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lichen Geschlecht entziehen zu wollen: je heftiger,
je verwegener seine Anfälle sind, desto mehr wer«
den sich ihre Freunde zum Widerstande rüsten,
desto mehr werden sie alles aufbieten, sie zu ver»
theidigen und zu sichern; desto mehr werden sie
daran arbeiten, sie in jenem Glanze zu zeigen, wo
sie sich nicht verkennen läßt, wo sie alle Nebel des
Irrthums mit der größten leichtigkeit zerstreut;
und nie wird die Wahrheit in einen solchen Kampf
verwickelt werden können, ohne neue Siege zu er»
halten, ohne einleuchtender und gewisser aus dem»
selben hervorzugehen. Erwäget und prüfet die
Geschichte eures eignen Geistes und eurer Ueber»
zeugungen; zu einer Menge von richtigen Vor«
stellungen, von heilsamen Einsichten, und von
fruchtbaren Grundsätzen würdet ihr nie gekom»
men seyn, wenn ihr nicht zuvor den entgegenge»
sezten Irrthümern ergeben gewesen wäret, wenn
euch Mißverständnisse, die euch endlich fühlbar -
wurden, nicht auf die rechte Spur geleitet hätx -
ten. , *

Doch nicht blos zur Beförderung der Wahr» helt wendet Gott bey seiner Weltreglerung die Mißverständnisse und Irrthümer der Menschen an; er vereitelt dadurch auch die schab» lichen Unternehmungen derselben. Der Mordanschlag, welchen Herodes im Evan« gelio wider Iesum machte, war sehr listig auege» dacht, M. Z. Ein so überlegter, seiner Plan schien nicht mißlingen zu können; es schien un« möglich zu seyn, Iesum der Grausamkeit eines so verschlagnen Tyrannen zu entreissen. Und doch vereitelt ein Mißverstand alles. Herodes hatte sich jn den Fremden geirrt, die er ohne ihr Wil>

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ftn zu Verräthern Jesu machen wollte; er glaubte sie durch seine Herablassung so gewonnen zu ha» den, daß sie unstreitig zu ihm zurückkehren wür« den.; aber sie zogen, wie das Evangelium sagt; durch einen andern Weg wieder in ihr land. So ist's, M. Z., die schädlich» sten Unternehmungen, man mag sie mit wilder Ztaserey, oder mit list und Verstellung ausführen wollen, scheitern gemeiniglich an einem oft sehr geringfügigen Umstand, In welchem man sich geirrt, den man entweder übersehen, oder unrichtig beurtheilt hatte. Geht die lcldenschaft mit wilder Unbesonnenheit zu Werke: so sind bey dem Mangel Mer sorgfältigen Ueberlegung Irrthümer und Mißverständnisse aller Art ohnehin unvermeidlich, und daher stürzt sie sich gemeiniglich ins Unglück, ohne etwas ausgerichtet zu haben. Aber mißlin» gen nicht eben so oft auch die listigsten Anschläge der Bosheit, auch die feinsten Entwürfe lasterhafter Menschen, bws well sie eine Kleinigkeit übersahen, sich in irgend einem Umstand irrten, irgend einem Mittel zu viel Kraft zutrauten, die» sen oder jenen Menschen, welchen sie brauchen wollten, zu wenig kannten, weil sie mit einem Worte durch einen Mißverstand zu falschen Maas» regeln verleitet wurden? Ich kann mich auch hier auf eure eigne Erfahrung berufen; daß so wanches Böse, welches ihr vorhattet, so Mancher schädliches wohl gar verderbliche Entwurf, den ihr mit grossem Eifer betriebet, zum Glück für euch und Andere doch keinen Fortgang hatte, woher kam es? Sahet ihr hinter her nicht wohl ein, daß ihr euch auf mancherley Art geirrt hattet; daß ihr mit euren Anträgen und Wünschen, mit eurem Vertrauen und eurer Hoffnung an

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die imrechlen lrute gekommen waret; daß es ein wohlthätiger Mißverstand war, durch welchen Gott euchMd Andere noch glücklich rettete? Der Neigung Wm Bösen, dem laster und der Bos« heit ist bey aller Verschlagenheit und Arglist, mit welcher sie zu Werke gehen, doch auch eine Un. vorsichtigkeit und eine Verblendung eigen, die oft gerade in den gemeinsten und gewöhnlichsten Din« gen fehlt; und Gott läßt diese Fehler dazu die« nen, schädliche Unternehmungen dadurch zu vereiteln; er beschämt die, welche sich ihm widerse« tzen, ohne allen weitern Aufwand von Mitteln, blos dadurch, daß er sie ihrem Irrthum über» läßt

Und so weiß er die lasterhaften auch

einzuschränken und zu bestrafen. Der

Jrrthum Herodis im Evangelio, nach welchem er

nuf die Ergebenheit der Weisen aus Morgenland

ein allzugrosses Vertrauen sezte, war die Ursache)

warum srint Wuth gegen Jesum nicht so weit

gehen konnte, als sie gegangen seyn würde. Und

war es nicht ein elender Mißverstand, was ihm

die Geburt Jesu so fürchterlich machte, was ihn in

Schrecken versezte, und mit bangen Besorgnissen

quälte? Würde er sich so beunruhigt haben, wenn

er Christum nicht aus Irrthum für einen weltli«

chen König gehalten, und einen Nebenbuhler sei«

ner Familie in ihm erblickt hätte? M<lN kann

Mit Grunde der Wahrheit sagen/ M. Z., das

lasier strafe sich selber, und arbeite an seinem el«

genen Mtergang. Es ist mir. einer so grossen

Menge von^falschen Vorstellungen verknüpft, eij

betrachtet alles in einem so falscheni.llcht, es liegen

bey allem, was es will und thut, so viele unrichtige

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Urthelle über die Menschen, über den Werth der Dinge dieses lebens, und über wahre Wohlfahrt zum Grunde, daß es gar nicht anders-Hyn kann, der lasterhafte muß sich über kurz odeMmg selbst schaden, muß seine Kräfte selbst schwächen und zerrütten, und zulezt seinen Untergang finden. Sehet e^ch "in der Erfahrung um, ob es nicht so ist? Ist es nicht der traurige Irrthum, sinnliche tust sey das höchste Glück, was den Wollüstigen verleitet, sich durch einen schwelgerischen Genuß zu entnerven und zu zerstören? Ist es nicht der elende Irrthum, der blosse Besitz des Reichthums mache schon glücklich, was den Gelhigen dahin bringt, sich nicht blos lächerlich und verhaßt zu machen, sondern auch iin trauriges leben zu füh» ren, und sich selbst zu mißhandeln? Ist es nicht der verführerische Irrthum, Ruhm und Macht seyen unter allen Gütern des lebens die wünschens» werthesten, was den Ehrsüchtigen zu Schritten verleitet, die alles wider ihn empören, die ihn in Kämpfe verwickeln, denen er nicht gewachsen ist, und seinen Sturz vorbereiten? Ist es nicht der kindische Irrthum, der verschmizte Schmeichler, der listige Betrüger meyne es aufrichtig und gut, was so viele leichtsinnige, so viele Unbesonnene um ihren Einfiuß und um ihr Glück bringt, noch ehe sie viel Schaden anrichten können? Betrachtet das la» ster, wie ihr wollet, ihr werdet" allezeit gewisse Irrthümer und Mißverstandnisse bey demselben entdecken, die nicht davon getrennt werden kön» mn; ihr werdet aber auch wahrnehmen, diese Mißverständnisse sind es, was Gott dazu anwen» det, demselben Schranken zu setzen, und es die Strafe finden zu lassen, die es verdient.

Aber noch weit merkwürdiger ist es, daß Gott die Jrrthümer und Mißverständnisse der Menschen auch dazu anwendet, d a s hervorkei« mende Gute zu bewahren und zu erhal« len. Würde es dem mächtigen Herodes nicht gelungen seyn, Jesum gleich in der Kindheit zu unterdrücken, wenn er sich nicht in den Maas« regeln geirrt hätte, die er zu diesem BeHufe nahm? Würden die Hohenpriester zu Jerusalem nicht selbst mit an dieser Unterdrückung gearbeitet haben, wenn sie nicht eine falsche Vorstellung von Christo gehabt, und ihn für einen weltlichen König gehallen hatten, wenn sie hätten vorhersehen können, wie nachtheilig dieses Kind einst ihrem Ansehen und ihrer Gewalt über das Volk seyn werde? Nein, so lange das Gute noch schwach ist, und leicht ausgerottet werden kann, könnte es dem Hasse, der Grausamkeit, der oft so fürchterlichen Macht des losters unmöglich entgehen, M. Z., wenn es nicht verkannt, und für etwas ganz an« ders angesehen würde. Wie mancher fähige oder < von Gott zu grossen Dingen bestimmte Mensch wäre in seiner Jugend ohne Unterstützung geblie« den, wäre wohl gar aus dem Wege geräumt ivor« den, wenn man sich nicht in ihm geirrt, wenn man's für möglich gehalten hätte, daß er einst der abgesagte Feind des Aberglaubens und des Be« trugs, der glückliche Vertheidiger der Wahrheit, der unbewegliche Handhaber des Rechts und der Gerechtigkeit, der, strenge Rächer der unterdrückten Unschuld, der mächtige Zerstörer schädlicher Ein« richtungen und unrechtmässiger Gewalt, der hel« denmüthige Befreyer seines Vaterlandes oder an< derer Völker werden könne! Wie manche nützliche Anstalt würde tausend Hindernisse gefunden haben,

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