Sämmtliche Werke, 10

J.G. Cotta, 1838

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213 - Sagen Sie Ihm, daß er fr die Träume seiner Jugend Soll Achtung tragen, wenn er Mann sein wird, Nicht öffnen soll dem tötenden Insekte Gerhmter besserer Vernunft das Herz Der zarten Götterblume - daß er nicht Soll irre werden, wenn des Staubes Weisheit Begeisterung, die Himmelstochter, lästert. Ich hab es ihm zuvor gesagt KÖNIGIN: Wie, Marquis?
35 - Man hat das Erdreich des Vesuvs untersucht, sich die Entstehung seines Brandes zu erklären; warum schenkt man einer moralischen Erscheinung weniger Aufmerksamkeit als einer physischen? Warum achtet man nicht in eben dem Grade auf die Beschaffenheit und Stellung der Dinge, welche einen solchen Menschen umgaben, bis der gesammelte Zunder in seinem Inwendigen Feuer fing?
250 - Indem sie den Menschen gewöhnt, sich mit der ganzen Vergangenheit zusammenzufassen und mit seinen Schlssen in die ferne Zukunft vorauszueilen: so verbirgt sie die Grenzen von Geburt und Tod, die das Leben des Menschen so eng und so drckend umschließen, so breitet sie optisch täuschend sein kurzes Dasein in einen unendlichen Raum aus und fhrt das Individuum unvermerkt in die Gattung hinber.
27 - Dichter unter sich einig werden und einen festen Bund zu diesem Endzweck errichten wollten - wenn strenge Auswahl ihre Arbeiten leitete, ihr Pinsel nur Volksgegenständen sich weihte - mit einem Wort, wenn wir es erlebten, eine Nationalbhne zu haben, so wrden wir auch eine Nation.
225 - Diese meine ich, daß man sich in moralischen Dingen nicht ohne Gefahr von dem natrlichen praktischen Gefhl entfernt, um sich zu allgemeinen Abstraktionen zu erheben, daß sich der Mensch weit sicherer den Eingebungen seines Herzens oder dem schon gegenwärtigen und individuellen Gefhle von Recht und Unrecht vertraut als der gefährlichen Leitung universeller Vernunftideen, die er sich knstlich erschaffen hat - denn nichts fhrt zum Guten, was nicht natrlich ist.
42 - Druck tun sollte. Eine unsichtbare frchterliche Hand schwebte ber mir, der Stundenweiser meines Schicksals zeigte unwiderruflich auf diese schwarze Minute. Der Arm zitterte mir, da ich meiner Flinte die schreckliche Wahl erlaubte - meine Zähne schlugen zusammen wie im Fieberfrost, und der Odem sperrte sich erstickend in meiner Lunge. Eine Minute lang blieb der Lauf meiner Flinte ungewiß zwischen dem Menschen und dem Hirsch mitten inne schwanken - eine Minute - und noch eine - und wieder eine....
247 - Einheit Ursache ist, daß die Ereignisse des entferntesten Altertums, unter dem Zusammenfluß ähnlicher Umstände von außen, in den neuesten Zeitläuften wiederkehren; daß also von den neuesten Erscheinungen, die im Kreis unsrer Beobachtung liegen, auf diejenigen, welche sich in geschichtlosen Zeiten verlieren, rckwärts ein Schluß gezogen und einiges Licht verbreitet werden kann.
27 - Grad zu bewirken, weil sie das ganze Gebiet des menschlichen Wissens durchwandert, alle Situationen des Lebens erschöpft und in alle Winkel des Herzens hinunterleuchtet; weil sie alle Stände und Klassen in sich vereinigt und den gebahntesten Weg zum Verstand und zum Herzen hat.
29 - Und dann endlich - welch ein Triumph fr dich, Natur! ,- so oft zu Boden getretene, so oft wieder auferstehende Natur! wenn Menschen aus allen Kreisen und Zonen und Ständen, abgeworfen jede Fessel der Knstelei und der Mode, herausgerissen aus jedem Drange des Schicksals, durch eine allwebende Sympathie verbrdert, in ein Geschlecht wieder aufgelöst, ihrer selbst und der Welt vergessen und ihrem himmlischen Ursprung sich nähern. Jeder einzelne genießt die Entzckungen aller, die verstärkt...
26 - Mit ebenso glcklichem Erfolge wrden sich von der Schaubhne Irrtmer der Erziehung bekämpfen lassen; das Stck ist noch zu hoffen, wo dieses merkwrdige Thema behandelt wird. Keine Angelegenheit ist dem Staat durch ihre Folgen so wichtig als diese, und doch ist keine so preisgegeben, keine dem Wahne, dem Leichtsinn des Brgers so uneingeschränkt anvertraut, wie es diese ist. Nur die Schaubhne könnte die unglcklichen Schlachtopfer vernachlässigter Erziehung in rhrenden erschtternden...