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X. De servis aut mancipiis furatis.

1. Si quis servum aut cavallum vel iumentum furaverit cui fuerit adprobatum, malb. alfalchio, teoducco, theu tha texaca, hoc est 1200 dinarios qui faciunt solidos 30 culpabilis iudicetur. 2. Si servus aut ancilla cum ipso ingenuo de rebus domini sui aliquid portaverit, fur praeter quod eius mancipia et res restituat et insuper, malb. theubardi, teophardo, theophardo, theobardo, teobardo, leudardi, hoc est 600 dinarios qui faciunt solidos 15 culpabilis iudicetur.

X. Von gestohlenen Sklaven oder Eigenen.

1. So Jemand einen Sklaven oder ein Pferd oder ein Lastvieh (die wurden also gleich geachtet das ist römisch, nicht urfränkisch, woraus man auf das Alter auch dieses Kapitels schliessen kann) stiehlt und er dessen überführt wird, der ist der Zahlung von 1200 Pfenn. oder 30 Schill. schuldig zu erkennen. 2. Wenn ein Sklave oder eine eigenhörige Magd (Sklavin) eben mit einem Freigebornen etwas von den Sachen ihres Herrn wegträgt (stiehlt), so ist der Dieb, ausser dass er die Leibeigenen und die Sachen wiedererstatten soll, für schuldig zu erkennen, 600 Pfenn. oder 15 Schill. zu zahlen.

Erklärungen. 1. Die verstümmelten sogenannten Glossen lauten: alfalchio, teoducco, theu tha texaca. Ueber alfalchio später. Das theu tha texaca ist eine ungeheure Verfälschung; theu ist Sklave und das Ganze oder dessen ursprüngliche Form scheint mir Sklavenstehlen zu bezeichnen; in teoducco ist teo wieder der Sklave (theuu) und die Lesart ducco, wenn sie einigermassen richtig wäre, könnte den Duck, Tuck (Tücke), d. i. heimlicher, listiger, an Sklaven verübter Streich, Betrug, heissen. 2. Ist im Text für portaverit vielleicht furaverit zu lesen? Ferner: eius mancipia bezeichnet des Herrn Eigenthum, Sklaven; fur ist der Freie und restituat, das soll er. Der Rechtsausdruck ist auf uns gekommen in den verunstalteten Formen theubardi, teophardo, theophardo, theobardo, teobardo, leudardi. Mancher möchte vermuthen, aus leudardi seien die andern Lesarten theubardi u. s. w. entstanden, was ich aber doch nicht annehmen kann; da dem Sinn von leudardi nach dieser Ausdruck hier nicht am rechten Orte ist. Man könnte versucht sein, zu glauben, das bardi, bardo şei das altfrisische Barde, d. i. Anklage, Rechtsverfolgung, vom altfrisischen barian, laut ausrufen, anklagen, im alten ostfris. Landrecht baren, d. i. laut schreien, anklagen vor Gericht, nordfris. biaren, westfris. beren. Das würde also Sklavenanklage bezeichnen, was hier wenig

oder nichts sagen würde. Das theubardo scheint mir die Sklavenprügelstrafe zu bedeuten, die häufig in der L. S. vorkommt, theu, wie gesagt, ist der Sklave und bardo die Tracht Schläge mit kleinfingerdicker Knute von dem altfränkischen bardan, schlagen, altnordengl. bertynit, bertnyt, d. h. geschlagen, gepeitscht. Dieses theubarde gehört wie die Ausschliessung des weiblichen Geschlechts von Grundeigenthum und Königsthron im sogenannten salischen Gesetz einer weit späteren Zeit, als der der Gründung Frankreichs an. Sammlung einer Lex Salica liess sich von dem Gründer Frankreichs nicht erwarten. Während seines kurzen Lebens war auf gallisch-römischem Boden sein Gesetz das Schwert. Auch die Form cavallus im Text, entstanden aus dem viel älteren caballus und dem französischen cheval schon recht nahe stehend, bekundigt mit tausend andern Ausdrücken das Alter der lateinischen Lex Salica in ihrer jetzigen Gestalt, welches übrigens weit jünger ist, als bisher angenommen worden ist. Handschriften des salischen Rechts aus Zeiten vor dem 7ten Jahrhundert sind nicht vorhanden.

XI. De furtis ingenuorum vel effracturis.

1. Si quis ingenuus foris casa quod valit duos dinarios furaverit, malb. leodardi, malb. leodard, malb. taxaca, malb. leudardi, 600 dinarios, qui faciunt solidos 15 culpabilis iudicetur. 2. Si vero foris casa quod valit 40 dinarios furaverit, et ei fuerit adprobatum, malb. texxaga, malb. texeca, malb. texaca, malb. taxaca, 1400 dinarios qui faciunt solidos 35 culpabilis iudicetur excepto capitale et dilatura. 3. Si quis ingenuus homo, effractura fecerit quod valit 2 dinarios et ei fuerit adprobatum, malb. anthedio, antedio, antidio, hoc est 1200 dinarios qui faciunt solidos 30 culpabilis iudicetur. 4. Si vero supra 5 dinarios quod valit furaverit et ei fuerit adprobatum, malb. antedio, malb. tantedio, 1400 dinarios qui faciunt solidos 35 culpabilis iudicetur excepto capitale et dilatura. 5. Si vero clavem effrigerit aut adulteraverit et sic in domum ingressus fuerit aut exinde furtum aliquid tulerit et ei fuerit adprobatum, malb. antedio, malb. anorlenet antheodio, malb. anthedio, malb. antheoco, malb. norchlot, malb. antidio, 1800 dinarios qui faciunt solidos 45 culpabilis iudicetur excepto capitale et dilatura. 6. Si vero nihil tulerit aut fugiens evaserit [propter effracturam tantum], malb. norchot, malb. norchloc, 1200 dinarios qui faciunt solidos 30 culpabilis iudicetur.

XI. Von Diebstählen und Erbrechungen freier Männer. 1. Wenn ein freier Franke ausser dem Hause, was zwei Pfennige werth ist, stiehlt, so soll er für schuldig erkannt werden, 600 Pfenn. oder 15 Schill. zu zahlen. 2. Wenn er aber ausser dem Hause, was 40 Pfennige werth ist, stiehlt und er dessen überführt wird, so ist er für schuldig zu erkennen, ausser cap. und dil. 1400 Pfenn. oder 35 Schill. zu zahlen. 3. Wenn ein freier Mann etwas erbricht, was 2 Pfenn. werth ist, und er der That überführt wird, so soll er für schuldig erkannt werden, 1200 Pfenn. oder 30 Schill. zu zahlen. 4. Stiehlt er aber, was über 5 Pfenn, werth ist, und wird dessen überführt, so soll er für schuldig erkannt werden, ausser cap. und dil. 1400 Pfenn. oder 35 Schill. zu zahlen. 5. Wenn er aber das Schloss erbricht oder verdirbt (oder heisst clavem adulteraverit einen falschen Schlüssel gebraucht?) und so in das Haus kommt und etwas daraus stiehlt und wegträgt, und er dessen überführt wird, so soll er für schuldig erkannt werden, ausser cap. und dil. 1800 Pfenn. oder 45 Schill. zu zahlen. 6. Wenn er aber nichts mitnimmt oder durch die Flucht entkommt, so soll er für schuldig erkannt werden [nur wegen des Einbruchs, des Aufbrechens] 1200 Pfenn. oder 30 Schill. zu zahlen.

Erklärungen. Die sogenannten Glossen sind leodardi, leodard, taxaca, leudardi. Ueber taxaca am Ende, leudardi ist besprochen. 2. Der verstümmelte Rechtsausdruck ist texxaga, texeca, texaca, taxaca. 3. Der Rechtsausdruck ist anthedio, antedio, antidio, und 4. antedio, tantedio. Die ursprüngliche Form von antedio ist schwer zu ermitteln. Dieselbe sogenannte Glosse findet sich L. S. XXVII, wo es Abschn. 19 heisst: Si screona qui clavem habet effrigerit (für screonam, quae, effregerit), so Jemand einen Schrein, der ein Schloss hat, aufbricht. Mit diesem ganz verfälschten anthedio will ich lieber vorerst nichts weiter vornehmen, da ich nicht weiss, ob ant, ent oder Hand gemeint sei. Mit dem alten handthätig darf ich es auch nicht vergleichen. Jedenfalls hat wohl die richtige Lesart, welche es auch sein möge, ein gewaltsames Oeffnen bezeichnen sollen. Bei dergleichen Diebstählen also fehlt texaca oder wie die Lesarten dieses Ausdrucks alle lauten. Er scheint mir, so oft er in der L. S. vorkommt, Diebssache zu bedeuten und aus den beiden Worten Thaof (nordfris. Thief, engl. thief, altgerman. Thiob, Thiub) und Saka (Sache), gebildet zu sein. Aber die sogenannte Glosse theu texaca, die sich z. B. Nov. 36 findet, heisst Sklavendiebssache, von dem altgerman. Thiu, Knecht, Thiuui, Magd, altengl. theow, Knecht. Manchmal steht

auch für texaca texachalt, das ist die Busse, die eine solche Diebssache fordert. J. Grimm's Erklärung von texaca in seiner Vorrede zu Merkel's L. S. klärt nichts auf. Ich bemerke noch, dass tantedio Abschn. 4. eine noch ärgere Verfälschung der verfälschten Form antedio ist. 5. Die Lesarten des Rechtsausdrucks heissen: malb. antedio, malb. anorlenet antheodio, malb. anthedio, malb. antheoco, malb. norchlot, malb. antidio; und 6.: malb. norchot, malb. norchloc. Die Hässlichkeit solcher verstümmelten Formen ist empörend. Jacob Grimm's Auslegungen sind hier wieder ganz unbrauchbar. In anorlenet, norchlot, norchot, norchloc ist mindestens loc, das altfris. Lok, engl. lock, d. i. Schloss, unverkennbar, und im Text ist von Schlosserbrechen die Rede.

Fehler im Text: valit für valet, effractura für effracturam, effrigerit für effregerit, aliquid für aliquod oder furtum für furti.

XII. De furtis servorum vel effracturis.

Si servus foris casa quod valit 2 dinarios furaverit et ei fuerit adprobatum, malb. falcono, 120 dinarios qui faciunt solidos 3 pro dorsum suum aut 120 flagellus suscipiat. Si vero quod valit 40 dinarios furaverit, aut castretur aut 240 dinarios qui faciunt solidos 6 reddat, dominus vero servi qui furtum fecit capitale [et dilaturam] in locum restituat.

XII. Vom Stehlen und Erbrechen der Sklaven.

Wenn ein Sklave ausser dem Hause, was 2 Pfenn. werth ist, stiehlt und dies ihm bewiesen wird, so zahlt er 120 Pfenn. oder 3 Schill. für seinen Rücken oder auch erhält er 120 Hiebe. Stiehlt er aber, was 40 Pfenn. werth ist, so soll er entweder entmannt werden oder auch 240 Pfenn. oder 6 Schill. geben. Der Herr des Sklaven aber, der den Diebstahl beging, soll den Ersatz für das Gestohlene leisten (die gestohlene Sache [und die dilatura was hier von einem Unwissenden fälschlich eingeschoben ist] wieder erstatten).

Erklärungen. Die einzige sogenannte Glosse hier ist: malb. falcono, eine von der falschen Lesart falconum L. S. XXIX und auch von falchino, falcino Nov. 226 ganz verschiedene. Dieses falchino in frio falchino hat seiner Bedeutung nach nichts mit dem Begriff des Schlagens gemein, wie J. Grimm wähnt, sondern scheint freies Volk, freie Leute übersetzt werden zu müssen. Auch ist im Text nicht von plagare (schlagen) die Rede, sondern von plagiare (seelverkäuferisch verloren). Unser Wort falcono L. S. XII heisst Prügel, Schläge, womit nicht das von J. Grimm angegebene altd. felgan,

welches nicht schlagen heisst, sondern mit falchan, nordengl. to fauch (aus falch, falg), d. i. schlagen, prügeln, Eines Stammes ist, während das französische faucher, d. i. mähen, nicht hierher gehört, sondern von dem römischen falx, Sense, stammt. Von der Richtigkeit meiner Erklärung zeugen auch die 120 Hiebe im Text.

Von effracturis in der Ueberschrift ist im Text keine Spur. Fehler im Text: dorsum suum für dorso suo, flagellus für flagella.

XIII. De rapto ingenuorum.

1. Si tres homines ingenuam puellam rapuerint, malb. schodo, malzantania, hoc est 1200 dinarios qui faciunt 30 solidos cogantur exsolvere. Illi qui super tres fuerint 200 dinarios qui faciunt solidos 5 [unusquisque illorum] solvant. Qui cum sagittas fuerint 200 dinarios qui faciunt 3 solidos culpabilis iudicetur. Raptor vero 2500 dinarios qui faciunt solidos 622 culpabilis iudicetur. 2. Si vero puella ipsa de intro clave aut de screuna rapuerint, malb. alte ofal theo, precium et causa superius conprehensa convenit observare. 3. Si vero puella qui trahitur in verbo regis fuerit, fretus, ereus, furban, exinde 2500 dinarios qui faciunt solidos 62, est. 4. Si vero puer regis vel letus ingenuam feminam traxerit, de vita conponat. 5. Si vero ingenua puella quemcumque de illis suam voluntatem secuta fuerit, ingenuitatem suam perdat. 6. Si quis sponsam alienam tulerit et eam sibi in coniugio copulaverit, malb. antedio, malb. anestet, malb. andrateo, malb. andratheo, malb. andratho, malb. ana stheo.

XIII. Von Freienraub.

1. Wenn drei Männer ein freigebornes Mädchen räuberisch entführen, so sollen sie gezwungen werden, 1200 Pfenn. oder 30 Schill. auszuzahlen. Welche über drei sind, sollen [jeder von ihnen] 200 Pfenn. oder 5 Schill. zahlen. Die mit Pfeilen da sind, sollen für schuldig erkannt werden, 200 Pfenn., das sind 3 Schill., zu zahlen. Der Räuber aber soll für schuldig erkannt werden, 2500 Pfenn. oder 62, Schill. zu zahlen. 2. Wenn sie aber dieses Mädchen aus verschlossener Wohnung oder aus ihrem Gemach (hinter Schloss oder Gitter heraus) rauben, so gehört es sich, nach Preis und Fall wie oben sich zu richten. 3. Steht dagegen das Mädchen, das fortgeschleppt wird, un

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