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einen starken Schnupfen zugezogen. Deßungeachtet wollte er ins Schauspiel, und war eben mit dem Ankleiden befaftigt, als, zu seinem unendlichen Verdrusse, sein årztlicher Freund eintrat; ihm unbedingt verbot, das Zimmer zu verlassen, und ihin das Bett und Arzenei statt des hirnentzündenden Theaterbesuchs verordnete. Am nächsten Morgen fühlte er sich sehr wesentlich erleichtert, und da fein Diener ihm angezeigt hatte, er habe Miß —, nur von ihrem Mädchen begleitet, heimkehren sehen, so entfendete ihn Herr Warningham mit einer, bloß in ein Couvert eingeschlossenen, Reinschrift von eis ner Anzahl leidenschaftlicher Verse. Er hoffte, daß einige geschickte Unspielungen in den lektern für die Dame der Faden zur Entdeckung des Dichters werden möchten – besonders, wenn er es dahin bringen könnte, daß er von ihr am Abend in derfelben Loge, in welcher er sich schon einmal befun: den, gesehen würde; denn in's Schauspiel zu gehen war er, den Drohungen seines medizinischen Freundes zum Trok, entschlossen. Zu seinem Ärger war die Loge schon versagt; und – wird man es glau: ben? - er ging wirklich mit dem Vorhaben um, · zů erforschen, wer die ihm Zuvorgekommenen wå:

ren, um sie zu vermogen, zu seinen Gunsten Verzicht zu leisten! Da er die r8 jedoch unthunlich fand, so war er genöthigt, sich mit der gegenüberliegenden Loge zu begnügen, in welcher er in dem Augen: blicke , als die Thüren geöffnet wurden, sich gehörig festsekte.

Miß — spielte nur in einem Stücke, hatte aber eine von ihren am meisten bewunderten Urien zu singen, und, trat in einer von ihren eigenen wie des Publikums Lieblingsrollen auf. Ihr Anzug war höchst geschmackvoll und malerisch, und sollte ohne Zweis fel ihre Gestalt móglichst vortheilhaft zeigen. U18 Herr Warningham in einer Hauptscene, bei gemildertem Glanz der halb zurückgezogenen Lichter, Miß — er: blickte, wie sie aus einer romantischen Schlucht her: vorkam, einen Mantel über ihre Schultern geworfen, auf dem Kopfe einen Sammethut, über welchen eine schneeweiße Straußenfeder in schmachtender Beus gung sich senkte, indem ihr Haar in nachlässig-ungezwungenen Locken unter dem Hut hervorwallent über ihre Stirn und ihre schönen Wangen her: abfiel ; als er sie erblickte in der ångstlichen Unruhe, die ihre Rolle erforderte, und den lieblichen und traurigen Uusdrud ihrer Augen fah, indem sie vor einem Verfolger fich verbergen zu wollen schien ; als fie endlich, beim vollen Glanz der wieder vorgescho

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venen Lichter, den Mantel fallen ließ, der ihre Gestalt verschleiert hatte ; und, gleich einer verwandelten Chrysalide , in einem Kostüme, das, ohne eigentlich unanståndig zu sein, darauf berechnet war, die wollüstigsten Gedanken zu erwecken, in strahlender Schönheit vor dem jubelnden Hause dastand: als, sage ich, der arme Warningham dieß Alles erblickte, war er fast überwåltigt, und lehnte fich, vor innerer Bewegung athemlos, in seiner Loge zurůd.

Gegen das Ende der lebten Scene, in welcher fie den Abend auftrat, mußte sie ihrer Rolle gemåß einige Minuten auf der Seite der Bühne, an wels cher Warningham's Loge sich befand, der lektern ganz nahe, stehen bleiben. Während sie in einer nachdenklichen Stellung, das Gesicht gerade zu Herrn Warningham hingewendet, dastand, lispelte er ihr mit zitternder und gedåmpfter Stimme zu: » O! schönes, wunderschönes Frauenbild!«. Mißhörte ihn, blickte nach ihm mit einiger überraschung hin; ihre Mienen verzogen sich zu einem Låcheln, und mit einem leichten Kopfschůtteln, als ob sie ihm einen Wink geben wollte, daß er sie in ihrer Rolle nicht stören möchte, entfernte sie sich, um in derselben fortzufahren. Warningham zitterte heftig; er bildete sich ein, daß sie ihn in seinen Aufmerksam

keiten håtte ermuntern wollen; daß fie – Gott mochte wissen, wie - in ihm den Urheber der em: pfangenen Verse erkannt habe. Als das Schauspiel vorbei war, eilte er wie das vorige Mal an die Theaterthúr, wo er sich unter den kleinen neugierigen Haufen mischte, der sich dort gewohnlich zu versammeln pflegt; bis sie, wie an jenem andern Abend in einen weiten Shawl gehüllt, doch nur von ihrem Mådchen begleitet, das eine Pußschachtel trug, erschien. Sie stieg in einen Miethwagen, und Herrn Warningham, so bestimmt sein Vornehmen geme: sen war, sie anzureden, versagten die Kniee, als er zu ihr treten wollte; er fühlte sich so kraftlos vor Bewegung, daß er nicht einmal den Versuch machte, ihr die Hand zum Einsteigen zu reichen. Er warf sich in den Miethwagen, der zunächst vorfuhr, und befahl dem Kutscher, dem vorher fahrenden zu folgen, wohin es auch ginge. Als sie der Straße nahe waren, in welcher Miß— Wohnung lag, wie er wußte, befahl er, zu halten, eilte zu Fuß weiter, und kam vor dem Hause an, als Miß — To eben ausstieg. Er bot ihr seinen Urm. Sie sah ihn mit Verwunderung und einigem Mißtrauen oder etwas dem Ähnlichen an. Endlich schien fie in ihm den Mann, der durch sein Lispeln von der Loge aus ihre

Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte, zu erkennen, und, wie er glaubte, ein wenig außer Fassung zu gerathen. Sie lehnte sein Anerbieten ab – sagte, ihr Mädchen sei bei ihr — und ging zur Thůr um zu klopfen, als Warningham (chüchtern stammelte : » Verehrte Dame, gestatten Sie mir die Ehre, Ihnen Morgen früh aufwarten, und mich erkundigen zu dürfen, wie Sie sich nach Ihren großen Anstrengungen auf dem Theater befinden!« – Sie antwortete auf eine kalte und entmuthigende Weise ; konnte nicht begreifen, was ihr die Ehre dieser besondern Aufmerksamkeiten, und einer so plóklich von einem gånzlich unbekannten empfundenen Theilnahme an ihrem Befinden verschaffe; bediente sich der Worte » ungewöhnlich — feltsam unpassend — unangenehm,« u. . w. Sie sagte, was sein Aufwarten am nächsten Morgen betreffe, so könne sie es ihm, wenn er so sehr geneigt dazu fei, nicht wehren; doch wenn er erwarte, sie zu leben, so würde er finden, daß er sich »vollkommen geirrt « habe. In demselben Augenblick wurde die Thůr geöffnet, und schloß sich hinter Miß –, die sich kalt gegen Warningham verbeugt hatte, der vor Verdruß und aussdhweifender Leidenschaft für sie fast verrůct war. Er versicherte mich ernsthaft, daß

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