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reich, Wackernagels litteraturgeschichte seit 1873 stark veränderte auflagen erlebt hatten, mit den neuen citaten.

Die quantität der ahd. endsilben habe ich in der hauptsache nach den von Braune ermittelten regeln bezeichnet. bei lateinischen worten aber und bei fremden, nicht deutsch flectierten namen sah ich von jeder längenangabe um so mehr ab, als nach dieser seite in den verschiedenen teilen des buches sehr verschieden verfahren war. auch dünkt mich eine schreibung wie ecclesiam XXXV, 17, 2 ebenso abgeschmackt, wie wenn wir heute französischen citaten, die wir unserer rede einmengen, die accente weigern wollten.

Neu aufgenommen ist das memento mori XXXb und die baierische beichte LXXVIII A. Scherer gedachte, wie mir berichtet wurde, auch die jetzt bei KZeumer MG. form. 628 f. gedruckte gottesurteilsformel mitzuteilen; ich habe darauf verzichtet, weil ich wesentliches zur erklärung des denkmals nicht beizusteuern vermochte und ein sachliches motiv, das seine aufnahme geboten hätte, nicht vorlag. bisher ungedrucktes material ist mehrfach herangezogen, so bei XLVII, 4 und C. was übrigens meine zutaten zu dieser nr. XLVII sowie zu den nrn. XXVII. XLIX betrifft, so muss ich bemerken, dass ich von systematischer durchsicht und verwertung moderner sagen - und sprichwörtersamlungen umgang nahm, weil ich nicht monate meiner zeit einer arbeit widmen mochte, welche innerhalb des engen rahmens der denkmäler nimmer zu einem befriedigenden abschluss gelangen kann. eine vollständige geschichte der deutschen segensformeln und eine zusammenstellung aller unserer volkstümlichen sprichwörter sind dankbare, aber so umfassende aufgaben, dass sie sich nicht nebenher erledigen lassen.

Mehr als die handexemplare Müllenhoffs und Scherers, denen ich nur vereinzelte notizen entnehmen konnte, förderten mich eine reihe von bemerkungen, welche EMartin und MRoediger zu meiner verfügung stellten, der letztere und EDümmler haben auch sonst mich unterstützt.

Möge diese neubearbeitung, trotz den oder gerade wegen der ihr anhaftenden unvollkommenheiten, ähnlich ihren beiden vorgängern anstofs zu rüstigem fortschritt geben. denn ein anrecht auf den alleinbesitz der wahrheit steht niemandem zu, erst das zusammenwirken vieler hilft sie im widerstreit der meinungen erringen. Erlangen, juli 1891.

E. St.

VORREDE ZUR ZWEITEN AUSGABE.

Dass der vorrat der ältesten denkmäler unserer sprache und litteratur je noch durch neue funde beträchtlich vermehrt werde, ist kaum zu erwarten. es schien daher an der zeit, nachdem die grösseren werke in brauchbaren ausgaben vorlagen, die zerstreuten kleineren stücke in eine samlung zu vereinigen und sie zugleich einer sorgfältigeren betrachtung zu unterwerfen als ihnen bisher, bis auf wenige bekannte ausnahmen, noch zu teil geworden ist. den plan hatte ich längst gefasst, auch wohl einzelnes in die hand genommen und vorbereitet, die ausführung aber wäre wohl unterblieben, wenn sich mir nicht im verwichenen jahre (1862) in meinem freunde dr. Wilhelm Scherer aus Wien ein mitarbeiter angeboten hätte, wie ich ihn nur wünschen konnte. er übernahm die bearbeitung der prosaischen stücke und einen teil der poetischen*, die ihn zu fruchtbaren studien der musik und theologie des mittelalters führten. dazu kam die teilnahme Haupts, deren sich das werk von anfang an erfreute und die es schritt für schritt begleitete, so dass sich nun daran die erinnerung an ein zusammenwirken knüpft, das für uns so nicht wiederkehren wird.

Die überreste der althochdeutschen und altsächsischen dichtung ausser dem Otfrid und Heliand findet man hier zum ersten male vollständig beisammen. ausserdem haben wir die kleineren lateinischen gedichte, die in einer so nahen beziehung zur deutschen poesie stehen, dass sie in keiner darstellung ihrer geschichte übergangen werden können, aufgenommen. mit dem ende des elften jh., wo eine reichere litteratur ansetzt, war eine beschränkung geboten und gedichte, wie die Wiener genesis und der Anno, musten ausgeschlossen und einer besonderen bearbeitung aufbehalten bleiben. dagegen schien es angemessen, statt hier eine willkürliche grenze zu ziehen, die bisher noch wenig beachtete strophische dichtung der geistlichen, die die alte kunstübung fortsetzt und bis zur höfischen poesie hinüberleitet ich erinnere nur an Walthers gesang für das abziehende kreuzheer Vil süeze wære minne, dessen seitenstück das für die

[* es sind folgende, in den beiden ersten auflagen nicht vollständig bezeichnete stücke : excurs zu IX. anteil am excurs zu X. excurs zu XII, nr. XIII. XVIII. XIX. XX. XXI. XXII. XXIII. XXIV. XXV. XXXIV. XXXVI, XXXVII. XLI. XLII. XLIII. XLIV.)

ankunft im gelobten lande bestimmte Allererst leb ich mir werde ist vi durch das ganze zwölfte jh. zu verfolgen und ihr noch die segen und kleinen stücke von mehr volksmässigem ursprunge anzuschliessen.

Auch der prosaische teil lässt die reihe der catechetischen und homiletischen denkmäler bis zum beginn der reicheren gebet- und predigtlitteratur des zwölften jh. zum ersten male klar und vollständig übersehen. dazu kommen namentlich die urkunden und übrigen rechtsdenk mäler, von denen nur die umfangreiche Freckenhorster rolle übergangen werden muste. interlinearversionen blieben ausser dem carmen ad deum, das sein besonderes interesse hat, ausgeschlossen und mit der glossenlitteratur auch die althochdeutschen gespräche, die die Casseler glossen und weiter den vocabularius SGalli nach sich gezogen hätten.

Ungedruckt waren bisher die lateinischen sprichwörter XXVII, 2 der hs. A und zum teil die von V, ausserdem der anhang des Münchner ausfahrtsegens XLVII, 3, ein par kleine, nicht unmerkwürdige stücke im anhang von XLVII, 4 und LXXXVI C, 3. nach neuen handschriftlichen hilfsmitteln erscheint wenigstens der Tobiassegen XLVII, 4 in einer gestalt, dass nun erst der wert des vortrefflichen gedichts einleuchtet. sonst sind die hss. oder, wo solche fehlen, die ersten drucke, zum teil erst für die zweite ausgabe, neu untersucht und benutzt für I-IV, 1. 2. 5 B. VI. IX

-XIV. XIX-XXII, A. XXXII. XXXIII. XXXIX. XLIII. XLIV. L. LII. LIV, B. LV. LVI. LVIII—LXI. LXIII. LXIV. LXVI. LXVIII. LXXI. LXXVIII B, B. LXXIX B. LXXX-LXXXVII. XC. XCI. XCIII-C. allen, die uns hiebei zu hilfe gekommen sind oder sonst diese arbeit gefördert haben, sei hier nochmals unser dank ausgesprochen. wehmütig gedenken wir namentlich Jaffés, der zunächst in rücksicht auf XVIII—XXV die Cambridger hs. vornahm, dann ihren ganzen inhalt vorlegte.

Wir haben es als unsere aufgabe betrachtet, jedes denkmal nach seiner äussern und innern beschaffenheit zu untersuchen, es in der gestalt, die sich aus der überlieferung ergibt, mit möglichster schonung dieser reinlich und klar darzustellen und zugleich die quellen des inhalts, wo diese erreichbar waren, nachzuweisen. was vor uns für die herstellung und erläuterung eines textes geschehen ist, haben wir gewissenhaft benutzt und in den jedem stücke beigegebenen litterarischen nachweisungen die namen derjenigen verzeichnet, denen wir ein verdienst um dasselbe glaubten zuschreiben zu müssen. nach demselben grundsatze ist auch bei der zweiten auflage verfahren und daher mancher vorschlag und einfall, womit in sonderheit einzelne gedichte seit dem erscheinen unserer samlung bedacht sind, mit stillschweigen übergangen worden, weil die widerlegung keinen erklecklichen nutzen hätte und für den nachprüfenden und methodisch denkenden überflüssig ist. auf die strophischen gedichte des XI/XII jh. bin ich schon vor jahren aufmerksam geworden und habe darüber bereits im herbst 1859 meinen zuhörern hier das nähere vorgetragen.

Die samlung darf wohl auf einiges interesse auch ausserhalb des kreises der eigentlichen fachgenossen, namentlich bei theologen und historikern, rechnen. Wir haben sie auch dem lernenden und ferner stehenden

nutzbar zu machen gesucht und manche bemerkung oder verweisung nicht gespart, um ihnen behilflich zu sein. demselben zwecke werden dienen und jedem die übersicht erleichtern die aus zufälligen anlässen gleich- vii zeitig entstandenen, die ergebnisse unserer untersuchungen zusammenfassenden aufsätze von Scherer über den ursprung der deutschen litteratur' Berlin 1864, aus dem dreizehnten bande der preussischen jahrbücher besonders abgedruckt, und von mir in den jahrbüchern für deutsche theologie 10, 167–179. die anmerkungen und excurse werden über unsere auffassung des einzelnen wie des ganzen eines stückes nicht leicht einen zweifel übrig lassen und das erforderliche zu ihrer begründung und rechtfertigung enthalten. manche der angeregten fragen harren freilich noch ihrer lösung und erheischen fortgesetzte aufmerksamkeit. möchte ihnen diese zu teil werden, auch auf theologischer seite, wo Rettbergs beispiel leider allzuwenig nachahmung findet.

Die alten catechetischen stücke haben eine höhere bedeutung gewonnen, da nachgewiesen werden konnte, dass die ältesten unter ihnen unmittelbar mit den anordnungen Karls des grossen zusammenhangen. es ist auch an einzelnen beispielen gezeigt, welchen anteil die Angelsachsen an der ersten verdeutschung christlicher begriffe haben. doch wird die untersuchung einmal in einem grössern umfange wieder aufzunehmen und weiter zu führen sein. der anstofs, der von Karl dem grossen ausgieng, wirkte fort. noch im neunten jahrhundert beginnen die deutschen beichtformeln, deren uns erhaltene beispiele auf wichtige mittelpunkte des kirchlichen lebens zurückgeführt werden konnten. im elften sehen wir dann ausführlichere fassungen des glaubensbekenntnisses verbreitet und durch ihre verbindung mit der beichte, auch dem paternoster und einem allgemeinen gebet für die kirche im anschluss an die predigt eine art deutsches gottesdienstes hergestellt, die durch das ganze mittelalter und noch länger sich erhielt. lässt dies schon auf eine grössere regsamkeit des religiösen lebens in der laienwelt schliessen, so noch mehr die ungefähr gleichzeitig neu anhebende geistliche dichtung in der volkssprache, die ganz und gar auf das bedürfnis der ungelehrten laienwelt berechnet war. sie blieb an neuen gedanken unfruchtbar und ihr ganzer anteil an der grossen gleichzeitigen theologisch-speculativen bewegung in Frankreich beschränkte sich auf die bearbeitung einiger schriften und die entlehnung einzelner gedanken und sätze. doch ist auch dies verhältnis von wichtigkeit nachgewiesen ist bisher die übersetzung eines gebets Anselms von Canterbury (Diemer kleine beiträge 4, 24–26), die bearbeitung einer summa theologiae des XI jh., von der freilich nicht mit sicherheit auszumachen, ob sie in Deutschland oder in Frankreich entstanden doch vgl. jetzt excurs zu XXXIV —, dann, wie bekannt, des elucidariums des Honorius von Autun (Wackernagel litteraturgesch. s. 321 f.); die benutzung der gebete und meditationen Anselms, sowie der gedichte Hildeberts von Mans de Maria Aegyptiaca und de sacra eucharistia in Heinrichs litanei, in des tôdes gehugede und im pfaffenleben (Diemer aao. 4, 20—23. 26. 27, dessen annahmen jedoch einer nochmaligen prüfung bedürfen, da er zb. nicht erwogen hat, dass die

der abaclar, 1, 1). Schland niemanerer in

stellen über die aegyptische Maria einer predigt über sie im spec. eccles. des Honorius entnommen sein könnten, vgl. jetzt Heinzel zu Heinrich

von Melk s. 104 f.), des Marbodus de lapidibus im gedicht vom himmvili lischen Jerusalem (Diemer deutsche ged. anm. s. 89), des offendiculum

des Honorius im pfaffenleben und des tôdes gehugede (Diemer kl. beitr. 4, 30—34), des speculum ecclesiae des Honorius im cgm. 39 (vgl. zs. 1, 284, Kelle spec. eccl. s. vil und XCVI), in andern predigten anm. zu XXXIV, 18 und im niederdeutschen glauben (zu XCVIII), des Hugo von SVictor de septem septenis im cgm. 39 (zu XLIII); endlich die entlehnung der abaelardschen formel für die trinität zuerst in der Vorauer genesis (zu XLIII, 1, 1). es zeigt sich, dass für die verbreitung französischer theologie in Deutschland niemand erfolgreicher tätig gewesen ist als Honorius von Aulun (s. jetzt Scherer in der zs. für die österreich. gymn. 1868 s. 567 ff. aber auch excurs zu XXXIV note). niemand war auch geeigneter sie für das bedürfnis der deutschen geistlichkeit und laienwelt zuzurichten. wer ihn als verfasser des elucidariums bezweifelt, muss sich nach einer begründung seines zweifels nie umgesehen haben.

Die excurse zum muspilli, dem gesang des Ezzo (jetzt anm. zu XXXI, II, 10 ff.) und den segen mögen den mythologen zur erwägung empfohlen sein.

Aber den grösten wert haben diese kleinen denkmäler für die allgemeine geschichte der sprache, ja für diese einen verhältnismässig grösseren als die übrigen ihnen an umfang weit überlegenen, aber wenig zahlreichen denkmäler unserer alten litteratur. sie erst lassen neben diesen die manigfaltigkeit der dialekte und der schreibung, ihre nach ort und zeit wechselnde gestaltung und den geschichtlichen verlauf deutlicher übersehen. alle fragen und untersuchungen, die sich an sie anknüpfen lassen, zu erledigen, konnte nicht unsere aufgabe sein. aber dass wir ihnen nicht aus dem wege gegangen, mögen auch die folgenden bemerkungen beweisen.

In der einleitung zu Athis und Prophilias s. 9 zeigte Wilhelm Grimm, dass ein zurückweichen der 'plattdeutschen bestandteile in der hessischen mundart in dem masse stattgefunden hat als der gebrauch der schrift vordrang. spuren eines solchen zurückweichens werden auch noch am Mittelrhein sichtbar, ganz dasselbe verhältnis aber ist namentlich auch für Thüringen anzunehmen. wenn in der sprache, die hier und in Hessen vom zwölften bis zum funfzehnten jahrhundert in litterarischem gebrauche war und die natürlich die der höher gebildeten, besseren stände ist, noch das niederdeutsche erscheint, so muss dies gleichzeitig in der rede des gemeinen mannes und niederen volkes noch stärker hervorgetreten sein, und der schluss ist nicht abzuweisen, dass es noch früher einmal vollständig das übergewicht hatte. das Hildebrandslied, in Fulda zu ende des VIII oder anfang des IX jh. aus dem gedächtnis aufgezeichnet, glaube ich ist nun noch ein denkmal aus dieser zeit. es wird früh im achten jh. in Hessen oder Thüringen entstanden sein. es ist weder sächsisch noch niederrheinisch (fränkisch), weil diese beiden dialekte v. 48

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