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trauriges Geschick anzusehen. Warum hatt' ich sie geheirathet, ohne vorher zu überlegen, ob ich ihr würde Lebensunterhalt verschaffen können? So leidenschaftlich sie mich auch liebte, wie ich wohl wußte, mußte sie doch öfters an die Tage unsrer ersten Liebeszeit zurückdenken, in welcher ich sie wiederholt der Gewißheit eines guten Erfolgs meines Auftretens als Arzt versichert hatte, sobald ich mich nur würde in London niederlassen können? Wo waren nun alle die schönen und bezaubernden Scenen, die meine kindische Schwarmerei mir vorgespie» gelt hatte? Mußte nicht das traurige Gegentheil von dem Allen, wie sie es jetzt erfuhr, und noch lange zu erfahren bestimmt schien, einen Theil ihrer Liebe mir entziehen, und ihr Groll und Verachtung gegen mich einflößen? Und konnte ich sie darum tadeln? Wenn der schöne Bau meines Glücks zusammensiel, hatte ich nicht selbst den Grund desselben untergraben und zerstört? Solche Betrachtungen beunruhigten und marterten mich, als ein altlicher wohlgekleideter Mann, augenscheinlich ein Leidender, der Bank zuwankte, auf welcher ich saß, und sich an meiner Seite niederließ. Er schien ein Mann von Vermögen und Range zu sein; denn ein Bedienter, auf dessen Arm gestützt er daher gekommen war, stellte sich hinter die Bank, auf welcher wir saßen Er wurde durch einen asthmatischen Husten fast aufgerieben und litt noch außerdem an einem cndern bösen Übel, dessen nähere Bezeichnung nicht gerade nöthig ist. Er blickte mich ein oder zwei Mal mit einer Miene an, die zu sagen schien, daß er es nicht übel aufnehmen würde, wenn ich ihn anredete. Ich that es. »Ich sehe mit Bedauern, sagte ich, daß Sie sehr leiden durch ihren Husten, Sir?« — »Allerdings,« leichte er matt; »und ich weiß nicht, wie ich denselben los werden soll. Ich bin ein alter Mann, wie Sie sehen, Sir; und mich dünkt, die Mahnungen zum Grabe, die an mich ergehen, könnten weniger laut und schmerzhaft sein.« Nach einigem Stillschweigen erlaubte ich. mir, ihn zu fragen, wie lange er schon mit dem Husten, der ihn jetzt quälte, behaftet sei? Er erwiederte: » Ungefahr seit den letzten zehn Iahren;« allein seit Kurzem sei es damit so schlimm geworden, daß er von ärztlichem Beistande keinen Nutzen mehr erwarten könne. »Ich sollte denken, Sir, daß Ihnen bei den heftigsten Zufällen Ihres Übels Linderung zu schaffen wäre,« sagte ich, und befragte ihn darauf weiter aufs Genaueste über den Ursprung und Fortgang der Krankheit, welche ihm jetzt so große Pein verur» sackte. Er beantwortete alle meine Fragen mit Höflichkeit, und als ich ihm nun meine Ansichten naher entwickelte, schien es mir, als wenn ich bei ihm so etwas wie Neugier oder Antheil erweckt hätte. Ich brauche nicht mehr zu sagen, als daß ich die Entdeckung, er sei nicht in den Handen eines geschickten Arztes gewesen, gemacht, und daß ich ihm die Versicherung gegeben hatte, sehr wenige und einfache Mittel würden ihn, zum wenigsten bei den heftigsten Zufallen, bedeutende Erleichterung verschaffen. Er hatte natürlicher Weise erkannt, daß ich Arzt war, und reichte mir nach einem Augenblick offenbarer Unschlüssigkeit, augenscheinlich, weil er zweifelte, ob ich mich nicht beleidigt fühlen möchte, eine Guinee. Ich lehnte das Geschenk bestimmt und entschieden ab, und versicherte ihn, daß der sehr geringe Dienst, den ich ihm geleistet, sehr gern gethan sei. In demselben Augenblicke trat ein junger Mann von vornehmen Ansehen zu uns, und sagte ihm, ihr Wagen halte an der Ecke von Stableyard. Dieser andere Herr, der entweder der Sohn oder der Neffe des älteren zu sein schien, betrachtete mich, wie es mir vorkam, mit einem gewissen hochmüthigen Wesen, das er auch nicht milderte, als der Leidende ihm erzählte, daß ich ihm vortrefflichen Rath gegeben habe, und daß er mich nicht bewegen könne, das übliche Geschenk dafür anzunehmen. »Wir sind Ihnen höchlich verbunden, Sir,» sagte der junge Mann in stolzem Ton; »fahren jedoch eben nach Hause, wo der Hausarzt uns erwartet.« Er führte darauf den Leidenden langsam fort, indem er den Arm desselben in den seinigen legte. Der altere Herr war mehrere Male von dem Bedienten Sir Wilton oder William, glaube ich, oder mit einem ähnlichen Namen angeredet, den mein Ohr indessen nicht deutlich aufzufassen vermochte, so daß es offenbar ein Mann von Range war, mit dem ich verkehrt hatte. Wie Mancher, dachte ich, würde sich durch ein gefälligeres und einschmeichelnderes Benehmen als das meinige ist, den Weg zu dem Vertrauen dieses großen Herrn gebahnt haben, vielleicht sein arztlicher Begleiter geworden sein! Welche Thorheit hatte ich begangen, als ich, indem er mir Bezahlung anbot, ihm meine Adresse nicht überreichte, was nach aller Wahrscheinlichkeit die Folge gehabt haben würde, daß man am nächsten Morgen zu einem ordentlichen ärztlichen Besuche mich rusen ließ; und dieses wiederum konnte so leicht weiter zu einer herrlichen Kundschaft führen. Tausend Mal verwünschte ich meine abgeschmackte'Zurückhaltung — mein gar zu empfindsames ärztliches Zartgefühl — und mein Ungeschick, mir die Vortheile zu Nutzen zu machen, die ein glückliches Zusammentreffen mir in den Weg geworfen hatte. Du bist tauglicher, dachte ich, für 3« Trappe, als für die gerauschige Welt und ihre Geschäfte. Ich verdiente mein Mißgeschick; und daß es mir mit dem Praktiziren mißlang, war die natürliche Folge der falschen Scham, wodurch sich so Mancher geschadet hat. Da es indeß spat geworden war, verließ ich meinen Sitz, und lenkte meine Schritte meiner freudelosen Wohnung zu.

Wie gewöhnlich fand ich Emilie emsig mit dem Malen kleiner Lichtschirme und anderer Galanteriesachen beschaftigt, die ich auf eine Art von PrivatBazar in der Oxford-Straße zu tragen pflegte, wo ich nicht bekannt war, und mit Herzleid die zarten und hübschen Arbeiten meines armen Weibes um eine Kleinigkeit versilberte, die kaum werth war, mit nach Hause genommen zu werden. Könnte wol irgend ein Ehemann, der auch nur auf einiges Gefühl Anspruch macht, den Anblick seiner jungen, hochschwangern Gattin ertragen, wie sie, bei bedenklichem Gesundheitszustande, Luft, Bewegung, heitere Gesellschaft bedürfend, auf die beschriebene Weise

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