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den niedrigsten Stånden, doch der Trieb hervor, wie der Trieb nach Reisen, nach wissenschaftlicher Bildung fich bei Cook, Franklin, bei dem armen Schuhmacherknaben Cranch und bei uns dern hervordrångte.' Und nun wird der Mensch geleitet zu tieferer Beobachtung seines Innern. Er horcht leise auf die Stimme, die in seinem Innern redet. Er bemerkt den Contrast zwischen seinem Gewissen und seinem Wandel, seinem Sinn. Es entgeht seinem Forscherblick nicht, was er seyn sollte und was er ist, und daß es nicht so bleiben darf. So weit waren die edlen Heiden, die sich nach Etwas sehnten, was sie selbst nicht kannten. Wird aber Ser Christ bekannt mit dem Evangelium von Jesus, wird er ergriffen von der Himmelswahrheit: der in sich zerrissenen, mit sich selbst zerfallenen Menschheit soll geholfea werden; kein Opfer war dem Uůmächtigen zu groß, um ihr zu helfen; Gott gab das Geliebteste, Nächste hin, um ihr zu helfen; dieser Geliebte gab sein Leben auf die schauerlichste Art hin, um ihr zu helfen; nun wird Niemand verloren, der sein Vertrauen auf ihn sett; Alles wird gerettet, Ques glücklich; - glaubt er dies, wie er glaubt, daß sein Vater Vater fey; nimmt er das Himmelswort an, wie er eine Lebensarzenei genießt, ohne zu wissen, wie sie ihn belebe, dann wird sein ganzes

Wesen aufgeregt zu Dankbarkeit und liebe. Er rehnt sich nach Nåhe Gottes, Nähe Jesus, wie sich der Liebende nach Nåbe des Geliebten rehnt. Er nahet sich zu Gott, und so nahet sich Gott zu ihm. Er betet, und sein Gebet wird erhört. Sein Glaube wird gestärkt durch diese Erhörung und seine Liebe. Jellt gibt er sich Gott und Jesus ganz hin. Er bedarf keiner Jugend. Tugend ist Kampf und Sieg; aber in ihm iit kein Kampf. Er will Eins und ist Eins. Er will nur, was der will, der ihn so hoch geliebt hat. Un Beloh: nung denkt er nicht. Wie könnte der Liebende das, da ihm sein Leben so natürlich, wie das Athmen ist? Und doch wird er — zwar nicht be: lohnt; das sekt ja Verdienst und Erwarten von Belohnung voraus - er wird selig und immer seliger, ohne daran zu denken oder es zu wollen. Er ist schon selig, weil er liebt und weiß, daß er geliebt wird. Gibt es denn eine höhere Erdenseligkeit? Ques geht bei ihm nur dahin, zu thun, was. der will, der Aůmåchtige, der ihn, den Niedrigen geliebt - geliebt, dessen Liebe er in sei: nem Innersten erfahren hat.

Mit verklårten Augen der Liebe blickt er nun auf sein Inneres und auf die Natur, mit er: leuchteten Augen in die Bibel. Er sieht darin, 'was er vorher nicht sah, versteht, was er vorher

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į nicht verstand. Sein Inneres erklårt ihm die Bia

bel, die Bibel macht ihm sein Inneres verstånds licher. Ihm entgeht sie nicht, die Zehnlichkeit zwischen Bibel, Natur und seinem Innern, in Gang,

Fortgang, Stufenfolge und Entwickelung. Alle s drei find ihm Zeugen für Eins. Mit ganz andern

Augen sieht er jekt auf die Natur. Der Käfer ist ihm nicht ein gewöhnliches Insect, sondern Ub:

druck der lebenden Gottheit in tiefer Erniedrigung, .: die Blume keine gewöhnliche Blume, sondern

Duft des Freudenschöpfers, der unsere Sinne und

sie zu wohlthåtiger Berührung unserer Sinne i schuf. In der Natur wie in feinem Innern

wird erzeugt, geboren, es wächst und reift. Kom

men auch Stunden, Tage, Zeiten, wo sein InneEres mit einem Schleier verhüllt ist, und die Na

tur und die Bibel, wo sich Gott ferne hårt, als wåre er nicht, wenigstens für ihn nicht da, er schweigt und hält sich stil. Uuch der nackte, auf Nichts fich stůbende Glaube muß geübt werden, wär' es ja sonst kein Glaube! Er weiß ja, was ihm ehemals ward, und wartet, ob es ihm nicht wieder werden wird. Und wird es nicht, dennoch bleibt er stets an Gott. Ruft ihin auch das Nächste in oder außer ihm zu: „Verlaß Gott und stirb.,“ er verläßt Gott nicht. Wie könnte er 'verlassen den, den er so liebt? „Und wenn ihm

gleich Leib und Seele verschmachten sollte, so bleibt doch Gott seines Herzens Trost urd sein Theil."

Und dies wåre Schwårmerei? Nein, so sagen Sie nicht; so sagen nur die, die reine, echte Liebe nicht kennen. Diese sollten Heloisens, Klotildens, Lianens Geschichte lesen, wenn sie auch die Geschichte der Guyon, Bourignon, Fenclons nicht lesen mögen. Hier würde dem Meniden alle Freiz heit genommen? Dem Liebenden? Will er denn eine andere Freiheit, ais dem zu gefallen, für den, in dem er lebt, und ganz zu leben mit allen Trie: ben seines Wesens sich sehnt? Den er —- 'liebt? Hat denn je die Liebe etwas Anderes gewollt?

Wie? Er ließe seine Kräfte ungebraucht? Ja, wenn es der will, dessen Wille sein Wille ist! Ließ ja auch Jesus seine großen Kråfte dreißig Jahre lang ungebraucht, bis ihm sein Vater wink: te, daß er wirken solle. Uber wie wirkte er her: nach! Es war ihm nicht last, nicht Pflicht, sons dern Speise, Genuß, zu thun jeden Willen seines Vaters; und so ist jeder Mystiker. Soll er Kräfte ungebraucht lassen, oder sie bis zur höchsten Unstrengung brauchen, soll er reden oder schweigen, mit zerschmetternden Donnerworten der Ruchlosiga keit widerstehen wie Elias, oder sich schweigend von ihr kreuzigen lassen; er begibt sich in des

hinein. Will er ja nur Eins und thut nur Eins, dem zu leben, zu dulden, zu verleugnen, zu tragen, zu schweigen oder zu reden, zu wirken, zu leben, der für ihn gelebt hat und gestorben ist.

Fühlen Sie nun, wie man ein Mystiker wers den kann? Håtten wir doch viele folche. Es stånde besser mit den Kirchen der Theologie, der Religion, der Menschheit. '

,,Uber sind es nicht Ideale?" sagen Sie.. Gewiß nicht. Wollen wir auch nicht von einer Guyon, Bourignon, von einem Gerson, Tauler, Arndt und ähnlichen Personen reden, so muß ich Ihnen doch sagen, daß ich einige vollendete Mystiker und Mystikerinnen kenne, die es waren, ohne den: Namen je gehört zu haben; die eine Reihe von Jahren, eine 32 Jahre lang, die größten Schmers zen duldeten und sich zu einer Heiterkeit erhoben hatten, die durch Nichts zu stören war; - ungez. bildete Personen, die durch innere Anschauungen zu einer Art und einem Grade von religiöser Bildung gekommen waren, so daß im Allgemeinen weit höher gebildete Menschen sie mit Vergnügen sprechen hårten, und daß selbst Geistliche von ihs nen lernten. Ihre Hingebung unter Gottes Wils len war so groß, daß die Eine, die den Kopf nicht vom Bette heben konnte, ohne ohnmächtig zu werden, in großer Gefahr war zu verbrennen,

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