صور الصفحة
PDF
النشر الإلكتروني

Am Sonntage Reminiscere.

Evangelium: Matth. XV. v. 21 — 28.

[ocr errors]

s ist ein sehr gewöhnlicher, aber viel zu wenig erkannter Fehler des menschlichen Herzens, M.Z., daß es in seinem Verhalten gegen Gott entwe« der zu verzagt, oder zu kühn ist, sich entweder nichts, oder alles zutraut. Es fehlt nie an Menschen, die ein so lebhaftes Gefühl von der Schwachheit und Hinfälligkeit unsrer Natur be« sitzen, daß sie sich unmöglich überzeugen können, der Unendliche würdige uns seiner Aufmerksam« keit und Fürsorge, die es gar nicht wagen zu dürfen glauben, sich an ihn zu wenden: kommt vollende das Bewußtseyn der sittlichen Unvoll« kommenheit hinzu, werden ihnen die unzahligen Fehler und Vergehungen sichtbar, der sie sich schuldig, gemacht haben, und fast täglich schuldig machen: so verwandelt sich die Geringschätzung, mit der sie ihre Natur betrachteten, in eine wirk« liche Verachtung,- und die Blödigkeit, die sie vor Gott empfanden, in Furcht; sie sind sich dann nicht mehr blos unbedeutende - und gleichgültige, son« dem widerspänstige und strafwürdige Geschöpfe, Gegenstande seines Mißfallens und seiner ahn« denden Gerechtigkeit. Dagegen könnet ihr überall ieichtsinnige, Stolze, von sich selbst Eingenommene finden, die von diesem allen nichts wissen. Unzähligen fällt es gar nicht bey, sich den unermeßlichen Abstand vorzustellen, der sie von dem Un« endlichen trennt, und sich von der Schwachheit unsrer Natur einen richtigen Begriff zu bilden. Noch weit weniger sind sie geneigt, ihr sittliches Verderben zu ergründen, und die Strafbarkeit ihrer Vergehungen anzuerkennen. Jhnen sind die Thorheiten, Fehler und Ausschweifungen, mit welchen sie sich entehren, Umstände, die sich von einer Natur, wie die menschliche ist, nicht trennen lassen; Versuche, welche sie zur Uebung ihrer Kräfte, und zu ihrer Ausbildung macht; Gebre« chen, die der Allgütige gern verzeiht, und nicht weiter ahndet. Und können sie sich vollends das Zeugniß geben, daß sie frey von groben Aus« schwcifungen sind, daß es ihnen nicht an dem Willen und Bestreben fehlt, ihren Pflichten Ge« nüge zu leisten, daß es ihnen wirklich gelingt, besser zu werden, und etwas Gutes zu wirken: so sind sie der Meynung, es könne ihnen bey Gott unmöglich fehlen; so werden sie kühn genug, sich auf ihre Verdienste vor ihm zu berufen, und seine Gerechtigkeit für sich in Anspruch zu nehmen; so überlassen sie sich einer Sorglosigkeit, die ^.ch über nichts weniger Bedenklich« feiten macht, als über das Verhältniß, in wel« chem sie mit Gott stehen. ^ .

Jn dem Evangelio, welches ich jezt erklären soll, M. Z., finden wir eine Heidin, die, wenn sie gleich Jesum sehr zur Unzeit mit ihren Kla> gen behelligt, und anfangs mit Härte zurück ge» wiesen wird, sich dennoch durch die Gesinnungen, welche sie äussert, den Beyfall Jesu in einem Grade erringt, in welchem er nur wenigen Bittenden zu Theil geworden ist; 0 Weib, ruft er ihr mit einer Art von angenehmen Erstaunen zu, dein Glaube ist groß, dir geschehe, wie du willst! Und welches waren die Gesinnungen, die Jesum so rührten, die er auf eine so ausgezeichnete Art billigte und belohnte? Mit einer D e m u t h, die es lebhaft erkannte, sie habe an die Wohlthaten Jesu kein Recht, sie könne sich vor ihm auf gar nichts berufen, als auf ihr grosses, dringendes Bebürfniß, hatte sie sich ihm genähert; und geduldig nahm sie die bittre, niederschlagende Antwort hin: es ist nicht fein, daß man den Kindern das Brod nehm», und werfe es vor die Hunde. Aber bemerket es wohl, diese Demut!) war nicht Verzagtheit und Mutlosigkeit; sie stand mit einem Vertrauen in Verbindung, das sich durch nichts erschüttern ließ; das. darauf rechnete, auch dem weniger Würdigen, auch dem Fremden könne aus dem Uebersiusse des grossen, von Gott gesandten Retters eine Wohl» that zufiiessen, ja Herr, antwortet sie mit rührender Entschlossenheit, aber doch essen die Hünd^eln von den Brosamen, die von ihrer Herren Tische fallen. Demuth und vernünftige Selbstachtung, Gefühl der Un« würdigkeit und herzliches Vertrauen zu emer alles beglückenden Huld, Entfernung von aller Verzagtheit auf der einen, und von aller Anmassung auf der andern Seite, können nicht glücklicher gemischt und mit einander verknüpft

seyn, als sie ei hier waren; und diese Mischung, diese Verknüpfung war es, was der Herr so bil. ligte, was ihm diese Unglückliche so werth machte, daß er ihr auf der Stelle Hülfe widersah/ ren ließ.

Wenn wir irgend etwas häufig aus der Acht lassen, M. Z., so ist es die Verbindung elner wahren Demuth vor Gott, und eines herzlichen Vertrauens zu ihm, von der wir hier ein Beyspiel sehen. Jch habe gleich anfangs darüber geklagt, daß unsre Demuth leicht in Mutlosigkeit und Verzweislung, und unser Vertrauen noch weit leichler in Zudringlichkeit und Verwegenheit ausartet; daß wir bald gar nichts vor Gott seyn, bald alles und allein gelten wollen. Wir stehen in einem Verhaltniß gegen Gott, das schon unsre Vernunft mißbilligt, und. das noch weit mehr von dem Evangelio Jesu für verwerfiich erklärt wird, so lange wir dem einen oder dem andern Fehler nachhängen, so lange wir zu verzagt, oder zu kühn vor Gott sind; wohlgefällig vor Gott können wir nicht eher werden, als bis wir Bescheidenheit mit Muth, Demuth mit Ver« trauen verbinden, und bey dem tiefen Gefühl unsrer Unwürdigkeit auf seine väterliche Erbar« mung rechnen lernen, lasset mich dieß beweisen; lasset mich diese Stunde dazu anwenden, eine Denkungsart zu beschreiben, ohne die man kein achter Christ seyn kann, ohne welche weder wahre Besserung und Tugend, noch wahre Zufriedenheit und Ruhe möglich ist. Möchtet ihr mich mit Aufmerksamkeit und Nachdenken hören, M. Be., I möchtet ihr prüfen, ob ihr die Demuth und das Vertrauen, von deren Vereinigung jezt die Rede

seyn soll, in eurem Herzen findet; möchtet ihr den Sinn immer mehr annehmen, ohne welchen es nicht, möglich ist, Gott zu gefallen! Er, der selbst sanftmüthig und von Herzen demüthig war, und allen, die sich vertrauensvoll an ihn Halten, eine Ursache der Seligkeit geworden D, sey mit. uns, und segne diese Stunde. Darum bitten wir in stiller Andacht.

Evangelium: Match. XV. v. 21 — 28.

Ich werde es nicht erst anzeigen dürfen, daß ich das Beyspiel der edlen Mutter in dem vorgelesenen Evangelio dazu benutzen werde, von der Verbindung einer wahren De« muth vor Gott und eines herzlichen Vertrauens, zu ihm ausführlicher zu sprechen. Die Beschaffenheit; die Noth. wendigkeit; und die Nutzbarkeit dseser Verbindung sind die drcy Hauptpunkte, wel« che sich uns beym Nachdenken darüber darbieten, und über welche wir eine weitere Auskunft su« chen müssen; lasset uns zu dem ersten derselben sogleich übergehen. > /

Die beyden Gesinnungen, von deren Ver« bindung ich spreche/ sind so bekannt, daß es ge« nug seyn wird, wenn ich an ihre Natur und Beschaffenheit nur mit Wenigem erinnere. Die wahre De muth, das wisset ihr alle, ist kein thörichtes Verkennen unsrer Vorzüge, kein Ver« meiden einer vernünftigen Selbstachtung, kein trübsinniges Herabsetzen unsrer selbst, und der Würde, die Gott unsrer Natur brygelcgt hat; das lebhafte Gefühl der Mängel und Gebrechen,

« السابقةمتابعة »