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Sie verstehen mich. Ich empfehle mich, lieber Doktor, Ihre, «. s. w. u. f. w.« —

Dieß der Inhalt eines Billets, welches ein Be> dienter mir überreichte, als ich eben im Begriff stand, meine erste Morgenrunde zu machen. Ich war mit Madame—, der schonen Zusenderinn, ge» nau bekannt, wie der Ton ihres Schreibens hinlänglich zeigt. Sie war eine sehr gescheidte und achtungswertheDame, und würde, das wußte ich gewiß, nicht ohne Grund über das Benehmen ihres Gemahls geklagt haben. Ich wünschte deshalb, durch eine schnelle Erfüllung ihres Wunsches mich ihr gefällig zu zeigen; und da ich obenein, nachdem was mir von des ehrenwerthen Parlamentsmitgliedes Ercenlricitaten bekannt war, einen absonderlichen Auftritt mit Bestimmtheit erwartete, so befahl ich dem Kutscher, zum — Platze zu fahren. Ich langte etwa um zwölf Uhr vor dem Hause an, und ging sogleich die Treppe hinauf, nach dem Besuchzimmer zu, wo Herr—, wie ich vernahm, seinen Wohnsitz für den Tag aufgeschlagen hatte. Der Bediente öffnete 'die Thür und kündigte meinen Besuch an.

»Ah — führt Doktor— herein.» Ich trat ein. Der Gegenstand meines Besuchs war ein echtes Musterbild eines Grafschaftsabgeordneten; etwas zur Wohlbeleibtheit neigend, mit einem glänzenden fri> schen, runden, gutmüthigen Gesicht, und jener derben alt-englischen Geradheit des Benehmens, die uns in die Zeiten Sir Roger's von Eoverlev zurückversetzt. Er trug einen langen grauen wollenen Schlafrock, und ging, die Hände in den Taschen, mit starken Schritten in dem geräumigen Zimmer auf und nieder. An einem Ende des letzteren be> fand sich ein Tisch, auf welchem man einen großen nigbeschriebenen, wie durch häufigen Gebrauch zerknitterten Bogen Papier, eine goldene Repetiruhr, und eine halb geleerte Flasche Xeres-Wein nebst einem Weinglase bemerkte. Ein Blick auf all dieß Rüstzeug überzeugte mich von der Art der Beschäftigung Herrn—'s: er lernte seine Rede auswendig!

»Wie geht's, Doktor, wie geht es?» rief er mir in einem herzlichen, aber unruhigen Tone zu: »Sie dürfen mich nicht lange aufhalten; ich bin beschäftigt, in der That sehr beschäftigt, Doktor.« Ich »ersicherte ihn, daß ich nur gelegentlich vorgetreten sei, und ihn nicht einen Augenblick abzuhalten gedächte. Ich fügte die Bemerkung hinzu, daß er sich für das Parlament vorzubereiten scheine.

»Ah, recht, Doktor— ganz recht! Ja, beim—! ein verdammt guter Einfall! Ich werde es ihnen eintränken heute Abend, Doktor! Gott verdamm' mich! ich werde ihnen zeigen, was ein englischer Grasschaftsabgeordneter ist! Ich werde dem Hause einheitzen!« sagte Herr—, indem er mit beschleunigten Schritten auf und ab ging.

»Ich vermuthe, Sie gedenken diesen Abend über die — große Frage zu reden?« sagte ich, kaum im Stande, ein Lacheln zu unterdrücken.

»Reden, Doktor? Ich werde mit solch einem HalloK auf sie losbrechen, daß Furcht und Zittern über die ganze Rotte kommen soll! Ich werde Mylord— zeigen, aus welchem Thone ich gebacken bin — das will ick, beim —! Er ließ sich gelüsten, gestern Abend dem Hause zu sagen, — verfluchte Unverschämtheit! — daß die beiden Mitglieder für die Grafschaft— nichts wären, als ein Paar stumme Glocken — das that er, beim —! Aber ich werde ihm zeigen, ob man mich ungestraft verhöhnen darf! Ha, Doktor, was halten Sie hiervon?» rief er aus, rannte zum Tische, und hielt mir das oben erwähnte Papier entgegen. Er war im Begriff, mir vorzulesen, hielt aber plötzlich inne, und legte das Blatt wieder auf den Tisch, indem er mit Lebhaftigkeit sagte: Nein! Gott verdamm' mich, ich weiß es auswendig —, so hören Sie! Haben Sie Acht, Doktor! «

Nach einem feierlichen Räuspern begann er, und recitirte die ganze Rede mit dem übertriebensten Nachdruck und Ungestüm. Es war ohne Zwei» fel ein wundervolles, ein unvergleichliches Stück, ausgearbeitet unter strengster Befolgung der Regeln klassischer Redekunst. Im Laufe seines Vortrags brackte er so erstaunliche Abgeschmacktheiten, so viel sinnlosen, hochtrabenden Bombast vor, daß ü gewiß zehn Mal das unauslöschlichste Gelachter »ngt haben würde, wenn er seine Rede dem Hause wirklick zum Besten gegeben natte. Hatte ich nicht die ehrliche Aufrichtigkeit, die vollkommene Gutmülliigkeit Herrn—'s zu gut gekannt, so würde ich geglaubt haben, daß er mich aufziehen wolle; aber es schien mir, daß er selbst der sei, den man zum Resten habe — die Zielscheibe, die sich irgend ein Schalk ausersehen, dem Hause zu Nacht einen Spaß °uf fremde Kosten zu verschaffen. In der TlM habe ich in meinem ganzen Leben so viel jammerlichen und kindischen, ganz sinnlosen Galimathias nicht gehört. Nimmermehr konnte dieß eine Arbeit unsers Fuchsjagers sein! Da fanden sich abgedroschene Citationen aus dem Horaz — aus der Septuaginta! — und aus Locke's Werken; das ganze blumenreiche Gebiet der rednerischen Ausschmückun«

gen war durchplündert, und kein Gegenstand fremder oder einheimischer Politik unberührt gelassen, der nur irgend geeignet war, für eine regellose Einbildungskraft ein Gegenstand der Anziehung zu werden. Mit Einem Wort, niemals feit die Welt steht wurde eine solche Rede ausgearbeitet! und doch war der arme Herr— alles Ernstes entschlossen, dieselbe an jenem denkwürdigen Abend im Hause der Gemeinen vorzutragen. Was mich betrifft, so war ich nicht im Stande, den Reiz zum Lachen zu beherrschen; sondern begleitete den Schluß mit einem recht eigentlichen, tüchtigen Gelächter! Herr— legte seine Handschrift, die er in eine Art von Rolle gedreht hatte, ganz entzückt weg, fiel selbst nach Herzenslust mit ein, klopfte mich auf die Schulter und rief aus: »Ah, Gott verdamm' mich, Doktor, ich wußte wohl, daß es Ihnen gefallen würde! So ist's gerade recht — ist's nicht? Wenn ich nur dieß Alles heute Abend im Haufe vortragen kann, so wird sich bei der nachsten Wahl für die Grafschaft— kein Mitbewerber neben mir zu zeigen wagen! Der alte Turnpenny, der gegen mich aufzutreten denkt bei der Wahl, unterstützt durch den Einfluß der Manufakturisten, wird zu Haufe bleiben, — und erscheint er, so wird Ihnen

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