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Stellung in einem Handelshause meine Zuflucht genommen hatte. Tausend und aber tausend Mal flucht' ich dem Ehrgeize, der mich nach London gezogen, und der elenden Eitelkeit, die mich verführt hatte, so unbedingt von meinen Talenten mein Glück zu erwarten. Hätt' ich mich nur wenigstens mit der niedrigeren Sphäre eines gewöhnlichen Praktikers *) begnügt, so hatte ich meine theuer erkauften 3000 Pfund mit der gegründeten Hoffnung anlegen können, im Stande zu sein, sie bald zurückzuzahlen, und ein anstandiges Auskommen zu sinden. Aber alle diese gescheidten Gedanken kamen, wie es zu gehen pflegt, eben zeitig genug, um den

» ^) Im Englischen: ßeneral prsotitioner. Die Ärzte in London zerfallen in zwei streng geschiedene Klasse». Die der ersten, welche sümmtlich auf vornehmem Fuße leben, eigene Equipage halten, und vom Volke gemeiniglich «große Doktoren, grost üaoturs,« genannt werden, ha» den es sich zum Grundsaße gemacht, für jeden ihrer ärztlichen Besuche nicht unter einer Guince anzunehmen, und sind daher fast ausschließlich auf die Behandlung der vornehmsten und reichsten Patienten beschränkt. Die Ärzte der zweiten Klasse dagegen, deren Praxis sich auf die mittleren und unteren Stände erstreckt, und welche daher genersl prsrtitioners, » Jedermanns - Ärzte , « genannt werde»,, Verbinden damit gewöhnlich zugleich das Geschäft eines Apothekers. — S. Küttner's Beiträge zur Kxnniniß bei Inner» Englands. —

Anm. d. ÜbcrsclZers.

Kummer über begangene Fehler und vereitelte Hoffnungen zu vermehren.

Etwa 300 Pfund waren nunmehr die traurigen Überbleibsel des von dem Iuden geborgten Geldes; und in einer Zeit von ungefähr vierzehn Tagen mußten die Zinsen von einem Halbjahr, nebst meiner Hausmiethe bezahlt werden. Außerdem war ich mehreren Handels- und Gewerbs-Leuten, die mit jedem Tage ungestümer mahnten, für Lebensmittel» Kleidung und Hausgeräth schuldig. Meine arme Emilie erwartete täglich ihre Niederkunft; und meine eigene Gesundheit wurde, durch den doppelten Druck des Kummers und gar zu kärglicher Lebensweise, merklich schwächer. Was war zu thun? Verzweiflung faßte mich und lähmte alle meine Kräfte. Ie» der Ausweg war vor mir verschlossen. Ich kannte das Glück gar nicht mehr, Nachts länger als eine oder zwei Stunden zu schlafen; und dabei war mein Schlaf so schwer, so unruhig, so häufig unterbrochen, daß ich jeden Morgen mehr todt als lebendig erwachte. Ich warf mich im Bett umher, wälzte aber- und abermals alle, nur denkbaren Einfälle und Entwürfe in meinem gequälten Gehirne herum, bis dieselben zuletzt bloß dadurch, daß ich die Vorstellung davon so oft bei mir wiederholte, das Ansehen der Ausführbarkeit bekamen, aber ach! keiner von ihnen hielt das Tagslicht aus, vor welchem sie alle, als ausschweifend und abgeschmackt, wie Schatten dahinschwanden Ich wollte versuchen, ein populaires medizinisches Tagsblatt vom Stapel zu lassen — Vorlesungen über die Lungenkrankheiten zu halten (ein Gegenstand, mit welchem ich sehr vertraut war), — ich wollte mich zum untergeordneten Compagnon eines gewöhnlichen Praktikers offentlich anbieten — ich wollte tausend Dinge ähnlicher Art unternehmen; aber wo waren die Mittel zur Ausführung? Ich besaß Alles in Allem 300 Pfund, und hatte an einen Blutsauger von altem Geizhals 4Z0 Pfund jährlich zu bezahlen; das war klärlich die Lage der Dinge, und ich gerieth in Verzweiflung, wenn ich nur von fern daran dachte. Indeß, elend wie ich war, und obschon ich fortwährend mich mit Ekel an meinem Dasein herumtrug: den Gedanken an Selbstmord unterhielt ich auch nicht einen Augenblick in mir. Wenn der Feind gelegentlich meinen trüben Sinn flüchtig durchkreuzte; so verscheuchte ein starkes, unverwüstliches Vertrauen zu der Güte und Macht meines Schöpfers jedes Mal den gefährlichen Versucher. Auch da noch, als ich mit reißender Schnelligkeit dem Abgrunde des Verderbens zu nahen schien, konnte ich es nicht lassen, noch eine schwache Hoffnung bei mir zu unterhalten, daß sich irgend ein unerwarteter glücklicher Ausweg zeigen werde; und der Gedanke daran flößte, für eine Zeit lang, Ruhe in mein bekümmertes Herz, und gab mir Kraft, der Gewalt der Widerwärtigkeiten, die jetzt über mich hereinstürmten, zu widerstehen.

Ich erinnere mich, wie ich eines Tags im St. Iames-Park auf einer Bank saß, überdrüssig, den ganzen Morgen zwecklos umher zu wandern. Ich fühlte mich matt und unwohl, und noch mehr als gewöhnlich niedergedrückt. Ich hatte an demselben Morgen eine meiner Rechnungen bezahlt, die sich auf zehn Pfund belief; und der Handwerksmann hatte meinem Hausmadchen gesagt, er müsse die Ehre meiner Kundschaft verbitten, da es ihm so viel Mühe gekostet habe, seine Bezahlung zu erhalten. Der Gedanke, daß mein Kredit in der Nachbarschaft sinke, war unerträglich. Verderben und Schande mußten nun um so schneller hereinbrechen; und, unfähig, meine Gläubiger zu befriedigen, würde ich, wie ich mir dachte, unausbleiblich für wenig besser als ein Betrüger ausgeschrieen, und wie eine giftige Schlange aus dem Schooße der Gesellschaft verjagt werden. So schreckbar diese Gedanken waren, hatte mein Empsindungsvermögen doch zu sehr seine Spannkraft verloren, als daß ich von ihnen viel Qual hätte leiden sollen. Ich schlug meine Arme über meiner Brust in dumpfer Fühllosigkeit zusammen, und wünschte nur, daß Gewißheit an die Stelle der Ungewißheit treten möchte, was dann auch immer mein Schicksal sein möchte.

Indem ich diesen Gedanken nachhing, kam ein glänzender Soldatenhaufe bei mir vorüber, dem sein Musikchor, eine lustige Weise spielend, voranschritt. Wie diese Klänge mißtönig widerhallten durch das zerstörte Saitenspiel meines Innern! Und manch freudeglänzendes, selig lächelndes Gesicht drängte sich, angezogen durch die Musik, mit der Menge vorüber, ohne das Leiden des verlorenen Mannes zu ahnen, der zuschauend dasaß. Ich konnte den Schmerzesthränen nicht wehren, die aus meinen Augen hervorströmten. Ich dachte an Emilie — an die zarte und anziehende, in meinen Augen aber höchst traurige Lage, in der sie sich befand. Ich konnte den Gedanken nicht ertragen, nach Hause zurückzukehren, ihren liebenden Blicken zu begegnen — ihr stilles und edles Ergeben in ihr

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