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^)le Gnade unsers Herrn, Jesu Christi, sey mit euch Allen; Amen.

Auch bey dem flüchtigsten Blick auf die An« gelegenheiten und Schicksale der Menschen kann man es nicht unbemerkt lassen, M. Z., daß Gott Manchen alles schwer, und Andern alles leicht gemacht hat; daß Manche verurtheilt zu seyn scheinen, unter mühevollen Anstrenzun« gen ihr ganzes leben zuzubringen, während An« Vre eine fast ununterbrochene wollüstige Ruhe ge« messen. Jch spreche jezt nicht von den Wider« Mättigkeiten und Unglücksfällen, die uns auf Erden treffen können; es ist bekannt. Manche verfolgt ein widriges Schicksal bis ins Grab, und Andre bleiben Günstlinge des Glückes, so lange sie da sind. Auf die Geschäfte und Arbei. ten, die Jeder zu verrichten hat, und auf die auffallend ungleiche Vertheilung derselben, wollte ich eure Aufmerksamkeit jezt vornämlich richten. Nicht bestimmt zu Geschäften, sondern dazu verurtheilt; nicht versehen mit Arbeiten, sondern da. mit überladen; nicht veranlaßt zu gewissen Ver« richtungen, sondern über ihr Vermögen ange« strengt sind unzählige Menschen, das ist unstrei« tig. Wie groß ist die Menge der Unglücklichen, die schlechterdings nichts haben, als was sie sich sauer verdienen und-erringen; die unter dem Jo« che der beschwerlichsten Arbeiten seufzen müssen, so lange sie leben; die Mangel leiden und hülfios sind, sobald sie in ihrer Anstrengung nachlassen; - denen durch nachthellige Umstände von mancherley Art selbst das erschwert wird, was sonst wenig Mühe kostet; die zu allen lasten und Kämpfen des lebens noch überdies) mit einem so kleinen Maase von Fähigkeiten und Kräften versehen worden sind, daß sie immer alles aufbieten müs« sen, um nur nicht zu unterliegen, daß sie den Druck ihrer Beschwerden doppelt empfinden. Nein, es wird auch in dieser Versammlung nicht an Menschen fehlen, die in dieser Beschreibung ihr eignes Schicksal erkennen, die sich selbst unter die rechnen werden, denen Gott alles schwer ge« macht hat. .'.

o. Heinz. Pll». lfler vonV Ieaz. H'

, Dagegen ist es offenbar. Andre werben so

sehr geschont, und mit einer so auffallenden Milde behandelt, daß sie von den größten lasten des ie« bens fast gar nichts .gewahr werden. Jhr werdet in der bürgerlichen Gesellschaft Ausgezeichnete finden, die schon ihr Stand und das glückliche loos ihrer Geburt von den beschwerlichsten An. sirengungen befreyt, die nur leichte, mit mancher« ley Annehmlichkeiten verknüpfte Dienste leisten, deren Willkühr es überlassen ist, ob sie etwas lhun wollen, oder nicht. Ihr werdet Andre antreffen, denen es zwar nicht an Arbeiten fehlt, von denen viel und mancherley erwartet wird; aber jhnen sind alle Umstände /o günstig, sie sind mit allen Hülfsmitteln, die sie sich wünschen können, so reichlich versehen, sie gemessen den allen Beschwer» den, denen sie unterworfen sind, so viele Ermun» «rungen, so viele Vortheile aller Art, und so viele Erquickungen, daß ihnen da« lästige ihrer lage gar nicht merklich wird, daß sie das Ihrige verrichten, ohne sich eben sehr angestrenKt oder erschöpft zu fühlen. Selbst in den Gegenden der grossen menschlichen Gesellschaft, wo das Meiste und Schwerste zu thun ist, wo sich die mühevoll« sten Verrichtungen, und die anstrengendsten Ar» beitcn gleichsam zusammendrängen, werdet ihr Glückliche gewahr werden, denen die Natur so viele Kräfte, ein so grosses Maas von erfinderl» scher Geschicklichkeit, und dobey einen so heitern, fröhlichen Sinn gegeben hat, daß sie mit den größten lasten gleichsam spielen, daß sie von dem, was Andre fast zu Boden drückt, noch ga» nicht beschwert werden, und sich im Tumult ihrer Ge» schäfte eben so wohl, befinden, als Andre im Schoose des Müfsiggangs und der Ruhe. Hat nun Gott, hat der Regierer der Welt, der alles ordnende und entscheidende Vater der unermeß» lichen Haushaltung, in der wir uns befinden. Je» dem zugetheilt, was er zu, thun hat, und Jedem die Stelle angewiesen, auf der er wirken soll: so ist es eine Erfahrung, die sich täglich bestätigt, die wir durch unser eignes Schicksal erläutert und bewahrt sehen, daß Gott, wie ich gleich an« sangs behauptet habe, Manchen alles schwer, und llnvern alles leicht gemacht hat.

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Es kann nicht fehlen, M. Br., öle Un« glelchheit, die ich hier berühre, muß nicht nur Bedenklichkeiten und Zweifel, sie muß wirkliche Fehler und Unordnungen bey Allen zur Folge haben, die sie nicht mit christlicher Weisheil und Fassung zu beurtheilen und zu ertragen wissen; und es ist auch nichts gewöhnlicher, als Muth« losigkeit, Ungeduld, Mißgunst und Unzufrieden. hett auf der einen, und leichtsinn, Muthwille, Stolz und Ungebundenheit auf her andern Seite. Zu einer von den beyden Gattungen, die ich jezt beschrieben habe, gehört auch Jeder von lins; und ohne Schwierigkeit werden wir uns sagen können, ob wir angegriffen oder geschont sind, ob uns viel oder wenig aufgetragen ist, ob es uns Gott schwer oder leicht gemacht hat. Aber sind wir nicht eben darum auch alle mehr oder weniger den Fehlern ausgesezt, die aus dem Ei» nen und dem Andern zu entspringen pflegen, und werden wir diese Stunde besser anwenden können, als einige sehr nöthige Erinnerungen zu Herzen zu nehmen, welche wir im Kampfe mit den Beschwerden des lebens, und beym Genuß seiner Annehmlichkeiten fast immer aus der Acht Kffen? Mit Ernst und liebe, mit der Theil» nehmung eines brüderlichen Herzens will ich diese Erinnerungen euch jezt vortragen, wer ihr auch ftyn, welche tasten ihr tragen, und welche Frey. heit ihr geniessen möget; nehmet sie mit Nach. denken und Wohlwollen auf, und lasset uns Gott bitten, daß er diese Stunde segne. Wir demüthigen uns vor ihm in stiller Andacht. Evangelium: Match. XX. v. i —16.

Ein rührendes Bild des menschlichen le» bens, der wunderbar in demselben vertheilten Arbeiten und Beschwerden, der Absichten und Gesinnungen endlich, mit welchen die Arbeiten gewöhnlich verrichtet, und die Beschwerden ge» wohnlich erduldet werden, ist die Erzählung, M. Z., die ich euch jezt vorgelesen habe. Die beiden Hauptgattungen aller Arbeiten, die sich in der grossen Haushaltung Gottes befinden, sind in dieser Erzählung so deutlich ausgedrückt, daß > sie sogleich in die Augen fallen. Ihr sehet in der» selben Gemiethete, denen alles sehr schwer gemacht ist, die schon am frühen Morgen in den Weinberg gesendet werden, und zwölf Stunden lang mit gleicher Anstrengung arbeiten müssenM. die am Abende mit Recht von sich sagen können, sie hätten des Tages last und Hitze getra» gen. Eben so sichtbar ist in der Erzählung des Evangelli eine grosse Menge Andrer, denen alles . weit leichter gemacht wird, die nur neun Stunden, oder nur sechse, oder nur dreye, oder wohl gar nur eine einzige am kühlen Abend ar» beiten dürfen, und am Ende dennoch elnerley lohn mit denen empfangen, welche die Beschwer» den des ganzen langen Tages erduldet hatten. Doch dieser Anblick zeigt sich auch im täglichen leben wieder, ihr möget eure Augen richten, wo» hin ihr wollet. Zurückgesetzte und Begünstigte, mit Bürden Beladene und nur leicht Beschwerte, unter Schweiß und Seufzern mühsam Arbeitende, und im Schooße der Ruhe fröhlich Geniessende sehet ihr überall mit einander gemischt; und wie ich schon angemerkt habe, zu einer von bei» den Klassen werdet ihr euch alle zählen, werdet euch entweder unter die Belasteten, oder unter die Geschonten rechnen. Aber wie sehr sich beide Gattungen vergessen, und welche Fehler sie machen

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