An die deutschen Lefer! Wie ich sie in Mußestunden Nicht des Glaubens strenge Säße, Borrede. Großartige und ungewöhnliche Schöpfungen des menschlichen Geistes können nicht als ein ausschließliches Eigenthum dessen, für den oder durch den sie entstanden sind, angesehen werden; wie die Kraft des Geistes, der sie erschaffen hat, so gehören auch sie der ganzen Menschheit an! In diesem Sinne betrachte ich diese, uns von der Vorzeit überlieferten ehrwürdigen und erhabenen kirchlichen Dichtungen als ein geistiges Gemeingut. Wenn auch einzelne, besonders ausgezeichnete derselben von einem Wieland, Herder, Liek, Schlegel u. A. mit gewohnter Meisterschaft überseßt worden sind, so ermangelt es doch bis icht noch einer, einigermaßen vollständigen Zusammenstellung der be= sten aus den verschiedenen Jahrhunderten mit einer gleichzeitigen, möglichst wortgetreuen Ueberseßung derselben. Indem ich mir daher auf der einen Seite durch sorgsame Vergleichung der in den verschiedenen Breviarien und Liedersammlungen aufgenommenen Gesånge der bewährtesten Hymnendichter die richtigsten Terte zu verschaffen gesucht, und dieselben, zur Veranschaulichung des Entwicklungsganges der lateinischen Hymnologie, chronologisch nach ihren Verfassern, ohne Rücksicht auf Inhalt und Form, geordnet habe, machte ich auf der andern eine möglichst getreue Ueberseßung und Beibehaltung des ursprünglichen Metrums, bei gleichzeitiger Wiedergabe von besondern Klangschönheiten und Eigenthümlichkeiten einzelner Reime, mir zur strengsten Pflicht. Allein in vielen Fällen reichen selbst die vollen und reichhaltigen Mittel unserer |