selbst, wie die Natur", meint Storm (S. 47), und „die großen Sprachreformatoren haben nur das vor anderen Verfaßern voraus, daß sie das Beste gewählt haben." Selbst entschiedene Fremdwörter will er nicht gewaltsam aus der Sprache ausgestoßen wißen, indem er darauf aufmerksam macht (S. 48), wie solche bereits ine Altnordische massenhaft eingedrungen waren, auf welchen Punkt auch ich schon in meiner Festschrift über das älteste Hofrecht des Norden S. 17 bis 20 (1877) hingewiesen hatte; in dieser wie in anderen Beziehungen will er vielmehr die allmähliche Reinigung der Sprache von fremdartigen Beimischungen lediglich dem natürlichen Gange der Dinge überlaßen wißen, indem er der Uberzeugung lebt, wenn man die Sprache nur in Ruhe sich entwickeln laße, werde ohne allen Bruch in deren Geschichte eine Sprache sich ausbilden, welche von der dänischen und schwedischen nicht weit genug abstehe, um das gegenseitige Verständniss zu hindern, und welche doch selbständig genug sei, um als ein richtiger Ausdruck für die Eigenthümlichkeit des norwegischen

*) Nach Brehm's und Wagner's Bevölkerung der Erde V, S. 13 (1878) zählte Dänemark im Februar 1876 1,903.000 Seelen, Norwegen aber am 31. December 1875 deren 1,807.656.

Geistes gelten zu können. Als das rechte norwegische „Landsmaal" betrachtet er hiernach die dänisch-norwegische Sprache, und die Berechtigung des „norsk-norske Maalstraev" erkennt er nur darin, daß dasselbe das nationale Element in der Sprache dem Fremden gegenüber gestärkt, und der Schriftsprache eine Reihe körniger Wörter und Wendungen zugeführt habe. Im Hinblicke aber auf die gesammte Geschichte der sprachlichen Bewegung in Norwegen laßen sich die Ergebnisse J. Storm's allenfalls auch folgendermaßen zusammenfaßen. Mit P. A. Munch's späteren Ausführungen übereinstimmend, hält derselbe an der dänisch-norwegischen Schriftsprache als der Grundlage jeder gesunden weiteren Entwicklung fest, jedem gewaltthätigen Eingreifen in diese Entwicklung und jeder künstlichen Sprachmacherei entschieden entgegentretend, von welcher Seite dieselbe auch kommen möge; wie Munch verschließt er sich darum aber doch nicht der Einsicht, daß auf ganz naturwüchsigem Wege die norwegische Schriftsprache sich mit der Zeit von der dänischen abzweigen und eine selbstständigere Gestalt dieser gegenüber annehmen könne. Aber während Munch diese letztere Möglichkeit nur flüchtig erwähnt hatte, ohne ihr weiter nachzugehen, widmet Storm gerade ihr eine sehr eingehende Erörterung, welche ihn zu der Erkenntniss führt, daß, was Munch nur als möglich hingestellt hatte, bereits wirklich und im vollen Gange sei, und er weist zudem mit voller Sicherheit den Weg nach, auf welchem die ins Auge gefaßte Umbildung der dänisch-norwegischen Schriftsprache zu einer ausschließlich norwegischen sich vollziehe und vollziehen müße, indem er darthut, daß diese Schriftsprache aus der Umgangssprache der gebildeten Classen fortwährend Stoff und Formen an sich ziehe, während diese höhere Umgangssprache in gleicher Weise fortwährend aus den Dialekten sich erneuere und stärke; insoweit steht er wesentlich auf derselben Linie mit dem „dansk-norske Maalstrsev", nur freilich mit Vermeidung aller der Gewaltsamkeit und Willkürlichkeit, welche sich in dieses vielfach eingedrängt hat, und mit ungleich klarerer Einsicht in den allein möglichen Gang der Dinge. Mit dem „norsk-norske Maalstrsev" aber hat Storm nicht nur wie mit dem „dansknorske Maalstrasv" die Uberzeugung gemein, daß Norwegen zu einer eigenen Schriftsprache kommen solle und werde, sondern er begegnet sich mit ihm auch in dem hohen Werthe, welchen er den Volksdialekten des Landes beilegt, und in der Ansicht, daß von diesen aus die Bildung dieser eigenen Schriftsprache ausgehen werde, nur freilich nicht, wie die Anhänger jener ersteren Richtung wollen, unmittelbar durch eine künstliche Destillation aus der Gesammtheit der Mundarten, sondern vielmehr mittelbar und allmählich durch den naturgemäßen Einfluß, welchen diese auf die gebildete Verkehrssprache, und weiterhin durch diese letztere wiederum auf die Schriftsprache zu üben berufen sind. Den drei bisher sich bekämpfenden Richtungen je in ihrer Weise gerecht werdend, dürfte die gediegene Erörterung des trefflichen Sprachforschers auch in der Sache selbst das Richtige getroffen haben; ob man sich freilich bei ihr in Norwegen selbst sofort beruhigen werde, ist eine andere Frage, welche ich nicht zu beantworten wage.

MÜNCHEN, den 29. März 1879. KONRAD MAURER.

SALOMON UND MOROLF.

In dem Nachfolgenden habe ich es nicht mit dem Spruchgedicht zu thun, welches der bei weitem berühmtere Theil der in der Uberschrift genannten Dichtung ist, sondern mit dem minder bekannten erzählenden. Diesen aber besitzen wir in einer längeren und einer in manchen Punkten von ihr abweichenden kürzeren Fassung, welche letztere allein das Spruchgedicht mitenthält, obschon es von demselben ursprünglich ganz verschieden war, wenn auch beide Fassungen des erzählenden Theiles die Namen Salomon und Morolf dem Spruchgedicht entliehen und sie auf andere Gestalten übertragen haben. Wann und wo die Zusammenschweissung des letzteren und des epischen Theiles stattgefunden, beabsichte ich hier nicht zu untersuchen; dagegen will ich den Sagenkreis nachweisen, dem die genannte epische Erzählung angehört, und zu diesem Zwecke und grösserer Anschaulichkeit wegen zuvörderst eine gedrungene Inhaltsangabe der beiden Versionen aus v. d. Hagens und Büschings Ausgabe folgen lassen; zuerst der längeren.

Salomon, König von Jerusalem und über alle Christenheit, raubt die schöne Salome (oder Salme) Tochter des Königs Cyprian von Indien und nimmt sie zur Frau (V. 1—108). Der heidnische König Pharo von jenseit des Wendelsees läßt durch eine Botschaft von Salomon dessen Weib fordern, fährt nach Salomons Weigerung mit einem Heere über das Meer und legt sich vor Jerusalem, worauf er nach wiederholtem abschlägigen Bescheide Salomon zu einer Schlacht auffordert (109—340). Letzterer sammelt ein Heer (341—365), besiegt Pharo und nimmt ihn gefangen (366—407). Salomons Bruder Morolf (281) räth Pharo zu tödten oder ihn seiner Wacht zu überantworten (408

GEBMANTA. Neue Eeihe XIII. (XXV.) Jahrg. 3

bis 421), jedoch Salomon läßt ihn am Leben und vertraut ihn der Obhut seiner Frau trotz der Warnung des klugen Morolf, kein Stroh zum Feuer zu thun (422—476). Der zauberkundige Elias sendet übers Meer seinem gefangenen Ohm Pharo einen Liebe erweckenden Zauberring *), den dieser seiner Wächterin Salme zum Geschenk macht, worauf diese die Wirkung desselben an sich empfindet (477—511). Sie läßt Pharo frei (512—585), und dieser sendet, wie er versprochen, nach einem halben Jahre einen Spielmann mit einer Zauberwurzel, die Salme in den Mund nimmt, worauf sie alsbald wie todt niedersinkt, obwohl ihre Gesichtsfarbe unverändert bleibt (586—640). Morolf traut der Sache nicht und gießt ihr heisses Gold durch die Hand hindurch; doch bringt er nichts zu Wege und soll, vom Hofe verbannt, nie wieder das Antlitz des Königs schauen (641—710). Morolf geht fort und kriecht in einen am Wege stehenden Ofen, in welchem er den hineinschauenden Salomon den Hintern sehen läßt (711—735). Die scheintodte Königin wird demnächst in einem goldenen Sarge begraben und Morolf legt dann auf das Grab einen fudergrossen Stein, trotz welchem der Spielmann am dritten Tage danach die Königin heimlich zu seinem Herrn, dem König Pharo, Ubers Meer bringt (736—760). Salomon klagt nach geschehenem Schaden dem Morolf sein Leid und fleht ihn an, ihm seine Frau wieder zu verschaffen (761—823). Morolf ermordet in Folge dessen einen Juden, zieht ihm die Haut vom oberen Theil des Körpers ab und zieht sie an seinen eigenen Leib, nachdem er sie zauberisch zugerichtet**), so daß ihn selbst Salomo nicht erkennt (824—904). In einem ledernen Schiffe***) fährt sodann Morolf übers Meer nach Wendelsee (hier Name des Landes) und gelangt in die Königsburg, wo ihn aber die Königin Salme nach mehreren Zwischenfällen und nachdem er unter anderem beim Schachspiel mit ihr sein Leben eingesetzt f) und

*) Einem derartigen Ringe begegnen wir auch sonst noch; s. z. B. Grimm DS. Nr. 462 „Der K'n6 'm See bei Aachen" und vgl. Germ. XVI, 216 f.

**) Über dergleichen Häute vgl. Reinhold Köhler in den GGA. 1870, S. 1272 f. zu Nr. 9, füge hinzu Grimms KM. Nr. 179 „Die Gänsehirtin am Brunnen"; doch schließt sich an diese Verstellung ein ausgedehnter Mythenkreis, auf den ich hier nicht näher eingehen will.

***) Lederschiffe hatten nach Herod. 1, 194 die Armenier; auch die Äthiopier sollen sie gehabt haben.

f) Dergleichen hohe Einsätze beim Spiel waren nicht ungewöhnlich, namentlich im Orient; das Beispiel aus Nal und Damajanti ist allbekannt; in dem hindustanischen Roman „Die Rose von Bakawali" verlieren die drei Söiine des Königs Zainulmuluk Habe und Freiheit im Puffspiel mit einer Buhlerin (s. Garcin de Tassy, Allégories, Récits poétiques etc. traduits de l'Arabe etc. Paris 1876, p. 10 ff.); andere Beispiele Ubergehe ich.

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