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Seele das Herz nicht haben werde, die theure Gnadenverheißung in dem Motte des Herrn sich glaubig an« zueignen. Er hat vorher gesehen, wie da der Zweifel kommen werde: gehört das auch für dich? — Wenn es nun aber einer solchen Seele von einem Bothen des Herrn in göttlichem Auftrage versichert wird: „weil dein Sinn also ist — weil deine Schuld dich beugt, — weil du in Christo nur Vergebung und Errettung suchest, — weil du hinfort nur Christo leben willst; — so kommt dir auch sein ganzes Verdienst zu gut; so hast du volle Vergebung deiner Schuld und bist in Christo schon ge« recht vor Gott;" — so hat eine solche Seele keine Ur» fache mehr, die ihr verkündigte Gnade und Vergebung zu bezweifeln, und es würde ein strafbarer Unglaube seyn, wenn sie die so versicherte und im Namen des Herrn verkündigte Gnade in Zweifel ziehen wollte. — Preiswürdige Gnade! die für die blöden Seelen so liebend Sorge getragen, daß sie der unnützen Kümmerniß enthoben, — des Herrn, der sie geliebt und ihre Schuld bezahlt, sich kindlich freuen und Ihn dafür von Herzen lieb haben mögen! —

Nun aber geht die Geschichte des heutigen Evangeliums s Tage weiter hinaus, und da kommen wir Ii.) auf einen abermaligen Besuch des Auferstandenen, den iör den in Jerusalem versammelten Jüngern machte. Sein Umgang mit den Semen war namlich nunmehr anders als zuvor. Hatten diese in den Tagen sei- ^ ner Niedrigkeit Ihn immer Hey sich gehabt; so kam Er

jetzt

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jetzt nur gleichsam aufBesuch zu ihnen, trat alsdann unerwartet bey ihnen ein, und schwand dann wieder vor ihnen, wenn Er für seine jedesmalige Absicht das Seine ausgerichtet hatte. So ging's die 40 Tage nach seiner Auferstehung, bis Er denn endlich, in Gegenwatt der Jünger, gen Himmel erhoben und so dem irdischen Anblick für immer entzogen ward. — So geschah es nun, am 8ten Tage nach seiner Auferstehung, daß Er wiederum, als sämmtliche Iünger bey einander waren, und Thomas, der das erste Mal fehlte, auch zugegen war, in ihre Mitte eintrat. Wir erinnern uns, daß Thomas einer der zwölfen war, die jenes Hauflein der enger mit dem Herrn verbundene n Jünger bildeten. Daß er sich vor s Tagen nicht unter der Iüngergchllschaft mit befand, das that ihm Schaden, und da möchten wir denn wohl einen Wink bekommen, daß wir uns ja nicht von der Kirchengemeinschaft eigenwillig trennen, oder aus nichtigen Urfachen die gemeinschaftliche Erbauung versäumen mögen. Man kann sich da, wenn man auch nur in Einem Falle der Trägheit nqchgiebt, oder dem Leichtsinn folgt, fehr viel verschlagen. Das mußte auch Thomas erfahren, — wiewohl wir keimsweges berechtigt sind, sein Außenbleiben uns so zu deuten, als ware sein Herz nicht mit den übrigenJüngee n einig gewesen. Er hielt sich vielmehr immer noch zu ihnen, und daß ihn diese als einen lieben ,Mitjünger erkannten, beweist wohl ihre Freude, mit welcher sie ihm verkündigten: „Wir haben den Herrn gesehen!" — Sie meynten nun wohl mit diese n Worten dem Thomas eine große Freude

zu zu verkündigen. Und dieser hatte sich auch wohl gern mit seinen Mitjüngern gefreuet, wenn er die große Freudenbothschaft nur hatte glauben können. Indeß muß dieser Jünger darum ja nicht für einen solchen Unglaubigen gehalten werden, dergleichen etwa die Pharisaer, so wie der große Haufe der Iuden waren, und wie es heute zu

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das, was ihnen zu glauben vorgehalten wird, zuwider ist, — es stoßt wider ihren Sinn, und so suchen sie mit Vorsatz alles auf, um nur nicht glauben zu dürfen. So war's bey Thomas nicht. Der wünschte vielmehr von Herzen, es möge, was ihm da von Iesu neuem Leben verkündigt wurde, die Wahrheit seyn; nur war die Sache ihm so groß und wunderbar.

bloßen Bericht der Iünger, obschon dies, Augenzeugen sprachen, noch nicht begnügen konnte, ging dem Thomas hier, wie es noch jetzt wohl Manchem geht, dem eine besonders große und unerwartete Freude verkündigt wird, der aber, je größer die verkündigte Freude ist, um desto starkere Gründe verlangt, daß kei, und der verkündigten Bothschaft

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eben auch nicht sogleich glauben kom Joseph lebe und Herr im Lande Egypten sey. Und auf ahnliche Weise haben wir uns des Thomas Unglauben bey der Nachricht zu erklaren, die ihm die andern Iünger hier von Jesu Auferstehung gaben. — Kurz — wenn eigentlichen Unglaubigen der Inhalt unsere Glaubens

Kens zuwider ist; — so wäre dem Thomas nichts erwünschter gewesen, als von der Wahrheit, die ihm so groß erschien, ganz zweifellos überzeugt zu werden. Das konnte er nun aber, in seiner dermaligen Befangenheit, nicht, und so entbehrte er der Freude, die er, gleichwie die übrigen Iünger, hatte genießen können. Da möge man sehen, wie sich der Mensch, und sonderlich der Christ, durch Zweifelsucht und Unglauben an seinem Seelenfrieden schadet und um die beste Freude bringt. Es war noch Gnade vom Herrn, daß Thomas endlich — freilich unter allen Jüngern zuletzt — sich von der gro« ßen Wahrheit, die feinem Herzen so unaussprechlich viel eintrug, fest überzeugen lernte.

Nämlich am «ten Tage nach jener ersten Erscheinung, trat der Herr abermal, und eben so unvermuthet als das erste Mal, unter die Versammlung seiner Geliebten, worunter sich dies Mal auch Thomas befand. Hold und freundlich grüßt' Er sie abermal, wie Er's bey seiner ersten Erscheinung gethan, wandte nun aber sich an den Thomas insbesondere und sagte, zu ihm: „Reiche deine Finger her ^nd siehe meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite. Und sey nicht ungläubig; sondern gläubig!" — Da hatte Thomas nun das Zeichen, was er verlangt, indem er zu den Jüngern gesprochen: „lös sey denn, daß ich in seinm Händen sehe die Nägelmaale und lege meine Finger in die Nägelmaale, und lege meine Hand in seine Seite, will ich es nicht glauben." — Ia noch mehr; der Herr bewies mit seiner Rede, daß Er des Iüngers Worte Wisse, obschon Er sichtbar nicht zugegen gewesen war. Nun hatte Thomas keinen Grund, noch weiter Zweifel zu hegen, und heftig ergriffen brach er jetzt in den Aus. rufauH: „Mein Herr! und mein Gore!" — Wenn schwerglaubige, aber dabey redliche Seelen einmal zum Glauben gelangen; so pflegt ihre Ueberzeugung auch de« sto stärker und lebendiger zu seyn. So war es hier bey Thomas. Was noch kein Iünger zu dem Herrn gesagt, das spricht hier dieser Iünger mit fester Entschiedenheit aus. Er nennt den Auferstandenen seinen Herrn und seinen Gott, — ein erstaunliches Wort, das uns be« weist, wie schnell der noch vor kurzem unglaubige und mit Zweifeln kämpfende Iünger in einen Mann voll hohen Glaubens verwandelt war. — So kann's auch heute noch wohl geschehen, daß einer lange Zeit in Unentschiedenst schwankt. — Den wolle man denn, nur ja nicht gleich mit denen zusammenwerfen, die sich, weil sie nicht glauben mögen, muthwillig Zweifel machen. Zeigt nur der jetzt noch Unentschiedene einen redlichen, Sinn, und muß man ihn, wenn auch für einen Zweifler, doch aber für einen redlichen Zweifler erkennen; so habe man doch ja Geduld mit ihm, stehe ihm gern zu Rede, besonders aber bete man fur ihn, und statt des vielen, am Ende doch eitlen Streitens und Disputirens, trachte man nur, die gute Sache des Christenglaubens durch heiligen Christenwandel zn erweisen, und hoffe im Uebrigen auf die Gnade, .die da noch heute einen unglaubigen Thomas in einen Iünger voll hohen kraftigen Glaubens verwandeln kann. „Verderbe es nicht, es

Hauspsstille Z. «d. B ist

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