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Geliebte! des glaubigen Iüngers Christi hohe Würde, so wie sein theures Vorrecht in der Welt. Habe er denn auch nichts in Handen; so hat er einen Vater, dem die Welt gehört, mit allem was darinnen ist, und diesen darf er bitten um jede, jede Gabe, die ihm mangelt, und weiß voraus, cr bittet nie umsonst, so wahr des Heilandes Wort besteht: „was ihr den Vater bitten wer-, det in meinem Namen, das wird Er euch geben." — Und also dürfen denn noch heute, alle die Christo angehören, des Worts sich trösten: „sorget nichts!" — aber „bitter, bittet; ss wird euch gegeben!"

Und nun, Geliebte! wenn uns einmal die Gnade verliehen ist, daß wir mit jedem Anliegen zu dem Vater im Himmel nahen und jede Bitte Ihm vortragen dürfen; so ist von Gottes Gaben durchaus nicht eine uns verschlossen. Wir dürfen um Alles bitten, und haben nie zu fürchten, daß uns eine Bitte darum abgeschlagen werde, weil wir zu viel verlangten, etwas zu Großes begehrte. Das Allergrößte, warum kein Mensch zu bitten sich hatte erkühnen mögen, wenn's ihm auch hatte in den Sinn kommen können, das Allergrößte, sag' ich, hat Gott aus unbegreiflicher, erbarmungsvoller Liebe, da wir noch fern von Ihm, ja seine Feinde waren, ohn'/' unsre Bitte uns schon geschenkt; namlich seinen einge, bsrnen Sohn, und nun, da wir mit Ihm versöhnt sind, durch den Tod seines Sohnes, nun, da Er uns in Christo zu seinen Kindern angenommen hat, nun sollte x Er seiner Güte Schranken setzen? und Er, der, ungebeten 'von uns, sich's hat das Höchste kosten lassen, Er sollte

unsern

unfern kindlichen und zutrauensvollen Bitten eine Gabe versagen, die Ihm nichts kostet, als das Wort? — So klein, so engherzig von seinem Gott zu denken, ist keinem Christen erlaubt. Wozu vernehmen wir denn den Aufruf Gottes in feinem Wort: „Thue deinen Mund weit aufund laß mich ihn füllen?" (Ps. 81,11.) Werden wir nicht hiermit ausdrücklich aufgefordert, recht viel zu begehren, und auch die größte Bitten vor Gott, als unfern Vater, zu bringen? Diefe Ehre möchte Er ja eben gern von uns allen haben, damit wir Ihn erkennen und preisen lernen, als den Gott, der „reich ist über alle, die Ihn anrufen" und große Dinge thut an feinen armen Menschenkindern, die da in Christo ihre Zuflucht zu Ihm nehmen und ihre Hoffnung auf Ihn gründen. Nie schlagt Er darum feinen Kindern etwas ab, weil sie zu viel von Ihm begehrten; wohl aber kommt es oft, daß Er ihnen einen Wunsch verfagt, weil sie zu wenig verlangen , indem Er Lust zu großen Bitten hat. Darum wird Salomo gelobt, der, als ihm einst von Gott vergönnet ward, sich eine Gnade auszubitten, gleich feinen Mund weit aufthat zu derBitte um ein gehorsames Herz. Und solches Wohlgefallen hatte Gott an diefer großen Bitte, daß Er dem Salomo nicht nur die hier von Ihm erbetene Gnade schenkte, sondern ihm, als Zugabe, auch die nicht erbetenen zeitlichen Güter verlieh (1 Kön. s, S. ff). Daß wir nun aber auch weic unfern Mund aufthun, und von dem Vater im Himmel, im Namen Iefu Christi, auch selbst die höchste Gabe bitten mögen; so haben wir die hohe Verheißung aus des Heilandes ei

Hauspsstille A,M. I genen genen Munde: „der Vater im Himmel werde den heiligen Geist geben, denen, die ihn darum bitten." ( Luc. 11, is.) Was können wir aber Höheres begehren, als daß der heilige Geist in unfern Herzen wohne, und daß wir demnach „Tempel Gottes" jenen? — wieder Apostel spricht: „wisset ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seyd, und der Geist Gottes in euch wohnet?" < i Cor. s, 16.) Da muß ja das Reich Gottes inwendig in uns feyn, das da ist „Gerechtigkeit und Friede und Freude in dem heiligen Geist" (Röm. 14,17.), und welcher Iünger Christi wüßte sich etwas Höheres nur zu denken? Wohlan, Geliebte! es ist für keinen zu hoch, der darum bitten kann, und der Vater im Himmel mag. nichts lieber geben als den heiligen Geist, allen denen, die Ihn darum bitten. Und wenn Er diese seine höchste Gabe gern unfern armen, doch glaubigen Bitten gewahrt, wie follte Er die geringern Güter uns versagen, so wir Ihn kindlich darum bitten! Darum spricht unser Heiland auch (Marc. 11, S4.): „Alles, was ihr bittet in eurem Gebet, glaubet nur, daß ihr's empfangen werdet; so wirds euch werden." So mögen wir denn auch mit solchem Glauben, um jede zeitliche Gabe, in sicherer Zuversicht der Erhörung, beten. Denn so wie solcher Glaube ein Werk des heiligen Geistes ist; so ist es auch der heilige Geist, der Christi Iünger zu solchen Bitten treibt, und da dürfen sie denn nimmer fürchten, eine Fehlbitte zu thun; fondern, nach ihrem Glauben wird ihnen gegeben von dem Vater, zu welchem sie im Namen Jesu Christi mit solcher Bitte nahen. Sollte in

deß, deß, was euch wohl selbst dem redlichen Junger des Herrn begegnen kann, bey solchen zeitlichen Bitten die Glaubenszuversicht der Erhörung fehlen; so mögen fie darum doch dergleichen Wünsche auch vor den Vater im Himmel bringen, doch aber mit dem Sinne der Ergebung, mit welchem einst der Heiland selber betete: „Nicht, wie ich will; sondern wie du willst," ivobey sie zuversichtlich glauben dürfen, daß ihnen der Vater geben werde überschwanglich mehr, als sie bitten und verstehen.

Und so hat jeden Falls das herzliche Gebet der Glaubigen eine große Kraft, und sie mögen damit -5 besonders wenn sie anhalten, und, durch Verzug der Erhöenng, sich nicht laß machen lassen (Luc. 18, l.) — gar große, machtige Hülfe und überschwangltchen Segen von oben auf sich hernieder ziehn.

So können sie aber auch, mit ihrem glaubigen Gebet, ihren Mitmenschen nützen, und ihnen, auf die leichteste Weise, die größten und wichtigsten Dienste leisten, weßhalb denn auch die christliche Fürbitte allen denen, die sich der Gnade rühmen dürfen, de n Vater im Himmel mit ihren Bitten bewegen zu können, im Worte Gottes eingescharft wird. „So «mahne ich nmr, spricht daher derApostel(lTim.s, 1.), daßman ver allenvingen thue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen." Was hatte es aber mit dieser heilig gebotene« Pflicht der Fürbitte zu bedeuten, wenn die Vnhechung: „was ihr den Vater bitten werdet in meinem Namen, das wird er euch geben — bittet, ss werde« ihr. nehmen,^ nicht darauf auch bezogen werden dürfte? Wir

Js haben haben aber auch Erempel in der Schrift, daß Gott der herzlichen und glaubigen Fürbitte Erhörung schenkte. So ward einst Petrus, durch Fürbitte der Gemeinde, aus dem Kerker errettet (Ap. Gesch. is.), noch anderer Erempel von der Kraft der ernstlichen und glaubigen Fürbitte hier nicht zu gedenken. — Wie aber, meine Geliebten! sollten denn nun Iünger Christi ihr hohes Vorrecht, beten zu dürfen, und mit ihren armen Bitten den Allmachtigen bewegen zu können, nicht auch für Andere nutzen? Ist's denn umsonst, daß so die Hülfe und der Segen, den ihre Brüder bedürfen, gleichsam in ihre Hande gegeben ist? Mag es daenm doch seyn, daß wir selbst die oder jene Noth des Nachsten entweder zu erleichtern, oder gar von ihnen zu nehmen, zu schwach und unvermögend sind; doch bleibt uns, wenn wir Christum haben, und durch Ihn Zugang zu dem Vater finden, ein sehr großer Dienst, dadurch wir Andern können' zum Segen werden, — nämlich unsre Fürbitte, die ja Gott selbst in seinem Wort als heilige Liebespflicht gebietet. Darum, ihr Vater und Mütter! wenn ihr verzagen müßt, die euch von Gott geschenkten Kinder zu bewahren, wenn alle eure Vorsicht und Achtsamkeit nicht ihre Herzen vor dem Argen und vor dem Gifte der Verführung schützen kann, wenn ihr mit aller eurer Zucht nicht ihren Sinn zu brechen und auf das Gute zu lenken vermögt, wenn eure besten Ermahnungen ohne Wirkung bleiben, und an dem jugendlichen Leichtsinn scheitern; wohlan! so werdet daenm doch nicht laß und müde in der euch heilig befohlenm Vater- und Muttersorge; aberbem, betet für eure Rinder noch

ange

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