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rære ist vræer, ob er niht vindet ze berefsen, denne daz er vindet ze berefsen, Und vunde er halt iht ze bestrâfen, daz tæte er gerner sô er gevüegiste möhte, denne daz erz ûz breite vor den, die sin niht gebezzert würden. Diu tugent ist vil seltsæne under unvolbrâhten liuten, swes einer niht trûwet gewinnen, daz er des einen andern niht nie. Die halt tugent niht gernt, die nîdent 5. etewenne die tugentlichen; aber niht umbe die tugent, niwan umbe der tagende lop; wan si gernt der êren, niht der tugende.

Wan aber gotes ganziu minne diu hæhste tugent ist unde diu græste sælekeit, sô muoz si deste mêr nîdes lîden von den, die ir niht enpfindent, unde sô sis anders niht geirren mügen noch geswachen getürren, sô verkêrent 10. sis, daz si valsch si unde von dem tievel si. Swes der tievel niht enhật, des mac er niht einem andern geben: gotes minne hât er niht, wan hiete er die, SÔ wäre er niht ein tievel.

Man weiz ouch wol, daz man got sol minnen von allem herzen, von aller sêle, von allem muote, von allen kreften ; wan daz hầt er geboten 15. und ouch umbe uns verdienet, unde dar zuo sol unser aller vliz gerihtet sîn, daz wir komen ze der ervüllunge diss gebotes, dà alle tugende inne beslozzen sint, unde niemen mac behalten werden, der niht an dem vlize gotes minne ist. Sô man aber ie näher ze ir volkomenheit ist, sô der mensch ie bezzer ist. Möhte aber niemen hie zuo komen nach des weges volkomenheit, war zuo 20. hiete er uns denne daz gebot gegeben? Die wile aber daz herze iht anders minnen mac, iht anders gewelen mac, iht anders verstên mac, iht anders gedenken mac denne got aleine, sô ist diu sèle mit allen ir kreften niht in got gesamnet. Sô ein gedanc då ist, der ander hie, sô mac si ouch alle die wile got niht von allen ir kreften minnen, sô iegelich dinc, daz si liep hật Of 25. erde, sin teil ir minne zuo im ziuhet. Dà von, sô si got sol von allem dem minnen, daz si ist unde daz si mac, sô muoz si von allem dem gezucket werden, daz bî ir ist, unde von ir selber, daz si got aleine müge minnen, des si die wile aleine enpfindet. Die wile si aber noch in dem libe stecket mit dem leben, sô enmac der lîp niht wol sù ungewonliche vreude vertragen 30. âne etlîche andunge mit lûte oder pfneschen oder mit etlicher bewegunge. Unde des ist wunders niht, sît wir sehen, daz daz herze von irdischer vreude und von törheit sô gróze vreude gevâhet, daz ez sich lahters niht erwern kan unde kachens unde anderr ungebærde. Daz selbe sehen wir an weinen: daz weder scham noch zuht den menschen kan gestillen sô im sîn vriunt tôt ist, 35. ern breche ûz mit etelîchem lûte. Sît daz mac irdischiu liebe unde jâmer

geschaffen, michels mèr mac gotes liebe daz herze überwinden unde sin selbes ungeweltic machen, sô vil sô si kreftiger ist denne alliu irdischiu liebe.

Swer des niht enweiz, swie vil er anders kan, sô weiz er doch des niht unde kan ouch vil libte etewes mêr niht. Des ist vil, des wir alles . 5. niht wizzen, daz doch guotist. Swer niht mêr gelouben wil denne er weiz,

der ist unwise. Swer die schrift wol verstêt unde gotes eteliche heimliche künde ie gewan, der verstèt wol, waz gotes beiziu liebe kraft håt. Vindet man aber iezuo eteliche, die mit gelichsenheit zeigent des sie niht habent,

oder die an innern dingen betrogen werdent von ir selbes geiste oder von einem 10. bæsem geiste, dar umbe sint doch niht alle die betrogen noch glichsenære,

die init innern geistlichen dingen umbe gênt. Wan swie sich etewenne ein wolf verberge in schậfes wåte, dar umbe sint doch niht elliu schåf ze wolven worden. Nû enwelle got, ob eteliche in geistlichem schîne niht wol geraten

sint, daz dar umbe alle geistliche liute trügenære sin unde glichsenære. 15. Dunket aber iemen, daz geistliche vreude niemen haben müge, ern si

denne alsô volkomen, daz er nimmer ungedultic werde noch anders untugenthaft, der lese, waz der gotes bruoder, sant Jacob, sprichet: 'an manigem missetuo wir alle.' Alsò sprichet ouch sant Johannes, gotes zart: 'spreche wir

daz wir niht sünde haben, sò betriege wir uns selben.' Etewenne gît unser 20. hérre geistliche vreude, daz man si vor verdienet hát mit langen arbeiten.

Etewenne gît er si von genaden, unverdienter dinge. Gebe er niemen niht voa genåden, wà zeigte er denne sîne miltekeit an ? Gæbe er aber niht umbe die. nest, số möhte wir alle müezic gân unde liezen uns ùf genaden glücke. Beide

sint sie sælic, die von genåden oder umbe dienest den geist erwerbent gotes 25. heimliche und siner minne unde sîner lûtern erkantnüsse àne aller liplichen

dinge erkantnüsse, wan diu triegent niht. Troumgesihte unde wårsagunge loufent in einem dône unde siut vil dicke gelogen. Alle vleischliche gelüste müezen vliehen, swà gotes liebe in vliuzet, als din vinster vor dem sunnenschine. Daz

reineste unde daz unsâberiste gehellent niht wol mit einander. Alsô mac got.. 30. lichiu liebe unde vleischlichiu liebe bi einander niht heliben: als vil diu eine

zuo nimt, als vil nimt diu ander abe. Geschiht aber daz, sô ein mensch mit îteler liebe beheftet wirt, daz im got doch dar under wilen iht süeze ist, daz ist dà von niht, daz gote diu selbe itel liebe alsô wol gevalle, daz er im

ir mit sîner süeze danken welle, als sumliche tærsche liute wænent; ez geschiht 35. dar umbe: wan unser hêrre gar guot unde getriuwe ist und im leit ist daz

- der mensche vellet, sô erbiutet er sich im số lieplichen, daz er im die schä

5.

delichen liebe erleidet mit sîner liebe, unde daz er im helfe erbiutet, da mite er sich entslahe der ungewärlichen bekorunge, diu im aleine müelich wäre ze überwinden, und ouch dar umbe, daz der mensch suoche antlâz der sünden, die wîle im got of tuot sine genade, é daz er tiefer gevalle und im selben die genaden tür mit undancnæme versperre.

Geistlichiu liebe ist ein edel tugent, unde sô si ie edeler ist, sô si je vliziger huote bedarf, daz ir edelkeit iht beswechet werde, als man elliu edeliu dinc in grôzer huote spulget ze halten, als edele vrouwen, edeln schatz, edliu buoch. Geistlîchiu liebe minnet niwan tugende an dem menschen unde durch tugende. Tugende sint in der sêle. Die siht man niht, wan mit der sèle ougen. Man darf 10. sie niht suochen in den ougen, noch in den henden, noch ninder an dem libe. Man spürt sie ein teil an den siten und an den werken, unde smecket sie ein lützel an den worten. Ob man sie halt niht hât an der behaltnüsse, sô riechent sie doch nach der verstantnüsse. Swen man geistlichen lieb hát, den sol man minnen, als den sark, då heiltuom inne ist: daz wære ungevellic, der dar ûz machte 15. eine tockenlade. Alső zæme daz niht, der geistliche liebe ze keiner itelkeit kêrte. Geistlîchiu liebe schiuhet driu dinc: sünde, bæse bilde, zit vliesen unde allez, daz dar an haftet. Swaz sî ze gote niht vürdert, då vliuhet si von.

Ich kêre wider an dîn dinc. Wis diemüetiges herzen unde sich an, was da von gote bist unde waz von dir selben. Ich wæne des, swenne der geistliche 20. mensch sich selben rehte durchsiht, daz daz ein alsô hồhiu gesiht si nách dem nutze, als ob er in Seraphîn sweimte mit der betrahtunge. Diz vüeret in ûz im selben, daz ander behaltet in bi im selben; einez gît im höhen muot, daz ander leret in diemuot. Wir wænen dicke, wir sîn vol genåden, daz noch vil læres ist in uns, kunde wirz erkennen. Wir schallen mit armuot in dirre 25. werlde, dar umbe låt uns got gebresten haben hie an allen dingen; und daz selbe daz er uns ze trôste tuot, daz kumt sô kûme her vür unde dennoch kûme halp, daz uns deste mêr jâmere nach dem vollen trôste ze himele, unde daz wir ûf erde deste minner ihtes gern unde daz wir iht ze geil werden und ze übermüetic von disem trôste af erde, ob er halt guot ist.

30. Alle die gebresten unde diu brædikeit unde der kumber, den wir hie haben, ist uns durch diemuot gegeben. Güften die der wellen von hohen genåden! rehtiu diemuot dunket mich hæher denne alle ir genade, unde sicherer unde hæhers lònes wert, unde si ist genuoc seltsæne. Genade ist ninder stæte, wan mit rehter diemuot. Diemuot rüemet sich nihtes; ze deheinem dinge sprichet si, daz 35. ungelimpflîche làte; si verkêret niemen sîn dinc; si spottet niemens; ir lop ist

ir pine; scheltens wirt si niht erværet noch betrüebet. Si ist der tagende behalterinne, der genaden erwerberinne, der höhen êren in himele verdienerinne, der engel gesellin, gotes nachvolgerinne, der wärheit jungerinne, der minne

enzünderinne. Daz kan kûme immer vervælen, ezn getrôste nâch diemuot; 5. wan si ist ein eigoiu dienærinne oder ein armiu diern. Då von sprichet diu

diemuột als einer armen dienerinne muot; dà von heizet sich diu sælige meit, des himels künegione, gotes muoter, ein diemüetigiu diern. Quia respexit humilitatem ancillæ suæ etc. Số sich daz herze diemüetiget, sô erkennet ez

gote sîn reht hinz im, unde wan ez in denne éret und sich im undertænic 10. machet, sô erkennet ouch got her wider im sîn reht mit genaden. Wan als

wir im schuldic sîn undertæniges dienstes mit willen, alsô ist er uns genaden schuldic von genâden.

Lerne von im niht aleine dich diemüetigen gên im selben, halt gên

allen menschen unde ze vorderist gên dîner meisterschaft, diu dir vor ist au · 15. gotes stat. Dar umbe wis in als gote gehörsam, verträgic, undertænic, willic.

Unde wan sie ouch menschen sint unde habent vil ze trahten, sô übersich in güetlîchen, ob sie sich etewenne überdenken; wan wære ez din dinc, dù überdæhtest dich lihte verre harter. Gloube in bî dir selben. Là sie dînes

willen herren sîn, dîner getæte meister, dînes sinnes wisære, dîner habe ge20. bietære, diner gewizzen wizære, diner gedult versuochære, diner schulde

buozære. Sie unde dù suln niwan einen willen haben; sie suln aber den slüzzeltragen: ez stê an ir bescheidenheit, wie vil sie dir her ûz geben. Alsô lêret uns Jêsus Kristus gehorsam sîn, der niht aleine gote sînem vater gehôr.

sam was, halt den menschen ûf erden: Josèphe und sîner muoter. Unde niht 25. aleine heiligen liuten was er gevolgic, halt sîn selbes kriuzigæren biz an des

kriuzes tôt. Dar umbe ist er nû gehæhet an sîner urstende über allez daz got hật, ebenher und ebengewaltic sînem vater in himel und in erde.

Lerne ouch von Jêsu Kristo minnesam sîn gên dinen schuolgenôzen, 'dinen ebenkristen. Minne diu kint dem vater ze liebe, unde daz gesinde dem herren 30. ze êren, die erlösten mit sînem bluote durch den erlæsære. Sit wir ein holz

minnen oder ein vihes bein oder ein gemæle, daz nach unserm hêrren gebildet ist, im ze êren, verre billicher süle wir sîn bilde minnen und êren an dem menschen, der sin bilde ist nach sîner gotheit an der sêle, unde nâch sîner menscheit

an dem libe und an sèle; des natūre er an sich genomen hât durch sîne liebe, des 35. bruoder er ist, in dem er wonet geistliche, der nach im kristen genant ist,

durch den er tôt ist, dem er sîn erbe geben wil, den er mit im selben spiset.

Fünf dinc sint, dar an wir die minne einander erbieten süln. Daz erste ist, daz wir alle kristen alles übels verwîzen noch keinen bæsen wản gên niemen haben, von dem wir niht beses wizzen. Sit er ein kristen ist, số ist er gotes kint unde des himelischen rîches erbe unde des heiligen geistes tempel unde Jêsu Kristi gelit. Då von sol er uns aller êren wert dunken. 5. Aber wan er ein mensch ist, der gevallen mac, sô süle wir sîn hüeten, daz wir im keine ursache geben des valles. Dar umbe beslieze wir die schrîne vor den, die wir niht vür diebe haben, unde versperren die kiuschen juncvrouwen, daz diu schulde, diu noch niht ist, dà iht werde; wan stat machet diebe. Daz ander ist, daz wir in alles übels erlazen, als wir gern, von im 10. erlazen sîn: daz wir in an nihtiu beswaren âne reht, noch an dem libe, noch an dem guote, noch an dem liunde, noch mit keinem herzenleide; schônen sîn mit worten unde mit werken unde mit gebærden, als ein lit des andern schönet, beidiu vor im unde von im, als des vrides gelider. Kristus enim est pax nostra. Swer den vride stæret, der sliuzet sich von der einunge, 15. die diu lider mit dem houbete habent in des heiligen geistes vride. Jêsus Kristus ist unser houbet unde wir kristen sîniu lider. Swaz man dem vuoze tuot, daz ist dem houbete getân; swaz man dem kinde leides tuot, då betrüebet man die muoter mite. Daz dritte ist, daz uns sîn leit unde sîn liep ze herzen gê, unde mit im getriuliche trûric unde vrô sîn, als diu getriuwen 20. kint eines vater und einer muoter mit einander tragent liep unde leit. Số dem vuoze wê ist, sô söchent älliu lider mit im unde bleichent. Sô der munt izzet, sô werdent älliu lider kreftic, wan ir gemach und ir ungemach ist in allen gemeine, uns ze einer lêre. Barmherze daz ist ein zeichen der minne, als er selbe sprichet 'sît erbarmherze, als iuwer himelischer vater barmherzic ist. Daz 25. ist ein wärez vrkünde gotes geistes, rehtiu barmherze. Der barmherze ist vil schiere rîche worden tngende unde himelisches lônes; älliu werc sint zinsacker unde sîn zol; mit allem ungemache ûf erde, mit allein gebresten, mit allem schaden wahset im lôn, unde ouch mit den, die verdamnet werdent. Die tugent wil ich, daz dů ouch lernest von Jêsu Kristo. Alle armen, alle 30. siechen, alle herzeliche beswærten, alle jâmerige, alle sündære, alle die imme vegeviwer sint, alle den jåmer der ist unde was unde noch künftic wirt in der werlde, den samne allen in dînes herzen spital und erbarme dich då über. Då wider alle die in tröste sint unde sælekeit in dirre werlde und in jener, mit den allen habe wirtschaft init ir tugenden unde mit ir gnaden unde 35. mit ir guotem bilde. Alsô bistû allenhalben gewinneshalp, sie vliesen oder

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