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er bis fast sechs Uhr Morgens vor ihrer Wohnung auf und nieder gegangen, wiederholt die Stufen hinaufgestiegen sei, und versucht habe, dieselbe Stelle wiederzufinden, auf welcher sie gestanden, als sie mit ihm sprach; daß er volle zehn Minuten wie festgewurzelt nach dem Fenster hinaufgeschaut habe, welches er für das ihres Schlafzimmers gehalten; — und alle diese Tollheiten wurden obendrein bei einem unaufhörlichen Schneegestöber, und zu einer Zeit begangen, als er der erklarte Freier von Miß — war, dem jungen Frauenzimmer , das er zu besuchen ausdrücklich nach london gekommen. Ich fragte ihn später mehrmals, wie es ihm möglich gewesen sei, ein solches Betragen für übereinstimmend mit Ehre oder Zartgefühl zu halten, oder wie er für die Dame, um welche er werbe, auch nur einen Funken von wahrer Neigung empfinden könne, wenn diese nicht genüge, gegen die Reize jedes andern Frauenzimmers in der Welc sein Herz zu stählen und seine Augen zu verschließen? Seine einzige Antwort war, daß er es «wirklich nicht habe ändern können« — er sei »der Leidende, aber nicht des Leidens Urheber gewesen, ° Miß - hätte, sagte er, sein Herz im Sturm erobert, und seine Gefühle für jedes andere lebende Frauenzimmer für eine Zeit lang unwiderstehlich daraus vertrieben.

Doch zurück! — Ungefähr um halb sechs Uhr benutzte er einen Miethwagen, der gerade durch die Straße fuhr, um nach seinem Gasthofe zu gelangen, und warf sich, äußerst erschöpft an Geistes- und Korperkräften, auf sein Bett. Er hatte bis zwolf Uhr Mittags fest geschlafen, als er in ernstlichem Übelbesinden erwachte. In den ersten Augenblicken konnte er sich von der Einbildung nicht losmachen, Miß — siehe in dem Anzuge, den sie am vorigen Abend getragen, vor seinem Bette und lächle ihm ermuthigend zu. Seine Selbsttäuschung war so groß, daß er wirklich einige Anreden an sie richtete, Ungefähr um drei Uhr suchte er einen der Gefährten seiner Vergnügungen auf, der in Dingen dieser Art vollkommen erfahren war, um denselben zum Vertrauten in der Angelegenheit zu machen. Auf den Roth dieses Mentors kaufte Warningham einen sehr schönen Smaragdring, den er augenblicklich der Miß — nebst einem zierlichen Billet zusendete, 'n welchem er sagte, das Beigefügte moge als eine geringe Dankbezeigung für den hohen Genuß gelten , den ihm ihr ausgezeichnetes Spiel verschafft, u. s. w. Hierauf, so versicherte ihn sein Freund, m ü sse eine Erwiederung, — in welchem Sinne auch immer — erfolgen, die wieder zu einer anderen — und noch einer anderen führen werde — und fo fort. Er hatte recht. Am nächstfolgenden Morgen erhielt Herr Warningham einen Brief durch die Stadtpost, der von Miß— zierlich geschrieben war, und worin sie ihm für das «geschmackvolle Geschenk,« welches er ihr zugesendet, dankte; sie würde mit großem Vergnügen die erste Gelegenheit ergreifen, ihm, dadurch daß sie den Ring öffentlich trüge, gefällig zu sein.

Ich glaube sicherlich, daß es nie eine Schauspielerinn gab, die Stärke genug gehabt hätte, ein Geschenk mit Iuwelen zurückzuweisen!

Was war nun zunächst zu thun? Er wußte es nicht so recht. Indeß da es ihm nun doch gelungen war, eine Art von Beziehung zu ihr anzuknüpfen, und er sie so leicht dahin gebracht hatte, eine Verbindlichkeit von ihm anzunehmen, so hielt er sich überzeugt, daß er gewonnenes Spiel habe. Er beschloß daher, noch denselben Nachmittag sich nach ihrer Wohnung zu begeben und sie zu sehen; doch sein medizinischer Freund untersagte ihm unbedingt, wegen der sieberischen Aufregung, in welcher er ihn fand, das Zimmer zu verlassen. Er durfte dieß auch

am nächsten Tage nicht, obgleich er sich bei Weitem besser befand. So wußte er sich denn nicht anders als dadurch zu trösten, daß er ein Billet an Miß — schrieb, in welchem er sagte, er habe ihr »etwas von Wichtigkeit« zu eröffnen, und bäte sie, ihn wissen zu lassen, wann sie ihm erlauben wollte, zu diesem Zwecke ihr aufzuwarten. Was meint der Leser wohl, worin die vorgewendete wichtige Eröffnung bestehen sollte? — In der Bitte, einem jungen PortraitMaler zu sitzen! Seine Kriegslist hatte Erfolg; denn am andern Tage empsing er eine höfliche Einladung zum Frühstück bei Miß— auf den nächsten Sonntag Morgen, mit einer Andeutung, daß er weiter keine Gesellschaft erwarten möge, und daß Miß — » neugierig« sei zu erfahren, worin die Angelegenheit bestehe, die ihn zu ihr führe. Armer Warningham! Wie sollte er die ewig lange Zeit bis zum Sonntage ertragen? Wie gern hatte er dieselbe übersprungen!

Der Sonntag Morgen war endlich da. Etwa um neun Uhr verließ er — das erste Mal seit mehreren Tagen — seinen Gasthof, und eilte zu Miß — Wohnung. Mit pochendem Herzen klopfte er an die Thüre, und wurde von einem Mädchen in ein zierlich ausgestattetes Zimmer geführt, in welchem er das Frühstück aufgetragen fand. Am Tische war ein ältliches Frauenzimmer, eine Verwandte der Schauspielerinn, damit beschäftigt, die Zeitungen zu lesen, und Miß— selbst saß am Piano und übte eine der köstlichen Arien, die schon von Tausenden mit athemlosen Entzücken angehört waren. Sie trug ein elegantes Hauskleid; und obgleich ihr bethörter Anbeter darauf vorbereitet gekommen war, daß sie, des blendenden Glanzes entbehrend, der sie auf der Bühne umgab, sich wenig zu ihrem Vortheil ausnehmen würde: so brachte die Blässe ihres Gesichts, in welchem der Ausdruck des Sinnigen und der Ermüdung lag, doch nur die Wirkung bei ihm hervor, die Banden der Bewunderung, welche ihn an sie fesselten, durch das Gefühl des Mitleids noch fester zu ziehen. Süße Freundlichkeit strahlte aus ihren schönen Augen ihm entgegen; und die Feinheit und das Einnehmende ihrer Manieren, und der sanfte und seelenvolle Klang ihrer Stimme erfüllten Herrn Warningham mit Empfindungen unbeschreiblicher Zärtlichkeit. In wenigen Augenblicken saßen sie beim Frühstück; und als nun Warningham seine schöne Wirthinn anschaute, und an seine beneidete Nähe bei einer Dame dachte, deren Schönheit und Talente der Gegenstand allgemeiner Bewunderung

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