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I. Benedictinerklöster.

1. Bleidenstatt ), gestiftet gegen Ende des 8. Jahrhunderts, mit Eberbach das geschichtlich bedeutsamste Kloster Nassaus.

Das Archiv des Stifts ist nur zum Theil, mit etwa 500 nicht über das 13. Jahrhundert hinausgehenden Originalurkunden, in den Besitz von Nassau gelangt. Urkunden und Handschriften befinden sich in München und Würzburg, unter denselben ist besonders das in München befindliche Necrolog zu nennen. Ueber die viel besprochene, angeblich in Bodmann's und Habel's Besitz gewesene Handschrift der Bleidenstatter Traditionen werde ich bei den unten folgenden Mittheilungen über Bodmann meine Ermittlungen, durch welche das bisher über der Sache schwebende Dunkel gelichtet wird, bringen. Ueber die handschriftliche Ueberlieferung der Bleidenstatter Grenzbeschreibung ist an gehöriger Stelle (No. 46) das Erforderliche bemerkt.

2. Johannisberg und Klause im Thal Johannisberg. Von den Archiven beider Klöster ist nur sehr wenig auf uns gekommen. Das Staats-Archiv besitzt nur wenige Urkunden und Literalien der Abtei; von dem Archive der Klause hingegen nichts. Ein grosser Theil des Archivs scheint sich gegen Ende des vorigen Jahrhunderts in Mainz befunden zu haben, wo Bodmann die Archivalien, auch das von ihm S. 194, 224 und sonst erwähnte, jetzt verlorene Copiar und Traditionsbuch benutzen konnte. Dieselben theilten, soweit sie erhalten, das Schicksal des Mainzer Archivs und befinden sich jetzt in München und Würzburg. Archivalien der Abtei aus der Fuldischen Zeit sind aus dem Fulder Archive zunächst 1807 an den Marschall Kellermann, dann 1815 an den Fürsten Metternich ausgeliefert; vergl. Schlereth, Kl. Johannisberg, in der Buchonia 1828.

3. Tiefenthal. Das Archiv des Klosters befindet sich wohl ziemlich vollständig im Staats-Archive; auf die Benutzung desselben durch Kindlinger und Rossel komme ich zurück.

II. Dem Augustinerorden gehörten, abgesehen von der zeitweiligen

Niederlassung von Augustinern in Eberbach, an: 1. Gottesthal. Archiv wohl vollständig im Staats-Archiv. Ein Chartular, welches Schott für sein Urkundenbuch des Rheingräflichen Hauses benutzte und nach ihm Bodmann anführt, ist verloren. Vergl. No. 238, Bodmann S. 175.

2. Retters. Das Archiv des Klosters scheint dasselbe Schicksal gehabt zu haben, wie das des Klosters Johannisberg. Zweifellos ist es mit den Mainzer Archiven nach Aschaffenburg gelangt. Fast Alles, was an Urkunden erhalten, befindet sich in München, auch die Stiftungsurkunde von 1146; in das hiesige Staats-Archiv ist sehr wenig gelangt.

1) Vergl. Will, Mon. Blid. Einleitung; Schwartz, Annal. XI, 335, 381; Götze in Löher's Zeitschr. II, 152, 155, sowie den Aufsatz von Falk in der Nassovia 1881, No. 40.

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3. Eibingen gilt bisher allgemein als Benedictinerkloster. Dass dasselbe jedoch ursprünglich dem Augustinerorden angehörte, habe ich in dem Excurse zu der Stiftungsurkunde von 1148, No. 226, nachzuweisen versucht; vergl. hierüber sowie über die Devastirung des Urkunden-Archivs im Laufe des 17. Jahrhunderts in dem Kloster selbst, welcher auch wohl das jetzt verlorene Original der Stiftungsurkunde zum Opfer fiel, die Bemerkungen zu der Eibinger Urk. von 1197, No. 304, sowie Annal. XVII, 1 ff. ~). Ein Copiar aus dem Anfange des 16. Jahrhunderts im Staats-Archive ist werthvoll.

4. Urkunden des 1158 bestehenden, frühzeitig ausgegangenen Rode bei Niederwalluf sind in das Staats-Archiv nicht übergegangen.

III. Dem Cisterzienserorden gehörte an:

1. Eberbach, Nassaus reichstes Kloster. Als Stiftungsjahr ist bisher das Jahr 1131 angesehen; dass dieses nicht richtig, vielmehr die als Beweis hierfür dienende Urkunde, ebenso wie mehrere bisher nicht beanstandete Urkunden des 12. Jahrhunderts, gefälscht ist, ist an gehöriger Stelle nachgewiesen worden.

Es muss zum Ruhme der fleissigen und gelehrten Eberbacher Mönche besonders hervorgehoben werden, dass dieselben bis in die neueste Zeit hinein ihr Archiv sorgfältig gehütet und gepflegt, ihre Urkunden mit aller Vorsicht und Behutsamkeit aufbewahrt haben. Copiare und sorgfältig gearbeitete Repertorien aus verschiedenen Zeiten geben Zeugniss davon, dass zu allen Zeiten gelehrte Mönche bis auf Hermann Baer hinab dem reichen Archive Beachtung zu Theil werden liessen. Erhalten sind im Staats-Archive die nur die in Nassau belegenen Güter der Abtei betreffenden Originalurkunden mit fast 2300 Nummern. Mag auch, wie schon bemerkt, im vorigen Jahrhundert die Disziplin in Eberbach gelockert und leichtes Leben an die Stelle der alten Strenge getreten sein, worüber ja manche Nachrichten vorliegen, so erweisen doch manche handschriftlich erhaltene Arbeiten, dass die Liebe zur Geschichte des Ordens und des Klosters, sowie die Beschäftigung mit dem Archive im Kloster niemals ausgestorben ist. Und wenn Gercken?) erzählt, dass bei seinem Besuche in Eberbach 1779 auf seine Frage nach der Bibliothek und dem Archive von den führenden Mönchen ihm geantwortet sei, jene sei in Unordnung, von diesem sei nichts bekannt, so muss, wenigstens was das Archiv anbelangt, diese überhaupt in spöttischem Tone gehaltene Erzählung schon um deswillen in Zweifel gezogen werden, als Baer, der gelehrte Durchforscher des Archivs, damals schon mehrere Jahre im Kloster weilte 3).

Der Sorgfalt der Eberbacher Mönche ist es, wie bemerkt, zu danken, dass so ziemlich alle Urkunden des Klosterarchivs auf uns gekommen sind.

1) Die bezügliche Ausführung daselbst wird in einer Besprechung in Sybel's Zeitschr. 1884, S. 534 als „evident“ bezeichnet.

2) Reisen I, 113.

* Ueber Baer ist zu vergl. Rossel, Einleitung zur Gesch. von Eberbach I, VI, II, Schaab, Gesch. von Mainz I, XXVI; Rhein. Antiqu. II, 11, 565; Schwartz, Annal. XI, 274.

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Nicht wahrscheinlich aber ist es, dass dieses auch bezüglich der Copialbücher der Fall ist; es scheint, dass einzelne Copiare dem Archive beziehungsweise der Bibliothek entfremdet worden sind, wie dieses ja hinsichtlich mancher werthvollen Handschrift nachweisbar ist. So hat die im Kloster-Archive vorhandene, im vorigen Jahrhundert angefertigte Abschrift der Stiftungsurkunde der Nicolauskapelle zu Geisenheim 1292 den Vermerk „ex manuscripto pergameno“, das Copiar selbst fehlt jedoch jetzt. Erhalten sind zwei wichtige Copiare, nämlich:

a) der Oculus memoriae, zwei Bände, Folio. Der erste Band ist 1211 geschrieben oder wenigstens fertig gestellt, zahlreiche Nachträge von anderen Händen des 13. Jahrhunderts sind vorhanden. Da dieser Band öfters besprochen ist ), kann von einer nochmaligen Beschreibung abgesehen werden.

In Hinsicht auf die Wichtigkeit des Inhalts dieses ersten Bandes beabsichtigte Rossel, denselben vollständig herauszugeben; später versprach er, die in demselben im Auszuge enthaltenen Urkunden mitzutheilen. Auch hierzu ist es nicht gekommen, wahrscheinlich, weil Rossel vor der Mühe, mit welcher die letztere Arbeit verknüpft ist, zurückschreckte. In der That ist die Ausführung dieser Arbeit erst dann möglich, nachdem durch eingehendste Untersuchung die Quellen, nach welchen der Verfasser dieses 1211 geschriebenen Bandes arbeitete, aufgedeckt sind. Wie bekannt, theilte der Verfasser seinen Stoff nach den einzelnen Haupthöfen des Klosters. Jeder Abschnitt beginnt mit einem geschichtlichen Berichte über die Gründung und Entstehung des Hofes, es folgen die auf denselben bezüglichen Urkunden, sowie Verzeichnisse der gemachten Erwerbungen, Schenkungen und Traditionen. Bei manchen Traditionen hat der Verfasser des Bandes die Zeugen, den Ort der Verhandlung, mitunter auch das Jahr angegeben, und wohl aus diesem Grunde glaubte Rossel in derartigen Traditionen einen von dem Verfasser des Bandes angefertigten Auszug aus der entsprechenden Urkunde erblicken zu müssen. Ob jedoch Rossel mit dieser Meinung Recht hatte, ist zum Mindesten sehr fraglich. Die Feststellung, ob dieses der Fall oder nicht, erfordert, wie schon bemerkt, die eingehendste Untersuchnng des Inhalts dieses sehr umfangreichen Bandes, die dadurch sehr erschwert wird, dass das Klosterarchiv aus der Zeit vor 1211 keine Protokolle oder sonstige Aufzeichnungen über Gütererwerbungen oder Traditionen, kein Stück der Concepte zu diesem Bande mehr enthält. Unter diesen Umständen und in der wohl nicht unbegründeten Annahme, dass die Ausbeute an wirklichen Urkundenexcerpten nur gering sein wird, ist von einer umfassenden Verarbeitung des Inhalts dieses Bandes Abstand genommen. Da indessen die Traditionen von Lorsch, Fulda und Bleidenstatt aufgenommen sind, könnte derselbe Grund, der dies veranlasst, auch für die Aufnahme der Eberbacher Traditionen geltend gemacht werden. Hier aber würde, abgesehen von anderen Gegengründen, auch der Umfang dieser Traditionsverzeichnisse hindernd entgegenstehen, während die Aufnahme der Lorscher, Fulder und Bleidenstatter Traditionen deshalb gerechtfertigt ist, weil

1) Baer, Gesch, von Eberbach I, 464 ff.; Rossel, Eb. U.-B. I, V; Schwartz, Annal. XI, 279.

sie die ältesten Nachrichten über unser Land bieten und deshalb kaum fehlen dürfen.

Neuerdings hat Roth III, 318 ff. Theile des I. Bandes des Ocul. mem., soweit solche die im Rheingau belegenen Güter des Klosters betreffen, in häufig fehlerhaftem Abdrucke gegeben.

Der zweite Band ist fast durchweg von ein und derselben Hand des 14. Jahrhunderts geschrieben. Die Abschriften sind nicht immer zuverlässig; besonders finden sich Fehler in den Datierungen, dazu hat der Schreiber gern gekürzt, besonders häufig die Abschrift der Zeugenreihen sich erspart 1).

b) Ein zweites Copiar, Papierhandschrift des 15. Jahrhunderts, drei starke Bände in Kleinfolio. Dasselbe enthält zwar vorwiegend die Urkunden des 14. und 15. Jahrhunderts, doch auch manche des 13. und konnte in einzelnen Fällen benutzt werden. Rossel hat dieses Copiar bei seiner Ausgabe der Eberbacher Urkunden völlig unberücksichtigt gelassen.

2. Maria e hausen (Aulhausen). Was zur Zeit der Aufhebung des Klosters an Urkunden daselbst vorhanden war, ist in das Archiv gekommen. Freilich scheint das Kloster-Archiv schon früher manche sehr empfindliche Einbusse erlitten zu haben. – Ein aus wenigen Blättern bestehendes Copialbuch des Klosters, Kleinfolio, Papierhandschrift, geschrieben etwa 1270, ist besonders hervorzuheben.

3. Bezüglich des Klosters Thron schien es sowohl wegen der Lage, als auch wegen der ursprünglichen kirchlichen Beziehungen desselben zu Mainz zweckmässig, dessen Urkunden hier einzureihen. Ebenso sind auch die bisher nicht bekannten, die Wetterauischen Güter des Klosters betreffenden Urkunden theils vollständig, theils in Auszügen mitgetheilt worden. Das UrkundenArchiv des Klosters ist im Ganzen wohl erhalten,

IV. Ein eigentliches Archiv der Niederlassung des Ordens

des heiligen Grabes zu Rödchen ist nicht auf uns

gekommen. Die Klöster und klösterlichen Niederlassungen zu Petersthal, Höchst, Marienthal, Königstein, Nothgottes und Lorch kommen wegen ihrer späteren Gründungszeit hier noch nicht in Betracht.

Für die vorstehend aufgeführten Landestheile und Klöster waren sodann besonders zwei Sammlungen zu berücksichtigen, deren durch rastlosen Sammeleifer und hohe wissenschaftliche Begabung ausgezeichneten Begründern es in jener Zeit, als die geschilderten traurigen Geschicke über die Mainzer Archive hereingebrochen waren, gelang, manches werthvolle Stück entweder im Original, wenn auch nicht immer auf einem zu billigenden Wege, oder durch Abschriftnahme vor dem Untergange zu retten. Es sind dies die Sammlungen und handschriftlicher Nachlass von Kindlinger und Bodmann.

2) Letzteres hebt schon Böhmer, Briefe III, 2 hervor.

Nicolaus Kindlinger, geboren zu Neudorf im Rheingau am 2. Februar 1749, starb zu Mainz am 15. September 1819. Frühzeitig seiner Heimath entfremdet, hat er derselben erst in den letzten Jahren seines Lebens seine Thätigkeit zuwenden können, aber auch hier wie überall mit Erfolg. Die zerstreuten Notizen über Kindlingers Leben hat Schwartz Annal. XI, 366 zusammengestellt, vergl. ausserdem Bodmann S. 124, Rhein. Antiqu. II, 12, 104; Friedmann, Annal. IV, 458; Serapeum 1869, S. 270 ff.; Annal. XVII, 2, 65. Die neueste Darstellung seines Lebens in der Allgem. Biographie XV, 769 hat nur 21 Zeilen mit nicht immer richtigen Angaben für den hochverdienten Mann übrig gehabt. Die zuverlässigsten Nachrichten über ihn gab sein Freund und Testamentsexecutor Schaab in der Einleitung zu dem II. Theile der Geschichte des Rhein. Städtebundes; vergl. Schwartz a. a. 0. Diese Mittheilungen von Schaab sind der von Kindlinger hinterlassenen, sehr ausführlichen Autobiographie entnommen, welche den vollkommensten Einblick in das wissenschaftliche wie private Leben des ebenso bescheidenen wie hervorragenden Gelehrten gewährt. Kindlinger's eigenhändige Aufzeichnungen sind mit Bodmann's Nachlass in den Besitz von Habel übergegangen und befinden sich jetzt in Miltenberg. Eine baldige Bearbeitung derselben von kundiger Hand ist ein gewiss berechtigter Wunsch. Für eine umfassendere Darstellung der Thätigkeit Kindlinger's ist hier nicht die Stelle; es mögen nur einzelne Angaben seiner Aufzeichnungen, die von allgemeinerem Interesse sind oder speziell seine engere Heimath, sowie seine Arbeiten in Rheingauischen Archiven betreffen, hier folgen. Die Einsicht in Kindlinger's Aufzeichnungen verdanke ich, wie so manches Andere, der rühmlichst bekannten Liberalität der Herren Conrady zu Miltenberg, welchen ich hier, sowie noch an anderer Stelle den wärmsten Dank für ihre Güte auszusprechen habe.

Kindlinger war in den geistlichen Stand weniger aus Neigung getreten, als mit der Absicht, rasch eine sichere und ruhige Versorgung für sein Leben zu finden. Für die Wahl des Minoritenordens bestimmten ihn äussere Gründe, besonders die bessere Kleidung der Ordensbrüder; eine Besprechung mit dem Guardian der Niederlassung in Langenschwalbach 1) brachte die Entscheidung. Am 20. October 1766 wurde er in Cöln eingekleidet, um hier das Noviziat durchzumachen. Das Leben im Kloster zu Cöln entsprach seinen Erwartungen nicht, lebhaft klagt er über den Hochmuth der dortigen Mönche und noch in späterer Zeit erfüllte es ihn mit Unwillen, dass man ihn dort hatte zwingen wollen, in seiner eigenen Heimath selbst den Weintermin abzuhalten, d. h. zu betteln. Wie eine Erlösung war es ihm, als er im September 1768 in das Kloster zu Münster versetzt wurde. Der in diesem Kloster herrschende freundliche Verkehr zwischen den Insassen, nicht minder die dort blühende rege geistige Thätigkeit machte K. die nächsten Jahre seines Klosterlebens zu erträglichen. In Münster wandte sich K. dem Studium der Geschichte zu, jedoch nicht, wie angenommen wird, durch Möser's Osnabrückische Geschichte angeregt, sondern vielmehr durch seinen

1) Vergl. auch Genth, Nachtrag zur Geschichte des Kurorts Langenschwalbach S. 22 ff., nach einer dem Verf. von mir gemachten Mittheilung.

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