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der hat eitel Lust daran. Wohlan, Geliebte! so achtet denn auch ihr, so oft ihr draußen auf eurem Felde seyd, umgeben von den Werken des Herrn, als lauter Denk« maalen seiner Schöpfermacht und seiner weisheitsvollen göttlichen Güte, achtet mit Fleiß auf diese Werke des Herrn, und vernehmt in euren Herzen die Predigt der Natur von eures Schöpfers Macht und Herrlichkeit. Und wollt ihr eine besondere Freude an dieser Betrachtung der herrlichen Schöpfungswerke haben; so merkt, wie wunderbar Natur und Schrift, als Offenbarungen Gottes, zusammen stimmen, so daß sich die Erscheinungen im Reiche der Natur, als Bilder und Gleichnisse höherer, uns von der Schrift offenbarter Heilswahrheiten betrachten lassen. Darum pflegte auch der Heiland seine erhabene Lehre, das Reich Gottes betreffend, in Gleichnisse einzukleiden, die von natürlichen Dingen hergenommen waren, was uns denn eben auch ein Wink seyn , muß, die Schöpfungswunder von der Seite zu betrachten, da sie uns als Bilder und Gleichnisse höherer Gnadenwunder an menschlichen Seelen erscheinen. Von dieser Seite möchte ich nun auch heute und in der gegenwartigen Andachtsstunde, die jetzt von Neuem herbeygekommene Frühlingszeit, in christlichem Lichte euch zur Betrachtung vorstellen, und euch belehren, wie Gott sich uns, als Christen, in gegenwartiger Frühlingszeit zu erkennen gebe.

Text:

Ap. Gesch. 17, 27. »Daß sie den Herrn suchen sollten, ob sie doch Ihn fühlen und finden möchten.

L s Und Und zwar Lr ist nicht fern von einem Jeglichen unter uns."

Der heilige Apostel, Geliebte in dem Herrn! ermahnt in den hier vorgelesenen Textesworten, Gott zu suchen, und thut das mit dem Beyfügen, Er sey nicht fern von einem Ieglichen unter uns. Unbedenklich dürfen wir diese Worte insonderheit auch auf die jetzt von Neuem herbeygekommene freundliche Iahreszeit deuten, in welcher Gott, nach einem langen traurigen Winter, von Neuem seine Herrlichkeit im prachtvollen Frühlingskleide der Natur vor unsern Augen ausgebreitet hat. Wenn denn nun aber die Frage ist:

«Wie haben wir den Herrn in gegenwär» »tiger Frühlingszeit zu suchen?"

so wird sich unsere Betrachtung sonderlich auf folgende

4 Stücke zu lenken haben:

1.) auf das emeuete Leben der Natur — s.) auf die belebende Sonnenwärme — S.) auf den befruchtenden Regen — und 4.) auf

>' die Abwechselung von heitern und trüben Tagen.

Um also Gott zu finden in der jetzigen Frühlingszeit, laßt uns Ihn suchen

in dem erneueren Leben der Natur. Wenn wir, Geliebte! uns jetzt hinaus ins Freye begeben, wie finden wir da Alles so ganz anders, als es im Winter war. Die noch vor Kurzem abgestorbenen

BäuBaume, mit ihren kahlen Aesten; sie stehen da mit frischem Laub geziert und in dem prachtvollsten Blüthenschmuck. Das noch vor Kurzem starre Erdreich hat jetzt aus seinem Schooße allerley Gewächs, und Blumen in dem lieblichsten Farbenspiel hervorgebracht, und statt der weißen Winterdecke, die auf den Feldern lag, hat diese jetzt das lieblichste Grün bedeckt. — Kurz Alles ist neu geworden, die Natur ist aus dem Tode erwacht, und neues Leben sehen wir auf den Feldee n und hören wir in den Lüften, wo tausendfache Stimmen des luftigen Sangerchores die neuerwachte Natur begrüßen. Wunderbare Veränderung! — Ist sie von selbst entstanden? » Aber wie sollte sich das Todte selbst beleben? Hinweg mit diesem Gedanken, der eben so unvernünftig ware, als er dem deutlichen Zeugniß Gottes in seinem Worte widerspricht. Nur der Allmachtige, Er, der die Ursache alles Lebens ist, kann aus dem Tode das Leben rufen. Und sein Wort fagt uns: „Lr spricht: so zerschmelzet es. Er läßt seinen wind wehen: so chauet's auf" (Ps. 147, 18.); und fo erneuert Er allmächtig, — wie wir anderwärts lefen — die Gestalt der iLrde (Ps. 104, 30.). Darum sind es lauter Denkmaale und Zeugen des noch lebenden und waltenden Gottes , die euch, Geliebte! begegnen und umgeben, wenn ihr euch jetzt hinaus ins freye Feld, oder auch in eure Garten begebt, und jeder aufsprossende Halm des Feldes, und jede sich entfaltende Blume, — sie verkündigen uns die Ehre des Allmachtigen, der immer noch lebt und fortfahrt alles neu zu machen, und aus dem Tode neuls Leben zu rufen.

WieGott nun aber imReiche der Natur sich wirksam zeigt; so auch im Reiche der Gnade. Auch da ist fem Wort kräftig zu erneuen, und aus dem Tode das Leben hervorzurufen. Die todte Natur im Winter, da das Erdreich, starrend vor Frost, keinen Lebenskeim hervorsprossen laßt — sie ist ein Bild und Gleichniß von dem geistlichen Tode, in welchem die Seele des unerleuchteten, unwiedergebornen Menschen liegt. — Ein kahler Baum mit seinen bereiften Zweigen, wie er zur Winterszeit sich unserm Blick darstellt — seht da! e''? treffendes Bild des Menschen, der noch von Gott entfremdet ist, und dessen Herz die Sünde besitzt. Er kann in diesem Zustand eben so wenig Früchte der Gerechtigkeit bringen, als ein Baum zur Winterszeit seine Frucht hervorbringen kann. Der Lebenstrieb fehlt ihm, und fo fehlt auch dem unerleuchteten und unbekehrten Menschen der geistliche Lebenstrieb, daß darum freilich seine Seele eben so erstorben als der mit sorgsamer H<md gepfianzte edle Baum zur Zeit des Winters ist. O Sünder! soll es denn immer so bey dir bleiben? soll denn Key dir kein Frühling kommen , da deine Seele aus dem Tode erwache? Ach! siehe, wie mahnt dich jetzt von Neuem ein jeder ausgeschlagene, in Blüthenschmuck vor deinen Augen prangende Baum, daß du doch in dich gehest und daran denkest, wie du nicht langer als ein erstorbener, kahler Baum den Gatten des Here n beschimpfen, vielmehr ihn zieren mögest, durch frische liebliche Blüchen, daß Engel sich deines Anblicks freuen, und Menschen preisen den Heren, der solche Dinge thut, undjodte Sünderseelen mit höherem

rem himmlischem Leben erfüllt. Bleibst du aber, was du bisher gewesen, bleibst du ein dürrer, erstorbener Baum; dann wird auch wahrlich! an dir das Wort des himmlischen Gärtners in Erfüllung gehen: „Em jeglicher Baum, der nicht gme Früchte bringet, wird abgehauen und ins Feuer geworfen." (Match. 7,19.)

So, meine Geliebten! so werden wir, in jetziger Frühlingszeit, durch den sichtbaren Anblick der Natur ins unsichtbare Reich der Gnade übergeführt. Gott kann die sichtbare Natur erneuen, — das sehen wir — Er kann auch unser Inneres erneuen, — das glauben wir, wie denn sein Wort uns sagt: „Es soll von meinem Angesichte ein Geist wehen, und will Odem machen" (Jes.s?, is.). Wo Tod ist, kann Er Leben schaffen, das predigt die Natur, — und daß Er geistlich Tödte lebendig mache, versichert uns sein Wort. ( Eph. 2,15.) O daß sein Wort uns heilig scy! laßt es uns annehmen, nicht als Menschenwort, sondern als das ewig wahre Wort, von dem der Heiland sagt: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht" (Luc. 21,33.); dann wird, durch dieses Wortes Kraft, auch unsere Seele zum neuen Leben erwachen, wie die Natur zur Frühlingszeit, dann werden die dHrren Pflanzen gedeihlich aufsprossen und wachsen, und die unfruchtbaren, erstorbenen Baume, sie werden bald im schönen Blüthenschmucke dastehen, als „Bäume der Gerechtigkeit", die ihre Früchte geben zu rechter Zeit, dem Herrn zum Preise. Dann dürfen wir auch uns eines noch bevorstehenden Frühlings trösten.

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