صور الصفحة
PDF
النشر الإلكتروني

ANALECTA HYMNICA

MEDII AEVI.

Herausgegeben

von

Clemens Blume und Guido M. Dreves.

XLVII.

TROPI GRADUALES.

Tropen des Missale

im

Mittelalter.

Leipzig.

O. R. Reisland.

TROPI GRADUALES.

Tropen des Missale

im

Mittelalter.

I.

Tropen zum Ordinarium Missae.

Aus handschriftlichen Quellen herausgegeben

von

Clemens Blume

S. J.

und

Henry Marriott Bannister

M. A. Oxon.

Leipzig.

O. R. Reisland.

1905.

APR &

Divinity school.

147-48)

BV 468

•AG

V147-48

Vorwort und Einleitung.

[ocr errors]

1. Tropus nicht im stilistisch-rhetorischen, sondern im liturgisch-hymnologischen Sinne ist ein Name, ein Begriff, der verschiedenartige, zu verschiedenen Zeiten entstandene Dinge umfasst, welche ursprünglich auch verschiedene Benennungen trugen. Gemeinsam ist ihnen allen, dafs sie einen festen, in sich abgeschlossenen liturgischen Text, wie z. B. den Introitus, das Kyrie, Gloria, Graduale oder andere Teile der Messe und des Brevieres, erweitern, auschmücken, umranken, ohne den Kern des offiziellen Textes selbst, dem sie sich innig anschliefsen, irgendwie zu ändern, zu mehren oder zu mindern. Sie erläutern und amplifizieren vielmehr denselben, sind eine Art von bald mehr, bald minder poetischem Kommentar, welcher in den liturgischen Text eingewoben ist oder ihn umsäumt. Das Kyrie, Gloria, Sanctus usw. sind die Kette, der Tropus ist der Einschlag; beide zusammen bilden das Gewebe, den Teppich des tropierten Kyrie oder KyrieTropus. So wird man verstehen, wie Léon Gautier auf die Frage „Qu'est-ce qu'un Trope?" kurz und bestimmt antworten durfte: "C'est l'interpolation d'un texte liturgique,“ welche Definition er dahin erläuterte: „C'est l'intercalation d'un texte nouveau et sans autorité dans un texte authentique et officiel; dans ce texte même dont saint Grégoire avait si sagement tracé et fixé toutes les lignes." 1) Nur der Ausdruck Interpolation" kann mifsdeutet und dann als minder zutreffend bezeichnet werden. Wird er nämlich ausschliesslich

"

(

1) Léon Gautier, Histoire de la Poésie liturgique au moyen âge. Les Torpes. Paris, 1886. pag. 1.

aufgefafst als Einschaltung, Einschiebsel zwischen einen Text, wird also die Präposition „inter" urgiert, dann würden einige Piecen, die als Tropen gelten, nicht recht unter die Gautiersche Definition fallen. Denn es gibt Tropen, besonders Introitus-Tropen, welche eine Einleitung zum liturgischen Texte bilden, und umgekehrt andere Tropentexte, in welche z. B. das Alleluia des Graduale ausklingt, ohne dafs diese Tropen zwischen den Text eingeschoben wären. Indessen sind solche Tropen, welche nur einen Vorgesang zum Introitus bilden, verschwindend wenige; und wenn andere Introitus-Tropen nicht blofs zwischen den Introitustext eingewoben sind, sondern zugleich auch eine Introductio bilden, den Text umsäumen, so bleibt doch ihr Grundcharakter, eine Einschaltung zu sein, dadurch im wesentlichen unberührt; dies gilt um so mehr, da das Wort „Interpolation" noch viel weniger als das Wort „Einschaltung" ausschliefslich auf den Begriff des Einschiebens zwischen einen Text beschränkt ist, sondern auch den der Erweiterung eines Textes mitbegreift. Bei den Alleluia-Tropen, welche gleich näher charakterisiert werden, ist überdies zu erwägen, dafs sie überhaupt nicht Tropen im strengen Sinne dieses Wortes, sondern allem Anscheine nach ihre ersten Vorläufer sind, bei denen das spezifische Merkmal noch nicht zur vollen Ausprägung gelangt ist; gemeint sind hier die Alleluia-Tropen der ersten Epoche, von denen weiter unten die Rede sein. wird. Wie in fast allen historisch gewordenen und sich entwickelnden Dingen, so läfst sich auch hier keine haarscharfe Grenze ziehen, um in jedem Einzelfalle sagen zu können: Hier hört die eine Art auf, und hier beginnt eine andere. Gilt das schon von den ersten Anfängen und Vorläufern der Tropen, dann noch mehr von ihren Ausläufern in späterer Zeit. Statt kurzer Einschiebsel wurden nämlich mit der Zeit mehrere Verse, ganze Strophen, schliefslich eine Reihe von Strophen in den liturgischen Text eingeschoben. Das poetische Beiwerk wurde Hauptsache; der liturgische Text trat ganz in den Hintergrund, wurde nur noch als Ausgangspunkt betrachtet, bildete kaum noch das kurze Thema zur langen Variation. Die Tropen wuchsen aus zu selbständigen Kantionen, Motetten, Rufen; der dramatische Charakter, welcher im

« السابقةمتابعة »