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Ausgabe erheblich entlastet, und der Raum für neue Anmerkungen, wie sie das erweiterte Interesse erheischte, frei. Als ich die erste Ausgabe veranstaltete, war meine Neigung noch vorzugsweise den Fragen der Kritik, dem Verhältnis der Handschriften und grammatischen und metrischen Detailuntersuchungen zugewandt, welche einigen Ertrag für die Textkritik versprachen. Auf diese Punkte beschränkte sich die Einleitung; anderes lehnte ich mit dem Bemerken ab, dass sich das übrige dem Leser leicht von selbst ergeben werde. Jetzt bin ich mehr darauf ausgegangen, den Zusammenhang der Gedichte zu beleuchten und ihre künstlerische Darstellung zu würdigen. Dahin zielt ein grosser Teil der Anmerkungen und in der Einleitung das Kapitel über den Stil. In diesem letzteren habe ich mich nicht an die Systematik irgend einer Rhetorik angelehnt, sondern habe die Punkte hervorgekehrt, auf denen mir die Wirkung der Waltherschen Poesie hauptsächlich zu beruhen schien. In dieser Betrachtung der Kunstform fand ich auch das Mittel, eine neue chronologische Gruppierung der Lieder Walthers zu versuchen. Dass ich aber diese Gruppierung nicht der Ausgabe zu Grunde gelegt habe, werden mir alle, die das Buch benutzen wollen, Dank wissen. Indem ich so das Verhältnis der neuen Ausgabe zur älteren auseinander setzte, habe ich Zeugnis ablegen müssen für bedeutende Wandlungen, die ich in einem Jahrzehent durchgemacht habe. Teils die günstige Änderung in meiner amtlichen Stellung, teils die Fortschritte der Wissenschaft haben sie hervorgerufen. Doch kann es den Leser wenig interessieren, welchen Zusammenhang ich zwischen meiner eignen und der Entwickelung der Wissenschaft wahrzunehmen glaube. Ich will daher nur die beiden Arbeiten hervorheben, durch die ich seit dem Erscheinen der ersten Ausgabe besonders und unmittelbar gefördert zu sein mir bewusst bin. Scherers Deutsche Studien wirkten positiv und negativ. Das vielseitige Interesse, das er den wenigen Liedern einiger älterer Minnesänger abzugewinnen wusste, zeigte mir die Einseitigkeit meiner Arbeit; die sorgfältige Beobachtung stilistischer Eigentümlichkeiten, die jetzt nach Heinzels und Scherers Vorgang allgemein üblich geworden ist, war hier zum ersten Mal für den Minnesang verwertet; der Versuch, in unserer Überlieferung alte durch den Inhalt zusammenhängende Liederbücher nachzuweisen, regte mich an, mehr als zuvor auf die Verbindung verschiedener Töne zu achten; hingegen die realistische Auffassung des Minnesangs, die namentlich hinsichtlich des Kürenbergers zu den gewagtesten Hypothesen führte und einige ansprechende Liedchen mir als unnatürliche Zerrbilder erscheinen liess, weckte Zweifel und Bedenken, die sich schliesslich als siegreich erwiesen. Die zweite Schrift, die ich zu erwähnen habe, berührte meine Aufgabe noch näher: Burdachs Untersuchungen über Reinmar und Walther. Hier wurde auf der erweiterten wissenschaftlichen Grundlage eine neue Anschauung von Walthers Kunstentwickelung vorgetragen, die ich, wie ich schon öfters Gelegenheit gehabt habe auszusprechen, im wesentlichen für gelungen erachte.

Bonn 9. Oktober 1882.
W. Wilmanns.

INHALTSWERZEICHNIS.

Seite Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . v. Einleitung. Die Handschriften 1. Sammlung BC 3. AC 9. CE 13. Verlorne Sammlungen 15. Zuverlässigkeit der Überlieferung 17.

Die Sprache 20. Elision und Hiatus 20. – Apokope und Synkope 21; nach kurzer Stammsilbe 22; nach langer Stammsilbe 27; in Puris 33; nach Ableitungssilben 33; in Ableitungssilben 35; in Vorsilben 38. – Inklination 39. – Synalöphe 41. – Einzelne Bemerkungen 41.

Die metrische Form. Betonung und Ictus 44. – Metrum 45; Senkung fehlt 46; zweisilbige Senkung 47; Daktylen 48; Auftakt 49. – Umfang der Verse, Binnenreime und Cäsuren 55. – Strophe. Wiederkehrende Formen 57. Bau der Strophe 59. Strophenzahl 61. – Reim und Reimkünste 62.

Stil 63. Lebendigkeit und Unmittelbarkeit. Anrede 64; Beteuerung 65; Rhetorische Frage, Revocatio, Aposiopese, Parenthese, kurze direkte Rede 66; Schein der Objektivität 68. – Nachdruck und Fülle des Ausdrucks. Betonung 69; Epitheton ornans 71; Parallelismus 71 (Satzglieder 71; Sätze 74; anaphorische Wiederholung 75); Antithetischer Parallelismus 77 (Satzglieder 77; Sätze 79; Wiederholung 80; Position und Negation 82); Antithese ohne Parallelismus 83; Wiederholung desselben Wortes oder Wortstammes 83). – Anschaulichkeit. Konkrete Einzelzüge 87. Umschreibung von Namen 88. Zerlegung der Persönlichkeit 89. Personifikation 89. Bilder und Vergleiche 90. Klangeffekte 96. – Anfang und Schluss 96. – Walther als Musiker 99.

Text (Lachm. 8–125) . . . . . . . . . . . . . . . 101. 1. Anhang, Lieder und Strophen, die Lachmann in die Anmer

kungen und in die Einleitung gesetzt hat .

2. Anhang

Versuch einer chronol

verschiedenen Ausgaben . . . . Verzeichnis der Lieder und Sprüche

Register

Berichtigungen .

ogischen Gruppierung der Lieder Verzeichnis der wesentlicheren Abweichungen in den Texten der

nach ihren Anfängen

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E IN LEITUNG.

Die Handschriften.

Unter den Hss., in denen Walthersche Lieder überliefert sind, haben die Pariser Hs. C, die Heidelberger A, die Weingartner B und die Würzburger E hervorragende Bedeutung. Q/ Die Pariser Hs. ist die reichhaltigste und berühmteste. Als sie im 16 Jahrh. den Gelehrten bekannt wurde, war sie im Besitz eines Freiherren Hans Philipp von Hohensax, dessen Stammschloss Forsteck im Rheinthal oberhalb des Bodensees gelegen ist. Von dort kam sie durch Frehers

- Vermittelung im Jahre 1607 in die Bibliothek des Kurfürsten Friedrichs IV

von der Pfalz, und als dann 1622 nach der Eroberung von Heidelberg die kostbare pfalzgräfliche Bibliothek zerstreut wurde, gelangte sie, wir wissen nicht auf welchen Wegen, in die königliche Bibliothek zu Paris. Zu wiederholten Malen hat man versucht, die Hs. nach Deutschland zurück zu bekommen, aber vergeblich.” Die Hs. ist prächtig ausgestattet; 137 Bilder, welche die Dichter und ihre Wappen darstellen, gereichen ihr zum besondern Schmuck.” Sie besteht jetzt aus 426 Pergament-Folio-Blättern; auf fol. 4" 5" 5" steht ein altes Dichterverzeichnis, dann folgt der Text in zwei Kolumnen geschrieben. Die Strophen der Töne sind abgesetzt und der Anfang derselben, abwechselnd nach den Tönen, durch blaue und rote Buchstaben bezeichnet. Die Reimzeilen sind, wie das in alten Hss. gewöhnlich ist, nicht abgesetzt, sondern nur durch Punkte, in einigen Teilen auch durch Striche

1) Über die Geschichte der Hs. s. Bodmer, Minnesinger 1, XV f. HMS. 4, 895 f. Die Bezeichnung “Manessische Sammlung stammt von Bodmer, ist aber nicht genügend begründet; s. Bodmer 1, XIII. HMS. 4, 627. Uhland 5, 273. Lachmann S. VII Anm. Pfeiffer, die Weingartner Liederhs. p. XI Anm. – Über die Bremer Abschrift aus Goldasts Nachlass s. Benecke, Beyträge zur Kenntniss der Altdeutschen Sprache und Litteratur. Göttingen 1810. – Versuche die Pariser Hs. für Deutschland zu gewinnen: MSH. 1, XV. J. Grimm, Monatsberichte 1845. 3 Apr. S. 109 f. (Kl. Schr. 5, 359f). Dass die Hs. von den Franzosen geraubt sei, ist eine weit verbreitete aber unbegründete Ansicht.

2) HMS. Bd. 5, a. u. d. T. Bildersaal altdeutscher Dichter, Bildnisse, Wappen etc. Berlin 1856–61. Rahn, Anzeiger für Schweizerische Alterthumskunde, Zürich 1877. Nr. 3, p. 774–781. Mathieu, Minnesänger aus den Zeiten der Hohenstaufen. Facsimile der Pariser Hs. Paris 1850.

Wilmanns, Walther v. d. Vogelweide. 1

bezeichnet. Nicht alles ist von derselben Hand geschrieben; die Lieder

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