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ALTHOCHDEUTSCHES LESEBUCH

ZUSAMMENGESTELLT UND MIT GLOSSAR VERSEHEN

VON

WILHELM BRAUNE.

FUNFTE AUFLAGE.

HALLE.

MAX NIEMEYER.

1902.

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VORWORT.

[1. Aufl. 1875.) – Im vorliegenden lesebuche hoffe ich für vorlesungen über althochdeutsche Sprachdenkmäler einen völlig ausreichenden stoff zu bieten. Es verstand sich von selbst, dass alle kleineren sprachlich oder literargeschichtlich wichtigen stücke aufnahme finden mussten. Da es aber nicht rätlich ist, an diesen das studium des althochdeutschen zu beginnen, vielmehr die lectüre eines grösseren, einen einheitlichen charakter tragenden stückes für den anfang sehr zu empfehlen ist, so mussten aus den umfangreicheren ahd. schriftwerken für diesen zweck genügende proben ausgehoben werden. Obenan unter diesen steht Otfrid, aus weichem ca. 2600 verse aufgenommen sind. Das zusammenhängende stück aus dem vierten buche (23–39) wird sich besonders zur einführung in Otfrids gedicht eignen.

Die texte schliessen sich möglichst genau an die handschriftliche überlieferung an. Die langen stammsilben sind durch cirkumflexe bezeichnet, ausser wo, wie bei Otfrid, Notker u. a., den handschriftlichen accentzeichen gefolgt werden musste. Auch die langen endsilben sind wenigstens in den älteren stücken bezeichnet. Dagegen habe ich die circumflectierung fremder eigennamen als zwecklos unterlassen. Ein grösseres stück aus dem Heliand aufzunehmen schien mir nicht geboten, da zu den vorlesungen über denselben handliche ausgaben zur verfügung stehen. Wenn ich dennoch im anhang eine probe daraus aufnahm, so geschah das in der erwägung, dass bei der lectüre der althochdeutschen alliterierenden gedichte die vergleichung der altsächsischen dichtung erwüncht sein könnte. Das gleiche gilt von den kleineren altniederdeutschen stücken, von denen besonders das taufgelöbnis und die beichtformel neben den entsprechenden hochdeutschen denkmälern nicht gern entbehrt werden würden.

Die literarischen nachweisungen sollen ausser den nötigsten angaben über die handschriften und etwaigen bemerkungen über das verhältnis des gegebenen textes zu denselben, nur noch kurze weisungen geben, wohin man sich behufs des weiteren studiums der betreffenden stücke zu wenden habe. Meist konnte dieser zweck durch einen hinweis auf die 'Denkmäler' erreicht werden; etwas ausführlicher mussten die bemerkungen zu den übrigen stücken ausfallen: vollständige literaturnachweise zu geben war aber auch da nicht meine absicht.

Das glossar bezweckt weiter nichts als die vermittelung des verständnisses der lesestücke; dazu aber wird es, hoffe ich, ausreichen. Für ein ahd. glossar sind bei der so differierenden lautbezeichnung verschiedene anordnungsweisen möglich. Man kann die worte unter

würde Die literarischandschriften unea.setben,

der altertümlichsten form aufführen, welche zufällig vorkommt, und muss dann bei jeder anders beschaffenen form darauf verweisen: so vermag man denn durch bloss mechanisches nachschlagen jedes wort aufzu finden. Dass diese methode hier nicht zu befolgen war, lag auf der hand, schon wegen der damit verbundenen unzahl von verweisungen. Es scheint mir aber auch für den lernenden viel förderlicher, wenn die anordnung unter zugrundelegung eines gewissen lautstandes geschieht, da man sich so bei der lectüre eines denkmals zuerst klar werden muss, wie das verhältnis seines lautstandes zu dem im glossar zu grunde gelegten ist. Wenn ich unter den verschiedenen möglichen anordnungsweisen den ostfränkischen lautstand wählte, als dessen hauptrepräsentant uns der Tatian gilt, so leiteten mich dabei nur nahe liegende praktische rücksichten. Freilich war damit oft der übelstand verbunden, dass jüngere formen den älteren vorangestellt werden mussten 2. b. boto, bodo ; engil, angil; ouga, auga. Bei einer anordnung nach dem oberdeutschen lautstande wäre dies jedoch in noch viel höherem grade der fall gewesen. Eine grössere inconsequenz habe ich mir gestattet, indem ich die noch in den älteren denkmälern mit hl, hn, hr, hw anlautenden wörter unter h einordnete. Ich hielt das für die einprägung der betreffenden worte für erspriesslich. Unter I, n, i, w ist aber durch verweisungen für das auffinden derselben gesorgt worden. Im übrigen konnten durch das anordnungsprincip viel verweisungen gespart werden; obschon ich zwar mit rücksicht auf den anfänger öfter verwiesen habe, wo der vorgerücktere bei gehöriger klarheit über die lautverhältnisse auch ohne verweisung auskommen würde.

habe ich die Warmesang nach dem Stundenen beide

[II. Aufl. 1881. – Die texte sind dieselben geblieben. Hinzugefügt sind die von Barack aufgefundenen beiden gedichte Memento mori und Ezzos gesang nach dem Strassburger fragment. Ausserdem habe ich die Hamelburger und Würzburger markbeschreibungen aufgenommen, da sie sowol als denkmäler des altostfränkischen dialekts von wichtigkeit sind, als auch wegen der darin vorkommenden zahlreichen namen als beispielsammlungen deutscher eigennamen von nutzen sein können. Von den Monseer bruchstücken habe ich den sermo Augustini gestrichen und dafür das von Friedländer neu aufgefundene Hannoversche blatt des cv. Matthaei nebst dem sich anschliessenden Wiener stück (V, 1) abgedruckt. Auch von den Isidorstücken, die mir über den bedarf hinaus zu gehen schienen, habe ich das dritte capitel fortfallen lassen und dafür dem vierten den lateinischen originaltext hinzugefügt. Ich glaube dadurch denen förderlich zu sein, welche ohne lehrer sich im lesen des Isidortextes üben wollen. Ebenso habe ich der Exhortatio den lateinischen text beigegeben. Weiter hierin zu gehen schien mir jedoch untunlich und auch durch den zweck des buchs nicht gefordert. Denn für die biblischen stücke, wie ev. Matth. und Tatian, wird doch jedem, der dieselben privatim durchzuarbeiten beabsichtigt, eine vulgata, oder wenigstens eine deutsche bibel leicht erreichbar sein; wer aber feinere untersuchungen anstellen will, muss notwendig auf die ausgaben der betr. denkmäler zurückgreifen. Dagegen habe ich es nicht unterlassen wollen, die lateinische zuschrift Otfrids an Liutbcrt aufzunehmen, da die wichtigkeit derselben für literaturgeschichte, grammatik und auch für die erklärung Otfrid'scher stellen es mir sehr wünschenswert erscheinen liess, sie in den händen der zuhörer zu wissen.

Die literarischen nachweisungen sind durch anführung der wichtigeren neuen erscheinungen ergänzt und auch sonst durch zusätze erweitert worden. Auch im glossar wird man die nachbessernde hand nicht vermissen. Die in der ersten ausgabe fehlenden worte sind nachgetragen, und auch der Wortschatz des niederdeutschen anhangs ist in knappster form an den betreffenden hochdeutschen stellen verzeichnet worden.

In dem unmittelbar auf dieses Vorwort folgenden inhaltsverzeichnisse habe ich bei jedem denkmale den dialekt angegeben, welchem es angehört, da ich glaube, dass damit manchem benutzer des buchs gedient sein dürfte.

(III. Aufl. 1888.) Die veränderungen an den texten sind nur unwesentliche. Vor neuerungen, welche die reihenfolge der stücke hätten verschieben können, musste mich schon die rücksicht auf meine ahd. grammatik bewahren, deren citate dadurch unbrauchbar geworden wären. Aufgenommen ist unter Nr. 18 die neugefundene erste bairische beichte; ausserdem sind unter 1, 1 BC die stücke aus R hinzugefügt und im anhange 48 der ps. 73 aus der 1. aufl. wieder herübergenommen. Dass ich unter Nr. 5 die den Matthäusfragmenten entsprechenden stücke aus T. unter den text und die zuschrift an Liutbert an den schluss der Otfridstücke gesetzt habe, ist nur eine ortsveränderung. Für die einzelnen texte sind natürlich die neu erschienenen ausgaben und abhandlungen benutzt worden. Das gilt besonders für O. von der ausgabe von Erdmann, welche freilich zur herstellung eines völlig gesicherten textes der hs. V auf Pipers angaben systematisch hätte rücksicht nehmen müssen. So bleiben doch an manchen stellen zweifel über den text der hs. Von accenten und kleinigkeiten abgesehen sind es schon in den stücken dieses lesebuchs drei stellen, an denen der wortlaut in frage kommt. Für diese stellen war herr Dr. K. Luick so freundlich, mir die auskunft zu erteilen, dass V, 23, 25b und Hartm. 64 Piper gegen Erdmann und Kelle richtig liest, während letztere I, 4, 31 gegen Piper recht behalten. Ich mache noch darauf aufmerksam, dass ich den Otfridstücken aus buch IV die varianten von P hinzugefügt habe. Das glossar hat einen bedeutenderen zuwachs dadurch erhalten, dass ich in dasselbe die verweisungen auf meine ahd. gramm. eingeführt habe, so dass es nun zugleich als wortindex zu dieser dienen kann. Jedoch sind aus der lautlehre diejenigen wörter nicht aufgenommen, welche nur als beliebig herausgegriffene beispiele angeführt sind: aus der flexionslehre habe ich auch diese verzeichnet.

[IV. Aufl. 1897.] Für die texte war diesmal eine reihe von neuen ausgaben zu verwerten, unter denen Steinmeyers treffliche bearbeitung der Denkmäler an wichtigkeit obenan stand. Demnächst ergab besonders die ausgabe der Monseer fragmente von Hench wert

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