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Tuot dir jemen iht leides, des vergiz zehant und kêre ez ze unserm herren, daz er dichs ergetze mit im selben, unde trink sinen geist in dich, wan er senfte ist gên sînen vinden, daz er sie güetlichen vertreit und in ir dinc wol

lât of erde gên, als sineu vriunden, unde gert, daz sie siner hulde schiere 5. wert werden, mer denne sie selbe.

Zuo zwein dingen ist unz nütze, der uns unser dinc verkeret, åne andern nutz des lồnes unde antlåz der sünden. Daz eine ist, daz wir uns deste baz hüeten an allen dingen, daz die merkære deste minner vinden an uns, daz

sie uns verkeren. Daz ander ist, daz wir unser gemüete deste mêr zuo gote 10. vüegen, daz wir mit sinem trôste ergetzet werden der üzern anvehtunge. Sit

uns denne die vînde niht geschaden künnen noch uns betrüeben âne unser sel. bes verhengunge, sổ sül wir daz leit, daz wir umbe uns selben haben solden, kêren gên den vinden, die in selbe grôzen schaden tuont, und ir unsælde und

ir unsin uns låzen erbarmen, die sich selben tætent den worten daz sie uns 15. eine agene in den vuoz stechen. Då von minneten die heiligen ir vinde, wan

sie disiu dinc wislichen kunden ahten: ir selber nutz, gotes willen, der vinde unsælde. Dar umbe lerne ouch dû dinen vinden niht vient sîn: wan daz ist ein ûzgenomen zeichen, daz der mensch des himelischen vater kint si unde

Jêsu Kristi lernkint unde des heiligen geistes wonunge, der von im gelernet 20. hật sine vinde minnen unde senftez herze tragen gen den, die im übels gun

nen, und vridesam sîn mit den, die den vride hazzent. Waz wünne hat der heilige geist in dem herzen, då er sò state ruowe inde vindet, daz in mit deheinem râcherouche ûz sînem süezen biovazze vertribet! waz honicvluzzes

er dem selben herzen zuo vüeret! Då von ist wunders niht, ob diu süezekeit · 25. seltsæne ist ûf erde; wan sô getâniu senfte ist in geistlîcher menige niht ge

meine bî disen ziten. Jêsus Kristus hật jezuo eine wite schuole unde wênic lernære an disen tugenden.

Lerne von im ouch diemüetiges herzen sîn. Üzer diemuot an gewande, an gewonheit, an gebærden, an worten, diu mac etwenne sin âne des herzen 30. diemuot, als an gelichsenæren. Aber inner diemuot des herzen kan sich niht

verbergen, si zeige sich ûzen an allen dingen; wan si mac sich anders niht gezeigen, denne si ist. Swà si sich niht ougent, dà ist si niht kreftic. Ir zeichen sint schînbær an allen dingen. Si ist senfte an den siten, stille an den

worten, durnähtic an den werken, state an der warheit. Si ist dancnæmne aller 35. guottæte, swie kleine si wære, wan si dunket sich kûme kleines guotes wert.

Si ist gedultic in ungemache, wan si håt sich då viir, daz siz billich süle liden. Si leinet sich gên niemen of mit deheiner ebenhiuze, wan si getar sich gên niemen gelichen. Si erban niemen deheines guotes noch gan niemen keines übels, wan sie håt die andern werder alles guotes denne sich. Si gert weder èren noch vil guotes, wan si wil niht vor den andern hie schinen an dehei. nem gewalte.

5. Der reht diemüetic mensch ahtet sich selben swacher vor allen menschen unde joch vor aller kreatûre von zwein sachen. Diu eine ist: wan er siht sich selben an vlizeclichen und erluoget eineclichen aller sîner untugende diepstige: wie mannicvaltecliche er untugenthaft ist, wie kündecliche er daz verdecken kan mit listlicher gelichsenheit, daz joch er selbe kûme gemerken kan 10. die kleinvüegen sünden sloullocher. Pravum est cor hominis et inscrutabile quis cognocet illud. Unde wan er niemens herze als daz sine erkennet, son urteilt er niemens sünde alsô swinde als sîn selbes. Ob joch ein ander mensch græzer sünde tuot, sô dunket in doch sin selbes undurnähte unentschuldiclicher unde unlediger.

15. Diu ander sache ist, von der undancnæmekeit unde von siner sûmekeit; wan er ahtet einhalp die genade, die er von gote enphangen hat, und sine helfe, die er im erboten hât, und sine liebe und sine triuwe, die ein sô hồher hérre einem stöubelin alsô diemüeteclichen lange erzeiget hât. Anderhalp ahtet er, daz kein mensch si noch kein kreatûre, wäre ir von gote als vil guotes 20. erboten und als vil triuwen erzeiget, er enware vil lihte zehenstunt dancnæmer unserm herren unde hête in lieber unde diente im vlizeclicher unde durnäh. teclicher unde getriulîcher an allen dingen und huote sich sorcsamer vor allen sünden und hête mér af genomen an allen tugenden und wære bezzer worden an aller heilekeit.

25. Von disen zwein sachen héten die höhen heiligen sô grôze diemüetekeit unde sô grôzez leit umbe kleine sünde, wan sie sâhen mêr die wurze an denne die este der sünden. Wan diu untriuwe, daz sie dem getriuwistem vriunde, unserm hêrren, alsô vil guotes mit alsô getânem übele danketen, unde daz sie wider einen sô hôhen künec iht getorsten tuon daz im leit was, daz důhte 30. sie sô gar unbillich, daz sie sich joch ze vil grôzen sündæren ahten unde ander sündære dar an bezzer hềten denne sich selben, wan lîhte ander die græsten sündære verre bezzer wæren, hête in got số vil liebe erzeiget. Ander kreatûre, die niht habent verstantnüsse, sintouch dar an bezzer denne der sündære, wan sie gote nie dehein leit getäten, der in doch nie grôze liebe 35. erzeigte als dem menschen.

Då von wuohs ouch an den höhen heiligen diu diemuot mit den tugenden unde mit den genåden, wan sổ in got ie baz tet mit sinen triuwen, sô sie ir selber undancnæme ie mér erkanten unde sûmekeit mêr klagten unde dà

von ir unwerdekeit berlich ervunden; und alsô sie ie hæher ûf stigen an den 5. êren, sô sie sich ie tiefer neigten mit der diemuot. Sie schieden daz lieht

von der vinster: dà von wart ir ietwederz schînbærer von dem andern, mêr denne ob sie vermischet wären. Sie sâhen einhalp an die grôzen liebe unde die gnåde, die in got erzeiget hête vergebene; anderhalp ir selber unwirde.

keit und ir undanknæme und ir unsliune afnemens. Unde dâ von, sô sie die 10. genade ie græzer erkanten, sô sie ir vnwirdekeit ie schînbærlicher verstuonden,

unde då wider, sô sie ir unwirdekeit ie offenlicher verstuonden, sô sie die genâde je lûterlicher erkanten, diu sie ir grôzen unwirdekeit niht liez enkel. ten, sie täte mit in unde an in genaden site, daz ist wol tuon den unwirdi

gen. Unde des mohten sie sich niht überheben von der wärheit lère, sô wir 15. rehte merken, waz wir von uns selben sin und an uns selben sîn unde waz

wir von gotes genaden sîn. Von uns selben sî wir niht wan sündære. An uns selben si wir ein blóziu kreatûre, din ir selber weder über sich noch vür sich gehelfen kan, und daz selbe habe wir von uns selbe niht, niwan von

gotes lêhen, dem süle wir mit dienste unde mit danke gelten, unde haben ouch 20. des geltes niht, niwan der lêhnære gebe uns von sînen genaden, då mite wir

im vergelten. Und also habe wirt niht, des wir uns gerüemen mügen, niwan unser sünde; da lìt niht an wan schande und schade. Des sol sich niemen rüemen der sinnic ist. Daz ander ist uns allez angelîhen, als der zeinem spile

ein vremedez kleit entnimt, då inne er zeiner kurzen vrist erschine und ez dem 25. lehnære wider gebe swenne erz wider vorder, und ob erz iht geswachet håt,

daz erz mit schaden gelte oder gerihtes reht dar umbe dulte. Sihstû nû, wie uns diu rehte warheit wiset ze der rehten diemuot! Unde swà wir von der diemuot wenken, då trete wir von der wärheit unde strûchen in die lügepfützen

der betrogen hôhvart. 30. Also lerne von Jêsu Kristo, der diu warheit ist, diemüetiges herzen sin,

wan nie herze diemüetiger wart denne sîn herze. Wan swie er doch nie sünde getet noch nie deheinen gebresten hête, der in niderte wårer got unde mensch, sô erkante doch sîn edeliu sêle, diu der wisbeit triskamer was, daz sîn hei

ligiu menscheit låterlich von genåden hête alle die êre die si hât unde die 35. sælde. Wie möhte dehein kreatûre die werdekeit verdienet hân, daz si mit

gote ein person wære? Wan zehant dò sîn menscheit geschaffen was in der

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meide lîbe, dò was si ouch mit der gotheit vereinet. Waz möhte si då vor verdienet haben, diu vor der vereinunge eine stunde niht gewesen was? Då von wart nie græzer gnâde noch schînbæreriu, denne an Jesu Kristi menscheit, diu sô gar unverdienter dinge zuo sô übergrôzer werdekeit erwelt ist vor atler kreatäre. Daz ist ouch gevellic, von dem uns elliu genade vliuzet von dem 5. houbete in diu lider, daz ouch diu genade an im volleclîcher unde schînbærlicher worhte denne an allen den liden ; unde wan daz sîn sêle lûterlicher erkante denne ie dehein sin mohte under gote, dà von was ouch er diemüetiger denne ie dehein herze würde, wan sîn menscheit gît alle ir êre der hô. hen gotheit, von der si sî alle hât, mit triuwen.

10. Swer, des im bevolhen ist, iht behaltet wider des bevelhers willen, der ist ungetriuwe, als der des guotes iht im selben diuplichen inne behaltet, daz im ôf sine triuwe ze behalten enpholhen ist; und alsô ist hôhvart ein ungetriuwiu diebinne (số si insælec müeze sin !), din von ir hêrren guote stilt, då si sich mite zieret und êre koufet, der sî niht bestêt. Diu gotheit mac niht 15. hôhvart haben; wan got mac sich niht hæher ahten, denne er ist von warheit, der daz oberiste guot ist. Alsô sint ouch die engel diemüetic unde die heiligen, daz sie daz, besunder ahtent, was sie von in selben sint (daz ist niht), unde waz sie von gote worden sint, der sie von nihte gemachet hat und in sò grôze êre von lûtern gnâden gesetzet hât. Und also gebent sie in selben 20. niht êren und habent sich vür niht unde behaltent got die êre alle unde daz lop, von des güete sie allez daz habent, daz an in lobelich oder guot ist. Non nobis, domine, non nobis, sed nomini tuo da gloriam. Unde war sie also mit der wärheit erliuhtet sint, sô sint sie ouch mit der wärheit minne enzündet. Då von wellent sie, daz die selben urteil alle liute von in haben, die sie 25. selbe über sich habent, daz sie niemen êre noch hæher ahte denne sie sint, unde gernt, daz man sie vür niht habe, daz sie von in selben sint, unde vür sündære, die wile sie hie sint; unde swaz an in guotes ist, daz man got dar umbe lobe, von dem ez aleine komen ist. Swer sich vür ibt ahtet, der erkennet der wärheit niht; swer sich aber nihtes wert erkennet, und enmac 30. doch niht erliden daz man in versmâhe oder vernihte, der siht die wärheit unde minnet sî niht; wan im ist sîn selbes êre lieber denne diu warheit, diu im dâ zeiget, daz er keiner êren wert ist. Då von lerne von Jêsu Kristo diemüetiges herzen sin, daz dû dich selbe versmåhest mit herzen und mit diemüetigen werken unde mit diemüetigen worten, unde ouch daz gerne von an. 35. -dern liuten lidest unde halt mit vreuden gerst.

Swaz guotes der mensch hật, daz er niht diemüeteclichen üebet unde bliuclichen behüetet, daz nimt vil selten guot ende, er vliese ez, oder sich mische etwaz dar zuo, daz piht ganz ist. Lieber ist unserm hérren ein mensch

mit minnern gnàden diemietic, denne mit mêr genâden übermüetic. Dar umbe 5. machet er die genade ouch etewenne sô tiure, daz er uns dà mite diemüetige

und erschrecke. Darumbe verhenget er ouch etewenne, daz man die genade dem menschen verkeret, als ob si unreht sî oder unganz, daz sich ir der mensch iht überhebe als eines höhen dinges. Wan lobte man uns alle zit

umbe unser guotæte, sò tete man der höchvart daz tor ûf, dà si in rite unde 10. beroubete uns alles lönes und aller tugende. Unde sô diu gnâde ie hæher

ist unde diu tugent ie grezer unde diu guotæte ie bezzer, sô des ie næter ist, daz man si nider drücke. Dô Marià unserm hêrren sin houbet begôz und sîne vieze mit der edeln salben, daz verkêrte man ir unde grisgrameten ûf

si unde mürmelten geu ir, swie doch er selbe si entredete, daz si ein guot 15. werc an im worhte, daz ze loben wære über alle die werlt immer mêre. In

genuogte ouch nibt, ûf sî aleine ze hinderredenne, sie mürmelten ouch ûf den heilant, war umbe 'er des gestatte, daz diu salbe ze unnutze vlorn würde an im, die man den dürftigen solte haben angeleit ze nutze. Des ist aber so

grôz wunders niht, ob daz Jûdas tet und sîne genôze, die niht geistes héten 20. (als sant Paulus sprichet von den vihelichen liuten, die niht kümnen verstên

die süeze des heiligen geistes; wan ez dunket sie ein affenheit und ein getiusche, wan sis niht wizzen): mohte ez halt ir swester Marthå niht erliden, daz si geruowet saz ze unsers herren vüezen unde tranc in sich die süeze

siner worte, als verre, daz si sich niht enthaben mohte, sin bestrâfete in sel25. ben dar umbe, daz er sîn verhengete, daz er sî niht ûf treip, daz si være umbe geloufen in der kuchen. Quc parabola est temporis inslantis.

Zwischen Lyà unde Rachel was ein stætez urliuge, daz noch niht ver. slihtet ist. Wan swie sie geswester wæren, sô biegen sie als die gellen gên

einander. ledoch sô Marthâ von sorgen undultete, sô hielt Marià ir zuht unde 30. sweic. Jêsus ist selbe ir entreder. Daz ist ir ein grôziu êre. Er ist sælic,

dem sîn nider niht verkeren können, niwan daz allerbeste; sie verkêrten vil gerner ein bæserz, ob siz vunden. Swen man niht anders gezihen kan, denne daz er ein glichsenære sî, an dem urteilt man niwan daz herze, des man nibt

gesehen mac, den urteilt man niwan nach betrogem wầue. Wan von der war35. heit vindet man anders an im niht ze bestrâfen. Swer aber suochet waz er

bestrâfen müge, der ist ein scheltære, niht ein bezzerære. Der getriuwe bezze.

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