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vom frühen Morgen bis in die späte Nacht arbeitet, und das um den unangemessensten, jämmerlichsten Lohn? Sie fügte sich jedoch in unser Mißgeschick mit unendlich mehr Festigkeit und Gleichmuth, als ich hätte fordern können; und ihre immerwährende Heiterkeit, nebst der leidenschaftlichen Gluth ihrer Zärtlichkeit für mich, warf einige Strahlen eines zitternden und hinschwindenden Lichtes auf die düstern Aussichten unserer Zukunft. Indeß drängte sich immerfort die schreckenvolle Frage auf: — was, um Gottes Willen, soll aus uns werden? Ich kann nicht sagen, daß wir zu dieser Zeit im buchstäblichen Sinne Noth litten; wenn auch unsr e kärgliche Kost kaum den Namen der Speise verdiente, solcher Speise besonders, deren meine Frau in ihrer mißlichen Lage bedurft hätte. Unsre Hoffnungslosigkeit hielt uns fortwährend darnieder. Mochten wir, mit unendlicher Anstrengung, bis zu einem bestimmten Zeitpunkte, d. h. bis der alte L— das nächste Mal seine halbjährigen Zinsen einforderte, uns hinhalten; — dann war unser gänzliches Verderben gewiß, wenn nicht ein Wunder zu unsrer Rettung geschah. Hätte ich allein in der Welt dagestanden, so würde ich dem Schlimmsten getrotzt, tausend Dinge zur Hand genommen, mich in alle Umstände geschickt, und die äußersten Entbehrungen mit Kraft ertragen haben. Aber mein Theuerstes — meine sanfte, lächelnde, edelsinnige Emilie! — um ihretwillen blutete mein Herz.

Um nichts in der Welt unversucht zu lassen, meldete ich mich, da ich eine »an Mediziner« ge? richtete Bekanntmachung gelesen hatte, zur Stelle eines Gehülfen bei einem gewöhnlichen Praktiker, obgleich ich nur geringe Fertigkeit im praktischen Theile der Arzneibereitung besaß. Ich wendete mich persönlich an den Urheber jener Bekanntmachung, einen wohlbeleibten, gemein aussehenden Gesellen mit rothem Gesicht, der, Gott weiß durch welche Mittel, zu einer sehr ausgebreiteten Praxis gelangt war. Die Anerbietungen, die er machte, und im beleidigendsten und hochfahrendsten Tone herzahlte, bestanden in 8« Pfund Iahrgehalt, wobei ich außer Hause mich beköstigen und wohnen, und alle meine Zeit den Tag über meinem Principale widmen sollte! So thöricht der Gedanke sein mochte, auf Bedingungen solcher Art einzugehen, meinte ich doch, daß ich sie nicht geradezu von der Hand weilen dürfte. Ich forderte und drang auf 10« Pfund jahrlich, und sagte ihm, daß ich verheirathet »Zre —

»Verheirathet!» rief er aus, mit lautem Lachen: » Nein, nein, mein Herr, Sie sind nicht der Mann, den ich für mein Geld brauche; ich wünsche Ihnen einen guten Morgen.«

So waren denn alle meine Bemühungen fehlgeschlagen, als Arzt zu einem bestimmten Einkommen zu gelangen. Ich brachte es zu ungefähr 4« Pfund im Iahr. Durch gelegentliche Beitrage für Zeitschriften verdiente ich, ein Iahr ins andere gerechnet, etwa 25 Pfund. Meine Frau erwarb sich ziemlich dieselbe Summe mit ihrem Pinsel. Das war Alles was ich hatte, und davon sollten die ungeheuren Zinsen, die der alte L— alle Halbjahr einforderte, sollte meine Miethe bezahlt, mußten alle die mannigfachen Ausgaben des Haushalts u. f. w. bestritten werden. Hatte ich nicht hinreichende Ursache, zu verzweifeln? Und ich gerieth in Verzweiflung; der gütige Gott allein bewahrte mich vor dem entsetzlichen Schicksale, das plötzlich dem ErdenIammer von Tausenden, die in ähnlichen Lagen waren, ein Ende gemacht hat.

Oft dachte ich, mit aller der marternden Leicht

^> Dieser Wackere, (ein Herr C. mit Namen) wohnte zu ,c»er Zeit in der Gegend der St, Ecorg's-Strarc im östlichen Stadttycile,

glaubigkeit eines Menschen, der durch sein fortwahrendes Unglück fast stumpfsinnig geworden ist: — ist es denn möglich, daß ein Mann von Bildung, ein Gelehrter, der lange gearbeitet, sich für eine höhere Berufsart tüchtig zu machen, mitten in dieser Hauptstadt voll Glanz, Reichthum und Verschwendung nicht im Stande ist, auch nur das Nothwendige zum Auskommen zusammenzuscharren? und das noch obenein, wahrend Unwissenheit und Niederträchtigkeit im Golde wühlen, — Marktschreierei und Quacksalberei aufgeblasen vom Glück einherstolziren! Wie oft bin ich, solcher Gedanken voll, an kalten und schaurigen Winterabenden verstohlen durch die Straßen Londons geschlichen, fast ohnmachtig von langem Fasten, und doch die Heimkehr nach Hause und — die Kosten eines ordentlichen Familienmahls scheuend. Denn die Lage, in welcher sich meine Frau befand, machte die strengste Sparsamkeit nothwendig, wenn wir im Stande sein sollten, auch nur auf die armlichste Weise, die Ausgaben zu bestreiten, zu welchen ihre baldige Niederkunft zwang! Wie oft — ach! viel hundert Mal — erweckte die grobe und schmutzige Kost in den Speisehausern der gemeinen Leute meinen Neid; wie oft begnügte ich mich, ein zwölfstündiges Fasten

Mein, eines Arztes, l, ,Z

mit einem Stück Brot oder Zwieback zu einem Trunk Wassers oder trüben Halbbiers, unter dem kläglichen Vorwande zu unterbrechen, ich sei in zu großer Eile, um zu Tisch nach Hause gehen zu können! Mit Neid habe ich oft — einmal entsinne ich mich, besonders — den Hunden zugesehen, wie sie ihre gewaltige Tags-Portion gekochten Pferdefleisches verzehrten; beneidet habe ich sie um ihre zufriedenen Blicke, aus denen die Lust der Sättigung hervorleuchtete! Wie beklommenen Herzens sah ich es an, wenn vor der Thür eines durch den Glanz von hundert Kerzen erleuchteten Hauses Gesellschaft ausstieg, in deren Mitte sich Modedamen befanden, deren abgelegte Kleider hingereicht haben würden, mir zu einem ganz anstandigen Auskommen zu verhelfen! O! ihr reichen Manner und Frauen, die ihr in Üpvigkeit und Verschwendung lebt, wie viel tausend nothleidende und wackere Familien würden froh sein, die Brosamen zu essen, die von eurem Tische fallen, und sie erhalten sie nicht!

Manch' liebes Mal wol habe ich am Fenster meines Wohnzimmers gestanden, und die Dienerschaft meines reichen Nachbars gegenüber um ihre Gesindekost beneidet: indem ich, glaubt es mir! mich schämte, nnsrer eigenen Magd ins Gesicht zu sehen,

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