صور الصفحة
PDF
النشر الإلكتروني

Dr. August Tholuck's

Werke.

Erker Band.

Die Lehre von der Sünde. Achte Auflage.

Gotha,

Verlag von Friedrich Andreas Perthes.

1862.

[blocks in formation]

Vorwort zur ersten Auflage.

[ocr errors]

Jesus Christus gestern und heut und derselbe in Ewigkeit! Als die heilige Flamme des Glaubens nur noch düster glomm unter dem Nebelgewölk des Wahnglaubens, als weit über die Gemeinde Gottes hin Todesschlaf lag, und Roms Beherrscher hinlächelten über die Gebeinflur, in der sie selbst das Leben darin zertreten, das sie hätten pflegen sollen, erschallte aus dem Munde dessen, der gestern ist und heut: Wache auf, der du schläfest! und die große Riesenleiche erstand von ihrem langen Schlafe und fühlte neue Kräfte durch ihre Adern gehen und einen Odem von jenseits in ihrem erstorbenen Herzen. Die Kirche Christi hatte den ersten Tod überwunden und die erste Auferstehung geschmeckt. Und nach drei Jahrhunderten war abermals das Gericht über den Erdkreis hereingebrochen. Das Leben war zum Begriff, der Geist zum fliehenden Luftzug verflüchtigt. Mit verhülltem Antlig flohen die Jünger von dem verachteten Kreuze, und mit Hohnlachen schrie der Fürst der Finsterniß sein & Hãv tetéhɛotai über den Erdball hin! Die Fluren aber seufzten nach Regen und der Hirsch sehnte sich nach frischen Wasserquellen. Und der heute und gestern ist, sprach: Tod, wo ist dein Stachel, Hölle, wo ist dein Sieg! Jerusalem! Hebe dein Auge auf und siehe umber, diese alle versammelt kommen zu dir. So wahr ich lebe, spricht der Herr, du sollst mit diesen allen, wie mit einem Schmuck, angethan werden, und wirst fie um dich legen wie eine Braut, denn deine Todten sollen leben! Und die Kirche Christi hatte den zweiten Tod überwunden und feierte die zweite Auferstehung.

Wer wollte es läugnen, daß wir in dieser Auferstehungszeit leben? Ein Kampf der Geister hat auf dem religiösen Gebiete begonnen, wie er vielleicht seit den Tagen der Reformation nicht

Tholuck, die Lehre von der Sünde.

a

gewesen. Der Sieg ist noch keineswegs gewiß; daß er auf die Seite derer falle, die rufen: Hie Schwert des Herrn und Gideon! kann nur erbetet werden. Denn zieht auch der crasse Unglaube scheu sein Haupt zurück, desto muthiger tritt ein feinerer aber weit tiefer liegender auf, und statt sie zu rechtfertigen untergräbt er Christi Christi Lehre. Schallt auch hier und da Christus wieder und der Lob- Preis des historischen Glaubens von Kanzel und Katheder, ist's nicht so oft statt des lebendigen der todte Versöhner? Tritt auch hie und da Fürst und Obrigkeit zum Schirm des Christenthums auf, ist's nicht öfter das politische, das man meint, als das evangelische? Nur wenn der Christus siegt, der nicht in vornehmer sondern in armer Gestalt dahertritt, der lieber dient, als sich dienen läßt, der, da er wußte, daß er von Gott kommen war und wieder zu Gott ging, aufstand, Wasser in ein Becken goß, und seinen Jüngern die Fuße wusch, der nicht Rabbi heißen wollte und nicht seine eigne Ehre suchte, nur dann hat die Gemeinde Gottes den Geist in der Welt überwunden und kann sich freuen. Daß dieser Christus siege, dafür sind nun neben manchen ehrwürdigen Gottesgelehrten auch die in's Feld getreten, welche sonst einen andern Dienst in der Welt haben, als den am Evangelio. S. Steffens, Ueber die falsche Theologie und den wahren Glauben, Breslau 1823. Heinroth, Anthropologie, Leipzig 1823, und so werden der Stimmen in der Wüste immer mehrere. Dennoch ist, ungeachtet der wahre, der prunklose und arme Christus von manchen Seiten gepredigt wird, das Bedürfniß einer Schrift da, worin die Lehre, worauf alles beruht, die Sünde und Vergebung derselben, in ihrem innern Zusammenhange und ihrer practischen Bedeutung gezeigt werden, da der Glaube nur möglich ist, wo diese vollkommen erkannt worden. Solche Seelen nun, die, umhergetrieben von den Zweifeln eines unbefriedigten Herzens, einen Freund im Himmel suchen und brauchen, der ihnen die Genüge giebt, die, wenn sie wehmüthig und verlangend die Arme ausstrecken, um zu umfangen sie nicht zusammenfallen lassen wollen an der eignen einsamen Brust, denen an dem Busen der ganzen geschaffenen Natur nie wohl wird, und die anfangen zu fühlen, daß, was das unendliche Sehnen des Herzens fordert, der Mensch sich nicht selber geben kann, die aber auch ihren Erlöser und himmlischen Freund nicht

blos durch die Wärme genießen, sondern zugleich im Lichte sehen wollen, ist diese kleine Schrift gewidmet. Wer nun noch nicht fühlt, daß ihm etwas fehlt, was weder der rationalistische Menschensohn, noch der idealistische Gottessohn, sondern der ganze ungetheilte, geschichtliche Christus allein zu geben vermag, der spotte nicht über den, der das fühlt, es ist auch hier nicht über ihn gespottet worden, er bleibe finnend am Wege stehen, und sehe tiefer in sein Herz!

Vorwort zur siebenten Auflage.

Daß dieses Werk, vor fast dreißig Jahren von dem vier und zwanzig jährigen Jünglinge im ersten Herzensdrange des neu gefundenen Glaubens für eine diesem Glauben fast gänzlich entfremdete theologische Welt geschrieben, in einer so ganz anders gewordenen Zeit zum siebentenmal erscheinen würde, ließ sich nimmermehr erwarten. Nach so langem Zwischenraume liegt für mich eine Betrachtung desselben aus dem historischen Gefichtspunkt am nächsten, und so mögen dieser wahrscheinlich Leßten Auflage einige Mittheilungen über die Entstehungsgeschichte des Buchs vorangehen, um so mehr, da darüber einige unrichtige Traditionen im Umlaufe find.

Eben hatte ich mich am Anfange der Osterferien 1823 mit Begeisterung dazu gerüstet, in das Studium der, namentlich durch die jüngst erschienene Creuzersche Symbolik, aber auch durch Neanders Winke mir so theuer gewordenen Neuplatoniker zu vertiefen, als jener Berliner Bürgersmann von altem Schrot und Korn, welchem die Sache des Evangeliums noch bis zu diesem Augenblick so viel verdankt, Kaufmann Sam. Elsner mich aufforderte, ja es mir zur Gewissenspflicht machte, wie der damals noch lebende berühmte Theologe Dr. Knapp in einem Tractätlein,,Was soll ich thun, daß ich selig werde?" wenngleich nur in schüchterner Anonymität - für seinen Heiland ein öffentliches Zeugniß abgelegt, so es ebenfalls zu thun durch einen Tractat:,,Glaubst du, daß du ein Sünder bist ?" Wenn ich dem lebhaften Andringen Folge gab — aus Neigung

a*

« السابقةمتابعة »