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Gesang des Liedes: „Wer ist der greise Siegesheld" beendete die Feier.

Am 22. März starb der emer. Oberlehrer der Realschule Herr Dr. Robert Hering. Schwere körperliche Leiden hatten ihn genöthigt Ostern 1872 aus seinem Lehramte und von unserer Schule zu scheiden, an welcher er seit ihrer Gründung achtunddreissig Jahre lang mit grösster Treue und voller Hingebung gearbeitet hatte. Diese Leiden trübten auch den kurzen Lebensabend, der ihm noch gegönnt war. Am Nachmittag des 24. März geleiteten ihn Lehrer der Anstalt und Schüler der oberen Klassen zu seiner Ruhestätte, an welcher der Direktor dem gemeinsamen Gefühle der Trauer und Wehmuth um seinen Heimgang Ausdruck gab und alles dessen gedachte, was er zum Wohle der Schule in unermüdlicher treuer Wirksamkeit geschaffen hat. Das Lehrerkollegium ehrte sein Andenken durch einen Nachruf; sein Gedächtnis wird von der Realschule allezeit in Ehren gehalten werden.

Nicht gering waren die Veränderungen, welche innerhalb des Lehrerkollegiums seit der letzten Berichterstattung vorgekommen sind. Mit dem Schlusse des vorigen Schuljahres schied von uns Herr Oberlehrer Reimer und am Ende des Sommerhalbjahres Herr Oberlehrer Dr. Zimmermann; der erstere war von dem Rathe unserer Stadt zum Direktor der hiesigen ersten Knabenbürgerschule, der zweite zum Direktor der vierten Bürgerschule ernannt worden. Beide Herren hatten längere Zeit an der Realschule mit segensreichem Erfolge gearbeitet und hatten sich durch ihre Pflichttreue und Hingebung an die gemeinsamen Interessen der Anstalt und durch herzliche Kollegialität die Achtung und Zuneigung ihrer Mitarbeiter sowie durch wohlwollende Milde und Freundlichkeit und durch ihre eifrigen Bemühungen um die Fortbildung unserer Schüler deren Liebe und Vertrauen erworben. Mit innigen Segenswünschen begleiteten sie die Kollegen und Schüler in ihre neuen umfangreicheren Wirkungskreise und werden ihnen auch ferner ein dauerndes und ehrendes Andenken bewahren. Weiter traten aus dem Kreise der Lehrer der Anstalt die provisorischen Lehrer Herr Höser und Herr Dr. Gehrt, beide um als Oberlehrer in das Lehrerkollegium der Freiberger Realschule einzutreten, Herr Dr. Kenzler, um eine gleiche Stellung in Leisnig zu übernehmen, ferner Herr Dr. Heinze, welcher behufs seiner weiteren Ausbildung in den neueren Sprachen seine Entlassung nachgesucht hatte, so wie Herr Dr. Goering, der ihn während des vorangegangenen Winterhalbjahres vertreten hatte. Auch diesen Herren brachte der Direktor am 27. März bei der Feier des Schlusses des Schuljahres für ihre wenn auch theilweise nur kurze Zeit der Anstalt gewidmete Thätigkeit den Dank und die besten Wünsche der Schule dar.

In Folge dieser Abgänge wurden vom Rathe die provisorischen Lehrer Leisker und Trebe zu Oberlehrern ernannt und zu provisori

men.

zu.

schen Lehrern Herr Dr. ph. Schroeter*), welcher bereits vorher als Probekandidat an der Anstalt beschäftigt gewesen war, Herr Wilke**), Herr Lempe ***), Herr Dr. phil. Gehlert†) und Herr Kellti). Bei

*) Ich, Franz Martin Schroeter, wurde am 5. Februar 1846 zu Otter- . wisch' bei Grimma geboren. Durch Hauslehrer sorgfältig vorbereitet wurde ich Ostern 1861 unter die Zöglinge der Fürstenschule in Grimma aufgenom

Michaelis 1866 bezog ich die Universität Leipzig, wandte mich zuerst der Theologie, sehr bald aber der Philologie, speciell der Archäologie

Diese Studien setzte ich von 1869 an in Berlin fort, nahm 1870 eine Hauslehrerstelle im südlichen England an und blieb daselbst bis 1872. Zurückgekehrt habe ich noch ein Jahr in Leipzig Philologie studiert. Nach bestandenem Staatsexamen wurde ich Anfang 1874 als Probelehrer, Ostern 1874 als provisorischer Lehrer an der Realschule 1. Ordnung zu Leipzig angestellt.

**) Karl Friedrich Edmund Wilke, geb. am 18. Mai 1846 in Ramsdorf bei Borna, war vom Jahre 1863 bis 1866 Schüler des Seminars zu Borna. Michaelis erfolgte seine Anstellung als Hilfslehrer an der Schule zu Reud-nitz. Vom 1. Juni 1869 bis Ende Oktober 1872 war derselbe als Lehrer in Leipzig thätig. Während dieser Zeit bereitete er sich zum Examen für das höhere Schulamt vor. Nach abgelegtem Examen ernannte ihn das Ministerium des Kultus zum Oberlehrer an der Realschule zu Schneeberg. Rücksicht auf seine Gesundheit nöthigte ihn aber, auf diese Stellung Verzicht zu leisten. Mit einer amerikanischen Familie ging er hierauf als Hauslehrer nach Süddeutschland und Italien. Nach seiner Rückkehr fand er Anstellung an der hiesigen Realschule.

***) Ich, Robert Alexander Lempe, wurde geboren am 4. Juni 1846 zu Strohwalde bei Herrnhut und besuchte nach meiner Konfirmation in sechs aufeinanderfolgenden Jahren das Seminar zu Bautzen, um mich für den Lehrerberuf vorzubereiten. Nach Absolvierung des Schulamtskandidatenexamens wurde ich Ostern 1867 als Hilfslehrer an der Schule zu Seifersdorf und nach Verlauf eines halben Jahres an der Schule zu Ober-Olbersdorf bei Zittau angestellt, welches Amt ich bis zu meinem Abgange vom Schulamte, August 1869, bekleidete, nachdem ich inzwischen noch das Wahlfähigkeitsexamen vor der Prüfungskommission in Bautzen abgelegt hatte. Während meiner beinahe dreijährigen Amtsführung für das Gymnasium vorbereitet bezog ich Mich. 1869 das Gymnasium zu Zittau und verweilte daselbst bis Mich. 1870, um nach Absolvierung des Maturitätsexamens die Universität Leipzig beziehen und daselbst studieren zu können. Dieses Studium vollendete ich innerhalb dreier Jahre mit Ablegung des Examens pro cand. theol. Ostern 1874 und ward bald hierauf zum Lehrer an der Realschule zu Leipzig ernannt.

+) Ernst Otto Gehlert, wurde am 29. Mai 1852 in Gross-Storckwitz bei Pegau geboren und empfing den ersten Unterricht theils in der Dorfschule zu Wiederau, theils durch seinen Vater, den derzeitigen Pfarrer des letztgenannten Ortes. Durch denselben wurde er besonders eingeführt in die Elemente der lateinischen und griechischen Sprache, so dass er Ostern 1867 in die Ober- Tertia des Nikolaigymnasiums zu Leipzig aufgenommen werden konnte. Nach Absolvierung des Maturitätsexamens widmete er sich von Ostern 1870 ab dem Studium der klassischen Philologie auf der Universität zu Leipzig und fand Ostern 1874 eine Anstellung an der dasigen Realschule I. 0. Am 25. Juli dess. Jahres erwarb er sich die philosophische Doktorwürde an der Universität Leipzig und gedenkt sich noch im Laufe dieses Semesters dem mündlichen Staatsexamen für Kandidaten des höheren Schulamts in der 1. Sektion zu unterziehen, nachdem er die schriftliche Prüfung glücklich bestanden hat.

tt) Bruno Kell wurde 1849 zu Plauen geboren, genoss seinen ersten

der Eröffnung des Schuljahres am 15. April wurden sie vor dem versammelten Coetus und Lehrerkollegium von dem Direktor in die ihnen übertragenen Lehrämter eingeführt. Am 25. September verliess jedoch Herr Lempe bereits wieder die Anstalt, um eine Oberlehrerstelle an der Realschule zu Chemnitz zu übernehmen; die hierdurch sowie durch den Abgang des Herrn Dr. Zimmermann erledigten Lehrerstellen wurden den Herren Richter *) und Sparwald**) übertragen; die feierliche Einführung derselben erfolgte am 6. Oktober,

Aber nicht von solchem mannigfachen Wechsel allein wurde das Lehrerkollegium getroffen; noch mehr hatte es schwere Erkrankungen einzelner seiner Mitglieder zu beklagen. Nachdem Herr Oberlehrer Klee bereits während des letzten Viertels des vorangegangenen Schuljahres mehrere Wochen lang durch körperliche Leiden von der Schule fern gehalten worden war, erkrankte bald nach dem Beginne des neuen Schuljahres Herr Oberlehrer Dénervaud. Durch das Wohlwollen des Rathes wurde ihm zur Wiederherstellung seiner Gesundheit ein längerer Urlaub gewährt; aber erst nach dem Anfange des Winterhalbjahres konnte er daran denken den Unterricht an der Anstalt wieder aufzunehmen. Ebenso wurde Herr Oberl. Klee noch zweimal durch Krankheit an der Erfüllung seiner Berufspflichten gehindert; auch ihm ward zum Gebrauche einer Badekur Urlaub ertheilt.

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Unterricht in der ersten Bürgerschule seiner Vaterstadt, besuchte sieben Jahre das dortige Gymnasium und darnach zwei Jahre das hiesige Nikolaigymnasium. Von diesem mit dem Reifezeugnis zur Universität entlassen, studierte er in Leipzig fünf Jahre Philologie und die verwandten Wissenschaften und war, ehe er zum Lehrer an der Realschule 1. 0. hier ernannt wurde, ein halbes Jahr als Lehrer am hiesigen Körnerschen Institut thätig gewesen.

*) Georg Adolf Richter, geboren am 24. December 1848 zu Strehlen bei Dresden, besuchte bis zum 13. Jahre die Schule seines Heimatsortes, von da ab bis zu Ostern 1863 die 1. Klasse der 1. Bürgerschule zu Dresden. Behufs Verwirklichung seines Lebensplanes, Lehrer zu werden, trat er als Zögling in das Seminar zu Dresden-Friedrichstadt ein und frequentierte diese Anstalt bis Ostern 1869. Nach seiner Abiturientenprüfung wurde er als Hilfslehrer in Striessen bei Dresden angestellt; hier blieb er bis zur Wahlfähigkeitsprüfung Ostern 1872. Die erlangten Censuren gaben ihm das Recht, ein Biennium in Leipzig zu studieren; er benutzte die Gelegenheit, um sich namentlich in Geographie, Geschichte, Deutsch, Naturwissenschaften weiter auszubilden. Am 12. Juni 1874 bestand er die Prüfung für Kand. d. höh. Schulamts und trat am 1. Oktober als provisorischer Lehrer an der Realschule 1. 0. zu Leipzig ein.

**) Friedrich Wilhelm Sparwald, geboren am 11. Juli 1841, erhielt seine Bildung auf dem Seminar in Grimma, war von Ostern 1861 bis 1865 Lehrer in Neu-Schönefeld, später in Reudnitz, legte seine Stelle nieder, um sich zur Maturitätsprüfung vorzubereiten, widmete sich dann pädagogischen und theologischen Studien an der Universität Leipzig und war von Ostern 1871 bis Mitte Februar 1874 Lehrer an der vierten Bürgerschule hier. Nachdem derselbe einige Monate in Privatstellung gewesen war, ward er Michaelis 1874 als provis. Lehrer an der Realschule 1. 0. zu Leipzig angestellt.

Während des grösseren Theiles des ersten und der letzten Wochen des zweiten Wintervierteljahres war Herr Oberl. Dr. Opitz durch Erkrankung seiner lehramtlichen Thätigkeit entzogen und während des Februars Herr Oberl. Leisker. Ausserdem waren noch mehrere andere Kollegen wenn auch nur auf kürzere Zeit durch Krankheit genöthigt den Unterricht auszusetzen. In allen diesen Fällen traten die übrigen Lehrer der Anstalt mit grosser, überaus anzuerkennender Bereitwilligkeit stellvertretend für die erkrankten Kollegen ein; in fürsorgender Weise gewährte auch der Rath in dieser Bedrängnis dadurch dankenswerthe Aushilfe, dass er der Anstalt speciell zur Stellvertretung für Herrn Dénervaud den Kandidat des höheren Schulamts Herrn Dr. Kehrbach zuwies, welcher auch das Winterhalbjahr hindurch die von Herrn Dénervaud früher ertheilten Ueberstunden in Va. übernahm.

Zur Aufnahme in die Anstalt waren 185 Schüler für den Ostertermin 1874 angemeldet worden; in den beiden Aufnahmeprüfungen am 5. Februar und 13. April wurden 148 Schüler angenommen, 34 Schüler abgewiesen, 3 Schüler waren vorher zurückgezogen worden. Von den neu aufgenommenen 148 Schülern wurden zugetheilt

1 Schüler der Unter-Prima
3

Unter-Secunda
13

Tertia 10

Quarta 23

Quinta 98

Sexta.

Durch hohe Verordnung vom 15. Mai 1873 hatte das Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts bestimmt, dass von Ostern 1874 an die Secunda in zwei Stufen getheilt und so der früher siebenjährige Kursus der Realschule 1. 0. zu einem achtjährigen erweitert werde. In Folge dessen wurde beim Beginne des neuen Schuljahres eine Ober-Secunda neu errichtet, und die Anzahl der Klassen wuchs auf 21. Das neue Realschulgebäude enthält jedoch nur Raum für höchstens 16 Klassen; es waren daher anderweit Unterrichtslokale für fünf Klassen zu beschaffen. Aushilfe bot wie in den letztverflossenenen Jahren das alte Nikolaischulgebäude. In die Räume desselben siedelten Ostern zunächst drei Klassen (VIC. —) über, welche während des Winterhalbjahres 1873/74 abwechselnd mit den anderen Parallelabtheilungen in den damals noch leer stehenden Lokalen der dritten Bezirksschule ein Unterkommen gefunden hatten, diese aber verlassen mussten, weil die eben genannte Anstalt bei der wachsenden grossen Zahl der ihr zugeführten Schulkinder selbst alle ihre Räume gebrauchte. Michaelis wurden dann noch die beiden Klassen Unter-Secunda A und Tertia B in der alten Nikolaischule untergebracht, so dass diese ,,Filiale“ gegenwärtig selbst

IV C.,

VC.,

eine fünfklassige höhere Lehranstalt ist. Die Vertretung des Direktors in derselben übernahm Herr Oberlehrer Dr. Oertel.

Mit dem Beginne des neuen Schuljahres wurden auch die zur Einführung des stenographischen Unterrichts erforderlichen Einrichtungen getroffen. Derselbe wird fakultativ den Schülern der Prima, Ober- und Unter-Secunda in drei Stunden wöchentlich von Herrn Oberlehrer Dr. Schuster ertheilt.

Die Feier des Geburtstages seiner Majestät des Königs Albert ward am 23. April in festlicher Weise durch einen Aktus begangen. Den Mittelpunkt der Feier, welche der Gesang des ,,Salvum fac regem" vom Sängerchor unter Leitung des Komponisten Herrn Richard Müller eröffnete, bildete die Festrede des Herrn Oberlehrer Thomas. Zum Gegenstande derselben hatte der Redner die „Nibelungen“ Wilhelm Jordans gewählt. 'Von der Bedeutung des Tages ausgehend wies er in der Einleitung darauf hin, wie in der klassischen Periode unsere Poesie ohne Vaterland gewesen sei, wie aber auch nachher, trotz des durch die Freiheitskriege wieder erweckten nationalen Sinnes und der Bestrebungen der Romantiker, der Mangel an Theilnahme, den das deutsche Volk den epischen Dichtungen gegenüber gezeigt, die Poesie abgehalten habe, die von der wissenschaftlichen Forschung aufgefundenen Schätze auszumünzen. Nachdem der Redner das Verdienst Jordans um die Wiederbelebung des nationalen Stoffes gepriesen, zeigte er, dass der Dichter der Sage bis in ihre entlegensten Quellen nachgegangen sei, dass er die verschiedensten im skandinavischen Norden überlieferten Variationen der Sage benutzt und in wahrhaft wunderbarer Weise die unzähligen Einzelheiten zu einem harmonischen Ganzen zusammengefügt habe. Durch die Rückkehr ins germanische Heidenthum stehe Jordan im Gegensatze zu dem mittelalterlichen Nibelungenliede, auch die Situationen, die Charaktere, die Motive hätten durch ihn eine fast gänzliche Umgestaltung erfahren. Wenn der Dichter als ein vollendeter Meister über seinen Stoff erscheine, so verdanke er dies dem Homer abgelauschten Kunstmittel, der Episode, die uns Aufschlüsse über die Personen des Epos, ihre Ahnen oder ihre frühere Geschichte gebe und es uns ermögliche, nur mit dem Gemüte der neu vor uns erstehenden Vorfahren an die alten, unserm modernen Bewusstsein fremden Göttergeschichten zu glauben. Wie in den ausgeführten Charakteren so offenbare sich Jordans Dichterkraft insbesondere in den episch ausgeführten Gleichnissen und Schilderungen aus dem Naturleben, in welchen die deutsche Natur des Dichters ihren edelsten Ausdruck fände.' Redner schloss mit den Kriemhilden in den Mund gelegten wahrhaft prophetischen Worten, mit welchen der Dichter die nahe Machtentfaltung unserer Nation vorhersagte. Hieran reiheten sich Vorträge der Schüler Meyerstein (VIc.): Die Schlacht bei Beaumont“

Humor im Felde“ -), Haupt (Vb.): „Der Landwehrmann“ von Binder, Kind

(IVa): „Frühlingsgruss an das Vaterland“ von Schenkendorf, Schiller

aus

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