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rer Schlussfolgen zu würdigen. In allen diesen Punkten wünschen wir uns auch der schärfsten Prüfung nicht zu entziehen.

Einen ähnlichen Zweifel hegte ich für einige Zeit in Betreff der zu wählenden Erzählungsform - ob ein vollständiger und regelmässig geordneter Bericht über jeden Gegenstand, einen nach dem andern, vorzuziehen sei, wie in den Werken Pococke's und Niebuhrs, oder ein eigentliches Tagebuch, wie die Maundrells und Burckhardts. Ich wählte letzteres aus ähnlichem Grunde, wie die bereits angeführten, nämlich weil auf diese Weise der Leser besser im Stande sein wird, den Gang der Untersuchung und Ueberzeugung in des Reisenden eignem Gemüthe zu verfolgen. – Jedoch hängt dieser Form nothwendig der Uebelstand an, dass Bemerkungen über ein und denselben Gegenstand zuweilen an verschiedenen Stellen zerstreut sind, anstatt als Theile Eines Ganzen zusammen zu stehen. So hat, was den heutigen Horeb als den wahrscheinlichen Ort der mosaischen Gesetzgebung betrifft, die Anordnung nach der Zeitfolge mich veranlasst, zuerst von ihm zu sprechen, als er bei unsrer Annäherung sich uns zeigte; dann wieder, als wir die Ebne massen und die Compassrichtungen der Berge umher aufnahmen; und dann noch einmal, als wir den Gipfel desselben erstiegen. Ebenso sind bei Beit Jibrîn, dem alten Eleutheropolis, das wir zu zwei verschiednen Malen untersuchten, verschiedne darauf bezügliche Gegenstände besprochen, wie sie sich beim jedesmaligen Besuche natürlich darboten. Dennoch scheint es mir, als sei diese Unbequemlichkeit nicht gross genug, um die allgemeinen Vortheile der Tagebuchform aufzuwiegen.

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Eine andre wichtigere Aenderung des ursprünglichen Planes entstand während der Ausarbeitung des Werkes selbst. Diese hat nicht allein den Umfang bedeutend vergrössert, sondern auch die Mühe der Arbeit mehr als vervierfacht. Ich meine die Einführung geschichtlicher Erläuterungen und die Erörterung verschiedner auf die historische Topographie des heiligen Landes bezüglicher Punkte. Meine erste Absicht war nur zu beschreiben, was wir gesehn, und dem Leser die Anwendung der Thatsachen selbst zu überlassen. Aber im Verlauf meiner Arbeit erhoben sich unaufhörlich Fragen, die ich nicht umgehen konnte, wenn ich mir selbst genügen wollte. Dies führte bisweilen zu langen Untersuchungen, und wo mich diese zu einem genügenden Resultate leiteten, schien es fast eine Pflicht gegen den Leser zu sein, sie dem Werke einzuverleiben. Meist waren es Gegenstände, die sich auf die Topographie der Bibel bezogen, und eng verwandt mit ihrer Auslegung, auch oft solche, die noch nie von Einem, der selbst das heilige Land besucht, erörtert worden waren.

Ein Zweig dieser historischen Untersuchungen, den ich der weiteren Beachtung künftiger Geographen und Reisenden zu empfehlen mich gedrongen fühle, bietet ein vergleichsweise noch ganz unbetretenes Feld dar. Ich meine die Masse von geschichtlicher Tradition, die seit lange dem heiligen Lande von fremden Geistlichen und Mönchen gleichsam angeheftet ist, im Gegensatz zu der gewöhnlichen Ueberlieferung oder Aufbewahrung alter Namen unter der eingebornen Bevölkerung. Die allgemeine Ansicht, von welcher ich dabei ausgegangen, und die Grundsätze, nach denen wir bei unsren Untersuchungen verfuhren, sind zu Anfang des siebenten Abschnittes zur Gnüge dargelegt,

Diese Ansicht ist in den folgenden Theilen des Werkes stillschweigend durchgeführt und in den meisten Fällen der Versuch gemacht worden, zu zeigen, nicht nur was Wahrheit ist, und was nur legendenhafte Ueberlieferung, sondern auch wie weit die letztre zurückgeht.

In der Geschichte der ausländischen Ueberlieferung sind drei verschiedene Perioden zu unterscheiden, deren Inhalt und Charakter in gewissen Epoche machenden Schriftdocumenten mit ziemlicher Vollständigkeit dargelegt ist. Ich bedaure, dass ich auf diese verschiednen Perioden im Werke selbst nicht überall entschiedener hingewiesen habe. Die erste fällt in das vierte Jahrhundert, ungefähr um das Jahr 333, wo ausländischer Einfluss eben dauernd festen Fuss gefasst, und sich noch nicht bedeutend von der Fluth der eigentlichen Volksüberlieferung getrennt hatte; von dieser Periode haben wir Urkunden im Onomasticon des Eusebius und im Jerusalemer Itinerarium. Die zweite ist das Zeitalter der Kreuzzüge im zwölften und dreizehnten Jahrhundert; ihre Traditionen sind am vollständigsten in dem Werke des Brocardus niedergelegt, um das Jahr 1283 Die dritte Periode fällt in den Anfang des siebzehnten Jahrhunderts, wo das Buch des Quaresmius den ganzen Zustand der Tradition darbietet, wie sie damals in den Klöstern in Umlauf war, die grosse Quelle, aus welcher die meisten europäischen Reisenden ihre Nachrichten geschöpft haben. Wenn man nun diese drei Perioden vergleicht, so ist es interessant, obwohl auch peinlich, wahrzunehmen, wie das Licht der Wahrheit immermehr erblichen und endlich oft ganz in Nacht verloschen ist. Das Onomasticon mit all seinen Mängeln und falschen Hypothesen hat uns doch noch viel der echten Ueberlieferung des :

Volkes angehöriges Material bewahrt, und enthält viele Namen von Orten, die seitdem nie wieder aufgefunden würden, obwohl sie noch jetzt vorhanden sind; während wiederum die wenigen Seiten des Brocardos in topographischer Hinsicht mehr werth sind, als der ungefüge Foliant des Quaresmius. Gewiss ist, dass in der langen Zeit zwischen Eusebius und den Kreuzfahrern viel in der Kirche vergessen ward, was im Volke sich erhielt; und in der folgenden Periode ging dieses Versinken in Vergessenheit kaum weniger raschen Schrittes weiter. Selbst während der letzten beiden Jahrhunderte, fürcht' ich, ist, so weit es an den Klöstern und Reisenden lag, die Sache der biblischen Geographie eben nicht sehr gefördert worden.

Wie sie hier dem Publikum vorliegen, können diese Bände demnach eine geschichtliche Uebersicht der heiligen Geographie von Palästina seit dem neuen Testamente genannt werden, indem bei jedem beschriebenen Orte nachgewiesen wird, wie weit und zu welcher Zeit er bisher bekannt gewesen. Genau lässt sich dies freilich nur auf diejenigen Landestheile anwenden, die wir untersucht haben, was jedoch in gewissem Sinne beinahe das ganze westlich vom Jordan gelegene Palästina begreift..

· Ein Punkt, dem wir besondre Aufmerksamkeit widmeten, war die Rechtschreibung der arabischen Namen, sowohl in arabischer als in römischer Schrift. Was die erstere betrifft, so hatte mein Gefährte, Herr Smith, schon unsre Reise einigermassen vorbereitet, indem er sich die Namen von Oertern in vielen Provinzen und Distrikten,

durch Eingeborne von Erziehung niedergeschrieben, ver· schaffte. Diese Listen wurden nachher aus verschiedenen

Quellen und namentlich auch von ihm selbst beim eignen

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Besuch der Orte bereichert und berichtigt. Die übrigen Namen wurden von ihm nach der Aussprache der Araber mit grosser Vorsicht und nach den Regeln der Sprache niedergeschrieben. Für die Gegend vom Sinai und von Wady Mûsa hatten wir den Vortheil, Burckhardts Orthographie zu benutzen, die wir gewöhnlich, wenn auch nicht immer, richtig fanden. Es ist der Mühe werth zu bemerken, dass Burckhardt bisher fast der einzige fränkische Reisende in diesem Bereich gewesen, der uns arabische Namen mit arabischer Schrift gegeben hat").

Unter diesen Umständen mussten wir nothwendig den Mangel eines regelmässigen Systems der Rechtschreibung für diese Namen, wenn mit lateinischen Lettern geschrieben, sehr empfinden. Kaum die Spur eines festen Systems der Art hat bis jetzt existirt, ausgenommen in speciellen Werken. Der Gegenstand ward vor die allgemeine Versammlung der amerikanischen Mission in Jerusalem gebracht, und nach sorgfältiger Ueberlegung beschlossen, im Allgemeinen das System anzunehmen, das von Pickering für die indianischen Sprachen Amerika's vorgeschlagen worden ?), natürlich mit denjenigen Modificationen, welche für nothwendig gehalten wurden, um es den orientalischen Zungen anzupassen. Zwei Bewegungsgründe bestimmten die Missionare, diesem System den Vorzug zu

1) Die mit arabischen Buchstaben geschriebenen Namen auf Jacotin's grosser Karte von Palästina, so wie die in den Reisen von Scholz, sind so ganz unrichtig, dass sie hier gar nicht in Betracht kommen.

2) Essay on a uniform Orthography for the Indian Languages of North America. By Jolin Pickering. Cambr. N. E. 1818. – Die indianischen Sprachen von Nordamerika und die der Inseln des stillen Meeres, sind meist auf dieses Schreibsystem zurückgeführt worden.

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