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vermuthen angefangen — halb verwirrten Kopf ge? se«t haben möchte. Niemals hatten sich bei ihm Symptome von dem, was man insgemein unter dem Worte Hypochondrie versteht, gezeigt; oft aber war in mir der Gedanke aufgestiegen, daß kein Mensch auf der Welt in größerer Gefahr fei als er, in dieselbe zu verfallen. Endlich stand ich klopfend vor meines Freundes Thür, und erwartete nichts mehr und nichts minder, als eine Probe belustigender Excentricitat — denn es war mir gar nicht in den Sinn gekommen, daß er wirklich krank sein könnte. Nambo öffnete augenblicklich, und führte mich eiligst in des Herrn Kammer. Diese war etwas verdunkelt, doch war sie hell genug, mich deutlich erkennen zu lassen, daß nichts Ungewöhnliches im Aussehen desselben sei. An der Unordnung des Bettes sah man, daß er sehr unruhig gelegen hatte. Jetzt lag er auf dem Rücken, hatte seinen Kopf seitwärts gewendet, tief in das Kissen vergraben, und feine Arme über der Bettdecke zusammengeschlagen. Sein Gesicht trug Spuren von Erschöpfung und Niedergeschlagenheit, und fobald er mich eintreten sah, heftete er seine Augen mit einem Ausdruck von Unruhe auf mich.

»Ach, lieber Doktor! — Ist dieß nicht fürchterlich? — Ist es nicht eine schreckliche Geschichte?«

»Fürchterlich! — schreckliche Geschichte!" wiederholte ich sehr überrascht. »Was ist fürchterlich? Sind Sie krank — haben Sie einen Zufall gehabt?»

»Ia, ja — so mögen Sie wohl fragen!« erwiederte er, und fügte nach einer Pause hinzu, »es trug sich diesen Morgen zu, ungefähr vor zwei Stunden. «

«Sie sprechen in Räihftln, Herr N-! Was in aller Welt haben Sie denn?«

»Vor etwa zwei Stunden ja," murmelte er, als wenn er nicht gehört hatte, was ich sagte. »Doktor, sagen Sie mir jetzt aufrichtig, um der Seltsamkeit der Sache willen, was dachten Sie von mir, als Sie in die Kammer eintraten? — Waren Sie zum Lachen oder zum Erschrecken geneigt? «

«Herr N—, ich habe wirklich keine Zeit, zu spaßen, und bin heute ganz besonders beschäftigt. Ich bitte, erklären Sie sich ein wenig deutlicher. Warum haben Sie mich rufen lassen? Was fehlt Ihnen? «

,, Gütiger Gott! Doktor, « erwiederte er mit einer Miene ärgerlichen Erstaunens, wie ich sie nie zuvor gesehen, »ich glaube i» der That, Sie spaßen! Haben Sie Ihr Gesicht heute Morgen verloren? Können Sie im Emst sagen, Sie sahen nicht, daß ich eine der außerordentlichsten Veränderungen im Aussehen erfahren habe, welche die menschliche Gestalt nur erleiden kann — eine ganz unerhörte Veränderung? «

. Noch einmal, Herr N—, « wiederholte ich erstaunt, »haben Sie die Güte, sich deutlicher zu erklären. Was phantasiren Sie da?»

»Phantasmen! — Wahrhaftig ich glaube, daß Sie phantasiren, Doktor!« erwiederte er; »oder daß Sie mich beleidigen wollen! Erdreisten Sie sich, mir zu sagen, Sie sähen nicht, daß mein Kopf verdreht ist?» Er sah mir fest und ernsthaft ins Gesicht.

»Ha, ha, ha! Auf meine Ehre, N—, ich habe das seit einem Viertelstündchen wirklich erwartet! Ich glaube nicht, baß jemals ein Patient seine Krankheit so genau beschrieben hat!"

»Treiben Sie nicht Ihren Scherz mit mir, Doktor, « fuhr N— ernsthaft fort. »Bei meiner Seele, ich kann es nicht ertragen! Es ist genug für mich, meine entsetzlichen Empfindungen auszurMen'," »Herr N -, was halten Sie —" »Sie werden mich noch toll machen, Doktor! Sehen Sie nicht, daß mein Hinterkopf vorn, und mein Gesicht hinten ist? Entsetzlich! « ^ Ich schlug ein lautes Gelachter auf.

«Doktor — es ist Zeit, daß wir uns trennen — hohe Zeit,« sagte er, sein Gesicht von mir abwendend. »Sie mögen wissen, daß ich Ihren Unsinn nicht länger ertragen will! Ich ließ Sie rufen, damit Sie mir Ihren Rath geben, und nicht, daß Sie wie ein Pavian vor meinem Bette greinen sollten! Ein für alle Mal, Doktor —, wollen Sie ernsthaft und vernünftig sein, oder nicht? Wo nicht, so wird mein Bedienter Ihnen die Thür öffnen, sobald es Ihnen gefallig ist." — Er sagte dieses in einem so entschiedenen Tone des Unwillens, daß ich sah, er war wirklich Willens, seine Drohung zur Ausführung zu bringen. Ich beschloß daher, in seine Einbildung einigermaßen einzugehen, da ich eine augenblickliche Störung seiner Geistesgesundheit — nicht eigentlichen Wahnsinn — bei ihm zu vermuthen ansing. »Ich merkte, « — daß ich mich eines mehrmals von ihm gehörten Ausdrucks bediene — »was die Glocke geschlagen hatte, und stellte meine Uhr danach. «

»O — ja doch! — Ich sehe jetzt, wie es steht! — Die Sache ist die, ich bemerkte wirklich die außerordentliche Lage der Dinge, worüber Sie klagen, sobald ich eintrat; allein ich setzte voraus, daß Sie Ihren Scherz mit mir treiben wollten, und Ihren Kopf so seltsam verdrehten, um mich zu foppen. Ich beschloß deshalb, an mich zu halten, und zu sehen, wer von uns Beiden seine Rolle in dem Possenspiele am längsten behaupten würde! — Guter Gott! wie ist es denn eigentlich mit der Sache, Herr N—? Ist es wirklich so? Ist — Ihr Kopf — im Ernst umgedreht worden?»

»Im Ernst, Doktor! > erwiederteN—erstaunt. »Wie, meinen Sie etwa, daß ich es selbst mir zum Vergnügen ausgeführt hatte? Abgeschmackt!«

»O .— nein, nein ganz gewiß nicht — es ist eine Vision — hm! hm! — eine Vision — die häufig das Alpdrücken begleitet,» antwortete ich mit so guter Manier als möglich.

»Pfui, pfui, Doktor! — Unsinn! — Sie müssen mich wirklich für ein Kind halten, daß Sie mich mit solchen Possen irre zu leiten suchen! Ich wiederhole Ihnen, daß ich so gut wie je im Besitz meiner gesunden Sinne bin; und ich versichere Sie noch einmal, daß mein Kopf in Wahr

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