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Der freund.

Er sprach: Ich merck, es ist veracht

Bey dir die erschröcklich kranckheit,

Die man scheucht und fleucht weit und breit.

a Sichstu nit, wie täglich die reichen

Und mechting auß der statt ietzt weichen,
Darmit ir leben mög bestehn?

Der tichter.
Ich sprach: Sie werden nit entgehn
10 Dem todt mit dieser irer flucht;
Die forcht sie noch täglich heymsucht
Und peynigt innwendig im hertzen
Mit manichem seufltzenden schmertzen,
Die forcht nimbt zu ie lenger mehr.

16 Der freund.
Er sprach: Sie fürchten sich nicht sehr,
Sie schlemmen, prassen, panckatieren,
Sie reitten und fahren spatzieren
Und suchen freud in allen dingen;

20 Ir zeit mit fröligkeit hinbringen
Außwendig,‘ abendt und den morgen.

Der tichter.

. Ich sprach: Ir hertz das tregt verborgen [K 4, 1, 5] Groß sorg, wenn sie dencken hinauß, 2a Wie es dieweyl zu-geh im hauß Mit iren dienern und den mayden, Oder wem sie hant das hauß beschayden, Da es offt geht untrewlich zu. Solch gdancken machen vil unrhw, ao Zerstörn in manchen guten muth.

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Er sprach: Wenn sich nun enden thut
Der sterb, sie wider heim ziehen thund
Und sind frölich, frisch und gesund,

aa Habens gleich etwann schadn erlieden.

Deß sind sie doch gar wol zu frieden,
Ik

14 ? lenger mehr. AK lenger und mehr. 27 s’ haut. 29 ? gdaneken. AK gedenoken. 33 s’ wider.

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Weyl sie das leben habn erhalten
Und lassens alles glück denn walten,
Dieweyl der leyb ist das hauptgut.

Der tichter.

Ich sprach: O mit trawrigem muth
Kompt mancher heymwartz in sein hauß,
Wenn er lang hat gezehret dauß

Und sein barschaflt hat fast anworn,
Hat dieweyl sein kundschaift ver1orn,
Ist im manch schuldiger gestorben,
Iener entlauifen, der verdorben,

Ein andrer hat im vil enttragen,
Verhaltne wahr hat abgeschlagen,

Sein handel stellt sich zum abnemen
Denn hebt sich grißgrammenund gremen,
Daß mancher wird vor‘ sorgen kranck,
Nimbt auch ein tödlichen außgang,

Wie man in andern sterbn vor jarn
Auch bey vil reichen hat erfahrn.
Derhalb will ichs gott lassen walten
Und mich zu Nürnberg innen halten,
Wann wir werden nicht alle sterben,
An diser plag dißmal verderben;

Gott uns ein theyls wird leben lassen;
Und ob ich denn gleich stürb dermassen,
So gscheh es in dem gottes namen,

Dem ich es befilh allessammen.

Der freund.

Mein freund antwort: Du thöricht man,
Wilt du also gefehrlich than,

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Und wider anfaheu zu dichten,

Gut sprüch in die reimen zu richten
Aufi‘ recht gut teutsche poetrey,
Geistlich und weltlich allerley
Materi, die mit lust ich such

Und wider zu richten ein buch

In truck, wie ich gethan hab eh,
Darmit mir auch mein zeit vergeh,
Biß die sterbsleuift nemen ein end.

Der freund.

Mein freund sprach: Hast du doch bekennt
Im dritten buch, wie das doch du

Dich wöllest setzen gar zu rhw

Mit deimgedicht. Weyl du der gstalt
Bist abkreiftig und worden alt,

So wolst dus nun lassen geschehen.

Was werden die leut darzu jehen,

Wenn du hebst wider an zu dichten?

Der tichtor.

Ich sprach : Deß schemmich mich mitnichten,
Ich hab gefeyret nach dem zu-sag

Etwas lenger, wann jar und tag.

Wenn mich nun diese ursach trieb, ,

Daß ich anheym zu hause blieb

Und fieng wider zu dichten an,

Brecht recht gut gedicht auif die ban

In sterbsleuiften, aus gottes gnaden,

Das iederman wer gar on schaden,

Daß die oberkeit für gut het

Zu drucken auch erlauben thet,

Das würd mir ie ein weiser mann

In keinem weg für ubel han,

Weyl es wol möcht zu nutze kommen
Armen und reichen, bösn und frommen
Und vorauß der blühenden jugendt
An-zunemen gut sittn und tugendt,

Von sünd und laster ab thet zehmen,
Recht guten wandel für-zu-nemen

Und gut ehrlich schwenck, die sich schicken Ein trawriges hertz zu erquicken

In solcher trübseliger zeit

Zu frewden und zu fröligkeit.

Meinst nicht, solch arbeit wer gemeß,

a Nützer, denn wenn ich müssig seß,

Ausser der statt thet schlemmn und prassen?

Der freund.

Mein freund der sprach: Ich muß dir lassen
Dein sinn, so sperr dich in dein hauß
10 Wie ein einsiedel in sein klauß;
Darinn thu dichtn und speculiern.
Ich aber wil hinauß spatziern,
Da ich frisch, frey und sicher bin;
So erwart du der schlappen hinn.
1a Gschicht dir was, ich spott darzu dein.
Morgen frü, so wil ich auffi sein.
Alde, ob ich nicht wider kem,
Ich ietzt von dir mein urlaub nem.

Der tichter.

20 Ich sprach: Freund, ich sag dir in trewen, Dein flucht wird dich von hertzen rhewen. Ich aber wil zu Nürnberg bleiben,

Auif mein fürnemen dichtn und schreiben,
Wo mir anderst gott günnt das leben,
2a Genad und hülif darzu wirt geben,
[A 4, 1, 3d] Daß ich manch artliche gedicht
In disen sterbsleuiften zu-richt.
So hub ich an in gottes nam
Und bracht newer gedicht zusamm

a0 Mit gottes hilfl‘ vierdthalb hundert
Mancher art, daß mich selb wundert
Ohn andere meine gedicht,

Die ich vor-her hett zugericht
Und auch hernach, dieselben such
a5 In dem vierdten und fünfften buch.

Gott wöll, daß der gedichte sumb
*

6 7 lohlemmn. AK schlemmen. 3b ? fünften. A fünfite.

Dem nechstn zu nutz und gutem kumb, Bring vil frucht, daß dadurch autfwachs Gut sittn und tugendt, wünscht Hans Sachs.

Anno salutis M. D. LXIII, am 12 tag Decembris.

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