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Gnade unsers Herrn, Jesu Christi, fey mit euch Allen; Amen.

Man hat mit grossen, Rechte behauptet, M. I., die Vergnügungen eines Menschen seyendie sichersten V^rrätherinnen seiner Denkungsart und seines Cha« rakters. Nichts bezeichnet den Geschmack und die Gesinnungen, welche uns eigen sind, genauer, nichts drückt sie anschaulicher aus, als die Wahl unsrer Ergötzlichkeiten, und die Art, sie zu genies« sen. Vergnügungen werden frey gewählt; sie würden ihren ganzen Reiz verlieren, wenn auch nur der mindeste Zwang dabey Statt fände. Es ist also die wahre Gesinnung, es ist das ächte unverstellte Gefühl eines Menschen, was sich bey dieser Wahl offenbaret. Wir dürfen sicher schlief, sen, daß er einen hohen Grad von unruhiger ieb« haftigkeit besizt, wenn er nur rauschende Vergnü« gungen liebt; daß ein stiller sanfter Sinn in ihm ist, wenn ihm nur ruhige, geräuschtose Freuden ^ - gefal«

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gefaNen, daß wilde lüste in seinem Herzen toben,

wenn er Geschmack an ungesittetem Schwärmen

und ün Ausschweifungen der UnmWgkeit findet;

daß ihn Eitelkeit und Stolz beseelen, wenn ihn

nur ein prachtvoller Auswand befriedigt; wir

können uns im Urtheil über die Denkungsart

eines Menschen unmöglich irren, sobald wir die

Vergnügungen wissen, die er gewöhnlich allen an»

dern vorzieht. Und können wlr ihn vollends beym

Genusse derselben beobachten, können wir bemer»

ken, was er da äussert, welche Grundsätze da zum ^

Vorschein kommen, wie stark der Antheil ist,

welchen er da nimmt, an wen er sich haben vor»

züglich hält,' und wie er sein Betragen einrichtet:

so wird uns wenig Räthselhaftes bey seinem Cha»

rakter weiter übrig bleiben, wir werden so viel

davon erblickt haben, als wir bedürfen, um unsre

Maasregeln darnach zu wählen. Es ist so wahr,

daß die Vergnügungen eines Menschen die Ver»

rätherinnen seiner Gesinnungen sind, daß man

dem, der hier die Probe hält, der auch beym Ge»

nutz der Freude eine achtungswürdige Denkungs»

art enthüllt, mit der größten Zuverlässigkeit ftin

Vertrauen schenken, und ihm eine wahre Vereh»

rung widmen kann.

Das Evangelium, über welches ich jezt zu euch «den soll, M. Z., verschafft uns die Gelegenheit, Iesum, unfern Herrn, beym Genuß des Ver» gnügens zu beobachten; ihn in einer grossen Ge» sellschaft, bey einem Hochzeitfest, und mitten un» ter fröhlichen Menschen zu sehen. In der Er» zahlung des Evangelisten ist euch nicht bloß sein öffentliches Verhalten sichtbar, das jedem Anwe» senden in die Augen siel, und von welchem sich

0. H»i»i. V«». ist» L»n» ,eoz. D

Jeder, unterrichten konnte. Johann es, de« Vertraute Jesu, der Key dieser Gelegenheit selbsl zugegen war,, und uni alles wußte, läßt uns viel Hefte Blicke thun; er zeigt uM Jesum in dem be« sondern Verhältnisse mit seiner,Mutt<; er entWlt uns, Dinge, von welchen,die übrigen Gäste uicktS erfuhren; er macht uns mit Absichten, yH,Gesinnungen,. mit einer Geschäftigkeit Jesu hetannt, ^)ie man unter der Gestalt' des thellneh. mMeV, fröhlichen Gastes gax nicht, vermuehet Hattes er stellt uns Jesum in einem lichte dar, das uber die Denkungsart desselben, über die ganze Verfassung seines Geistes, und über seine Bestrebungen weit mehr. Aufklärung giebt, als eine Menge andrer Erzählungen, als' so manche grosse und bewunderte That seines öffentlichen i<bens. , ^;^^M-.

Jst es so wichtig, die, welche man genauer Hennen lernen, und tiefer ergründen, will, beym Genusse des Vergnügens zu beobachten; sind uns« Ergötzlichkeiten, wie ich vorhin bemerkt habe, immer die sichersten Verrätherinnen unsrer' Denkungsart und unsers Charakters: muß uns die Gelegenheit, den unter solchen Umständen zu sehen, an dessen rechter Erkenncniß so unendlich v<el gelegen^ ist, nicht höchst willkommen seyn; müssen -wir nicht äusserst aufmerksam werben, wen» es uns vergönnt wird, wahrzunehmen, wie sich sein Geist, seine Würde, seine Herrlichkeit, bey einer solchen Veranlassung enthüllte, wie er die Freundlichkeit des theilnehmenden Gastes mit dem Ernste des größten- Gesandten Gottes, die Herablassung zu, den Schwachheiten der Menschen mit der Hoheit des Herrn vom Himmel verband? jasset

»ns diese Stunde zu Betrachtungen anwenden, M. Br., die eben so angenehm und rührend, als ermunternd und nützlich sind; beym Genusse des Vergnügens lasset uns Iesum beobachten^ und auf jede Spur seiner Gesinnungen, seiner Gefühle, seiner Absichten und Entwürfe merken; und es wird sich ein Vorbild, ein Muster, eine Grösse vor unfern Augen enthüllen, vor der wir uns mit tiefer Ehrfurcht beugen, die wir nach» zuahmen uns für verpflichtet halten werden. Möchte es mir gelingen, Herr Jesu/ deine Weis» heit, dein reines, theilnehmendes, wohlwollendes Herz, deinen lebendigen, nie ruhenden Eifer für das Werk deines Vaters würdig darstellen und? enthüllen zu können; möchte der Blick in das Heiligthnm deiner Seele, den wir jezt wagen wollen, uns mit Ehrfurcht, mit liebe, mit An»' betung erfüllen; möchten wir immer fähiger» immer williger werden, gesinnct zu seyn, wie du, und verklärt zu werden zu deinem Bilde! Wir bitten und stehen, du wollest dich selbst unter uns verherrlichen, und diese Stunde segnen. i

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Evangelium: Ioh. N. y. i —n.

Möchte die Aufmerksamkeit auf das Ver» halten Jesu bey der Gelegenheit, welche das vorgelesene Evangelium beschreibt, die Wirkung' bey uns haben, M. Z., welche sie bey seinen. Jüngern hervorbrachte. Er offenbarte seine> Herrlichkeit, sagt der Evangelist, und seines Jünger glaubten an ihn. Wahrlich eine, Offenbarung seiner Herrlichkeit war nicht blos» das Wunder, welches er verrichtete; sondern^ auch, und zwar vornämlich, die DenkmVSatt,

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5» 'dh^: > Dritte Predigt, / .^::.

dte er hl» äusserte; aus dem ganzen Verhalte» Jesu bey dieser Gelegenheit leuchtet eine Weisheit, ein Sinn, eine Absicht hervor, die ihn hinlänglich als den Sohn Gottes bezeichnet, und jeden Aufmerksamen von feiner Hoheit versichern muß. Jch habe bereits angemerkt, daß wir das heutige Evangelium dazu brauchen würden, diese Herrlichkeit Jesu kennen zu lernen, und sie zu unserer Belehrung und Ermunterung anzuwenden. Jhn, ihn allein wollen wir also jezt ins Auge fassen; wir wollen beobachten, was er sagt, äussert und thut; wir wollen den Geist und Sinn er« forschen, der in seinem Verhalten liegt; wir wollen, um alles kurz zusammen zu fassen, Be« trachtungen über die Denkungsart an« stellen, welche Jesus im Evangelio beym Genusse des Vergnügens ent« hüllte.

lasset uns diese Denkungsart vor allen Dingen genauer kennen lernen; und hernach das, was wir gefunden haben, zu unserer Belehrung und Ermunte« rung anwenden.

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Welches ist also die Denkungsart, die Jesus in unserm Evangelio, beym

'Genusse des Vergnügens, und mitten im Geräusch der hochzeitlichen Freude enthüllt? Um sie genauer kennen zu lernen, müssen wir alle Umstände, welche der Evangelist angiebt, mit einander vergleichen, und gehörig erwägen. Es wird uns dann sehr anschaulich und klar werden, daß sich eine vorsichtige reine, theilnehmende, wohlthätige

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