صور الصفحة
PDF
النشر الإلكتروني

und dabei so ruhig blieb, als ob sie wie Daniel im feurigen Sfen wåre; daß fie repanirt werden sollte, und sich's ruhig gefallen ließ, eben so rus hig aber auch hörte, daß man es doch nicht wagen wolle, weil die Sachverståndigen fürchteten, fie möchte unter der Operation sterben. Noch sehe ich die Verklärung auf ihrem abgemagerten Gesichte, als sie mir rechzehn Jahre vor ihrem Tode sagte, daß fie nun auch ihren lebten Feind, den Wunsch nach dem Tode, überwunden habe. .

· So. Etwas muß man gesehen und erfahren ha: ben, um zu wissen, was wahre Mystik oder gånza liche Hingebung an Gott aus Liebe zu ihm vermag und ist. Früchte zeugen von dem Baum..

Und nun darf ich doch sagen: Möchten Sie eine wahre Mystikerin seyn!

Sechs und z w a nzigster Brief.

an den Herrn Pråsidenten von S.

Sie merkten wohl, fagten Sie, daß nicht alle Menschen zur Mystik fåhig Feyen; und das mag wohl wahr seyn, ob ich gleich nicht. entscheiden will, ob sie sich nicht dazu unfähig gemacht haben und wieder fåhig dazu werden könnten. Sind doch nicht alle Menschen fåhig zu tiefem Gefühle, zu kindlichem Glauben, zu echter, reiner Liebe! Wie follten sie es denn reyn zu dem tiefsten Ges fühl, zu dem kindlichsten Glauben, zu der geistigften, innigften, erhabensten liebe? Quch knüpft die Bibel das Schauen Gottes, das Gefühl feiner Nähe, seiner Berührung, das Wesentliche der Mystik an gewisse Bedingungen an, die nichts weniger als Kenntnisse find, sondern weit mehr als diese. . ,,Wer wird stehen an der heiligen

[ocr errors]

Ståtte des Herrn?" sagt David. *) „Wer una
schuldige Hånde hat und reines Herzens ist." —
,,Selig sind die reinen Herzen," sagt Jefus, „sie
werden Gott schauen." **) Daher auch die My-
stiker von einem dreifachen Wege reden: Reini-
gung, Erleuchtung, Vereinigung. Nicht Erleuch-
tung erst. Echte Reinheit des Herzens und nicht
Sprachkenntniß, philosophischer Geist oder irgend
eine Gelehrsamkeit. Im Gegentheil! Jesus prei-
set feinen Vater im Himmel, daß er den Geist
seines Evangeliums den Weisen und Klugen der:
borgen und es den Unmündigen (den Kinderseelen)
offenbaret hat. ***) Paulus schreibt an die Ko-
rinther: ****) Das Wort vom Kreuz ist eine
Thorheit denen, die verloren werden; uns aber,
die wir selig werden, ist es eine Gotteskraft; denn
es steht geschrieben: ich will zu nichte machen die
Weisheit der Weisen, und den Verstand der Ver-
ståndigen will ich verwerfen. – Der gekreuzigte
Christus ist den Juden ein Vergerniß und den
Heiden eine Thorheit, uns aber göttliche Kraft

[ocr errors]

*) Ps. 24, 4.
**) Matth. 5, 8.
***) Matth. II, 20.
****) 1. Kor. 1, 18 u. f.

und göttliche Weisheit. - Nicht viel Weise nach dem Fleisch, nicht viel Gewaltige, nicht viel Edle sind berufen; sondern was thóricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, daß er die Weisen zu Schanden mache. Und was schwach ist vor der Welt, das hat er erwählt, daß er zu Schanden mache, was stark ist. Und das Unedle vor der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt, und das da Nichts ist, daß er zu nichte mache, was Etwas ist.“ – Und nun der tiefe, psychologische Grund: „auf daß sich vor ihm kein Fleisch růh me;" damit der Mensch den Grund der hohen Wohlthat, daß Gott sein Liebstes, Einzi: ges für die Menschen hingegeben habe, nicht in sich suche, und dadurch der Grund aller Sittlichkeit, Demuth verunreinigt werde, wobei denn auch die Dankbarkeit nicht mehr rein bleiben würde. Dies Wort des Apoftels ist auch in allen Zeiten bei vielen hundert Vernünftlern, Grüblern, foges nannten Philosophen, die Musik sehen und liebe anatomiren wollen, um zu wissen, ob Etwas daran sey, erfüllt worden. Keine Lehre des Christenthums hat mehr Unstoß gegeben, ist mehr für Thorheit, für schädlich erklärt, und deßwegen mehr verdreht, verwåssert, in Schatten gestellt worden, als die Lehre von Erldsung des Menschen, und besonders durch seinen Tod, da

doch der Mittelpunct des Christenthums das tiefste, heiligste Geheimniß und zugleich die Feder ist, die den ganzen innern Menschen auf die natürlichste Art in Bewegung reßt, und allein ro in Bewegung seben kann, durch Glauben an Liebe und durch Liebe. Niemand soll sich indeß entschuldigen, daß er zu diesem mystischen Leben nicht tauge, weil sein Herz nun einmal unrein rey. „Das Blut Jesus Christus,“ der Glaube an die aufopfernde Liebe Jesus reinigt; ein reines Herz wird dann geschaffen. Auch ist es keine Entschuldigung, daß ein Mensch zu sehr in Geschäfte verwickelt sey, um so in sich zu kehren, wie es das innere Leben in Christus erfordert. Ist er einmal nur auf dem rechten Wege dazu, so wird ihn der Geist mitten unter seinen Geschäften erinnern, antreiben, warnen, leiten, wenn er sein Innereß nur offen erhålt für diese Stimme. Gelehrte, wissenschaft: lich Gebildete sind freilich in der Regel weniger empfänglich für wahre Mystik, weil sie zu wenig kindlichen Sinn haben, weil es ihnen schwerer wird, der Wahrheit recht zu geben gegen sich selbst, weil sie nicht so leicht wahrhaft demüthig sind, und weil sich in ihr Wissen sehr leicht manchmal unvermerkt der Zweck, etwas in der Welt zu gelten, einmischt. Schon das ist Hinderniß, daß sie einseitig zu viel Werth auf das Wissen jeßen, und

« السابقةمتابعة »