صور الصفحة
PDF
النشر الإلكتروني
[merged small][merged small][ocr errors][merged small][merged small]

VORWORT ZUR DRITTEN AUSGABE.

Als im jahre 1887 das ansinnen an mich gerichtet wurde, die pflege der durch den tod beider herausgeber verwaisten denkmäler deutscher poesie und prosa zu übernehmen, habe ich lange gezögert ihm zu entsprechen: weniger weil die herstellung einer neuen auflage mich geraume zeit liebgewonnenen studien zu entfremden drohte, als weil ich von vornherein darüber völlig im klaren war, dass trotz aller mühe nur ein flickwerk zu stande kommen könne. denn hätte ich das vor mehr als einem vierteljahrhundert geschriebene buch den wissenschaftlichen überzeugungen der gegenwart gemäss einheitlich umgestalten wollen, so wäre in der mehrzahl der poetischen texte kaum eine zeile unverändert geblieben. aber Müllenhoffs und Scherers denkmäler nehmen einen so hervorragenden platz in der entwickelungsgeschichte unserer disciplin ein, fruchtbare und nachhaltige anregungen sind in solcher fülle von ihnen ausgegangen, und die discussion einer reihe von wichtigen problemen knüpft in so zahlreichen fällen bis auf diesen tag zustimmend oder widersprechend an sie an, dass eine principielle umarbeitung des werkes sowohl aus pietäts- wie aus practischen gründen sich verbot. vielmehr muste ich entweder eine eigne ähnliche samlung der reste unserer älteren litteratur an seine stelle setzen oder den versuch machen, dem buche die ergebnisse der neueren forschung unter tunlichster wahrung seines ursprünglichen characters einzuverleiben. den ersten weg zu wandeln wäre nicht nur für mich befriedigender sondern meines erachtens auch für die sache förderlicher gewesen; ihn binnen kurz bemessener frist zu vollenden überstieg meine kräfte. wenn ich daher, ohne rücksicht auf die entgegenstehenden bedenken, der andern minder erfreulichen aufgabe mich unterzog, so leitete mich vornehmlich der wunsch, das gedächtnis meines verewigten lehrers Müllenhoff kommenden germanistengeschlechtern lebendig zu erhalten.

Ungeachtet aller beschränkung, welche ich mir auferlegte, bin ich auf den vorwurf gefasst, dass ich eingreifender geändert habe und selbständiger vorgegangen sei als sich gezieme. denn den bei manchen herausgebern von werken verstorbener autoren beliebten, ebenso bequemen wie mechanischen brauch, jeden zusatz und jede berichtigung in klam

doch innen über die Fülschrotrich, niezige aus der Bilder auch in

mern einzukerkern, habe ich nicht nachgeahmt, weil er einerseits sich nicht consequent durchführen liess man denke nur an den variantenapparat , andererseits den umfang des buches über gebür angeschwellt haben würde. die vervollständigung der belege für ausreichend gesicherte observationen, die correctur kleiner versehen, der hinweis auf unbeachtet gebliebene parallelen dünkt mich aber kein so erhebliches verdienst, dass dessen ausdrückliche kennzeichnung sich verlohnt. auch besitzt wohl jede grössere öffentliche bibliothek Deutschlands ein exemplar der ersten oder der zweiten auflage der denkmäler: wer also im einzelfalle die jetzige fassung mit der früheren zu vergleichen wünscht, mag nachschlagen. stärkere modificationen des wortlauts und der satzfolge fanden nur statt, wenn vermehrtes handschriftliches material einen anderen tatbestand geschaffen hatte, zb. bei nr. XXXI. LXXXVI. C. aber auch dann war ich bestrebt, nichts von dem sachlichen gehalt der älteren darstellung verloren gehen zu lassen. die einzige ausnahme macht der excurs zu nr. LXXX, welchen ich strich nachdem Baechtold die einleitenden worte dieses stückes als fälschung Goldasts erwiesen, entbehrten Scherers vermutungen über die pläne der Sangaller übersetzerschule jeglicher basis ; doch ihnen gegenüber in gleicher weise zu verfahren, wie ich tat, sobald ich mich in widerspruch mit den ansichten der ersten herausgeber wuste, wollte mir trotz mehrfachen ansätzen nicht glücken. in den fällen nemlich, in welchen ich zu bezweifeln anlass hatte, ob meine auffassung von Müllenhoff und Scherer würde geteilt worden sein, ferner in allen, wo es, um misverständnissen vorzubeugen, zweckdienlich schien, mein ich von dem ihren deutlich zu sondern, wante ich innerhalb der anmerkungen eckige klammern an dieser zeichen habe ich mich um so reichlicher bedient als mir daran lag, über meine beurteilung von gedichten wie nr. I-III und ähnlichen, deren texte ich ohne beeinträchtigung des gesamtcharacters des werkes gar nicht oder nur leise verändern durfte während ich solche freier behandelte, bei welchen principielle differenzen nicht vorlagen , keine unklarheit aufkommen zu lassen. überhaupt nahm ich den standpunkt eines sorgsam nachprüfenden, unbefangenen recensenten ein freilich kann ich nicht dafür bürgen, dass ich überall da einwände erhob oder zusätze anbrachte, wo sie erforderlich gewesen wären; mancher wird an stellen anstossen, welche ich unbeanstandet passieren liess. hingegen habe ich weder an Scherers musikalische excurse gerührt, da mir jedes verständnis für musik mangelt, noch an Müllenhoffs vorrede. ihrer zeit war sie eine epochemachende leistung, heute wohnt ihr rein historisches interesse inne: wer die fragen, welche sie aufwirft, modernen ansprüchen gemäss behandeln wollte, müste ein eigenes buch schreiben. ich habe mich vielmehr begnügt, die wenigen, Müllenhoffs handexemplare beigeschriebenen nachträge bis auf einen erweislich irrigen s. IX. XXXII. Xxxv in eckigen klammern einzufügen, s. XII eine der Fuldaer beichte geltende falsche angabe zu tilgen und s. XXXIV ein hinfällig gewordenes citat zu streichen. hier wie sonst gieng ich von der zweiten auflage aus: alle beziehungen auf die erste sind entfernt worden.

von der zweiten aurienes citat zu streichengabe zu tilgen

Ist demnach die behandlung, welche ich den einzelnen stücken angedeihen liess, eine verschiedene, hin und wieder vielleicht von subjectiven erwägungen beeinflusste gewesen und hat damit das buch einen teil seiner früheren einheitlichkeit und geschlossenheit eingebüsst, so hoffe ich in anderer richtung seine brauchbarkeit erhöht zu haben einmal dadurch, dass ich um möglichste correctheit der tatsächlichen angaben mich bemühte. ich habe zu dem ende sämtliche in betracht kommende hss. der Münchner staats- und der Würzburger universitätsbibliothek, ferner die Nürnberger predigtbruchstücke LXXXVI C und den Wiesbadner codex des Arnsteiner Marienleiches XXXVIII neu verglichen, während ich für die nrn. IV, 4. 5 A. 7. VI collationen verwerten konnte, welche in den siebenziger jahren von mir angefertigt waren. das Grazer manuscript der Mariensequenz aus SLambrecht XLI verglich Schönbach, die ergebnisse seiner collation der Vorauer sammelhs. teilte Roediger mit, über zweifelhafte stellen in Wiener codices gab Seemüller bereitwilligst auskunft. weitere hilfsmittel, welche benutzt werden konnten, verzeichnen ihres ortes die anmerkungen oder die varianten. ohne jedes ergebnis blieb die einsicht kaum in eine dieser hss., mehrfach wurden nicht unwichtige resultate erzielt: ich brauche nur auf die gestalt, in welcher nunmehr nr. LXXXVI A auftritt, oder auf nr. XLVI zu verweisen. aber auch sonst habe ich durchweg die geschichte der überlieferung nachgeprüft und ältere drucke wie neuere collationen sorgfältig zu rate gezogen. darum weichen jetzt die angaben des apparates und die gestalt der texte öfters nicht unwesentlich von den früheren ab. die meisten citate der anmerkungen endlich unterwarf ich einer revision und konnte in folge dessen manche berichtigen: bei allen vermochte ich das nicht zu tun, weil unterschiedliche bücher mir unerreichbar waren.

Andererseits suchte ich die benutzbarkeit des werkes zu erleichtern. vor allem dadurch, dass ich wie schon Scherer in aussicht genommen hatte die varianten unter ihre texte verwies; war ein denkmal in mehreren codices überliefert, so habe ich, um dem benutzer das nachschlagen der anmerkungen zu ersparen, jeder sigle bei ihrem ersten auftreten den namen derjenigen bibliothek hinzugefügt, in welcher die hs. aufbewahrt wird. sodann verteilte ich, damit man texte und anmerkungen leichter neben einander halten könne, das ganze auf zwei bände, wählte für den druck des zweiten eine grössere, minder augenanstrengende schriftgattung und führte columnenüberschriften ein. die ehedem sehr ungleich gehandhabte orthographie regelte ich dem überwiegenden brauche entsprechend: für ein par auf den ersten bogen stehen gebliebene inconsequenzen der schreibung bitte ich um nachsicht. endlich habe ich häufiger und gleichmässiger interpungiert als Müllenhoff und Scherer: teils hoffte ich auf diesem wege ein rascheres verständnis zu ermöglichen, teils widerstrebte meinem gefühle die atemlosigkeit der Schererschen perioden in dem grade, dass ich befürchten muste, bei eignen zusätzen nach ganz abweichenden normen zu verfahren. allen glossen fügte ich den hinweis auf meine samlung bei; ebenso versah ich solche häufig angezogene werke, welche wie Waitzs DVG., Dümmlers ostfränkisches

« السابقةمتابعة »