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nagel (litteralurgesch, s. 65 ff.) alle althochdeutschen strophischen gedichte
ausser Otfrid 'leiche' genannt haben. aber der name ist weder für
die eine noch die andre gattung überliefert. die bedeutung 'chorgesang',
die Wackernagel dem worte beimisst, konnte es ohne zweifel haben, aber
der mittelhochdeutsche terminus geht nicht davon, sondern von der von
modus aus, wie Notker und die Sangaller das wort gebrauchen, vielleicht
selbst in der bekannten stelle dáz ze singenne getân ist also lied únde
léicha ohne besondere technische einschränkung, gleich 'lieder und wei-
sen'; und die ältesten mittelhochdeutschen leiche, der leich des von Gu-
tenburg, des von Rucke, der von Muri (XLII), auch der von Arnstein
(XXXVIII), wenn man den wegen der daktylischen sätze hieher und nicht
nach seiner übrigen beschaffenheit zu den alten ungleichstrophigen ge-
dichten rechnen will, waren keineswegs, soviel wir sehen, für den chor-
gesang bestimmt, da in ihnen die redende person im singular steht, wie
im modus florum XX, 1 ff. vgl. Liebinc XXI, 1, s. 336, Ottinc XXII, 63 ff.
auch von den stücken XXXIV. XLIII. XLIV in ungleichen versen ist
nach ihrem ton wohl sicher (vgl. Scherer s. 419), dass sie nicht im
chor gesungen sind, obgleich ausser der anrede in XLIII, 12, 4, und
XLIV, 5, 4 sonst der plural der ersten person in ihnen durchsteht, da
dieser hier derselbe ist wie in predigten und den gebeten XIV. XV. so ver-
fällt auch das gleichstrophige Marien lob (XL) dreimal 1, 21. 3, 1. 20
vom wir und uns in die anrede. und mit dem anfang dieses gedichts
vergleiche man den der Samariterin (X): aus 1 Lesen uuir, 2 uuizzun
thaz wird man doch nicht mit Wackernagel schliessen wollen, dass das
ungleichstrophige lied im chor gesungen wurde auch der übergang von
der ersten person sing. in die pluralis bei Ratpert XII, 1, 1. 4, im
Salomo XXXV, 1 ff. 20 (beides gleichstrophige gedichte) und häufiger
bei Otfrid ist predigerart. mit einer anrede, gerade wie so viele spätere
volkslieder, bei Uhland nr. 159. 174. 246. 298. 304. 164 3. 4 Wille
gi hören, Welt ir hören, und die ditmarschen in den schleswig-holstei-

nischen sagen nr. 47. 48, 1. 73, 2. 74, 1. 2 Wille gi hören einen nien XXXIV sang, beginnt der gleichstrophige psalm (XIII), dann folgt die erste

person im singular. dieser herscht ausschliesslich in den ungleichstrophigen liedern, dem Ludwigsliede XI, dem heiligen Georg XVII, de Heinrico XVIII; dagegen der plural in den gleichstrophigen auf den heiligen Petrus IX, dem Melker Marienlied XXXIX, dem leis XXIX und in den ungleichstrophigen des Ezzo XXXI, dem Laudate und messegesang XLV. XLVI. diese waren unzweifelhaft für den gesang der menge und gemeinde bestimmt. auch Ratperts lobgesang nach Ekkehards Zeugnis, und man mag sie, wo es nötig ist, nach altem sprachgebrauch als 'leisen' ausscheiden. den lobgesang, den psalm, allesfalls das Ludwigslied nach v. 46. 47 mag man sich auch wie die späteren volkslieder und die tanzweisen und reien des mittelalters von einem vorsänger vorgetragen und die einzelnen strophen ganz oder teilweise von der menge wiederholt oder durch einen refrain begleitet denken. aber alle leiche für chorlieder und alle althochdeutsche strophische gedichte mit Wackernagel wieder für solche leiche zu halten geht nicht an.

Ob die ungleichheit der strophen allmählich zu dem aufgeben der strophischen form für die erzählung und die ungleichheit der verse in leichen wie die summa theol. zu den regellosen versen erzählender oder lehrhafter gedichte geführt hat (vgl. s. 334. 415), lasse ich unerörtert. des grossen behälters der reimprosa, den Wackernagel hergerichtet, wird sich niemand bedienen, der nicht gedichten des XI/XII jh. gegenüber von vornherein auf prüfung und kritik glaubt verzichten zu müssen. prüfung und urteil sollen noch erst ausmachen, wie weit die regellosigkeit des versbaues in ihnen geht. die kritik muss allerdings bei ihnen mit aller vorsicht und schonung verfahren. aber mit blossen abdrücken der hss., die wie der der Benedictbeurer predigtsamlung nicht einmal für ein bequemes citieren sorgen, noch weniger die wahre gestalt und beschaffenheit eines denkmals klar und anschaulich machen und seinen sachlichen inhalt lieber ganz unberührt lassen, ist wenig oder gar nichts mehr gedient. Wenn gegen das ende des XI jh. in der Wetterau oder einer benachbarten landschaft der Christ und Antichrist (XXXIII), in Österreich die genesis gedichtet wird, so sieht man wohl, dass die unstrophische form der erzählung schon längere zeit in gebrauch gewesen sein muss. aber ihr gleichzeitiges hervortreten mit gedichten in ungleichen versen und andern strophischen, die stoffe selbst des Christ und der genesis, die ersten, auf die die dichterische tätigkeit von geistlichen verfallen muste, weisen hin auf eine neue epoche der dichtung, die wir vorläufig gegen 1070 setzen dürfen. von da an setzt diese Tätigkeit im mittleren und nordwestlichen, wie im südöstlichen Deutschland sich fort, bis zu ende des XII und anfang des XIII jh. die neue höfische kunst der laien sie ablöst. es kommt darauf an, die reihe der mitteldeutschen gedichte vom Christ und Anno bis zu Morant und Galie oder Athis und Prophilias und die der südöstlichen von der genesis bis auf Konrad von Fussesbrunnen und was sich daran sonst noch aus dem übrigen Süddeutschland anschliesst genauer festzustellen die in ihrer unschuld und einfalt anziehende poesie des XII jh., in der auch noch mancher ton erklingt, der später leider verschollen ist, verdient eine sorgfältigere, eingehendere und zusammenhängendere betrachtung als ihr bisher noch zu teil geworden ist, und der einsicht wird sich nun wohl niemand mehr ver- XXXV schliessen, dass ihre geschichte noch eine andre, bestimontere gestalt gewinnen muss. eine samlung und bearbeitung verschiedener kleinerer stücke und fragmente würde in die wichtigsten fragen und untersuchungen führen und vielleicht wäre dies der richtigste weg zur lösung der aufgabe. fiele sie nur in die rechten hände, könnten wir uns wenigstens keinen besseren erfolg wünschen als eine solche fortsetzung und ergänzung dieser arbeit.

Die abfassungszeit zum teil gerade der grösten und wichtigsten gedichte steht fest: der gesang des Ezzo (vor bischof Günthers tode) um 1060, die genesis wohl noch vor 1075, der Anno um 1080, meregarto um 1090, Melker Marienlied und Salomon (anm. zu XXXV, 16, 8) vor 1130, Konrads Ruland um 1130 (und gleichzeitig etwa der Alexander?),

das paternoster und der Arnsteiner Marienleich um 1140?, die kaiserchronik bald nach 1141 (Scherer deutsche studien 1, 14), die siebenzahl um 1150, Heinrich von Melk zwischen 1153 und 1163, (Heinrich der glichezære gegen 1170?, graf Rudolf (s. 44) 1170—73,] Wernhers Maria 1172. damit ist der untersuchung der weg gewiesen und das erste augenmerk wird immer die zunehmende genauigkeit oder vielmehr die abnehmende altertümlichkeit der reime sein. wie lange verlangt eine tieftonige silbe, die später notwendig ein e hat, einen vollen vocal, um mit einer andern tieftonigen ohne rücksicht auf die vorhergehenden silben oder auch mit einem grammatisch oder metrisch einsilbigen worte gebunden zu werden, wie bei Ezzo, in der genesis, meregarto ua.? muss deswegen zb. der Aegidius nicht noch ins XI jh. gesetzt werden? die erledigung dieser frage würde selbst die kräfte eines wohl geschulten anfängers nicht übersteigen und schon viel entscheiden. man wird freilich finden, dass der einzelne auf den reim wie auf den innern versbau bald mehr, bald weniger aufmerksamkeit und sorgfalt verwendet und auch in den sprachformen, den ausdrücken und dem stil bald grössere, bald geringere altertümlichkeit zeigt; aber eine zusammenhängende und umfassende betrachtung aller elemente der form, zu der so manche stücke herausfordern ich erinnere nur an die babylonische gefangenschaft und den Johannes den täufer des priesters Adelbrecht in Mones anzeiger von 1839 —, wird schon auch da zum ziele führen, wo aus dem inhalt und den gedanken sich kein bestimmteres chronologisches datum ergibt. hoffen wir also, dass bald eine methodische forschung in dem wirrsal der litteratur des XI und XII jh. licht und ordnung schafft.

in den 8 november 1863. Berlin, den 30 juni 1871.

K, M.

INHALT.

POESIE.
I DAS WESSOBRUNNER GEBET.

IL DAS HILDEBRANDSLIED.
- III MUSPILLI
IV SEGEN UND SPRÜCHE.

'1. ERSTER MERSEBURGER SPRUCH,
· 2. ZWEITER MERSEBURGER SPRUCH.

3. DER WIENER HUNDSEGEN.
4. DE HOC QUOD SPURIHALZ DICUNT.
5. CONTRA VERMES A. ALTS. B. ALTH.

6. STRASSBURGER BLUTSEGEN.
7. CONTRA MALUM MALANNUM.

8. WEINGARTNER REISESEGEN. V ABECEDARIUM NORDMANNICUM. VI HIRSCH UND HINDE. VII RÄTSEL. • VIII EIN SPIELMANNSREIM. • IX BITTGESANG AN DEN HEILIGEN PETRUS. · X CHRISTUS UND DIE SAMARITERIN.

XI DAS LUDWIGSLIED." -XII RATPERTS LOBGESANG AUF DEN HEILIGEN GALLUS.

XIII PSALM CXXXVIII. CXXXIX. • XIV AUGSBURGER GEBET. - XV GEBET DES SIGIHART.

xy VERS EINES SCHREIBERS. · XVI LORSCHER BIENENSEGEN. XVIL VOM HEILIGEN GEORG. XVIII DE HEINRICO. it XIX MODUS QUI ET CARELMANNINC. • XX MODUS FLORUM. . XXI MODUS LIEBINC. • XXII MODUS OTTINC. • XXIII DE LANTFRIDO ET COBBONE.

XXIV ALFRÂD. • XXV HERIGÈR.

• XXVI AUS DER SANGALLER RHETORIK. • XXVII SPRICHWÖRTER 1. 2. • XXVIII LIEBESGRUSS. - XXVIII" SPOTTVERS. - XXIX EIN LEIS.

XXX HIMMEL UND HÖLLE.

Xxx MEMENTO MORI.
- *XXXI EZZOS GESANG VON DEN WUNDERN CHRISTI.
· XXXII MEREGARTO.
XXXIII FRIEDBERGER CHRIST UND ANTICHRIST.
• XXXIV SUMMA THEOLOGIAE.

XXXV DAS LOB SALOMONS.
XXXVI DIE DREI JÜNGLINGE IM FEUEROFEN.

XXXVII JUDITH.
- XXXVIII ARNSTEINER MARIENLEICH.
XXXIX MELKER MARIENLIED,

XL MARIEN LOB.
XLI SEQUENTIA DE S. MARIA AUS S. LAMBRECHT.
XLII SEQUENTIA DE S. MARIA AUS MURI.
XLIII DAS PATERNOSTER.
XLIV VON DER SIEBENZAHL.
XLV LAUDATE DOMINUM.
XLVI MESSEGESANG.
* XLVII SEGEN.

• 1. MILSTÄTER BLUTSEGEN.
. 2. WURMSEGEN A. AUS PRÜL. B. AUS S. LAMBRECHT.
• 3. MÜNCHNER AUSFAHRTSEGEN.

4. TOBIASSEGEN. XLVIII DAS TRAUGEMUNDSLIED. XLIX DENKSPRÜCHE.

L BILSENER SCHLUSSVERS.

PROSA.

· LI SÄCHSISCHES TAUFGELÖBNIS.
LIL FRÄNKISCHES TAUFGELÖBNIS.
LIII = LXXII.
• LIV EXHORTATIO AD PLEBEM CHRISTIANAM. !

.LV FREISINGER AUSLEGUNG DES PATERNOSTER.
.LVI WEISSENBURGER CATECHISMUS.
- LVII SANGALLER PATERNOSTER UND CREDO.
LVIII FRÄNKISCHES GEBET.
LIX DE VOCATIONE GENTIUM.

LX S. AUGUSTINI SERMO LXXVI. * LXI CARMEN AD DEUM. · LXII BASLER RECEPTE 1. 2. ** - LXIII HAMELBURGER MARKBESCHREIBUNG.

LXIV WÜRZBURGER MARKBESCHREIBUNGEN 1. 2.

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