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Helleviur bezeichnen wollte. Daß dieser Vegeviur in Mitteldeutschland zu Hause war, ergibt sich aus den Reimen wir sint (: leint) Str. 2; lob: hob Str. 3; sunde : gründe Str. 4; nacht : volbracht Str. 5; geatên : vlên Str. 6. К. BARTSCH.

MORGENSTUNDE HAT GOLD IM MUNDE.

Der heutige Sinn dieses Sprichwortes ist wohl ziemlich modern; die ländliche Bevölkerung, und auch die städtische früherer Zeit, brauchte keine Mahnung zum Frühaufstehen, weil dies allgemein Sitte war, wie es noch heute bei den Bauern ist, aus ganz natürlichen Gründen; die Mahnung richtet sich an die städtische Bevölkerung neuerer Zeit, die einen Theil der Nacht zum Tage macht und dafür den besten Theil des Morgens verschläft. Modern scheint auch die Reimform des Spruches, aber alterthümlich klingt der Ausdruck „Gold im Munde", der schwerlich aus bloßem Reimzwang zu erklären ist. Was Wackernagel in Haupts Zeitschr. 6, 290 zur Erklärung desselben beibringt, nämlich daß es Sitte war, Goldstücke im Munde zu bergen, entspricht jedenfalls dem heutigen Sinne des Sprichwortes wenig; wir werden eher an eine mythologische Bedeutung des Ausdrucks zu denken haben. Gold als Attribut des Morgens ist noch den heutigen Dichtern geläufig und das Sprichwort ist in der Hauptsache nur ein Ausdruck jener Anschauung in Form eines Satzes, der dann aus dem Physischen ins Ethische umgedeutet wurde. Zu erklären bleibt nur das Specifische des Ausdrucks „Gold im Munde", der aus heutiger Naturanschauung und Bildersprache allerdings nicht mehr zu verstehen ist.

Simrock MythoL 5, 283 denkt an die goldenen Zähne des Lichtgottes Heimdali und sagt ganz richtig, dieses Attribut werde einst so wörtlich verstanden worden sein wie die „rosigen Finger" der Eos. Zähne von Thieren erscheinen in der mythologischen Symbolik mehrfach als Bild hervorbrechenden Lichtes, zunächst von Blitzen. Der Eber, das Bild des Sturmwindes, heißt skr. vajradanta, Blitzzahn; Kuhn, Herabk. d. Feuers S. 202. Auch die gesäeten Drachenzähne der griechischen Sage sind Blitze; Schwartz, Urspr. d. Myth. S. 139; ebenso der Zahn der Gräen, ebd. 192, 202, wo diese Zähne auch schon mit den goldenen des Heimdall verglichen werden. Was von den Blitzen galt, konnte wohl auch von den ersten Strahlen der aus dem Dunkel der Nacht oder der Gewitterwolke hervorbrechenden Sonne gelten. Den Zähnen vergleichen sich die „durch die Wolken geschlagenen Klauen" des (als Adler gedachten) Tages in dem Liede Wolframs.

Wir rinden aber in der jüngern Edda auch ausdrücklich „Gold im Munde", nur nicht Heimdalls, wohl aber der Riesen Thiassi und Idhi, welche das Gold ihres Vaters Olvaldi so theilten, daß ein jeder von ihnen seinen Mund davon voll nahm. (Bragar. c. 56). Daß Simrock dies an jener Stelle nicht anführt, hat wohl seinen Grund nur darin, daß er S. 412—13 die genannten Riesen mit Uhland als Bilder der Winde auffaßt, und allerdings wird ihnen in der Edda keine Beziehung auf das Licht zugeschrieben, außer daß des getödteten Thiassi Augen in Sterne verwandelt werden. Aber daß Olvaldi viel Gold besaß, muß doch auch einen Sinn gehabt haben, und daß Riesen auch Lichterscheinungen bedeuten konnten, zeigt wenigstens der Name des Riesen Abendrot in der deutschen Heldensage (J.Grimm, Myth. S. 710. W. Grimm Heldens.8 S. 224), dem wohl auch ein Morgenrot entsprach; jedenfalls beweist das noch im Mhd. vorwaltende männliche Geschlecht der beiden Appellativa persönliche Auffaßung der betreffenden Erscheinungen, und was von Sturmriesen gesagt wurde, konnte auf Feuerriesen übertragen werden, unter welchen Titel Simrock (S. 421) Ebenrot, allerdings unterschieden von Abendrot, gestellt hat. Seine Erklärung der erstem Namensform nganz roth«, ist schwerlich richtig, und lautlich könnte E bent- immerhin auf Ab entzurückgehen, wie aus âventiure später ebentür geworden ist; aber nach Grimm Heldens. a.a.O. sind allerdings Ab en trot und Abentrod auch genealogisch zu unterscheiden. Das -rod im letztern, auch lautlich verschieden von -rôt im erstem, entspricht dem in ahd. ta gar od, aurora, welches freilich auch in tagarôt, mhd. in tagerât, f. umgedeutet wurde. Das ethymologische Verhältniß dieser Formen unter einander und zu mnl. daghersed, ags. dägred oder -rêd scheint immer noch fraglich. Wenn ahd. tagarod die ursprüngliche Form ist und überhaupt eine Zusammensetzung vorliegt, so könnte der zweite Theil derselben auch aus Schweiz, roden, regen, rühren, erklärt werden. Aber diese Fragen sollten hier nicht erörtert, sondern nur die Möglichkeit erwiesen werden, daß in unserm Sprichwort die Erinnerung an einen Riesen Morgenrot enthalten sein könnte, der mit seinem „Gold im Munde" vielleicht dem nordischen Idhi entspräche. Dieser könnte dem Heimdali ursprünglich vorangegangen, später ihm gegenübergetreten sein, wie Riesen überhaupt Göttern desselben Naturgebietes.

ZÜRICH, September 1879. L. TOBLER.

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BRUCHSTÜCKE VON MARIENLEGENDEN.

Das hier zur Mittbeilung gelangende Fragment mittelhochdeutscher Gedichte habe ich zugleich mit jenen aufgefunden, über welche ich in den Sitzungsberichten der k. Akademie der Wiss. Philol.-Hist. Classe 1869, I. 537—556 und IL 290—321 ausführlichen Bericht gegeben habe. Es mag daher hier eine nachträgliche Bemerkung zu jenem Funde gestattet sein.

Es hatte mich immer geärgert, wenn ich in Litteratur-Büchern über handschriftliche Bruchstücke Bemerkungen lesen mußte, wie: „einst auf der Münchener Bibliothek, nunmehr verloren" oder: „nicht mehr zu finden". So ist ein Fragment von Strickers Karl als „schon seit 1831 vermißt", ein solches von Wernhers Marienleben als „seit 1ЙЗЗ nicht mehr auf der k. Bibliothek befindlich" angegeben; ähnliche Bemerkungen finden sich in der ersten Auflage von Müllenhoffs und Scherers Denkmälern bei den Nr. 84, 95, 97. Da mir ein „Verlorensein" nicht denkbar war, suchte ich an allen Stellen nach, wo sich einige Wahrscheinlichkeit des Findens bot, und es gelang mir endlich, nicht bloß alle diese vermissten Stücke, sondern auch noch einige ganz unbekannte Bruchstücke aufzufinden. Die meisten und wichtigsten Texte sind in obigem Berichte theils in verbeßertem Wiederabdruck, theils in Neudruck gegeben. Mehrere sind aber noch nachzutragen, unter ihnen das hier zu behandelnde.

Von einer Sammlung von Legenden, und zwar nach den vorliegenden zu schließen, von Marienlegenden, die zu Anfang des XIII. Jahrhunderts in außergewöhnlich schöner Schrift aufgezeichnet wurden, hat sich ein kleiner Bruchtheil erhalten. Es sind dies Bruchstücke von zwei Doppelblättern in klein 4°, Schriftbreite 11, Blattbreite 13 cm. Von beiden ist der grössere obere Theil 21 Zeilen gebend erhalten, ein unterer Streifen von vielleicht 4—5 Zeilen aber verloren; ferner ist je ein Blatt der beiden Doppelblätter am äußeren Rande so beschnitten, daß von dem Ende beziehungsweise Anfange der Zeilen bei dem einen (Seite 3. 4) etwa 11—13, bei dem anderen (Seite 7. 8) etwa 8—10 Buchstaben ungerechnet 2—3 Wortzwischenräume verloren gegangen sind. Der vorhandene Theil ist wohlerhalten (nur Z. 93 ist ganz abgerieben und Z. 231 das erste Wort kaum lesbar). Ihrem Zustande nach läßt sich schließen, daß die Blätter einst auf einem Buchdeckel aufgeklebt waren; eine Bemerkung über die Herkunft derselben findet sich aber nirgends.

Von dem Inhalt der drei oder vier Legenden, deren Bruchstücke hier vorliegen, ist der Hauptgegenstand zunächst bei zweien erkennbar. In der einen (auf dem 1. Blatte) scheint ein kranker Bruder dadurch geheilt zu werden, daß ihn die hl. Maria mit ihrer Milch speist, in der anderen (auf dem 4. Blatte) scheint den Hauptgegenstand ein Marienbild zu Byzanz zu bilden. Durch die erstere wird man zunächst an den hl. Bernhard erinnert, der seine „honiggleiche Beredsamkeit" einer solchen Speisung verdankt haben soll; doch paßt dies nicht hieher, da es sich hier um die Heilung eines Kranken handelt. Die zweite erinnert an die Legende vom „Marienbild zu Constantinopel", welche Fr. Pfeiffer in seinen „Marienlegenden (Stuttgart 1846)" unter Nr. XIII, S. 89 mittheilt: doch kann es sich nur etwa um das gleiche Bild handeln; die Erzählung ist eine ganz andere. Fachgenoßen, die sich besonders mit diesen Legenden beschäftigen, werden wohl das nöthige beibringen; mir war es zunächst nur um die Mittheilung des nicht unwichtigen Textes zu thun.

Die Mundart der Gedichte ist bairisch mit Eigenthümlichkeiten in Schreibweise und Sprache. In Bezug auf erstere erwähne ich die Vertauschung von h und ch unter sich und mit k; die häufige Ersetzung von z durch с im Anlaut vor e (und i), besonders in ze (Praep.), das dann regelmäßig mit dem folgenden Worte zusammengeschrieben ist; die häufige Bezeichnung des Umlauts üe durch iv: bivzen, grivzen, sivze, mivze*); besonders wichtig ist, daß î streng beibehalten ist, während Û schon schwankt: es finden sich 1. dvhte, trvt, 2. vz, 3. ovf, dieses viermal, was im Zusammenhalt mit der Zeit den Schreiber ziemlich weit nach Osten versetzt. — Auch das Wörterbuch erfährt durch unseren Text Bereicherung, da z. B. begeben (130) in besonderer Bedeutung erscheint, das Adjectiv genistlich (16) = heilsam und das Subst. diu dage (61) = Stillschweigen bisher weder alt- noch mittelhochdeutsch belegt sind. Diese Eigenthümlichkeiten laßen es doppelt bedauern, daß von der schönen Handschrift nur diese wenigen Überbleibsel erhalten sind.

Zu der hier befolgten Aneinanderreihung der Blätter ließ ich mich Anfangs durch den äußerlichen Umstand bestimmen, daß S. 6 unten eine neue Legende beginnt und die ersten Zeilen von S. 7

*) Weinhold, Bairiscbe Grammatik §. 95 erklärt dieses iv als auf Unsicherheit der Schreiber beruhend, was für unseren Fall, wenn man auch den Schreiber nicht gerade als sehr feinhörig bezeichnen kann, kaum ausreichen dürfte; dagegen dürfte derselbe eine Stütze für die Behauptung derjenigen sein, welche dem Mittelhochdeutschen iu die Aussprache als ü yindicieren.

offenbar dem Anfang einer solchen angehören, wobei freilich der Titel erst noch durch die weitere Erzählung gerechtfertigt werden müßte; aber dann müßten auch S. 2 und 3 zu einander passen, was nicht der Fall zu sein scheint. Da aber auch jede andere Anordnung nur willkürlich wäre, so beließ ich es bei dieser und bemerke nur, daß S. 1. 2. 7. 8 das eine, die übrigen das andere Doppelblatt bilden. Bezüglich der Zeilen habe ich da, wo der Text unverstümmelt erhalten ist, die Verse abgesetzt, bei den beschnittenen Blättern aber, um kein Missverständniss hervor zu rufen, die Schriftzeilen beibehalten und zum Behufe des Citierens im ersteren Falle nach Versen, im letzteren nach Zeilen durchgezählt.

Im Druck wurden die wenigen Majuskeln beibehalten; wo sie am Anfang von Versen stehen sind sie in der HS. auch noch durch Farbe hervorgehoben, und zwar in Zeile 56 und 100 durch roth, in Z. 31. 80. 128. 169. 204 durch grün. Der Titel (Z. 189) ist roth geschrieben. Aufgelöst ist die Abkürzung für er, die sich häufig am Schluße von Wörtern und in der Vorsilbe ver findet; beibehalten das durch einen Strich übergeschriebene n, das sich indes nur mit e und i am Schlüsse von Schriftzeilen, bei Raummangel, findet. Die wenigen v und die noch selteneren Längezeichen sind genau beibehalten.

Das Bruchstück trägt jetzt die Bezeichnung Cgm. 5249 Nr. 11.

Erste Seite.

daz ewige leben

daz si in mit ir milch begoz
daz ist do er ir wort genoz
ir 1ère vnt ir genaden trost
do wart er da cehant erlost
von allem sinem siehtvm
gotes genade was hie vrvm
div spiset vnt wol ernert
den svntaer swa ei im wert
der sih dur h vnsib toten lie
der chom ovb im cehelfe hie
Der sieche gewan di chraft
daz er wart redehaft
daz hovbet er ovf rihte
vz dem bete er erschrihte
er sah hin vnt her
die arztinnen niender sah er
er sprah weinende zv in
hie stvnt div reine

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23 Im ersten ir ist das i krumm, wie der Ansatz

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