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lasset uns gestehen, M. Br., etwas Trauriges, etwas Abschreckendes er» hält der Eintritt in das neue Jahr durch den Zwang der Pfiicht, den wir alle fühlen, und durch die Forderungen derselben, welche uns so laut entgegen schallen. Sie sind so strenge, so unbedingt, diese Forderungen; je zarter und le» bendiger unser Gewissen ist, desto klärer ist es uns, wir können mit unserer Pfiicht in keine Unterhandlungen treten, dürfen es uns gar nicht beyfallen lassen, eine Art von Abkommen mit ihr zu treffen; ohne Vorbehalt, ohne Weigerung, ohne Ausnahme müssen wir uns unterwerfen. Und diese strengen, gebieterischen Forderungen wie zudringlich und umfassend sind sie nicht! Nein, es gicbt kein Geschäft, kein Verhältniß, keinen Augenblick unsers lebens, den die Pfiicht nicht unter ihre Aufsicht zöge, wo sie nicht alles an» ordnete und vorschriebe, wo sie unsrer Willkür einen von ihr unabhängigen Einfluß verstattete. Wie drohend und abschreckend sind endlich ihre Forderungen! Sie läßt nichts ungeahndet; sie verurtheilt uns auch bey dem mindesten Wider» willen, den wir gegen sie empfinden, bey der kleinsten Abweichung, die wir uns erlauben, und bey jeder Unlauterkeit, der wir uns bewußt sind; sie erinnert uns mit einem Ernste, dem wir nichts entgegen setzen können, daß der Heiligste und Gerechteste ihre Gewährleistung übernommen hat, und uns unerbittlich strafen muß, wenn wir es wagen, ihre Vorschriften zu übertreten. Fangen wir das neue Jahr nicht mit dem unverzeihlich» sten leichtsinn an, so kann es nicht fehlen, scheuen wird sich unser schwaches Herz vor dem Zwange der Pfiicht, der uns in dasselbe begleitet, alle

uns« Neigungen werden sich gegen denselben em» pören, und unsere Hoffnungen werden in eben dem Grade sinken, in welchem wir sie von der Pflicht gemißbilligt, oder doch nicht begünstigt

sehen.

Aber was wir auch bey dem sirengen un» erbittlichem Ernste, mit welchem uns die Pflicht gleich beym Eintritte in das neue Jahr em» pfängt, empfinden und besorgen mögen, M.Br.; wie sehr chch auch unsre Freude an diesem Mor» gen bey der Aussicht auf alle die Anstrengungen, Beschwerlichkeiten und Aufopferungen, die uns die Pflicht in diesem Jahre zumuthen wird, vermindern und trüben mag: ich behaupte, daß wir unrecht haben, wenn wir uns vor 'dem Zwange der Pflicht entsetzen; ich erkläre ihn, des Widerspruchs unsrer Neigungen ungeachtet, für die größte Wohlthat, die wir im neuen Jahre zu erwarten haben; ich glaube mei» ner Sache so gewiß zu seyn, daß ich euch jezt ermuntern, daß ich euch dringend auffordern werde, diesem Zwange gleich beym Anfange Hes Jahres willig zu huldigen, und ihn dankbar zu segnen. Nein, besser können wir sie nicht heili» gen, die erste Stunde, die wir in diesem Jahre vor dem Angesichte Gottes mit einander zubringen, als mit einer Betrachtung von solchem Ern» ste, und von solcher Wichtigkeit; besser können wir uns auf die Geschäfte, Veränderungen und Gefahren des angetretenen Jahres nicht vorbe» reiten, als wenn wir gleich beym Anfange desselben unsre Pflicht für den helligen und guten Willen unsers Vaters im Himmel erkennen lernen; besser können wir nicht dafür sorgen, dieses Jahr zu einem Jahre schöner Thaten, reicher

Segnungen und seliger Freuden zu machen, als wenn wir den Entschluß fassen, es im Dienste der Pflicht, und mit willigem Gehorsam j,egen> ihre Forderungen zu durchleben, iaß ihn in je» der Brust entstehen, diesen heiligen Entschluß, 0 du, der du uns mit deinem Bilde gezeichnet, und zur Unsterblichkeit geschaffen hast; und gieb uns Kraft, ihn That werden zu lassen, alles zu besiegen, was uns bey seiner Ausführung hindern könnte; und deinem Sohne, deinem Sohne zu folgen, den die Bahn der Pflicht zu dir, und auf den Thron deiner Herrlichkeit geführt hat. Wir flehen um deine Unterstützung in stiller Andacht.

Evangelium: lue. II. v. «.

Mehr konnte der Zwang der Pflicht für V Iesum, unfern Herrn, nicht verstärkt, lästiger sonnte er nicht für ihn gemache werden, M.Z., als durch die Veränderung, welche nach dem vorgelesenen Evangelio schon am achten Tage nach seiner Geburt mit ihm vorgieng. Wer be» / schnitten wurde, verpflichtete sich, das ganze Ge» setz Mosis zu halten, und sich allem zu unter» werfen, was Moses seinem Volke vorgeschrieben hatte. Ich brauche euch nicht zu sagen, wie zahlreich und beschwerlich diese Vorschriften wa» «n; wie sehr die natürlichen Obliegenheiten des Menschen dadurch vermehrt,, und der Umfang derselben dadurch erweitert wurde; durch welche lästige, zwangvolle Satzungen Moses sein Volk von allen Nationen der Erde abzusondern, und alle Vermischungen desselben mit Fremden zu verhüten gesucht hatte! Petrus drückte sich nicht zu stark aus, wenn er das Mosaische

Gesetz in einer Versammlung der Iubenchristen zu Jerusalem ein Joch nennt, das weder ihre Väter, noch sie zu tragen vermocht hätten. Und doch wurde dieser so sehr ver» mehrte Zwang der Pflicht bey Jesu, unserm Herrn, wohlthätig und segensreich'für ihn selbst und für Andere. Nein, für seine Bildung, für seine Entwicklung zu der grossen Bestimmung, mit der er erschienen war, war es nichts weniger als gleichgültig, daß er im Schoos einer Nation lebte, die den einzigen wahren Gott verehrte, die im Besitz der Offenbarungen Gottes war, die alle die Hoffnungen nährte,- welche er erfüllen sollte, wo er von Jugend auf Gelegenheit fand, zu seyn in dem, das seines Vaters war. Der Erfolg hat dieß auch alles be» ftätigt; selbst unter der last der Mosaischen Satzungen nahm Jesus zu an Weisheit, Alter und Gnade bey Gott und den Menschen, und wurde der rechte Hohepriester, der mit einem Opfer vollendete, alle die geheiligt werden. Denn auch für Andere, das ist unstreitig, auch für Andere wurde der verstärkte Zwang der Pflicht heilsam, dem Jesus bey seiner Beschneidung unterworfen wurde. Er sollte die last des Mosaischen Gesetzes tragen, um es ganz und auf immer aufzuheben. Da die Zeit erfüllet war, sagt der Apostel, sandte Gcktt seinen Sohn, geboren von einem Weibe, und unter das Gesetz gethan, auf daß er die, so unter dem Gesetz waren, erlösete, und wir die Kindschaft empfiengen. Und wiewohl es Gottes Sohn war, heißt es an einem andern Orte, hat er doch an dem, das er

lltt, Gehorsam gelernt, und da er ist vollendet, ist er worden allen, die ihm gehorsam sind, eine Ursache der ewi« gen Seligkeit.

Was werden wir von dem sanften Joch, und von der leichten last, die nach dieser Befreyung von den willkurlichen Satzun« gen des Mosaischen Gesetzes für uns übrig geblieben ist, zuurtheilen haben, M. Br., werden wir uns über"den Zwang der Pflicht, unter wel« chem w l r stehen, beklagen, werden wir ihn beym Eintritt in das neue Jahr mit Widerwillen bemerken, und uns vor demselben scheuen dürfen? Hören wir die Stimme unsrer Neigungen, lassen w« den Ausspruch unsrer Sinnlichkeit etwas bey uns gelten: so wird er uns fteylich unangenehm und lästig seyn, dieser Zwang, so wird sich der Wunsch in uns regen, von ihm befreyt zu seyn, und feffellos in das neue Jahr hinübertreten zu können. Aber lastet uns behutsam seyn, M.Z., nichts ist thörichter, nichts ist unwürdiger, nichts ist schädlicher als dieser Wunsch; und um es euch begreiflich zu machen, daß er euren Abscheu verdient, werde ich diese Stunde dazu anwenden, euch zu zeigen:

Wie sehr wir Ursache haben, beym Eintritt in ein neues Jahr den Zwang der Pflicht zu segnen.

Die Gründe, womit ich meine Behauptung lmterstützen kann, sind eben so einleuchtend, als entscheidend. Segnen, mit wahrer Dankbarkeit für das größte Glück erkennen, müssen wir näm«

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