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theils in der nachlässigen Überlieferung ihren Grund, vgl. Grimm zu Graf Rudolf S. 12; zu Athis u. Proph. S. 25; Haupt zu Servatiiis S. 76; Lachmann zu Lanzel. 1069; Sommer zu Flore 121; Rückert zu Thomasin 1249.

Als nicht gebrochen, d. h. dem Gesetz der Ebenmäßigkeit nicht widersprechend sind bei unserem Dichter und bei Hesler so wie bei anderen solche Verszeilen anzusehen, in denen mitten in einem Worte eine Senkung fehlt. Eines Theils gehören hierher Namen von Personen. Örtern u. dgl., z. B. bei Nicolaus

7953 den man nänte Bre — mer
ünde mit im wepe — ner.
8554 däz man nänte Crön — switz.

brüdir Henrich hätte ditz.
12264 da der Bärtin höubit—man,

den man nänte Di — wän.
13239 von Tirberc brüdir Cön — rät.
der alte mit stritlicher tat.
1986 därzü gäbin rätis 1er,

von Mässow bischof Günt — her.
943 di si gewünnen creftic — lieh,
dö koufte brüdir I16n — rieh.
11794 däz ein brüdir schikte sich

zu spänne der hiz Hein — rieh, andern Theils gehören hierher nomiua appcllativa, adjeetiva u. dgl., x. ß. 5949 man in leite härm — schär

kein der cristin — lichin schär. 11373 und so bittre härm — schär

di brüdre lind di cristin — schär. 11629 und zubüiten di vil gar.

darnach so mänic härm — schar. 6391 dö Swäntopolc da vörge — s&t

nicht schuf mit der valsch—ei't. (vergl. 7585). 7585 den dldin vride ändir — weit.

idöch sin aide bös— heit. (vergl. 11638 .

19788 und mit stetir ar— beit

wi er di gotis cristen heit. 11423 ein stürmin an di berc— vrit,

da daz hns vorbüwit mit. 7223 von dem Colmin uz der stat

quamen an di wäl — stat (vergl. 12817).
8751 widir sinen schöpf—er

er vleiz sich mit allir ger.
10459 daz man in nante wät — mal

in dem lande libiräl.
6811 des geloubin echt — er,

und wi di cristinheit gewer. 8963 in rümlichir hoch — värt

ouch er d6 zu rate wärt. 14839 und irslügin in dem lüdir

zwen und einen halb — brüdir. 5943 gotis also vrücht — s&m

gewurfe sines trespis säm. 8039 üf dem sande des — war,

daz si wedir her noch dar. 9461 di er zu Glatbach weste sin,

barvdz unde wül — lin. 10717 heldin namen in der stünt,

der so manic tu—sunt (vergl. 3190, 10527.)

An allen diesen Stellen lässt auch Konrad v. W. die Senkung aus. \ ielleicht gehören auch noch folgende Fälle, in denen ein Asyndeton beabsichtigt ist, hierher: 4186 er loufit hin, er loufit her, \ itzuntvol, itzunt /•t; und 12672 gingin zu mit sturmis dro: | dise holz, gene. strö.

Es wäre auffallend, wenn die hier genannten Ausnahmefälle als selbstverständlich vorausgesetzt und nicht ausdrücklich erwähnt wären da wo beide, Nicolaus wie Ilesler, so bestimmt das Zählen ihrer Vers>ill>eii betonen. Daher wage ich, gegen die Auffassung von Bartsch, t'olgendo Stellen hierauf zu beziehen: Jerosch. 294 ouch ich diss gelichtis rim | üf dt zal der silben züne \ — — Mtctlen ich zwü kurze \ üf eine lange stürze, und Hesler 1466 folg. »welch meister scharf gesüne \ sinnes habe, der spreche nü, \ sit her daz ich unrechte tu, | daz lier mich d*s begruze, \ weder ich zu vil der vüze \ setze dar oder zu deine. \ doch dinge ich ouch üz diz eine \ daz ich dicke zwene kurze müz I dar setzen vor einen langen vüz. An beiden Stellen ist das Zählen als Princip hingestellt und sind die Ausnahmefälle angegeben, in welchen dasselbe scheinbar verletzt ist. Bei Nicolaus kann zwü kurze üf (K. vor) eine lange stürzen schwerlich so viel sein als: „auf eine lange Silbe zwei kurze folgen lassen." Vielmehr, hält man an der Grundbedeutung von stürzen fest = obtegere, so ergibt sich hier folgender Sinn: an die Stelle einer langen Silbe zwei kurze setzen oder an der Versstelle, wo in der einen Zeile des Reimpaares eine lange Silbe ist, in der andern zwei kurze anbringen. Das stürzen könnte man also darauf beziehen, daß die zu einem Verspaar vereinigten Zeilen einander decken. Wie diese nämlich im Ganzen einander decken, d. h. hier eine auf die andere „gestürzt" sind, so werden im Besonderen wieder die sich entsprechenden Silben in beiden als einander deckend, als auf einander gestürzt gedacht. Ganz diesem entsprechend sagt wohl Hessler zicene kurze setzen vor einen langen vüz. Er gebraucht nämlich vüz gleichbedeutend mit silbc oder vielmehr Tacttheil im Metrum. Und zwar würde ein langer vüz eine solche Silbe sein, welche die Währung von Hebung und Senkung zugleich hätte, ein „kurzer Fuß" dagegen eine Silbe, die nach unserer Art zu reden entweder nur eine Hebung oder nur eine Senkung ausfüllte. Ist diese metrische Bestimmung richtig, dann hat man jedenfalls ihren Ursprung in der Musik zu suchen. Dort würde der langt vüz der einen ganzen Tact, der kurze vüz der einen halben Tact geltenden Note gleich kommen.

Der Auftact besteht bei Nie. ebenso wie bei Konrad von W. nur aus einer Senkung. Da, wo der Text bei Strehlke jetzt zwei Senkungen bietet, sind dieselben der Art, daß sie sich bequem verschleifen lassen, wie dieses in S (= Stuttg. Hdschr.) hin und wieder, in K (= Königsb Hdschr.) meistenteils auch graphisch ausgedrückt ist. Z. B. 88 K5 sinmüstin, 9119 dunvindist, 16380 si entorstin, K syntorslin; 26115 inhdt, K donhat; vergl. 4228, 28085 u. s. w. Daß dieser Auftact nicht mitgezählt wurde, sobald er nur einer der beiden Zeilen des Reimpaares beigegeben war, sagt zwar weder Nie. noch Hesler; indessen ergiebt sich dieß aus der Vergleichung ihrer Verse von selbst. Ohnehin war es nicht ihre Absicht, ein vollständiges Regulativ zu geben, sondern ihnen lag bloß daran, gegen die Verunstaltungen des Textes durch da Hände roher Abschreiber oder unverständiger Verbesserer sich von vornherein zu verwahren und dem Leser zu zeigen , daß sie es besser verstanden hatten, vergl. Nicol. 26663-66 u. Hesler 1349 folg.

3) Die Norm, welcher Nie. in Bezug auf die Reimsilben folgt, tiudet sich in folgenden Worten ausgedrückt: 243—45 vil wort man tjllche schrlbit, \ der lüt uvglich sich trlbit, \ sulch rimen sal man miden; und 299—300 und min rim werdin gebuit \ an dem ende üf glichin luit. Da Nicolaus beim Binden der Endsilben des Verses keine Rücksicht darauf nimmt, daß die auf einander reimenden Vocale auch der Quantität nach einander gleich sind (sieh die Zusammenstellungen bei Pfeiffer S. XLIV folg.), so muß er unstreitig unter den worten der lüt ungllck sich tribit etc., vorausgesetzt, daß er darunter die Reimsilben begriff, etwas anders gemeint haben als solche Silben, die dem Buchstaben oder der Schreibung nach gleich, der Quantität nach verschieden sind. Es bleibt da nichts weiter übrig, als mit Bartsch an die durch Accentuation bedingte Aussprache zu denken; man soll, so will es mich bedünken, betonte Silben nicht mit unbetonten (noch unbetonte unter einander) reimen. Es war dieß in den Volksliedern, in den Reimereien Ungebildeter hin und wieder der Fall. Reich an Beispielen sind auch die Gedichte älterer Zeit; denn die stark betonten Schlußsilben hatten für die Zeit Jeroschins nur noch die Geltung von schwach betonten, stummen Silben; so in den Büchern Mosis in Hoffmann's Fundgruben, in König Ruother, im Ruolandsliede u. dgl.; z. B. vater: miir : her, genomen : sen, gotes •. des : wes, wellet: het, schinen: unsälegen, nennen ■.landen, venie: himele. Diese Art zu binden mußte dem Ohre eines Dichters aus der Zeit des Nicolaus durchaus zuwider sein. Bei Hesler ist, obwohl er, wie Bartsch bemerkt, in klingenden Reimen die Quantität der Vocale strenger zu wahren weiß, dieser Fall nicht vorgesehen. Er verwahrt sich in seinen Vorschriften allein gegen das Binden verschiedener Vocale oder, wie er 1400 folg. sagt, daz kein luclistap belegene | der vumfer an dem worte(?) | daz einer an dem borte, | der ander an dein ende ste. \ deine ä begegne nicht daz S | deme e daz i, deme i) daz iL*) Er sagt, daß er dieß um der lihten willen erwähne, die bileh nu loollen machen und die nicht rechte binden u. s. w. v. 1378 folg. Unter diesen lüden sind offenbar Dichter niederen Ranges gemeint, die von der höheren feineren Kunst wenig verstanden. Nicht ganz richtig ist die Vorstellung, welche Bartsch hier bringt, indem er an solche denkt, „die es mit der Kunst des Reimens leicht nehmen (die ühten).u *) Bei Nicolaus ist nun aber noch eine andere Erklärung möglich. Denn daß unter vil wort der lüt unglich sich tribit dem Zusammenhange nach nur Rcimsilben verstanden werden, ist nicht nothwendig. Man könnte sich die Sache auch so denken: es finden sich oft Verspaare, die äußerlich, der Menge ihrer Silben nach aus gleich großen Zeilen bestehen (die man gliche schribit), aber ihnen mangelt die gleichmäßige, stetige Abwechselung von Hebung und Senkung (== ir lät unglich sich tribit).

*) Die Ausdrücke worle: borte sind dem Sinne nicht recht förderlich und scheinen verdorben. Ca liest orte statt borte. Sehr nahe liegend und dem Zusammenhango weit entsprechender scheint folgende Änderung: daz kein bäclistap belegene \ der vumfer an 'Irin borte, \ daz einer an dem orte, | der amier an dem ende sie. Daß an dem borte, '1. h. dem Ausgange des Verspaares, sicli nicht ungleiche Vocale in den Keimsilben bcP'fcTien, will offenbar der Dichter sagen, nicht aber an dem worle, welches nur gezwungen auf die Endsilben bezogen werden könnte. Der bort des Keimpaares umfasst ort und ende, d. h. die Ausgänge der beiden Reimzeilen. Eine ähnliche Vertauschung von »• und 6 findet sich in den Saarbrüeker Brachst, der Offenbarung bei Roth Dicht, v. !I4 Walachc statt Balachc, 128 icestun statt Itestiln , 208 irebarl für betrarl. Über den Gebrauch des Wortes bort vergl. außer dem mhd. Wiirterb. noch das Progr. des Zeitzer Stiftsgymnas. 1859 S. 10 und Martina 2, 61 iif der erde bort: ort; 89, 02; «76er al dfr uerlte bort 96, 55; 1(10, 28; anevanc noch ende» bort 111, 49. Gold. Schm. 355.

4) Das vierte Gesetz endlich finde ich bei Nicolaus in folgenden Worten ausgedrückt: 246 den sin (sal man) nicht vorsniden; vorher: des lichteres zunge sal dt rechte muze behalten an sin; und v. 299 min rtm werden gebuit an dem ende iif glichen luit, nicht velschende der rede sin. Da dieses Verbot den sin zu vorsmden oder der rede sin zu r Aschen unmittelbar an jenes über den Endreim sich anschließt, so \\ ird wahrscheinlich ein Fehler gemeint sein, in den der Dichter beim bi eben nach Reimsilben leicht verfallen konnte. Trennung des Adjectivs oder der Präposition vom Nomen, Spalten losegefügter längerer Composita kann nicht gerade gemeint sein, weil der Fall bei Jeroschin selbst sowie bei Ilesler und anderen so häufig ist, daß man ihn zu den erlaubten und unanstößigen rechnen muß. Vergl. Nicol. 905 dem spitale der vrien \ maget S. Marien, ferner 2179, 4690, 6378, 8260, 8279, 9986, 2041221230 u. s. w. undHesler 1410; bei Roth 1. 1. 2 (53): 3, 61; 9, 255; 13, 20; 13, 29; 15, 86; 15, 91; 17, 149; vergl. ferner Hahn zu Otte 680, Lachm. z. Nib. 470, Haupt z. Erec S. XIV, Fromm, z. Herb. 45, Wackern. Altfr. L. S. 219- Am passendsten scheint mir daher unter

*) Unter den lihten verstand man die Leute geringeren Standes im Gegensatze zu den besten; vergl. darüber so wie über lihlez knnne mhd. Wörtern, 1,997. Ein bitter mini wird bei Thomasin 1987 entgegengesetzt einem herren und l>ei Senkenbcrg YisN. div. S. 273 und 274 einem edel-n, erbaren man. Die lihten sind daher hier im Gegensätze /.(! den meisteren v. 1375 als die geringeren Dichter zu fassen, welche vermöge ihrer Bildung einen niedrigeren Rang einnehmen.

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