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trug, vereint mit den Ausdrücken glühenden Danks für bie zeitweilige Linderung ihrer Schmerzen, die ihre besorgten Aerzte ihr verschaffen konnten, flößte mir eine um so lebhaftere Theilnahme an ihrem Schicksale ein. Ich kann mit Wahrheit sagen, daß ich nie, so lange ich sie behandelte, ein Wort der Klage ihrem Munde entschlüpfen hörte, niemals auch nur das mindeste Zeichen von Ungeduld oder Reizbarkeit bei ihr gewahrte. Eines Morgens fand ich sie im Besuchzimmer auf dem Sofa liegend; und obschon ihr bleiches Antlitz, und ein leises Zu» sammenziehen der Augenbrauen, augenscheinlich bewiesen, daß sie a» heftigen Schmerzen litt; so gab sie doch auf meine Frage, was für eine Nacht sie gehabt? ruhig, nur mit zitternder Stimme, zur Antwort: — »Ach! Doktor, ich habe eine schreck» liche Nacht gehabt; aber ich bin froh, daß Kapitän St— nicht bei mir war; denn es würde ihn sehr unglücklich gemacht haben! ° In demselben Augenblicke sprang ein hübscher, kleiner blondhaariger Knabe mit blauen, lachenden, in unschuldiger Frohlichkeit glänzenden Augen, ihr erstes und einziges Kind, in das Zimmer. Ich nahm ihn auf die Kniee, und ließ ihn mit meiner Uhr spielen, damit er seine Mutter nicht beunruhige. Nachdem die

arme Leidende eine kleine Weile ihre Augen voll inniger Zärtlichkeit auf ihn gehestet hatte, bedeckte sie dieselben plötzlich mit ihrer Hand, (ach! wie abgezehrt war diese Hand, wie schneeweiß! wie fast durchsichtig!) und ich sah die Thronen durch ihre Finger tröpfeln; aber sie sprach kein Wort. Das war die Mutter! Die zunehmende Bösartigkeit ihrer Krankheit machte eine Operation zuletzt unvermeidlich. Der ausgezeichnete Wundarzt, der sie mit mir regelmäßig besuchte, theilte ihr dieß auf eine schonende Weise mit, und befragte sie, ob sie sich Standhaftigkeit genug zutraue, um sich einer solchen zu unterwerfen. Sie versicherte ihn, mit einem freundlichen Lächeln der Ergebung, daß sie so etwas längst vermuthet, und den Entschluß dazu gefaßt habe, jedoch unter zwei Bedingungen: — nämlich, daß ihr Gemahl (der damals zur See war) nicht in Kenntniß davon gesetzt würde, bis Alles vorüber wäre, und daß man sie während der Oper«M.i auf keine Weise binde oder ihr die Augen verhülle. Ihr ruhiges und entschlossenes Wesen überzeugte mich, daß Gegenvorstellungen vergeblich sein würden. Sir — sah mich mit zweifelnden Blicken an. Sie bemerkte es, und sagte: »Ich weiß, was Sie denken, Sir —; doch ich hh^^'A' nen zu beweisen, daß eine Frau mehr Muth besitzt, als Sie geneigt scheinen, ihr zuzutrauen.» Es kurz zu sagen: nachdem der Wundarzt in die zweite Be< dingung gewilligt hatte, bei welcher er besonders Anstand genommen, wurde, natürlicherweise unter der nöthigen Rücksicht auf Madame St—'s Gesundheitszustand, der Tag der Operation festgesetzt. Als der Mittwoch herangekommen war, stieg ich, nicht ohne Unruhe, in Sir —'s Wagen, mit ihm selbst und seinem ersten Gehülfen. — Ich konnte mich kaum eines ängstlichen Zitterns erwehren, — wie unziemlich dergleichen bei einem Arzte erscheinen mag — .US ich den Bedienten das Behältnis) mit den Instrumenten auf den Sitz stellen sah. » Sind Sie auch gewiß, daß Sie nichts vergessen haben? fragte Sir — seinen Gehülsen mit ruhiger, mich fast verletzender Geschasismiene. Nachdem er bejahende Antwort erhalten, und den Instrumenrenkasten, seiner Sache um so mehr versichert zu sein *),

*1 Ich habe es erlebt, daß lediglich die Unterlassung der löblichen Vorsicht, welche hier von Sir — beobachtet wurde, einem Patienten das Leben kostcte. I» Mitte der Operation sollte ein durchaus uncnlbchrlichcs Jnstru» mcnt zur Hand genommen werden, und fand sich — zum großen Schrecken des Operateurs und der Anwesende» — nicht vor.

noch einmal selbst durchgemustert hatte, fuhren wir ab. Wir langten in Madame St—'s Hause, die einige Meilen weit von der Stadt wohnte, etwa um zwei Uhr Nachmittags an, und wurden sogleich in ein hinteres Zimmer geführt, in welchem die Operation vor sich gehen sollte, dessen Fenster nach einem schönen Garten hinausgingey. Ich werde hoffentlich Verzeihung sinden, wenn ich gestehe, daß es mich etwas außer Fassung setzte, wie mir das blasse und verwirrte Aussehen des Bedienten, der uns hineingeführt hatte, bei seinem Wiederhinausgehen, in die Augen siel; denn es kam hier meine innige Theilnahme an dem Schicksale der liebenswürdigen Dulderin, zu einem gewissen Abscheu gegen alle Operationen hinzu, den ich von jeher hatte, und trotz einer langjährigen Praxis nicht habe überwinden können. Nachdem die nöthigen Vorbereitungen , bestehend in jenem schaudererregenden Auskramen und Ordnen von Instrumenten, Tüchern, Schwammen, warmem Wasser u. s. w. getroffen waren, wurde Madame St— benachrichtigt, daß Alles bereit sei.

Sir — machte eben eine scherzhafte, ziemlich unzeitige Anspielung auf meine unruhige Miene, als sich die Thür öffnete, und Madame St—, begleitet von zwei Dienerinnen, eintrat. Ihr Gang war sicher, ihr Ansehen drückte Fassung aus, und ihr Antlitz wurde von einen?, freilich trübe« Lächeln verklärt — ähnlich dem kalten Dämmerungslicht eines Ocrober.-Tags. Sie war damals sechs oder sieben und zwanzig Jahr alt, und, ohnerachtet all der ungünstigen Umstände ihres damaligen Auslandes, ein schönes Weib. Ihr lichtbraunes Haar hing nachlässig über eine Stirn und einen Nacken so weiß wie Marmor. Ihre tiefblauen Augen, aus denen gewöhnlich ein Ausdruck lieblicher Sinnigkeit hervorschimmerte

«durch des gesenkten Augenliedes sanftes Schmachten,« leuchteten jetzt mit dem zitternden Glanz einer Unruhe und Erregtheit, welche auch die edelste Selbstbeherrschung nicht gänzlich zu verbergen oder zu unterdrücken vermochte. Ihre Züge waren regelmäßig — Nase und Mund ausgezeichnet schön gebildet — ihre Gesichtsfarbe war klar, fast bis zur Durchsichtigkeit. Doch ein berühmter medizinischer Schriftsteller hat auch bemerkt, daß gemeinhin gerade die schönsten Frauen dieser schrecklichen Krankheit unterworfen sind. Ein großer ostindischer Shawl hing über ihren Schultern. Sie trug ein

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