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68 Zte Preb., am 2ten Sonnt, nach Epiph.

den Zeitpunkten beyzählen können, wo wir für die heiligen Endzwecke Gottes und für die Ewig» kelt gelebt haben. So freuet euch denn in dem Herrn alle Wege, M. Br., und abermal sage ich euch, freuet euch. Und ist das Maas dessen, was euch euer Vater hier beschieden hat, zu Ende: so führe er euch leicht und glücklich zu den Seligkelten der bestem Welt; Amen.

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Sinter die Merkmale, durch welche sich Jesus, unser Herr, während seines lebens auf Erden von gewöhnlichen Menschen unterschied, M. Z., un» ter die Vorzüge, durch welche er sich über unsre Schwachheit sichtbar erhob, gehörten, was man vrcht immer wahrzunehmen und zu erwägen psiegt, ganz unläugbar seine Hoffnungen. Hoff» nungen zu nähren, hatte er mit uns gemein; auch er fühlte das Bedürfniß, die engen, oft so beschwerlichen Schranken der Gegenwart von Zeit zu Zeit zu verlassen, und die freyern Räume der Zukunft zu suchen; auch ihm war die Vor» stellung, daß es einst besser als jezt seyn werde, Trost bey den Nebeln, die er empfand, und Er« munterung bey den Schwierigkeiten, mit welchen er zu kämpfen hatte. Aber alle Erwartungen, welche er nährte, alle Hoffnungen, welche er äusserte, hatten eine eigenthümllche Beschaffenheit? sie standen insgesammt mit den heiligen Endzwe» ckenG» Verbindung, zu deren Erreichung er er»

schienen war; sie waren ganz und ohne Ausnahme religiös und fromm. Denn daß es nicht ein langes glückliches leben, daß es nicht sinnli» cher Genuß, daß es nicht Reichthum und Ehre, daß es nicht Güter der Erde waren, was er er» wartete, wovon er sprach, worauf er rechnete, womit er sich tröstete, wisset ihr Alle; wer den Grundsatz hat, er sey nicht gekommen, sich dienen zu lassen, sondern selbst^n die» nen, und sein leben zueiner Erlösung für Viele zu geben, hat auf das, was man gewöhnlich für wünschenswerth hält, Verzicht geleistet. Dagegen sieht Jesus ein Himmelreich auf Erden entstehen, das durch keine Gewalt des Bösen gehindert und unterdrückt werden kann; sieht dieses Himmelreich mit grosser Schnei» ligkeit sich erweitern, und alle Völker der Erde umfassen; sieht eine Zeit kommen, wo diewahr» haftigen Anbeter Gottes den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten werden; sieht die glückliche Gemeine, welche er stiften wollte, auf einen Felsen gegrün» det, wo die Pforten der Hölle sie nicht über w*alN gen werden; sieht einer Verklä» rung, einer Herrlichkeit entgegen, wo es ihm möglich scyn wird, den Selnigen das ewige leben zu geben, er hat keinen andern Wunsch, er kennt keine andere Hoffnung, als die Vollendung der grossen Rathschlüsse Gottes, als das Gelingen des Werkes, das ihm der Vater gegeben hat, als die Erlösung, als die Erleuchtung, Besserung und Beglückung unsers Geschlechts durch eine Auf» opferung und Vermittlung.

Ich brauche es euch nicht bemerklich zu ma» chen, M. Z., wie sehr sich diese Hoffnunge<"von

V

t^enen unterscheiden, die wir so gerne nähren, an

welchen unser schwaches Herz oft mit der größten

Sehnsucht hängt. Wollen wir die Wahrheit ge»

stehen, so haben unsre liebsten Hoffnungen mit der

Religion, mit der Sache der Wahrheit, des

Rechts und der Tugend, mit dem Werke Gottes

und Christi, wenig oder nichts zu thun. In un»

srer Jugend sind sie ein Zauberspiel lieblicher

Traume; wir erwarten, von einer feurigen Ein»

bildungskraft bethört, alles, was die erwachenden

Neigungen unsers Herzens wünschen; es giebt

kein Gut der Erde, kein Vergnügen der Sinne,

keinen Genuß, auf welchen wir nicht Anspruch

machten. Freylich werden wir in unsern Hoffnun»

gen bescheidner, je länger wir leben; eine Menge

der vorigen Träume verschwindet, und wir lernen

uns immer mehr auf einige wenige^3rwartungen

beschränken. Aber der Inhalt, der Sinn und

die Richtung dieser Erwartungen bleiben gewöhn»

lich einerley; es sind die Angelegenheiten unsrer

Sinnlichkeit, unsers Eigennutzes und unsers Ehr»

geitzes, womit sich unsre Hoffnungen beschäftigen;

wir dürfen uns derselben nur bewußt werden, dür»

fen nur prüfen, woran unserm Herzen das Meiste

liegt, und womit wir die Zukunft am liebsten er»

füllen, un» es gewahr zu werden, wie sehr wir an

der Erde hängen, wie weit Jesus, r.».ser Herr,

auch in diesem Stück über uns erhaben war.

, , Aber um so nöthlger ist es, daß wir sein heiliges Vorbild auch hier ins Auge fassen, daß wir uns beelfern, gesinnt zu werden, und hoffen zu lernen, wie er. Und trügt mich nicht alles, M. Br., so sind uns fromme, religiöse Hoffnun« gen vornamlich darum so fremde, wir sind vor»

, nämlich darum so wenig darauf bedache, sie un« serm Herzen eigen zu machen, und unsre übrigen Erwartungen gleichsam dadurch zu heiligen, weil wir sie nicht genug kennen, well wir von dem un. schätzbaren Werth, der ihnen nicht abgesprochen werden kann, gar keinen Begriff haben, lasset mich diese Stunde, lasset mich die Veranlassung, welche mir das heutige Evangelium giebt, dazu anwenden, M. Br., diesen Werth ins licht zu setzen, euch zu zeigen, wie ehrenvoll für die Ver« fassung unsers Geistes, wie wichtig für die Au«. Übung des Guten, wie wohlthätig für unser de« kümmerte« Herz fromme Hoffnungen sind, wie wenig wir sie entbehren können, wenn wir gesin. net seyn, und wirken, und siegen wollen, wie Je. sus. Aber gelobet, gelobet sey Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, der uns nach seiner grossen Barm« Herzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Aufer. stehung Jesu Christi von den Tobten, Er belebe sie in uns diese Hoffnung; er erhebe uns durch sie über alles, was seiner himmlischen Berufung in Christo Jesu unwürdig ist, und starke uns durch die Kraft desselben zu einer fro. hen und standhaften Nachfolge seines Sohnes, darum bll^n und stehen wir in stiller Andacht.

Evangelium: Matth. VIII. v. l-iZ.

Dleß ist also eine von jenen merkwürdiaen Begebenhetten des lebens Jesu, M.Z., Hey wel< chen seine Hoffnungen laut wurden, bey welchen er unverholen äusserte, was er erwarte, und an welchen Aussichten er sich erquicke. Das Betra« gen des edeln Römers, welchen er vor sich hatte

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