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Wie schäme ich mich, wenn ich diese Geschichte lese, daß ich deßgleichen nicht längst auch zu leiden bin würdig worden! Wohlan, foll's so sein, so sei es also. Dein Wille geschehe." (Luthers Werke. 3. Jenaer deutsche Ausg.)

Die geistige Kraft dieses Liedes hat sich in folgendem Fall erwiesen, von welchem Rocholl in seinem „Christophorus“ erzählt. Ein Mann, mit Namen Johannes Haltermann, geht nach Gewohnheit am Pfingstfeste zur Kirche und singt, wie sonst wohl auch: „Komm, heilger Geist, Herre Gott!" Aber diesmal sollte es doch Ernst werden. Wie er so singt, fällt ihm ein und er fragt sich, wie das doch wäre, ob er den heilgen Geist auch schon einmal empfangen hätte; gesungen hätte er's ja schon oft genug. Er singt weiter: das Feuer deiner göttlichen Liebe!" er singt den Vers zu Ende, und wie die Kirche zu Ende ist, so ist's auch mit seinem alten Menschen zu Ende und geht ein neuer an. Er ist sehend geworden und preist Gottes Gnade an den Sündern.

Vers 2 war das letzte Kanzelwort des berühmten Predigers und Theologen, Johann Michael Dilherr († 1669). Er forderte zum Schluß der Predigt die Gemeinde auf, doch já recht eifrig zu beten: Herr, behüt vor fremder Lehr, daß wir nicht Meister suchen mehr, denn Jesum mit rechtem Glauben." (G. Wimmer. 1749.)

Karoline Perthes, des alten Claudius Tochter, schrieb 16. Jan. 1821 an ihren Sohn Matthias auf die Universität zu seinem Geburtstag: "Ich will dir meinen Geburtstags-Wunsch und Gebet, mit dem ich diesen Morgen aufgewacht bin und der mir den ganzen Tag gegenwärtig gewesen ist, herseßen, damit auch du ihn mit mir beten und wünschen kannst. Du heiliges Licht, edler Hort! laß ihm leuchten des Lebens Wort und lehr' ihn Gott recht erkennen, von Herzen Vater ihn nennen; lehr' ihn, daß Christus unser Herr und Meister ist und keiner mehr, daß er nach keinem Fremden schau' und dir aus ganzer Macht vertrau'! Das ist mein sehnlichster Wunsch für dich und wird auch der deine sein. Mein geliebtes Kind, möge Gott ihn an dir erfüllen.“ (Fr. Perthes Leben. Hamb. 1852. 2. Bd.)

Wie sehr dieser Vers aus Luthers Herzen geflossen ist, sehen wir in Bezug auf die Lehre besonders am Lied: „Ach Gott vom Himmel, sieh darein!" und selbst in Bezug auf die Dichtung an jenem Vers seines Gesangbuchs 1545:

Viel falscher Meister ist Lieder tichten,
Sihe dich für vnd lern sie recht richten;
Wo Gott hin bawet sein tirch vnd sein wort,
Da wil der Teuffel sein mit trug vnd mord.

V. 3 ist ein erprobtes Gebetlein, besonders in seinen Schlußreimen, geworden. Der Gegensatz von „des Fleisches Blödigkeit" und der Gabe „ritterlich zu ringen" ist ein überaus stärkender. Darum findet er seinen Widerhall wie in den Predigt- und Gebetbüchern der Alten, so auch in andern Liedern. Ohne Frage ist es

ein Echo, wenn Zinzendorf in seinem prächtigen Lied „Kron und Lohn beherzter Ringer" singt:

Laß uns rittermäßig ringen,

durch Tod und Leben zu dir dringen;

als Feldherr tritt ins erste Glied!

Von der Melodie, welche mit der deutschen Fassung der Antiphonie wohl gleichzeitig ist, soweit man aus ihrem alterthümlichen Gepräge und frühesten Erscheinen in der Reformationszeit schließen darf, gibt es zwei Recensionen. Die eine: c d cacgahc, erscheint bereits im Erfurter Enchiridion 1524, im Waltherschen Gesangbüchlein 1524, sowie in dem Val. Bapstschen 1545. Die andere: c d e a cg afa hc, tritt im Straßburger Gesangbuch 1533 hervor, geht ins Klugsche G. 1535 und in Spangenbergs Geistliche Gesänge 1545 über, und ist besonders in süddeutschen Choralbb., z. B. dem Straßburger 1560, dem Württemberger 1596, 1711 heimisch, wie sie denn auch von Prätorius als die schwäbischfränkische bezeichnet wird (Mus. Sion. VI. 1607.). Es ist wohl nicht leicht zu entscheiden, ob jene einfachere oder diese geziertere Form die ältere ist. Winterfeld entschließt sich nach einigem Schwanken für die Priorität der einfacheren. Merkwürdig ist das Schicksal beider. Nachdem 1524 die einfachere aufgetreten, bricht sich in den dreißiger und vierziger Jahren die geziertere überall Bahn, um hernach wieder auf lokale Bedeutung eingeschränkt zu werden.

39. Nun bitten wir den heilgen Geift.

Von Luther im Jahr 1524 gedichtet mit Benüßung der altdeutschen, aus der Mitte des 13. Jahrhunderts stammenden PfingstLeise:

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Nu biten wir den heiligen geist
vmbe den rehten glouben allermeist,
Daz er vns behüete an vnserm ende,
so wir heim suln varn vz disem ellende,
Kyrieleis.

Diese findet sich schon in einer Predigt des berühmten Franziskanerbruders, Berthold von Regensburg († 1272), wo er sagt: Wänt ir herschaft, daz der kyrleise durch gestüppe erdaht si, der da sprichet: Nu biten wir? Er ist gar ein nüzz sanc, ir sult ez iemer dester gerner singen vnde sult ez alle mit ganzer andaht vnde mit innigem herzen hin ze gote singen vnde rüefen. Ez was gar ein gut funt vnde ein nüzzer funt, vnde er was ein wiser man, der daz selbe liet von erste vant." Man sang es dazumal bei der Ceremonie, da man eine hölzerne Taube an einem Faden vom Kirchenhimmel herabsenkte oder eine lebendige Taube herabfliegen ließ. Luther hat auf diese Leise schon 1523 hingewiesen, wenn er in seiner Formula missae sagt: Inzwischen bis die rechten Sänger sich finden mag man jenes Lied nach der Com

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munion fingen: Gott sei gelobet und gebenedeiet; außerdem: Nu bitten wir den heiligen Geist. „Das Lied ist auch ehn gut gesang, fügt er 1524 hinzu. Sonst wirst du hhr nicht bald viel mehr finden, die eynen schmack etwa nach eynem dapfferen geyst hetten." (Wackernagel, Luther 131.)

Seine Ergänzung, in welcher er den Geist als das rechte Licht V. 2, die süße Lieb V. 3 und den höchsten Trost V. 4 anrufen lehrt, ist erschienen im Johann Waltherschen Gesangbüchlein 1524 als das erste Lied der ganzen Sammlung.

„Nun bitten wir" ist vor allem ein schlichtes, inniges Pfingstlied, wie das Straßburger Kirchengesangbuch 1541 sagt: „ein Betlied zum heiligen Geist um seine Zukunft, Gnade, Liebe, Erleuchtung, Bekenntniß Gottes und ritterliche Beständigkeit." — Auf die Zeit im Kirchenjahr, wo es gebraucht wird, weist der Mißbrauch hin, den vor Alters die Wucherer und Kornjuden mit diesem Lied getrieben haben, indem sie die Worte im Munde führten: „Wenn man singt: Nun bitten wir den h. Geist, so gilt uns das Korn am allermeist." - Der Gehalt desselben aber tritt uns in der Sitte jenes Kaufmanns zu Schmalkalden, Johann Reinhard Scheer, ent= gegen, welcher dieses Lied so sehr liebte, daß er es täglich, so oft er konnte, bei seinen häuslichen Geschäften sang. Wenn er dann auf den dritten Vers kam, so wiederholte er jedesmal die Worte: Daß wir uns von Herzen einander lieben und im Frieden auf Einem Sinn bleiben", und das übte er, um Gott recht herzlich zu bitten, daß er nicht nur eine friedliche und vergnügte Ehe genießen, sondern auch mit jedermann in aufrichtiger Liebe und gutem Vertrauen leben möchte, welches ihm denn auch Gott in reichlichem Maße gewährte. (Avenarius Liederkatechismus. 1714.)

Sodann ist es ein Weihelied bei der Ordination von Predigern geworden. Man sang es besonders feierlich und brünstig, als Jablonsky, der Bischof der mährischen Brüder in Großpolen und Preußen, den ersten Bischof der Brüdergemeine, den Mähren David Nitschmann, am 13. März 1736 zum Bischof weihte und einsegnete. Binzendorf sagte oft: „Der Tag, da sie gesungen: Nun bitten wir den h. Geist gehört in die Kirchenhistorie.“ Von da an ist die Weise des Liedes eine der beliebtesten in der Brüdergemeine geworden.

Weiterhin ist es von Anfang als stehendes Predigtlied gebraucht worden. Schon im ersten Theil des Straßburger Kirchenamts vom Jahr 1525 steht die Überschrift: „Ordnung so man halt an den tagen, so man allein verkündiget das wort gottes vnd halt kein Ampt oder Meß. So singt man vor der predig ein psalmen, welchen man wil, Oder das geystlich lied: Nun bitten wir den heylgen geist." So ist es z. B. auch noch in dem Formular für die Hofkapelle zu Stuttgart im Jahr 1719 verordnet; und mit vollem Recht sagt Preuß in seiner Geschichte der Dichter im Medlenburger Gefgb.: „Kann ein schöner Vers sein nach dem Vater unser, beim Eintritt in die Kirche, um das göttliche Wort mit Segen

anzuhören? Viel fromme Seelen haben diesen wohlgemeinten Rath längst probat gefunden."

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Gar oft wurde es in großen Nöthen und Ängsten angestimmt. Valerius Herberger erzählt in seinen Magnalia (347): Anno 1535 fällt zur Delß einem Bürger das ganze Haus ein, aber das einige Winkelchen, da er mit seinen Kindern singt: „Nun bitten wir den heilgen Geist", das wird erhalten. Als im Jahr 1560 in Frankreich, besonders in Paris, die blutige Verfolgung der Protestanten ausbrach, in der viele derselben auf die jämmerlichste Weise mißhandelt, als auserkorene Schlachtopfer in den Straßen umhergeführt und endlich durch Feuer und Schwert hingerichtet wurden, hörte man viele dieser Unglücklichen unser Lied anstimmen und dabei freudig sterben. Bei der großen Thüringischen Überschwemmung 1613, die man auch die Weimarische Sündflut" nannte, fangen es die Leute mitten im Wasser; ebenso auch achtzig Fischer, die ums Jahr 1550 am Tage vor Mariä Verkündigung zwischen Kopenhagen und der Insel Saltholm auf dem Eise_zum Aalfang_versammelt waren. Das Eis brach plößlich unter ihnen, so daß sie bis an die Hüften ins Wasser kamen und mit dem sich spaltenden Eis fortgetrieben wurden. Solange sie noch beisammen waren, hatte einer von den Fischern, Hans Bentsen, der in Odensee geboren und ein Schüler des ersten evangelischen Bischofs von Seeland, Peter Palladius, gewesen war, die Kraft, den Gefährten zuzurufen: „Lieben Brüder, lasset uns nicht in Verzweiflung fallen, weil wir im Wasser umkommen müssen, sondern lasset uns zeigen in der That und Wahrheit, daß wir das Wort Gottes gehört haben." So sangen sie denn unser Lied und hernach das Sterbelied: Mit Fried und Freud", fielen sodann auf die Kniee, daß ihnen das Wasser bis unter die Arme gieng, und baten Gott, daß er sie durch einen seligen Tod hinwegnehmen möchte. Jezt wurden fie auseinandergetrieben und etliche dreißig verloren das Leben. (P. Palladius. Eine kirchenhist. Schilderung von Pastor Heiberg.)

Aber auch an vielen Sterbebetten im Frieden wurde es zur Stärkung des Glaubens angestimmt; so am Sterbebett des Königs Christian von Dänemark, der unter dem Gesang des vierten Verses sanft entschlief, und an dem der Königin Elisabet von England. (Avenarius Liederkatechismus. 1714.) Darum rühmt es Dr. Zeibich, und mit ihm mancher andere Seelsorger, als einen „schönen Gesang, der stets sein legtes Refugium bei Sterbenden gewesen und bei welchem ihm verschiedene eingeschlafen seien." (G. Wimmer. 1749.)

In Leipzig und an andern Orten wurde das Lied sogar bei Hinrichtungen der Missethäter gesungen. Gewöhnlich hielt man es dabei so, daß während das Haupt des Missethäters fiel, der vierte Vers gesungen wurde, worauf der Gesang mit einem tausendfachen „Ach, Herr Jesus!" endete. Man nannte es deßhalb vor Alters nur das Arme-Sünder-Lied. Möge es auch fernerhin manche von uns „armen Sündern hie auf Erd, die wir von wegen mancher Gfährd ohn Hoffnung han kein Troste", auf den höchsten Tröster in aller Noth weisen.

Die Melodie: fggffdc d f f, ist einer der ältesten geistlichen Gesänge der Vorzeit; sie entstand gleichzeitig mit der Pfingstleise, die nach ihr gesungen wird, und ist jonischer Tonart. Lucas Loffius führt sie unter dem altdeutschen Namen: „Nu bedde wey den hiligen Geist" auf. Luther hat sie in Verbindung mit Walther, in dessen Chorgesangbüchlein 1524 sie erscheint, bloß verbessert. Schamelius macht über die Noten der zweiten Gesangzeile die feine Bemerkung: „darum" - weil nemlich hier um den wahren Herzensglauben gebeten werde gehet hier der Ton sehr hoch hinaus.“

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40. heilger Geißt, kehr bei uns ein.

Von Conrektor Michael Schirmer (1606-73) in Berlin, und erschienen in Crügers „Newem vollkömmlichem Gesangbuch Augsb. Conf. Berlin 1640."

Dies herzliche, kräftige Gebet um Inwohnung des heiligen Geistes zeichnet sich durch einen klaren Fluß der Gedanken und durch eine feine, der prächtigen Melodie vollkommen entsprechende Form aus, weßhalb es fast unbegreiflich erscheint, daß die Liederverbesserer (vielleicht Gesenius und Denike) schon 1660 dem herrlichen Pfingstgesang am Zeuge geflickt haben. Der Inhalt schließt sich an die berühmte Stelle Jesajah's 11, 2 vom siebenfachen Geiste Gottes an. Geist des Herrn, bringe Licht und Wonne in unser Herz! V. 1. Quell der Weisheit, gib die rechte Lehre in deine Gemeinde! V. 2. Geist des Raths, leite uns sicher in der Zerrissenheit der Zeit! V. 3. Geist der Stärke, gib freudigen Muth in ernsten Anfechtungen! V. 4. Geist der Erkenntniß, erhalt uns bei deinem süßen Wort! V. 5. Geist der Liebe, schließe uns zusammen in der Gemeinschaft! B. 6. Geist der Furcht Gottes, zeuch uns von der Lust des Fleisches zu dem Erbe des Himmels! B. 7. - Es ergibt sich hieraus, daß die Anlehnung eine freie ist, indem der Geist des Verstandes an dritter Stelle übergegangen oder mit dem der Weisheit zusammengenommen, dagegen der Geist der Liebe in sechster Stelle dafür eingeschoben ist. Wie neutestamentlich diese Fassung klingt und dem Bedürfniß der Pfingstgemeinde dient, springt in die Augen. Die alten und neuen Änderungen sind auf den künst lerisch verwerflichen Standpunkt zurückgegangen, die fieben Verse noch mehr dem alttestamentlichen Vorbild anzupassen.

Der ganze Ton des Lieds ist voll reinsten Friedens. Die Sonne des Herzens bescheint zwar manches Zerrissene in der Christenheit, manches Feindes Truz, manchen Neid und Streit, aber unser Sänger kennt den Schein des Himmelslichts, die Balsamkraft des Geistes und das himmelsüße Wort, das uns in den Herzen brennen darf; darum ist sein Pfingstmorgen voll Lust und Licht. Es ist später in Schirmers Leben (S. 9) mehr Dunkelheit hereingebrochen, dann mag der edle Sänger im „Grauen Kloster" sein Pfingstlied noch inniger gebetet haben. Fleißig hat man's ihm jedenfalls nachgesungen. Ja, nachdem die Sangfertigkeit und Sanglust in der evangelischen Kirche mit der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts immer

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