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ich auch versuchte, nichts gelang; und die gelegentlichen flüchtigen Gunstblicke, die das Glück mir zuwarf, schienen mich nur martern, und mir mein Elend durch den Contrast noch fühlbarer machen zu sollen. Mein Geldvorrath war von 3000 zu 25 Pfund zusammengeschmolzen; meine anderweiten Schulden beliefen sich fast auf 10« Pfund, und in sechs Monaten waren abermals 225 Pfund dem alten L— zu entrichten! Nun war meine Frau niedergekommen, und das veranlaßt« neue Ausgaben; zumal, da Mutter und Kind in sehr schwachem Gesundheitszustande waren. Und fast brach mir das Herz, als Emilie von dem geheimen Wunsche bewogen, sich der Lage eines gänzlich heruntergekommenen Mannes anzubequemen, den Vorschlag machte, daß wir uns« Magd entlassen sollten, deren sammtliche hausliche Geschäfte selbst zu verrichten die Gute über sich nahm! Nein, nein— dieß warzu viel; die bittersten Thranen entströmten meinen Augen, als ich ihre zarte Gestalt in meine Arme schloß, und sie versicherte, daß die Vorsehung nimmermehr so viel Tugend und Edelmuth in eine so erniedrigende Dienstbarkeit gerathen lassen würde. Ich sprach so; aber mein Inneres war v?n der düstern Ahnung erfüllt, daß ihr ein noch viel traurigeres Schicksal bevorstehe.

Oft saß ich in meinem einsamen Winterstübchen, und überdachte mein Elend, bis ich fast wahnsinnig wurde durch die Heftigkeit der Gemüthsbe»egungen, die mir dieß verursachte. Wo sollte ich Hülfe suchen oder finden? Welches Rettungsmittel war noch übrig? O mein Gott! du weißt es allem, was mein armes Herz in solchen Stunden, nicht meinetwegen, sondern um der Lieben willen, litt, deren Verderben in das meinige verflochten war! Die Entscheidung stand nahe bevor. Was sollte ich thun? Zu Weihnacht erschien unfehlbar der alte L. und forderte seine Zinsen, und gleicherweise bestanden meine andern Gläubiger auf Bezahlung. Ein dichter Nebel trat vor mein inneres Auge, so oft ich versuchte, festen Blicks vor mich in meine Zukunft zu schauen. Zu verschiedenen Malen hatte ich an meinen gütigen herablaffenden Freund, Lord— geschrieben, der noch immer außer tandes war; allein, da ich nicht wußte, an welchem Orle er sich aufhielt, und die Dienerschaft seiner Familie behauptete, es auch nicht zu wissen, so gab ich meine Briefe in seinem Hause in der Stadt ab, um sie mit den Sendungen ihm zugehen zu lassen, die vierteljährig an ihn abgeschickt wurden. Ich vermuthe, man har meine Briefe geöffnet, und als eine Art von Qual- oder Bettelbriefen verbrannt: denn auf keinen erhielt ich Antwort.

Ich hatte oft von meinem Vater gehört, daß wir einen weitläuftigen Vetter in London hätten, einen sehr reichen Baronet, der eine entfernte Verwandte aus unserer Familie, bloß wegen ihrer Schönheit, geheirathet habe; daß derselbe aber einer der stolzesten und anmaßendsten Menschen unter der Sonne sei, auf die hochmütigste Weise die Verwandtschaft verleugnet, und meinen Vater einst aufs schimpflichste behandelt habe. Seit der Zeit, daß ich unter dem Drucke gehaufter Unglücksfälle litt, hatte sich mir der Gedanke, mich an diesen zu wenden, und meine Lage ihm vorzustellen, tausend Mal aufgedrängt. Wie ein Ieder so gern glaubt, was er wünscht, so meinte auch ich, er werde von uüserer äußersten Noth unterrichtet, sich in etwas erweichen lassen: doch der Muth entsank mir jedes Mal, wenn ich die Feder zum Schreiben zur Hand nahm. Ich wußte keine, unsre jammervolle Lage beweglich genug schildernde Ausdrücke zu finden, noch die am besten darauf berechnete Schreibart zu treffen, daß seine Aufmerksamkeit rege ge

macht und gefksselt würde. Dennoch hatte ich endlich ein an seine Ehehälfte gerichtetes Schreiben zu Stande gebracht, die, wie ich leider sagen muß, ganz und gar ihres Gatten hochmüthigen Sinn besaß; und erhielt Antwort aus einem Badeorte, an welchem Ihre Gnaden im Kreise der großen Welt die Sommermonate verlebten. Hier ist sie: —

Lady— empsiehlt sich Dr.—, und freut sich, nach Empfang seines Schreibens und sorgfältiger Erwägung des Inhalts, im Stande zu sein, Dr. — bitten zu können, das Einliegende anzunehmen, dessen Zusendung ihr indeß nicht ganz leicht wird, da Sir —'s Vermögensumstände sich in einer zeitweiligen Verwickelung besinden. Es thut ihr vrvhülv sryr ieiö, Dr. — virien zu iNÜssl^, von ferneren Ansuchen dieser Art abstehen zu wollen. Was Dr. —'s Anerbieten betrifft, seine ärztlichen Dienste Lady—'s Familie zu widmen, wenn dieselbe zur Stadt ist, so muß Lady— bitten, sie zu entschuldigen, da der jetzige Arzt die Familie schon Jahre lang bedient hat, und weder Lady— noch Sir— einen Grund zum Wechsel entdecken können.

»W- , an Dr. H—.«

Der Einschluß bestand in zehn Pfunden, die ich, empört über das kalte und gefühllose Schreiben, von welchem sie begleitet waren, auf dem Punkt stand, in einem bloßen Couvert zurückzuschicken; doch ich gedachte meiner Gattinn, — und behielt sie. Doch zurück! Wenn ich die Aufnahme erwog, die mein Ansuchen bei Lady— gefunden, so erstarrte mein Herz schon bei dem Gedanken, ein ahnliches an Sir— zu richten. Doch wohin brachte die Noth nicht! Ich entschloß mich endlich, Sir— aufzuwarten; darauf zu bestehen, vor ihn gelassen zu werden. Ich ging aus mit diesem Vornehmen, ohne meiner Frau meine Absicht mitzutheilen, die, wie ich oben gesagt habe, bettlägrig und nicht in den besten Gesundheitsumstanoen war. Es war ein schöner sonniger Morgen, oder vielmehr Mittag; die Menschen, denen ich begegnete, schienen alle glücklich und zufrieden, doppelt froh durch das aufheiternde Wetter und lohnende Thatigkeit. Mein Herz aber schlug angstlich-matt, unter dem Druck vorausgefühlter Fehlschlagung. Ich schritt durch die Straßen in der Stimmung eines zu einem verzweifelten Unternehmen Ausersehenen, störrisch entschlossen, den Versuch zu machen, ob auch diese Thür für mich verschlossen sei. Meine Kniee zitterten unter mir, als ich auf dem — Platze anlangte, und glanzende Wagen vor fast

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