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Wenn ich mich getrieben fühle, Ihnen, mein verehrter Freund, dieses Buch zu widmen, so soll das nicht ein Dank blos sein, oder eine Vergeltung gar für die schöne Gabe, mit welcher Sie mich durch die Zueignung Ihrer ,, Anmerkungen zur Ilias“ erfreut haben, sondern vielmehr ein Ausdruck der innigsten Zuneigung und reinsten Verehrung, wie ich sie stets seit vielen Jahren gegen Sie in meinem Herzen gehegt habe, schon lange bevor Sie mich durch Ihre anregende und neue Bahnen eröffnende Beurtheilung meines Commentars zu den horazischen Oden zu persönlichem Danke verpflichtet hatten. Lebhaft stehen mir jene Stunden vor der Seele, wo ich aus Ihrer gründlichen Beobachtung und feinsinnigen Deutung des homerischen Sprachgebrauchs eben so viel Genuss als Belehrung schöpfte; und als Sie später den ganzen Reichthum der mit dem Götterglauben eng verbundenen ethischen Welt Homers entfalteten und uns mit bewährter Meisterschaft einen gleichen Blick in die Theologie des Aeschylos eröffneten, fühlte ich mich eben so ermuthigt als gefördert in dem Anbau eines Gebietes, dem sich meine Gedanken und Studien gleichfalls zugewandt haben und auf welchem sie sich noch immerfort mit Vorliebe bewegen. Als endlich Ihre lateinische Stilistik auf einem der Praxis unserer Gymnasien so recht unmittelbar dienenden Felde in erfreulichster Weise neue Bahn brach, fand ich mich in allen den vornemlichsten Richtungen meines Berufs und in den liebsten Arbeiten meiner Mussestunden durch Sie gehoben, angeregt, gefördert und belohnt. Was aber über und neben dem Allen das Herz mir bewegte, was auch mir Kern und Mittelpunct meiner ganzen schulmännischen Wirksamkeit war, auch darin dürfte ich mich mit Ihnen im schönsten Einklange fühlen und las manches erquickende Zeugniss davon in Schriften und Briefen. Das Alles drängt mich vornemlich Ihnen ein Zeichen meiner Liebe und Verehrung zu geben.

Allerdings mögte es daneben Ihnen auch noch einen Dank aussprechen für die Freude, die Sie mir mit Ihrer Gabe bereitet haben; sie leuchtete mir wie ein heller Strahl in eine dunkle Zeit hinein. Als ich vor jetzt zwei Jahren durch einen Act der herrschenden Gewalt urplötzlich einem Wirkungskreise entrissen ward, der meine ganze Befriedigung war, ging ich getrost und voll guter Zuversicht von dannen: ich hatte ja nichts gethan als was ich jederzeit nicht lassen durfte, wo es gilt die Interessen edler Bildung und Gesittung gegen Ungerechtigkeit und Rohheit zu vertheidigen. Aber der eine Schmerz folgte mir, dass jenes theure Werk classischer Bildung und deutscher Gesinnung, welches wir dort in seltener Einigkeit des Geistes pflegten, nach unzweideutigen Anzeichen allmählich zertrümmert werden sollte. In steigendem Maasse hat sich diese meine Ahnung erfüllt. Freilich nicht mit gewaltthätiger Offenheit, wie sonst, vielmehr mit heimlicher List bemüht man sich an jener alten, gesegneten Bildungsstätte, bald in diesem bald in jenem Fache, wobei man selbst das heiligste Gebiet des religiösen Lebens der Jugend nicht verschont, eine fremde Unterrichtssprache einzuführen, und bricht dabei mit gleicher Absichtlichkeit vom Baume der classischen Bildung ein Stück nach dem andern ab. So wird die Jugend eines edlen Stammes an ihrem besten Gut verkümmert, und wenn auch solch widersinniges Treiben nichts Neues schaffen, wohl aber einen theuern Schatz rauben kann, Unheil und Verwirrung bereitet.

Mitten in jener an Hoffnungen und Täuschungen so reichen Zeit kam mir Ihre theure Gabe. Unter solchen Erfahrungen des Lebens thut der Zuspruch und die Theilnahme entfernter Freunde und Genossen noch ganz besonders wohl; was ich damals dabei empfand, das fühle ich noch heute, aber ich freue mich doppelt dieser liebevollen Widmung, weil ich jenem Zuge Ihres Buchs, der Einheit und Zusammenhang in dem schönsten dichterischen Erzeugnisse zu bewahren und nachzuweisen bemüht ist, mit innigster Ueberzeugung mich anzuschliessen vermag.

Freilich kann dagegen die bunte Lese dieser kleinen, aus wissenschaftlicher Praxis hervorgegangenen Arbeiten kein anderes und tieferes Interesse darbieten, als dass sie ein unmittelbares Lebens - Zeugniss ist aus einer beinahe zwanzigjährigen Lehrerthätigkeit. Gar Vieles, was während dieser Zeit in wissenschaftlicher und practischer Beziehung mich beschäftigte und erfüllte und was ich, einem Bedürfnisse meiner Natur gemäss, zu verarbeiten und auszusprechen mich gedrungen fühlte, hat hier seinen bestimmten Ausdruck gefunden. Die mannichfaltigen Aufgaben der Schule, die hervorragendsten Unterrichtsfächer, die Stellung der Schule zur Kirche, zum Hause, zum öffentlichen Leben, das Alterthum nach seiner sprachlichen und sachlichen Seite, sein Verhältniss zum Christenthum, die aus demselben zu schöpfende geschichtliche Bildung, die Jugend mit ihren Richtungen und Bildungskräften, selbst die Bewegungen der Zeit haben ihren mehr oder minder erheblichen Einfluss auf diese meine Darstellungen geübt und deshalb darin bald eine kürzere bald eine eingehendere Berücksichtigung gefunden. So sind mir alle, auch selbst die zunächst rein wissenschaftlichen, Bestrebungen von dem practischen Interesse meines Lehrerberufs eingegeben oder wenigstens davon geleitet und durchdrungen worden. Selbst da, wo ich einmal den Bau der philologischen Wissenschaft in den allgemeinsten und äusserlichsten Umrissen zu zeichnen versucht habe, lag dennoch der Gedanke an die dadurch zu gewinnende lebendige Einheit ihrer Seiten und Theile und die fruchtbare Einwirkung auf unsere ins Alterthum einzuführende Jugend im Hintergrunde. Ich habe mich darum nicht gescheut, dasjenige auch hier zu einem Ganzen zusammenzu

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stellen, was mich neben oder nach einander in der Erfahrung und Sorge meines Amts bewegt hat, wenn es auch scheinbar so weit von einander absteht, wie die Construction der Philologie von dem Gottesdienste der Gymnasien.

Bisweilen kann es fast scheinen, als wollte die Pflege der Wissenschaft und die Praxis der Jugendbildung weiter aus einander gehen, als rissen sich zwei unzertrennliche Elemente gewaltsam oder feindselig von einander los. Möge solche Scheidung, wenn sie wirklich droht, fern gehalten werden von dem Geiste unseres deutschen Lebens; mögen wir bewahrt bleiben vor allen Spaltungen, die ein gesundes und kräftiges Leben ersticken, eine wahrhafte und tiefere Bildung vernichten. Will mein Buch gern an seinem Theile in dieser Weise vermitteln helfen, um zu verbinden, was innig zusammengehört, und am liebsten von solchem Gesichtspuncte aus beurtheilt werden, so bietet es sich Ihnen um so freudiger als geringe Gabe dar, der Sie den Reichthum der Wissenschaft und das Leben der Praxis mit gleicher Liebe und Begeisterung umfassen und vertreten. Möge Ihnen dazu im vollsten und schönsten Maasse der Segen Gottes bereitet sein!

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