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der

Religion Jesu Christi.

Bon

Fnedr. Leop. Grafen zu Stolberg.

Z w c e t e r T h e i l.

Neue Ausgabe.
Mit Bewilligung des Verfassers.

W i e n , i 8 i 7 .
Tedruckt und verlegt bey Carl Gerold.

Hamburg, bcy Perthes «nS Besse^

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Des ersten Zeitlaufs
Vierter Zeitraum.

Vom Berufe Moses bis zurSalbungSaulö.

Vom Jahre der Welt 2^7, vor Christi Geburt ,496, bi« zum Jahr der Welt 2Y2Z, vor Christi Geburt 1oL».

I

1. ^atte Gott, nach Zerstreuung der Völker, die selbst durch die Sündflut nicht genug gewarnte Ge^ schlechte der erneuten Menschheit, ihre eigene Wege' gehen lassen, Sich Einen Mann erkoren, Sich ihm, dessen Sohn und Enkel offenbaret; Sich nach diesen Erzvätern den Gott Abrahams, Isaaks und Iakobs genannt; und Fulle des Segens verheissen, welcher sich zuvörderst über ihren Samen, durch diesen aber über alle Völker der Erde ergiessen sollte; Sich auch durch Erhöhung des frommen Iosephs, und mächtigen Schut z der Abrahamiden vor einem großen Könige und abgöt« tische« Volke verherrlichet: so gewann es doch nachher das Ansehen, als habe Er selbst dieser zum Volk erwachsneu Abrahamiden vergessen, und als sollte der ^,us heiliger Quelle entsprungene Strom sich bald namenlos verlieren in Wüsten des Heidenthums.

Aber die Segen des Gottes Abrahams, Isaaks und Iakobs walteten dennoch kraftig über Israel. Das gleichsam verscharrte Samenkorn keimte unter dem Druck des Landes, welchem Israel fröhnete; Gott vereitelte die Maaßregeln, so die Pharaone zu Vertilgung des gewahlten Samens ergriffen; die Schmach, welche dem Hirtenvolke vom stolzen Egyptier widerfuhr, sicherte es vor Theilnahme an Greueln eines GSkendjensteS, ju welchem man es nicht würde zugelassen hoch^y; un> das Andenken großer Verheissungen erhielt sich destn kraftiger, da die Dienstbarkeit, unter welcher es seus« ,.»os.^v. dem Abraham in einer göttlichen Offenbarung, zugleich mit künftiger Erlösung, war vorherverkündigt worden, auch Iakobs Segen ihnen desto weniger tonn« te,entfallen seyn, da die Herrlichkeit, in welcher Ioseph, in eben dem Lande wo man itzt sie drückre, ge-' lebchatte, einen dauernden Glanz über die Ereignisse seiner Zeit verbreitete. . . '.,

3. Wir dürfen daher nicht zweifeln, daß Gott, wel« eher Völkern wie einzelnen Menschen Leiden auflegt, um sie durch dieses große Heilmittel des von Natur sinnlichen und stolzen menschlichen H'rzens zu bestem; die Hoffnung der Erlösung aus ihrem Drangfal im Volke Israels erhalten hatte.

Zu oft verderbt der Genuß den Menschen, und'auch die Hoffnung kann ihn verleiten, wenn er auf andere Menschen, noch mehr wenn er auf sich selbst rechnete. Harret er aber auf Gott, so unterhalt derselbe Gedanke, welcher ihm das Herz erhebt, auch die Empfindung seiner Abhängigkeit; die Demuth schmeidiget seinen Smn, indem zugleich die Hoffnung ihn kräftiget; der geoffnete Blick in beßre Zukunft, erinnert ihn au weisen Gebrauch der gegenwartigen flüchtigen Stunde; und die Geduld, diese dem menschlichen Leben so angemessene als schöne Tugend, sie, die den besondern Vorzug hat, daß sie unmittelbare Belohnung mit sich bringt, ohne der ewigen Vergeltung zu entsagen; diese Geduld beschleuniget die Rettung desto mehr, je ruhiger sie ihrer harret. ^ ,

4. Mit den Leiden, welche Israels Volk wahrend dessen Aufenthalts in Egypten heimfuhten, dezinnr die Geschichte dieses Volkes.

5. Daß die Geschichte des erwählten Volkes vor allen Volkergeschichten wichtig sey, bedarf nicht den Christen gesagt zu werden. Aber wie sehr sie es sey, das beherzigen vielleicht wenige. ,

tl. Sie ist wichtig, weil in ihr der leitende Faden 'der Vorsehung, an dem sich oft im Dunkeln die Zckick» sale anderer Völker abwickeln, immer sichtbar bleibt.

7. Sie ist wichtig, weil durch diesrs Volk sowohl die Beylage offenbarter Wahrheit, als auch eine die« sen Offenbarungen Glauben und Gehorsam gewährende Gemeine, eine sichtbare Kirche Gottes, erhalten ward.

kt. Sie ist wichtig, weil aus diesem Volke der Ge« salbte Gottes, der Sohn Gottes aufging, auf Den die ganze heilige Schrift hinweist; »durch Den und »fur Den Alles erschaffen ward.« ^ , i, ,»

9. Sie ist wichtig, weil die besondern Schicksale 'dieses Volkes, noch immer die Aufmerksamkeit jedes denkenden Menschen auf sich ziehen.

1«. Es schwanden die stolzen Reiche von Babylon, von Ninive, von Ekbatana, von Egypten. Deren Sie« gcr unterwarf sich dem kühnen Macedonier. Ihm auch die prangende Tvrus. Die allzermalmende Nom stürzte sie alle, mit ihnen auch Tyrus Tochter, die hohe Kar« thago. Ron,, eine zwote Babylon, vertilgte die eh» malö heilige, dann entweyhete Ierusalem; aber auch Rom, trunken von Ruhm, und vom Blute der Ratio« nen, ward zertreten von blutigen Siegen.

So schwanden alle diese Reiche dahin, indessen blieben deren Bewohner, auch wenn das ehmqls herrschende Land zinsbare Landschaft des erobernden Vol, kes ward, in den Gränzen ihres Landes.

,s. Die Reiche wurden gestürzt, aber die Ratio« «en wurden nicht ausgerottet.

,Z. Der Sturz aller dieser Reiche ward lange vor« herverkündiget von Männern aus Israel. In den hei-« ligen Büchern dieses Volkes finden wir den Faden, welcher uns durch das Labyrinth der göttlichen Vorsehung leitet. In ihnen finden wir den Aufschluß des Räthsels, welches Israels Volk anißt uns aufgiebt. ^ ' ,4. Gegen dieses Volk allein wurden alle Mittel der Vertilgung angewandt. Es war nicht genug, daß, «ußer den Einwohnern Ierusalems, eine zahllose Men« ge zusammengedrängter Iuden, während der schreck« lichsten aller Belagerungen, mehr durch eigene Wuch «ls durch Zorn des'Feindes, auf die jammervollste Weife verderbet ward; daß blutdürstige Sieker in der unseligen Stadt und im weherfüllten Lande jeden Fre« vel der Habsucht und der Rache übten z daß so viele

Dausende öffentlich' feil geboten wurden! Nach weni«

ger als Einem Menschenalter wurden such nyh übrigen qusgetottet, aus diesem Lande, Herka^, '^5

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